Augenbeschwerden mit Übelkeit: Was kann das sein?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Wenn das Auge schmerzt, tränen oder sich das Sehen verändert und gleichzeitig Übelkeit oder Erbrechen auftritt, kann das verschiedene Ursachen haben. Manchmal steckt eine ernste Erkrankung dahinter, zum Beispiel ein akuter Glaukomanfall (Grüner Star), bei dem der Augeninnendruck plötzlich stark ansteigt. Es können aber auch harmlosere Auslöser wie eine Migräne-Attacke oder starker Sehstress sein.
Wichtige Fakten
- Plötzliche Augenschmerzen mit Übelkeit können ein Notfall sein – besonders wenn das Auge rot ist.
- Ein akuter Glaukomanfall (Grüner Star) ist selten, aber gefährlich und muss sofort behandelt werden.
- Migräne kann mit Sehstörungen und heftiger Übelkeit einhergehen.
- Bei Sehverlust, starkem Schmerz oder Erbrechen: sofort den Notruf 112 wählen.
- Solange die Ursache nicht geklärt ist, kein Autofahren und keine schweren Maschinen bedienen.
Die Kombination aus Augenproblemen und Übelkeit ist nicht sehr häufig. Allerdings ist Migräne eine weit verbreitete Ursache, und auch der akute Glaukomanfall kommt – vor allem im höheren Alter – regelmäßig vor.
Jede Person kann betroffen sein. Ein akuter Glaukomanfall tritt häufiger bei Menschen über 60 auf, insbesondere bei Weitsichtigkeit. Migräne beginnt oft schon in jüngeren Jahren und betrifft Frauen häufiger als Männer.
Symptome
- Plötzliche, starke Augenschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
- Auge ist hart und gerötet
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
- Sehen von Lichthöfen oder plötzliche Weitstellung der Pupille
- Ohnmacht oder Verwirrtheit zusammen mit Augenschmerzen
- ⚠Starke Kopfschmerzen mit Augenflimmern oder Doppelbildern
- ⚠Rotes Auge, das länger als einen Tag schmerzt
- ⚠Lichtblitze oder schwarze Punkte im Sichtfeld, die plötzlich zunehmen
- ⚠Wenn Sie ein bekanntes Risiko für Grünen Star haben und Sehstörungen bemerken
Häufige Symptome
- Schmerzen im oder hinter dem Auge
- Verschwommenes Sehen oder „Schleier“ vor dem Auge
- Rotes Auge
- Übelkeit und manchmal Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Sehen von Lichthöfen oder Regenbogenfarben um Lichtquellen
- Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Kinder berichten oft eher über Kopfschmerzen und Übelkeit als über Augenschmerzen
- Sie kneifen oder reiben das Auge
- Empfindlichkeit bei hellem Licht
- Probleme beim Lesen oder Konzentrieren
- Ungewohntes Schielen oder Haltungsänderung beim Sehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Trockene Augen können brennen, aber meist ohne Übelkeit
- Bei einem Glaukom: plötzlich harter Augapfel, starke Schmerzen und Übelkeit
- Doppeltsehen oder plötzliche Sehverschlechterung
- Häufiger Stürze durch Gleichgewichtsstörungen bei Augendruckproblemen
Ursachen
Hauptursachen
- Akuter Glaukomanfall: Der Abfluss des Kammerwassers im Auge ist plötzlich blockiert, der Augeninnendruck steigt stark und das Sehvermögen ist in Gefahr.
- Migräne mit Aura: Manche Migräne-Attacken gehen mit Sehstörungen wie Flimmern, Blitzen oder Gesichtsfeldausfällen einher, dazu kommen Übelkeit und Erbrechen.
- Entzündung im Auge (z. B. Regenbogenhautentzündung): Das Auge ist gerötet, lichtempfindlich und schmerzt, manchmal mit Übelkeit.
- Starke Fehlsichtigkeit oder falsche Brille: Wenn die Augen stark anstrengen müssen, kann dies Kopfschmerzen und Unwohlsein auslösen.
- Erkrankungen des Innenohrs oder Gleichgewichtsstörungen: Das kann zu Schwindel und mitunter auch zu Augendruck- oder Sehstörungen führen – hier ist die Verbindung zur Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Weitsichtigkeit (Hyperopie)
- Familienangehörige mit Glaukom (Grünem Star)
- Bestimmte Medikamente, die die Pupille erweitern – zum Beispiel in Erkältungsmitteln oder Magenmedikamenten (hierzu beim Arzt oder Apotheker informieren)
- Frühere Verletzungen am Auge
- Neigung zu Migräne
- Starker Stress oder Schlafmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Augenschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
- Bei rotem und hartem Auge
- Bei Sehverschlechterung, Lichtblitzen oder Schatten
- Wenn Sie zusätzlich starke Kopfschmerzen haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie öfter leichtes Unwohlsein mit Augenbrennen haben
- Wenn Sie eine neue Brille brauchen oder Sehprobleme beim Lesen auftreten
- Wenn Sie an Migräne leiden und diese häufiger wird
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt Sie zuerst nach Ihren Beschwerden, früheren Augenkrankheiten und in der Familie. Dann werden die Augen untersucht: Sehschärfe, Pupillenreaktion, Augeninnendruck und der Augenhintergrund werden geprüft. Bei Verdacht auf eine Migräne kann auch das Gespräch über Ihre Kopfschmerz-Geschichte entscheidend sein.
Mögliche Untersuchungen
- Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)
- Untersuchung des Auges mit einer Spaltlampe
- Sehtest (Visusbestimmung)
- Blick in den Augenhintergrund (Funduskopie)
- Bei Spezialfragen: Gesichtsfeldmessung oder Bildgebung des Kopfes
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert etwa zehn bis zwanzig Minuten. Eventuell werden Ihnen Augentropfen gegeben, damit sich die Pupille erweitert. Danach kann das Sehen für einige Stunden verschwommen sein und Licht blenden. Bringen Sie idealerweise eine Sonnenbrille und eine Begleitperson mit. Wenn ein Notfall wie ein Glaukomanfall vorliegt, werden Sie sofort behandelt.
Behandlung
Die Behandlung hängt ganz von der Ursache ab. Bei einem akuten Glaukomanfall zählt jede Minute: Der Augeninnendruck muss schnell gesenkt werden, um das Sehvermögen zu retten. Bei Migräne stehen Ruhe, Entspannung und vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund. Andere Ursachen wie eine Entzündung im Auge werden gezielt je nach Befund behandelt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Migräne: dunklen, ruhigen Raum aufsuchen
- Bei Schmerzen das Auge nicht reiben
- Bildschirmarbeit vorübergehend reduzieren
- Körperliche Schonung und ausreichend Schlaf
- Bei Augenbrennen ohne Alarmzeichen können künstliche Tränen auf ärztlichen Rat helfen – aber keine Selbstbehandlung bei rotem oder schmerzendem Auge
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann verschiedene Behandlungen einleiten. Zum Beispiel können Augentropfen verschrieben werden, die den Augeninnendruck senken. Bei starkem Glaukom wird auch ein Medikament gegeben, das engt in der Infusion oder als Tablette den Druck im Auge schnell reduziert. Bei Migräne werden in Absprache Medikamente eingesetzt, die die Attacke abkürzen oder ihr vorbeugen. Bei Entzündungen kommen entzündungshemmende Augentropfen zum Einsatz. Welche Therapie im Einzelnen richtig ist, entscheidet die medizinische Fachperson – entscheidend ist, nicht selbst zu experimentieren.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Ursache ein verengter Abflussweg im Auge ist – wie beim akuten Glaukomanfall – kann eine Laserbehandlung oder ein kleiner Eingriff nötig sein, um den Abfluss zu öffnen. Auch bei anderen Augenerkrankungen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich werden. Die Operation wird in der Regel unter örtlicher Betäubung oder Kurznarkose durchgeführt – das Team erklärt den Ablauf vorher genau.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie zu Migräne neigen oder eine Augenerkrankung haben, bedeutet das nicht, dass Sie hilflos sind. Viele Menschen lernen, Warnzeichen zu erkennen und früh zu handeln – zum Beispiel Pause machen, den Kopf entlasten oder einen dunklen Raum aufsuchen. Bei chronischen Erkrankungen wie einem Glaukom sind regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt wichtig – gemeinsam mit dem Gesundheitsprofi bleibt Ihre Sehkraft erhalten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Schlafenszeiten und ausreichend Schlaf
- Stressabbau durch Achtsamkeit, leichte Bewegung oder Hobbys
- Bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen mit Blick in die Ferne
- Ausreichend Trinken und ausgewogene Ernährung
- Hören Sie auf Warnsignale Ihres Körpers – Schmerz ist ein Hinweis
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das allgemeine Wohlbefinden. Sport und Bewegung in Maßen fördern die Durchblutung und können Migräne vorbeugen. Verzichten Sie auf starkes Pressen oder schweres Heben, denn das kann den Augeninnendruck kurzzeitig erhöhen. Sprechen Sie bei Augendruckproblemen mit Ihrem Arzt, welche Bewegung passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Augenbeschwerden – besonders mit Übelkeit oder Angst vor Sehverlust – können emotional belasten. Es ist normal, sich zu sorgen. Sie dürfen diese Gefühle ernst nehmen. Offene Gespräche mit der Partnerin oder dem Partner oder Freundinnen und Freunden können helfen. Wenn die Belastung überhandnimmt, helfen hausärztliche Praxen oder psychologische Beratungsstellen weiter.
Vorbeugung
Ein akuter Glaukomanfall lässt sich nicht immer vorbeugen, aber Menschen mit Risikofaktoren – etwa höheres Alter, Weitsichtigkeit oder familiäre Vorbelastung – sollten regelmäßig den Augeninnendruck kontrollieren lassen. Migräne lässt sich häufig durch Lebensgewohnheiten mildern: regelmäßiger Schlaf, Stressabbau und das Meiden persönlicher Trigger wie etwa bestimmter Speisen oder Flackerlicht.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 40. Lebensjahr wird empfohlen, regelmäßig einen Augenarzt aufzusuchen – auch ohne Beschwerden. Besonders wenn in der Familie Grüner Star vorkommt, sollte der Augeninnendruck regelmäßig gemessen werden. Diese Vorsorge kann einen drohenden Glaukomanfall früh erkennen und schwerwiegende Folgen verhindern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei einem akuten Glaukomanfall kann es innerhalb weniger Stunden zu bleibenden Sehschäden bis zur Erblindung kommen
- Migräne ohne Behandlung kann den Alltag stark einschränken und zu Chronifizierung der Schmerzattacken führen
- Unbehandelte Augenentzündungen können das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen
- Unentdeckte schwere Augenerkrankungen können Stürze oder Unfälle begünstigen
Langzeitprognose
Wenn Sie schnell ärztliche Hilfe holen, sind die meisten Augenprobleme gut behandelbar. Ein akuter Grüner Star ist zwar ein Notfall, aber gerade hier gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, das Sehvermögen zu erhalten. Viele Menschen mit chronischen Augenkrankheiten führen mit regelmäßiger Betreuung ein aktives und zufriedenes Leben. Haben Sie Vertrauen in die moderne Medizin und in die Beratung durch Ihre Gesundheitsexperten – Sie sind auf dem richtigen Weg.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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