Überanstrengte Augen (Asthenopie)
Übersicht
Überanstrengte Augen – der Fachbegriff dafür ist Asthenopie – sind Beschwerden, die entstehen, wenn die Augen über längere Zeit angestrengt werden. Das passiert zum Beispiel bei Bildschirmarbeit, beim langen Lesen oder beim Autofahren in der Dämmerung. Die Augen werden müde, sie brennen, spannen oder tränen. Wichtig zu wissen: Überanstrengte Augen fühlen sich unangenehm an, sind aber in den allermeisten Fällen kein Zeichen einer gefährlichen Erkrankung. Meist bessern sich die Beschwerden schon, wenn man die Augen entlastet und die Sehbedingungen verbessert.
Wichtige Fakten
- Überanstrengte Augen entstehen durch langes, konzentriertes Nahsehen – die Augenmuskeln müssen dauerhaft arbeiten.
- Beim Blick auf einen Bildschirm blinzeln wir deutlich seltener – dadurch trocknet die Augenoberfläche aus und die Augen brennen.
- In den meisten Fällen helfen einfache Veränderungen: Pausen, der richtige Abstand zum Bildschirm, gutes Licht und befeuchtende Maßnahmen.
Sehr häufig. Überanstrengte Augen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen wegen Augenbeschwerden eine Praxis aufsuchen. Wer viel am Bildschirm arbeitet, kennt das Gefühl oft schon nach wenigen Stunden.
Betroffen sind vor allem Menschen, die täglich mehrere Stunden am Bildschirm arbeiten, viel lesen oder feine Arbeit verrichten. Auch Schülerinnen und Schüler, Studierende und Menschen, die in der Dämmerung Auto fahren, können betroffen sein. Häufiger auftreten können die Beschwerden außerdem bei einer nicht oder nicht richtig korrigierten Sehschwäche, bei trockenen Augen und mit zunehmendem Alter.
Symptome
- Plötzlicher Verlust oder starke Verschlechterung des Sehens auf einem oder beiden Augen – Notruf 112
- Starke Augenschmerzen mit rotem Auge, Übelkeit und Erbrechen (möglicher Hinweis auf einen akuten Glaukomanfall) – Notruf 112
- Chemikalien oder Fremdkörper im Auge: sofort mit klarem Wasser spülen und den Notruf 112 wählen
- Plötzlich auftretende Lichtblitze zusammen mit vielen neuen schwarzen Punkten oder einem dunklen „Vorhang“ im Sichtfeld – Notruf 112
- Plötzlich einsetzendes Doppeltsehen zusammen mit Schwäche, Sprachstörungen oder hängendem Mundwinkel – Notruf 112 (möglicher Schlaganfall)
- ⚠Anhaltende Augenschmerzen oder starke Rötung
- ⚠Eitriger Ausfluss oder gelblich-grüner Schleim aus dem Auge
- ⚠Neu aufgetretenes Doppeltsehen ohne weitere Beschwerden
- ⚠Sehverschlechterung, die über Stunden nicht zurückgeht
- ⚠Augenbeschwerden nach einem Stoß, einer Verletzung oder einem Fremdkörper
- ⚠Starke Kopfschmerzen mit Lichtscheu und Unwohlsein
Häufige Symptome
- Müde, brennende oder juckende Augen
- Trockenes Gefühl oder das Gefühl, ein Sandkorn im Auge zu haben
- Verschwommenes Sehen, das nach dem Blinzeln kurz besser wird
- Kopfschmerzen, oft im Bereich der Stirn oder der Schläfen
- Verspannte Nacken- und Schultermuskeln
- Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht oder Bildschirmreflexionen
- Schwierigkeiten, schnell zwischen Nah und Fern scharf zu stellen
- Gerötete Augen und vermehrtes Tränen
- Nachlassende Konzentration bei längerem Sehen
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft nicht, dass ihre Augen müde sind – sie reiben sich stattdessen die Augen
- Kopfschmerzen am Nachmittag, besonders nach der Schule
- Vermeiden von Lesen oder Hausaufgaben, Unruhe oder Ablenkung dabei
- Zusammenkneifen der Augen oder Schielen beim Lesen und auf den Bildschirm schauen
- Sehr nah an Fernseher oder Bildschirm herangehen
- Verschwommenes Sehen in der Ferne, das auf eine unentdeckte Sehschwäche hinweisen kann
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Trockene Augen kommen mit dem Alter häufiger vor, weil die Tränenproduktion abnehmen kann
- Der Wechsel zwischen Nah und Fern fällt schwerer (Alterssichtigkeit)
- Blendung durch Licht und Bildschirm wird stärker empfunden
- Gleitsichtbrillen können anfangs zusätzliche Anstrengung verursachen
- Beschwerden sind häufiger, wenn eine graue Star (Linsentrübung) beginnt – hier lohnt ein Augenarzttermin
Ursachen
Hauptursachen
- Langes Nahsehen: Beim Lesen oder auf den Bildschirm schauen muss die Augenmuskulatur dauerhaft angespannt bleiben
- Selteneres Blinzeln: Vor Bildschirmen blinzeln viele Menschen nur etwa halb so oft – die Augenoberfläche trocknet aus
- Trockene Luft durch Heizung, Klimaanlage oder Zugluft
- Reflexionen und Blendung auf dem Bildschirm sowie ungünstiges Licht im Raum
- Eine nicht erkannte oder nicht richtig korrigierte Sehschwäche
- Ungünstige Bildschirmhöhe, zu geringer Abstand oder zu kleine Schrift
- Müdigkeit, Stress und zu wenig Schlaf
Risikofaktoren
- Mehrere Stunden Bildschirmarbeit pro Tag
- Wenig Pausen und kein Wechsel zwischen Nah- und Fernsehen
- Arbeiten mit Kontaktlinsen über lange Zeit
- Bereits bestehende trockene Augen
- Tragen einer Brille mit veralteten Werten
- Bestimmte Medikamente können die Augen austrocknen – fragen Sie dazu Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke
- Rauchen und trockene Raumluft
- Zunehmendes Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Sehverschlechterung oder Sehverlust
- Starke Augenschmerzen, besonders mit Rötung, Übelkeit oder Erbrechen
- Lichtblitze, viele neue schwarze Punkte oder ein Schatten im Sichtfeld
- Doppeltsehen, das plötzlich auftritt
- Verletzung oder Fremdkörper im Auge
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Beschwerden treten regelmäßig bei der Arbeit auf und stören den Alltag
- Kopfschmerzen oder Nackenbeschwerden kommen immer wieder
- Sie vermuten, dass Ihre Brille nicht mehr richtig passt
- Die Augen sind häufig trocken, obwohl Sie Pausen machen
- Bei Kindern: häufiges Augenreiben, Kopfschmerzen oder Probleme beim Lesen
Diagnose
In der Regel beginnt die Untersuchung mit einem Gespräch: Wann treten die Beschwerden auf, wie lange schauen Sie täglich auf Bildschirme, wie ist Ihr Arbeitsplatz eingerichtet, tragen Sie eine Brille oder Kontaktlinsen? Danach werden die Augen untersucht und die Sehschärfe geprüft. Die Untersuchung tut nicht weh und dauert meist nur wenige Minuten.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest zur Prüfung der Sehschärfe in der Nähe und in der Ferne
- Bestimmung der Brillenwerte (Refraktion)
- Untersuchung der Augenoberfläche mit der Spaltlampe (ein Vergrößerungsgerät mit Licht)
- Prüfung des Tränenfilms und der Benetzung des Auges
- Kontrolle der Augenstellung und des Zusammenspiels der Augenmuskeln
- Bei Bedarf: Untersuchung des Augeninnendrucks oder des Augenhintergrunds
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei. Bringen Sie wenn möglich Ihre aktuelle Brille oder Ihre Kontaktlinsen mit und notieren Sie vorher, wie viel Zeit Sie täglich am Bildschirm verbringen und wann die Beschwerden besonders stark sind. So kann die Praxis die Ursache schneller eingrenzen.
Behandlung
Die wichtigste Behandlung ist, die Augen zu entlasten und die Ursache zu finden. In den meisten Fällen genügen Veränderungen am Arbeitsplatz, regelmäßige Pausen und eine gut angepasste Brille. Medikamente sind nur selten nötig – und wenn, dann nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Regel für den Bildschirm: etwa alle 20 Minuten für 20 Sekunden in mindestens 6 Meter Entfernung schauen
- Bewusst blinzeln und zwischendurch die Augen kurz schließen
- Kurze Pausen einplanen, in denen Sie aufstehen und sich bewegen
- Bildschirm etwa eine Armlänge entfernt aufstellen, die obere Bildschirmkante etwas unterhalb der Augenhöhe
- Schriftgröße erhöhen und den Kontrast anpassen
- Blendung durch Fenster oder Lampen vermeiden, zum Beispiel mit einer anderen Blickrichtung zum Fenster
- Für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen und Zugluft vermeiden
- Bei trockenen Augen: Lassen Sie sich in der Apotheke oder Augenarztpraxis zu befeuchtenden Augentropfen beraten
- Ausreichend trinken und für genug Schlaf sorgen
- Bei Kontaktlinsen die Tragezeiten beachten und regelmäßig eine Pause mit Brille einlegen
Medizinische Behandlungen
Behandelt wird zuerst, was die Beschwerden auslöst. Dazu gehören eine richtig eingestellte Brille, eine Behandlung trockener Augen und Übungen zur Zusammenarbeit der Augen (manchmal unterstützt durch Orthoptistinnen und Orthoptisten – Fachkräfte für das Zusammenspiel der Augen). Wenn eine andere Erkrankung dahintersteckt, wird diese behandelt. Welche Maßnahme zu Ihnen passt, bespricht die Praxis individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei rein überanstrengten Augen nicht nötig. Sie spielt in der Behandlung keine Rolle.
Leben mit der Erkrankung
Mit ein paar festen Gewohnheiten lässt sich der Arbeitsalltag deutlich angenehmer gestalten: Planen Sie Bildschirmpausen fest ein, richten Sie den Arbeitsplatz ergonomisch ein und wechseln Sie bewusst zwischen Nah- und Fernsehen. Viele merken schon nach wenigen Tagen eine Besserung.
Tipps für den Alltag
- Feste Pausen in den Tagesablauf einbauen – am besten mit Erinnerung am Handy oder Computer
- Den Arbeitsplatz so einrichten, dass Licht und Sitzhöhe stimmen
- Regelmäßig an die frische Luft gehen und in die Ferne schauen
- Ausreichend schlafen, denn müde Augen sind empfindlicher
- Stress reduzieren, wenn möglich – Anspannung zeigt sich oft auch in den Augen
- Regelmäßige Kontrolle der Brillenwerte
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Augen und den Tränenfilm. Lebensmittel mit gesunden Fetten, zum Beispiel Fisch, Nüsse und hochwertige Öle, sind Teil einer guten Ernährung. Bewegung an der frischen Luft tut zusätzlich gut, weil sie Stress abbaut und den Schlaf verbessert – beides entlastet auch die Augen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständig müde Augen und Kopfschmerzen können frustrieren und die Konzentration bei der Arbeit oder in der Schule beeinträchtigen. Manche sorgen sich auch, dass etwas Ernstes dahintersteckt. Solche Gedanken sind verständlich, meistens ist die Ursache aber gut behandelbar. Wenn Belastung, Stress oder Ängste Sie im Alltag stark einschränken, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. In akuten seelischen Krisen erreichen Sie den Notruf unter 112; die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für Sie da und über Ihre lokale Gesundheitsversorgung zu finden.
Vorbeugung
Ja, in vielen Fällen lassen sich die Beschwerden gut vorbeugen oder zumindest deutlich abmildern – vor allem durch einen gut eingerichteten Arbeitsplatz, regelmäßige Pausen und eine passende Brille.
Impfungen
Für überanstrengte Augen gibt es keine Impfung. Das ist bei dieser Art von Beschwerden normal und kein Grund zur Sorge.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Augenuntersuchungen helfen, eine Sehschwäche früh zu erkennen. Wie oft eine Kontrolle sinnvoll ist, hängt vom Alter und von Vorerkrankungen ab – fragen Sie dazu Ihre Hausarzt- oder Augenarztpraxis. Bei Kindern ist eine augenärztliche Untersuchung vor der Einschulung empfehlenswert, bei Diabetes und anderen Erkrankungen können häufigere Kontrollen nötig sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Kopfschmerzen und Nackenverspannungen
- Nachlassende Konzentration und Leistungsfähigkeit bei der Arbeit oder in der Schule
- Dauerhaft trockene, gereizte Augen
- Eine unerkannte Sehschwäche bleibt möglicherweise unbehandelt
- Zunehmende Unzufriedenheit und Stress im Alltag
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Überanstrengte Augen sind meist harmlos und bessern sich oft schon innerhalb weniger Tage, wenn die Augen entlastet werden. Bleiben die Beschwerden, lohnt sich ein Termin in der Praxis, um eine Sehschwäche oder eine andere Ursache abzuklären. Mit guten Gewohnheiten am Arbeitsplatz lässt sich das meist gut in den Griff bekommen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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