Langanhaltende Ohrbeschwerden – verstehen und richtig handeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unter langanhaltenden Ohrbeschwerden versteht man Probleme am oder im Ohr, die über Wochen oder Monate bestehen bleiben. Dazu gehören zum Beispiel anhaltende Entzündungen des Mittelohrs, anhaltender Druck oder Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell. Auch ein ständig verstopftes Gefühl oder wiederkehrende Ohrenentzündungen können dazugehören.
Wichtige Fakten
- Das Ohr besteht aus dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr.
- Langanhaltende Ohrbeschwerden sind meist gut behandelbar.
- Bei plötzlichem Hörverlust oder sehr starken Schmerzen sollten Sie sofort die 112 wählen.
Ja. Ohrbeschwerden, die länger anhalten, kommen häufig vor. Besonders Kinder sind betroffen, aber auch viele Erwachsene und ältere Menschen leiden darunter.
Kinder im Kita- und Schulalter sind besonders anfällig für Entzündungen des Mittelohrs. Aber auch Erwachsene können nach einem grippalen Infekt oder bei Allergien langanhaltende Ohrenprobleme entwickeln. Ältere Menschen leiden oft zusätzlich unter Schwindel oder nachlassendem Hörvermögen.
Symptome
- Plötzlicher Hörverlust – Sie hören auf einem Ohr plötzlich kaum noch etwas
- Große Mengen Blut oder Eiter aus dem Ohr
- Eine schmerzhafte Schwellung hinter dem Ohr, die plötzlich auftritt
- Lähmung im Gesicht, zum Beispiel ein herabhängender Mundwinkel
- Steifer Nacken zusammen mit hohem Fieber
- ⚠Sehr starke Ohrenschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius
- ⚠Übel riechendes Sekret aus dem Ohr
- ⚠Sich über Tage verschlechterndes Hörvermögen
Häufige Symptome
- Druck- oder Völlegefühl im Ohr
- Hörminderung – Geräusche wirken gedämpft
- Ohrenschmerzen oder ein ziehendes Gefühl
- Wiederholter oder anhaltender Ausfluss aus dem Ohr
- Knacken oder Verstopfen beim Schlucken oder Gähnen
Symptome bei Kindern
- Hörprobleme, die sich zum Beispiel in Schulschwierigkeiten bemerkbar machen
- Gereiztheit und Berührungsempfindlichkeit am Ohr
- Fieber
- Schreien oder Weinen, das nicht anders erklärbar ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärkere Verschlechterung des Hörens
- Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme
- Verwirrtheit, die auf eine Infektion hindeuten kann
Ursachen
Hauptursachen
- Häufigste Ursache ist eine Entzündung des Mittelohrs, die nicht vollständig abheilt.
- Eine Belüftungsstörung der Ohrtrompete (Tuba auditiva) verhindert den Druckausgleich – das Ohr bleibt verstopft.
- Wiederholte Infektionen der oberen Atemwege wie Schnupfen oder Nebenhöhlenentzündungen.
- Selten: Fremdkörper im Gehörgang oder eine Verletzung des Trommelfells.
Risikofaktoren
- Alter – Kinder unter drei Jahren sind häufiger betroffen
- Enge anatomische Verhältnisse der Ohrtrompete
- Passivrauchen oder verschmutzte Luft
- Allergien und vergrößerte Rachenmandeln
- Wasser, das beim Schwimmen oder Duschen im Gehörgang bleibt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei sehr starken Ohrenschmerzen oder Fieber
- Wenn das Hörvermögen plötzlich nachlässt
- Wenn nur ein Ohr betroffen ist
- Bei eitrigem oder blutigem Ausfluss aus dem Ohr
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ohrbeschwerden länger als zwei Wochen bestehen
- Bei wiederkehrenden Ohrenentzündungen – mehr als zweimal im Halbjahr
- Wenn Sie im Alltag häufiger schlecht hören, zum Beispiel beim Telefonieren oder in Gesprächen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt schaut sich Ihr Ohr mit einem Otoskop an – das ist ein Beleuchtungsinstrument mit Lupe. Damit lassen sich der Gehörgang und das Trommelfell beurteilen. Außerdem werden Sie gefragt, seit wann die Beschwerden bestehen und ob weitere Symptome auftreten.
Mögliche Untersuchungen
- Otoskopie (Ohrenspiegelung)
- Hörtest (Audiometrie)
- Tympanometrie (Druckmessung im Mittelohr)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Sie sitzen dabei oder liegen auf einer Liege. Die Ärztin oder der Arzt wird außerdem den Bereich hinter dem Ohr abtasten und prüfen, ob dort Schwellungen vorliegen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Oft reichen eine sorgfältige Ohrenpflege und abschwellende Maßnahmen. Bei anhaltenden Entzündungen oder Flüssigkeitsansammlungen können auch spezielle Ohrtropfen, abschwellende Nasensprays oder in manchen Fällen eine Operation helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie das Ohr trocken – beim Duschen oder Schwimmen kann eine Duschhaube oder ein Wattestäbchen mit Vaseline im äußeren Gehörgang als Schutz dienen.
- Verzichten Sie auf Wattestäbchen und spitze Gegenstände im Ohr.
- Wärme – zum Beispiel eine Wärmflasche oder ein warmes Tuch auf dem Ohr – kann bei Schmerzen wohltuend wirken. Achten Sie darauf, es nicht zu heiß zu machen.
- Legen Sie sich beim Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper hin, um den Druck im Ohr zu verringern.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann entzündungshemmende und abschwellende Medikamente verschreiben. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt – diese sind immer verschreibungspflichtig und nur nach ärztlicher Anweisung einzunehmen. Abschwellende Nasensprays können die Ohrtrompete freundlicher machen, sollten aber nur kurzzeitig angewendet werden. Die Behandlung orientiert sich an der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich hinter dem Trommelfell dauerhaft Flüssigkeit ansammelt (Paukenerguss) oder das Trommelfell geschädigt ist, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei wird zum Beispiel ein kleines Röhrchen ins Trommelfell eingesetzt, um die Belüftung zu verbessern. Auch vergrößerte Rachenmandeln können entfernt werden, um den Druckausgleich zwischen Nase und Ohr zu erleichtern.
Leben mit der Erkrankung
Ohrprobleme können das Zuhören anstrengender machen. Schauen Sie Ihr Gegenüber beim Sprechen an, und sagen Sie ruhig, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Bitten Sie um ein langsameres oder deutlicheres Sprechen – das ist völlig in Ordnung.
Tipps für den Alltag
- Schützen Sie Ihre Ohren vor Lärm und Wasser.
- Lüften Sie regelmäßig Ihre Räume, um Schimmel zu vermeiden.
- Verzichten Sie auf Rauchen – auch Passivrauchen kann das Mittelohr reizen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt Ihr Immunsystem. Bewegung an der frischen Luft fördert die Durchblutung. Bei Schwindel können regelmäßige Gleichgewichtsübungen helfen – am besten nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn Ohrbeschwerden länger anhalten, kann das die Freude an Gesprächen nehmen. Manche Menschen ziehen sich zurück. Es ist wichtig, offen mit Freundinnen und Freunden oder der Familie über Belastungen zu sprechen. Wer über längere Zeit sehr bedrückt ist, sollte ärztliche Hilfe suchen – zum Beispiel in der Hausarztpraxis oder bei einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können einiges tun: Vermeiden Sie Rauch, halten Sie Ihre Ohren trocken und kurieren Sie Erkältungen richtig aus. Wenn Sie zu Ohrproblemen neigen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob bestimmte Vorbeugungen für Sie sinnvoll sind.
Impfungen
Eine spezielle Impfung gegen Ohrenentzündungen gibt es nicht. Aber Impfungen gegen Pneumokokken können schwere Mittelohrentzündungen seltener machen. Fragen Sie dazu Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Für Kinder gibt es regelmäßige Hör-Screenings im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen). Auch bei Erwachsenen wird der Hörtest im Rahmen des Check-ups gelegentlich mitgeprüft.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine dauerhafte Hörminderung, die auch nach Abklingen der Entzündung bestehen bleibt
- Ein Paukenerguss – Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, die nicht abfließt
- Eine Schädigung des Trommelfells, zum Beispiel durch Narbenbildung
- Eine Ausbreitung der Entzündung auf den Knochen hinter dem Ohr (Mastoiditis) – das ist selten, aber ernst
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit einer rechtzeitigen ärztlichen Behandlung heilen die meisten langanhaltenden Ohrbeschwerden vollständig aus. Bleibende Hörschäden sind selten. Je früher Sie sich untersuchen und behandeln lassen, desto sanfter und erfolgreicher ist die Therapie.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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