Eiteransammlung im Auge (Hypopyon)
Übersicht
Ein Hypopyon (gesprochen etwa „Hü-po-pi-on“) ist eine Ansammlung von Eiter in der vorderen Augenkammer. Das ist der schmale Raum zwischen der Hornhaut – der klaren äußeren „Fensterscheibe“ des Auges – und der Regenbogenhaut, dem farbigen Ring im Auge. Weil die eitrige Flüssigkeit schwerer ist als das normale Kammerwasser, sinkt sie nach unten und bildet dort einen sichtbaren weißlich-gelben Streifen. Ein Hypopyon ist keine eigene Krankheit, sondern ein Warnzeichen: Es zeigt, dass im Auge eine starke Entzündung oder eine Infektion abläuft. Deshalb muss es immer noch am selben Tag augenärztlich abgeklärt werden.
Wichtige Fakten
- Ein Hypopyon ist ein Warnsignal und braucht noch am selben Tag eine augenärztliche Untersuchung.
- Häufige Auslöser sind schwere Infektionen oder Entzündungen im Auge, manchmal auch eine Augenoperation, eine Spritze ins Auge oder eine Verletzung.
- Wird die Ursache früh erkannt und behandelt, sind die Aussichten für das Sehvermögen meist gut.
Ein Hypopyon ist selten. In augenärztlichen Praxen und Kliniken begegnet man ihm aber regelmäßig – vor allem nach Augenoperationen oder bei Menschen mit bestimmten entzündlichen Erkrankungen.
Grundsätzlich kann ein Hypopyon in jedem Alter auftreten. Häufiger betroffen sind Menschen nach einer Augenoperation oder nach einer Spritze ins Auge, Menschen mit einer entzündlichen oder autoimmune Erkrankung (wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet), Kontaktlinsenträgerinnen und -träger mit einer Hornhautinfektion sowie Menschen mit einer Augenverletzung.
Symptome
- Ein neu aufgetretener weißlich-gelber Streifen im Auge zusammen mit starken Schmerzen und Fieber – hier zählt jede Stunde. Wenn Sie unsicher sind oder keinen augenärztlichen Notdienst erreichen, rufen Sie den Notruf 112 an.
- Starke Augensymptome zusammen mit hohem Fieber, Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl (Hinweis auf eine sich ausbreitende Infektion)
- Wenn eine Chemikalie ins Auge gelangt ist oder ein Fremdkörper im Auge steckt
- Plötzlicher, vollständiger Verlust des Sehvermögens auf einem Auge
- ⚠Weißlich-gelber Streifen im Auge – noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt
- ⚠Plötzlich schlechteres Sehen oder ein Schleier vor dem Auge
- ⚠Starke Augenschmerzen oder starke Lichtempfindlichkeit
- ⚠Rötung, Schmerzen oder Sehverschlechterung nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge
- ⚠Rotes, schmerzhaftes Auge bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern
- ⚠Augenverletzung, auch wenn sie zunächst harmlos wirkt
Häufige Symptome
- Ein weißlich-gelber Streifen oder eine Eiteransammlung im unteren Teil des Auges, direkt hinter der Hornhaut
- Deutlich gerötetes Auge
- Augenschmerzen, manchmal stark
- Verschwommenes Sehen oder spürbare Sehverschlechterung
- Lichtempfindlichkeit – helles Licht blendet oder schmerzt
- Tränen und ein Fremdkörpergefühl im Auge
- Manchmal Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft nicht, dass sie Schmerzen haben – sie reiben sich die Augen oder kneifen sie zu
- Sie meiden helles Licht oder weinen, wenn Licht ins Auge fällt
- Rötung und vermehrter Tränenfluss
- Bei kleinen Kindern können Fieber und allgemeines Unwohlsein dazukommen
- Auch bei Kindern gilt ein Hypopyon als Notfall und muss sofort augenärztlich abgeklärt werden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Tritt häufiger nach einer Operation des Grauen Stars (Katarakt) oder nach einer Spritze ins Auge auf
- Bei Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem kann eine Infektion schneller und schwerer verlaufen
- Begleiterkrankungen können die Zeichen verschleiern – auf plötzliche Sehverschlechterung besonders achten
- Nach einer Augenoperation gilt: Bei Schmerzen, Rötung oder schlechterem Sehen sofort die Augenklinik oder den augenärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren
Ursachen
Hauptursachen
- Schwere Infektionen des Auges, zum Beispiel eine eitrige Entzündung im Inneren des Auges (Endophthalmitis) oder eine tiefe Hornhautinfektion
- Starke Entzündungen ohne Erreger, etwa eine schwere Entzündung der Regenbogenhaut (Uveitis), oft im Zusammenhang mit rheumatologischen oder autoimmunen Erkrankungen
- Nach einer Augenoperation, besonders nach einer Star-Operation oder nach Spritzen ins Auge
- Nach einer Augenverletzung oder einem Fremdkörper im Auge
- Bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern: eine Hornhautinfektion, oft begünstigt durch falsche Handhabung der Linsen
- Selten andere Ursachen, etwa bestimmte Tumoren im Auge, die eine Entzündung vortäuschen
Risikofaktoren
- Kürzlich erfolgte Augenoperation oder Spritze ins Auge
- Kontaktlinsentragen, besonders mit unsauberer Handhabung oder Tragen über Nacht
- Entzündliche oder autoimmune Grunderkrankung
- Diabetes mellitus oder ein geschwächtes Immunsystem
- Augenverletzungen oder fremde Partikel im Auge
- Bestimmte Medikamente, die die Immunabwehr dämpfen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie sehen einen weißlich-gelben Streifen im unteren Teil des Auges
- Ihr Auge ist plötzlich stark gerötet, schmerzt und sieht schlechter
- Nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge treten Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung auf
- Sie tragen Kontaktlinsen und haben ein rotes, schmerzhaftes Auge mit Fremdkörpergefühl
- Es ist etwas ins Auge gelangt oder das Auge wurde verletzt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Augenentzündungen, auch wenn sie gerade abgeklungen sind
- Eine bekannte entzündliche Grunderkrankung – regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
- Verlaufskontrolle nach einer durchgemachten Augeninfektion oder -entzündung
- Fragen zur richtigen Anwendung von Augentropfen oder zur Linsenhygiene
Diagnose
Die Augenärztin oder der Augenarzt untersucht das Auge mit einer Spaltlampe – das ist ein Mikroskop mit einer hellen Lichtquelle, mit dem man die vorderen Abschnitte des Auges stark vergrößert betrachten kann. Dabei lässt sich der Eiterstreifen meist gut erkennen, und die Ursache lässt sich oft schon eingrenzen. Je nach Befund folgen weitere Untersuchungen, manchmal noch am selben Tag.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest zur Bestimmung der Sehschärfe
- Messung des Augeninnendrucks
- Spaltlampenuntersuchung, teils mit einem Farbstoff, der Schäden an der Hornhaut sichtbar macht
- Ultraschalluntersuchung des Auges, wenn die Sicht auf den hinteren Augenabschnitt verdeckt ist
- Abstrich oder Entnahme einer kleinen Probe aus dem Augeninneren, um den Erreger zu bestimmen
- Blutuntersuchungen, wenn eine entzündliche oder autoimmune Grunderkrankung vermutet wird
- Bei Bedarf Überweisung an weitere Fachrichtungen, etwa Rheumatologie oder Innere Medizin
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist geht es schnell: Nach der Untersuchung wird oft direkt eine Behandlung begonnen, ohne auf Laborergebnisse zu warten. Je nach Ursache werden Verlaufskontrollen vereinbart – anfangs täglich, später in größeren Abständen. Nehmen Sie alle Termine wahr, auch wenn es Ihnen schon besser geht, denn manche Entzündungen brauchen länger, bis sie ganz abgeklungen sind.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich ganz nach der Ursache. Bei einer Infektion geht es darum, die Erreger rasch zu stoppen. Bei einer Entzündung ohne Erreger geht es darum, die übermäßige Reaktion des Immunsystems zu dämpfen. Ein Hypopyon wird immer von einer Augenärztin oder einem Augenarzt behandelt – die ersten Maßnahmen beginnen oft noch am selben Tag.
Selbsthilfe zu Hause
- Reiben oder drücken Sie das Auge nicht
- Waschen Sie sich vor und nach jedem Kontakt mit dem Auge gründlich die Hände
- Wenden Sie Augentropfen oder Salben genau nach Anweisung an und berühren Sie dabei möglichst nicht die Tropferspitze
- Tragen Sie während der Behandlung keine Kontaktlinsen
- Verzichten Sie vorübergehend auf Schwimmen und Sauna
- Nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr und melden Sie sich sofort, wenn es schlechter wird
- Benutzen Sie keine alten Augentropfen aus dem Schrank und keine Mittel, die Ihnen nicht verordnet wurden
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen Medikamente zum Einsatz, die Bakterien abtöten oder die Entzündung dämpfen. Sie werden als Augentropfen, als Spritze direkt ins Auge oder als Tablette beziehungsweise Infusion gegeben – das entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt. Zusätzlich können Tropfen sinnvoll sein, die Schmerzen lindern oder die Pupille erweitern, damit sich das Auge entspannen kann. Bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein und verwenden Sie keine Augentropfen ohne augenärztliche Anweisung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn die Ursache im Inneren des Auges liegt und Medikamente nicht ausreichen – zum Beispiel, wenn sich Eiter auch in der gallertartigen Flüssigkeit im hinteren Auge (Glaskörper) befindet und entfernt werden muss. Auch schwere Schäden an der Hornhaut oder ein stark erhöhter Augeninnendruck können einen Eingriff erforderlich machen. Ob operiert wird, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt individuell.
Leben mit der Erkrankung
In der ersten Zeit steht das Auge unter Beobachtung: Kontrolltermine, Augentropfen nach Plan und ein aufmerksames Auge für Warnzeichen. Fragen Sie bei jedem Termin nach, was Sie im Alltag tun dürfen – zum Beispiel, ob Sie lesen, am Bildschirm arbeiten, Auto fahren oder Sport treiben können. Viele Menschen brauchen einige Tage, bis die Beschwerden nachlassen und das Sehen klarer wird.
Tipps für den Alltag
- Auf gute Händehygiene achten, besonders beim Umgang mit dem Auge
- Kontaktlinsen erst wieder tragen, wenn die Ärztin oder der Arzt ausdrücklich zustimmt
- Augen bei handwerklichen Arbeiten mit einer Schutzbrille schützen
- Bei Diabetes den Blutzucker möglichst gut einstellen
- Ausreichend Schlaf und regelmäßige Bildschirmpausen gönnen
- Nicht rauchen – Rauchen kann Entzündungen im Körper begünstigen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützt die Heilung, kann sie aber nicht erzwingen. Bewegung ist in der Regel erlaubt, solange das Auge nicht belastet wird; Schwimmen und Sauna sollten Sie während der Entzündung meiden. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein plötzliches Problem mit dem Auge macht vielen Menschen Angst – besonders die Sorge um das Sehen. Das ist völlig verständlich. Es hilft, die Ursache und den Behandlungsplan genau zu verstehen: Fragen Sie nach, bis Sie sich sicher fühlen. Wenn die Anspannung überhandnimmt, suchen Sie Unterstützung in Ihrer Hausarztpraxis oder bei einer Beratungsstelle. In einer seelischen Krise erreichen Sie rund um die Uhr den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht in jedem Fall – manche Ursachen wie eine autoimmune Grunderkrankung lassen sich nicht verhindern. Vieles, was zu einem Hypopyon führen kann, lässt sich aber entschärfen: Infektionen früh behandeln, Kontaktlinsen sauber handhaben und die Anweisungen nach einer Augenoperation genau befolgen.
Impfungen
Eine Impfung, die speziell vor einem Hypopyon schützt, gibt es nicht. Der beste Schutz ist, Augeninfektionen und -verletzungen früh ärztlich abklären zu lassen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Augenuntersuchungen sind sinnvoll, wenn Sie eine entzündliche Grunderkrankung haben, Kontaktlinsen tragen oder eine Augenoperation hinter sich haben. Auch bei Diabetes gehören regelmäßige Kontrollen der Augen zur guten Versorgung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verwachsungen zwischen Regenbogenhaut und Linse, die den Augeninnendruck stören können
- Erhöhter Augeninnendruck bis hin zum Grünen Star (Glaukom)
- Schäden und Narben an der Hornhaut, die das Sehen dauerhaft beeinträchtigen können
- Dauerhafte Sehverschlechterung bis hin zum Verlust des Sehvermögens
- Ausbreitung einer Infektion auf das gesamte Auge (Endophthalmitis), die unbehandelt das Augenlicht gefährden kann
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut, wenn die Ursache früh erkannt und behandelt wird. Viele Menschen behalten ihr Sehvermögen oder gewinnen es weitgehend zurück. Wie gut die Erholung gelingt, hängt von der Ursache ab und davon, wie schnell die Behandlung begonnen hat – deshalb ist der wichtigste Schritt, bei einem Hypopyon nicht abzuwarten, sondern noch am selben Tag ärztlichen Rat zu suchen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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