Augenausfluss – Ausfluss aus dem Auge
Übersicht
Augenausfluss ist eine Flüssigkeit, die aus dem Auge austritt. Sie kann klar und wässrig sein, schleimig oder gelblich-grün und eitrig. Oft verkleben dadurch morgens die Wimpern, oder das Auge tränt über den Tag. Augenausfluss ist meistens ein Zeichen dafür, dass das Auge gereizt oder entzündet ist – zum Beispiel durch eine Bindehautentzündung (eine Entzündung der dünnen Haut, die das Auge von innen bedeckt), durch eine Allergie oder durch einen kleinen Fremdkörper. In den allermeisten Fällen ist die Ursache harmlos und gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- Augenausfluss ist sehr häufig und meistens nicht gefährlich.
- Die Farbe des Sekrets allein sagt nicht sicher, ob eine Infektion mit Bakterien vorliegt – deshalb schaut man am besten genauer hin.
- Viele Fälle heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab.
- Bei starken Schmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung oder einem Unfall gehört das Auge sofort in ärztliche Hände.
- Gründliches Händewaschen schützt Sie und andere vor einer Ansteckung.
Ja, Augenausfluss ist ein sehr häufiger Grund, warum Menschen eine Hausarztpraxis oder eine Augenarztpraxis aufsuchen. Besonders oft betrifft es Kinder, aber auch Erwachsene jeden Alters können ihn bekommen.
Grundsätzlich kann es jede und jeden treffen. Häufig sind Babys und Kleinkinder betroffen, zum Beispiel durch einen noch engen Tränenkanal (der Kanal, der die Tränen in die Nase ableitet). Auch Menschen mit Kontaktlinsen, mit Allergien, mit trockenen Augen oder mit einer Lidrandentzündung (Entzündung des Lidrandes) haben öfter damit zu tun. Bei älteren Menschen spielt häufig eine nachlassende Tränenproduktion oder eine veränderte Lidstellung eine Rolle.
Symptome
- Plötzlicher, deutlicher Verlust des Sehvermögens
- Sehr starke Augenschmerzen, die nicht nachlassen
- Chemikalie, Säure, Lauge oder ein spritzendes Reinigungsmittel ins Auge gelangt (Auge sofort mit klarem Wasser spülen und Notruf 112 wählen)
- Schwere Verletzung des Auges, zum Beispiel durch einen Stich, Schnitt oder Schlag
- Auge stark zugeschwollen, vorgewölbt, mit Fieber und deutlich krankem Allgemeingefühl
- Ein Fremdkörper steckt fest und lässt sich nicht durch Blinzeln oder Spülen lösen
- ⚠Sehverschlechterung, die auch nach dem Abwischen bleibt
- ⚠Starke Lichtempfindlichkeit oder das Gefühl, das Auge nicht öffnen zu können
- ⚠Einseitiger, eitriger Ausfluss, der über mehrere Tage nicht besser wird
- ⚠Ausfluss bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern – Kontaktlinse sofort herausnehmen
- ⚠Fieber bei einem Kind mit geschwollenem, rotem Auge
- ⚠Ausfluss nach einer Augenverletzung oder nach einer Augenoperation
Häufige Symptome
- Verklebte Wimpern, besonders nach dem Schlafen
- Wässriges oder tränendes Auge
- Schleimiges, gelbliches oder grünliches Sekret
- Rötung des Auges oder der Lidränder
- Jucken, Brennen oder ein Fremdkörpergefühl
- Geschwollenes oder verklebtes Lid
- Verschwommenes Sehen, das nach dem Blinzeln oder Abwischen besser wird
- Lichtempfindlichkeit (das Auge reagiert empfindlich auf helles Licht)
Symptome bei Kindern
- Morgens zugeklebte Augen, die sich nur schwer öffnen lassen
- Ständig tränendes Auge, oft nur auf einer Seite
- Das Kind reibt sich häufig die Augen
- Unruhe, Quengeln oder schlechter Schlaf wegen der Beschwerden
- Bei Säuglingen: tränendes Auge ohne starke Rötung, oft durch einen noch engen Tränenkanal
- Begleitende Erkältung mit Schnupfen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Trockene, gereizte Augen mit schleimigem Ausfluss
- Gefühl von Sand im Auge
- Vermehrte Beschwerden bei Wind, Klimaanlage oder Bildschirmarbeit
- Veränderte Lidstellung, durch die Tränen nicht richtig ablaufen
- Häufigere Reizungen nach Augenoperationen oder bei Kontaktlinsen
- Beschwerden treten oft chronisch und in Schüben auf
Ursachen
Hauptursachen
- Virale Bindehautentzündung – die häufigste Ursache; oft zusammen mit einer Erkältung, das Sekret ist meist wässrig
- Bakterielle Bindehautentzündung – das Sekret ist eher zäh und gelblich-grün
- Allergie, zum Beispiel gegen Pollen oder Hausstaub – typisch sind Jucken und wässriger Ausfluss
- Trockene Augen – das Auge produziert zu wenig oder minderwertige Tränenflüssigkeit
- Lidrandentzündung (Entzündung des Lidrandes) – oft mit verklebten Lidrändern am Morgen
- Gerstenkorn oder Hagelkorn (kleine Knötchen am Lid)
- Fremdkörper oder Reizstoffe wie Rauch, Wind, Staub oder Chlorwasser
- Kontaktlinsen, die nicht gut sitzen oder nicht sauber gepflegt werden
- Verengter oder verstopfter Tränenkanal, vor allem bei Säuglingen
- Nach einer Augenoperation oder bei einer Erkältung, die auf das Auge übergreift
Risikofaktoren
- Kontaktlinsen tragen
- Kinder in Kita, Kindergarten oder Schule – dort wird leicht etwas weitergegeben
- Bekannte Allergien oder Heuschnupfen
- Trockene Augen, zum Beispiel durch lange Bildschirmarbeit
- Rauchen oder Aufenthalt in verrauchten Räumen
- Enger Kontakt mit einer Person, die eine Bindehautentzündung hat
- Bestimmte Medikamente, die die Tränenproduktion beeinflussen können
- Lidfehlstellungen oder eine chronische Lidrandentzündung
- Ein geschwächtes Immunsystem
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Sehverschlechterung
- Starke Augenschmerzen oder starke Lichtempfindlichkeit
- Chemikalien oder ein Fremdkörper im Auge
- Ausfluss bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern
- Ein stark gerötetes, geschwollenes Auge mit Fieber, besonders bei Kindern
- Beschwerden nach einer Augenverletzung oder einer Augenoperation
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Der Ausfluss hält länger als ein bis zwei Wochen an oder wird nicht besser
- Das Sekret ist zäh, gelb oder grün und tritt gehäuft auf
- Die Beschwerden kehren immer wieder zurück
- Nur ein Auge ist betroffen und die Beschwerden nehmen zu
- Sie tragen Kontaktlinsen und möchten wissen, wie Sie weitermachen sollen
- Sie sind unsicher, was die Ursache sein könnte
Diagnose
Die Diagnose beginnt meistens mit einem Gespräch: Seit wann besteht der Ausfluss, auf welchem Auge, wie sieht das Sekret aus, gibt es Schmerzen, Allergien, Kontaktlinsen oder eine Erkältung? Danach schaut sich die Ärztin oder der Arzt das Auge von außen und mit einer Lupe oder einem speziellen Mikroskop (Spaltlampe) an. Damit lassen sich Lid, Bindehaut und Hornhaut gut beurteilen. Bei Bedarf wird das Sehvermögen geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest
- Untersuchung mit der Spaltlampe (ein Gerät, mit dem man das Auge vergrößert betrachtet)
- Abstrich vom Sekret, wenn der Verdacht auf eine bakterielle Infektion besteht – das Ergebnis dauert meist einige Tage
- Allergietest bei wiederkehrenden Beschwerden
- Prüfung, ob die Tränenwege frei sind, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern
- Manchmal eine Kontrolle der Hornhaut mit farbigem Augentropfen, um kleine Verletzungen zu sehen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel kurz und schmerzlos. Wenn Augentropfen gegeben werden, kann das Sehen für einige Minuten verschwommen sein. Sie können danach meist sofort wieder nach Hause gehen. Falls ein Abstrich genommen wird, kann es sein, dass Sie erst später eine Rückmeldung bekommen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sehr oft reicht es, das Auge gut zu pflegen und abzuwarten, weil viele Entzündungen von selbst abheilen. Wenn Bakterien im Spiel sind, kann die Ärztin oder der Arzt ein antibiotisches Augentropfen- oder Augensalben-Präparat verordnen. Bei einer Allergie helfen andere Mittel. Wichtig ist: Reiben Sie das Auge nicht, waschen Sie sich häufig die Hände und benutzen Sie eigene Handtücher.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände gründlich mit Seife waschen, bevor und nachdem Sie das Auge berühren
- Verklebte Wimpern mit einem sauberen, feuchten Waschlappen oder einem Einmal-Tuch sanft abwischen – jedes Auge mit einer eigenen Ecke
- Für jedes Auge ein eigenes Tuch verwenden und das Tuch danach wechseln
- Kein Reiben am Auge, auch wenn es juckt
- Kontaktlinsen pausieren und stattdessen eine Brille tragen
- Augen-Make-up vorübergehend weglassen und alte Produkte entsorgen
- Handtücher und Waschlappen nicht mit anderen teilen und regelmäßig wechseln
- Bei trockenen Augen können befeuchtende Augentropfen aus der Apotheke helfen – fragen Sie dort nach einer passenden Lösung
- Kühle oder warme Kompressen können wohltun; warme Kompressen helfen eher bei verklebten Lidrändern
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte behandeln je nach Ursache. Bei einer bakteriellen Infektion kommen meist Augentropfen oder eine Augensalbe mit einem Antibiotikum zum Einsatz – Ihr Arzt oder Ihre Ärztin entscheidet, ob das nötig ist, und wählt das passende Präparat. Bei einer viralen Entzündung helfen vor allem Geduld und sorgfältige Hygiene, weil Antibiotika gegen Viren nicht wirken. Bei einer Allergie können antiallergische Augentropfen oder eine Allergiebehandlung sinnvoll sein. Bei trockenen Augen helfen befeuchtende Präparate und Lidpflege. Bei einer Lidrandentzündung ist regelmäßige Lidrandhygiene ein wichtiger Baustein. Bei Säuglingen mit engem Tränenkanal wird häufig zu einer sanften Massage des Tränenkanals geraten – fragen Sie Ihre Kinderarztpraxis nach der richtigen Technik.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur selten ist ein Eingriff nötig. Zum Beispiel, wenn bei einem Säugling oder Kleinkind der Tränenkanal dauerhaft verengt bleibt und sich die Beschwerden trotz anderer Maßnahmen nicht bessern – dann kann der Kanal unter kurzer Betäubung vorsichtig erweitert werden. Auch bestimmte Lidfehlstellungen oder chronische Veränderungen am Lid können operativ behandelt werden, wenn sie das Auge dauerhaft reizen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag dreht sich bei Augenausfluss vor allem alles um Hygiene und Geduld. Waschen Sie sich oft die Hände, benutzen Sie eigene Handtücher, und wischen Sie das Auge sanft und ohne Druck sauber. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, wechseln Sie für ein paar Tage zur Brille. Die meisten Menschen können mit Augenausfluss normal arbeiten – bei einer ansteckenden Bindehautentzündung ist es aber rücksichtsvoll, engen Kontakt zu meiden und die Hände besonders gründlich zu waschen. Bei Kindern mit bakterieller Bindehautentzündung raten Praxen oft, bis etwa einen Tag nach dem Start der Behandlung zu Hause zu bleiben; bei einer viralen Form sind Kinder meist nach dem Abklingen des Allgemeinbefindens wieder fit. Fragen Sie im Zweifel Ihre Arztpraxis.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig Pausen bei Bildschirmarbeit machen und bewusst blinzeln
- Zugluft, Rauch und staubige Umgebungen meiden
- In beheizten Räumen für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen
- Kontaktlinsen nur mit sauberen Händen einsetzen und die Pflegehinweise genau befolgen
- Nicht mit anderen Handtücher, Make-up oder Augentropfen teilen
- Ausreichend schlafen – müde Augen sind gereizter
- Bei Allergien wissen, wann die Belastung besonders hoch ist, und vorbeugen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen das Immunsystem und das allgemeine Wohlbefinden. Es gibt kein spezielles Lebensmittel, das Augenausfluss direkt verhindert. Achten Sie darauf, genug zu trinken, damit die Schleimhäute nicht austrocknen. Frische Luft tut gut – bei Pollenallergie eher an Tagen mit wenig Pollenflug nach draußen gehen und danach das Gesicht waschen. Bildschirmpausen und ein kurzer Blick in die Ferne entlasten die Augen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Augenausfluss ist unangenehm und kann verunsichern, besonders wenn das Auge rot ist oder das Sehen kurzzeitig verschwommen wirkt. Bei den meisten Menschen ist die Belastung aber kurz und gut aushaltbar. Wenn Sie sich Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis – ein kurzes Gespräch nimmt oft viel Unsicherheit. Falls Ängste oder Anspannung über längere Zeit bestehen, gibt es Unterstützung: In Deutschland ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar, und auch Hausärztinnen und Hausärzte können weiterhelfen. Bei akuter seelischer Not wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Fall lässt sich verhindern, aber vieles lässt sich verringern. Gute Handhygiene ist der wichtigste Schutz: Hände waschen, nicht ins Gesicht fassen, eigene Handtücher benutzen. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte die Pflegehinweise genau einhalten. Bei Allergien hilft es, die Auslöser zu meiden. Und wer viel am Bildschirm arbeitet, tut den Augen mit Pausen und bewusstem Blinzeln etwas Gutes.
Impfungen
Für Augenausfluss gibt es keine spezielle Schutzimpfung. Die regulären empfohlenen Impfungen für Kinder und Erwachsene sind aber generell ein guter Schutz für die Gesundheit – Ihre Arztpraxis berät Sie gern.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Augenausfluss gibt es nicht. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind aber zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes, mit bekannten Augenerkrankungen oder bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern sinnvoll. Bei Säuglingen und Kleinkindern achten die Vorsorgeuntersuchungen in der Kinderarztpraxis auch auf die Augen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Entzündung kann sich auf die Hornhaut ausbreiten – das ist die klare Schicht vorne am Auge
- Es können kleine Verletzungen oder Narben an der Hornhaut entstehen, die das Sehen beeinträchtigen
- Die Entzündung kann länger anhalten oder immer wiederkehren
- Bei Kontaktlinsen kann sich eine stärkere Entzündung entwickeln
- In seltenen Fällen breitet sich eine Infektion über das Auge hinaus aus – das ist ein Notfall
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den allermeisten Fällen gut. Viele Entzündungen heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig ab, oft auch ohne besondere Behandlung. Mit sorgfältiger Hygiene, etwas Geduld und – wenn nötig – einer passenden Behandlung durch Ihre Arztpraxis bilden sich die Beschwerden meist vollständig zurück. Wenn etwas länger dauert oder wiederkehrt, lohnt sich eine genauere Abklärung, damit die richtige Ursache gefunden wird.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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