Tränende Augen: Ursachen und Hilfe bei verstopftem Tränenkanal
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein verstopfter Tränenkanal ist eine häufige Ursache für dauerhaft tränende Augen. Normalerweise fließt die Tränenflüssigkeit über winzige Öffnungen im inneren Augenwinkel in einen kleinen Schlauch, der in die Nase führt. Wenn dieser Schlauch eingeengt oder blockiert ist, staut sich die Flüssigkeit und das Auge tränt ständig.
Wichtige Fakten
- Meist ist nur ein Auge betroffen.
- Bei Neugeborenen löst sich die Verstopfung oft von selbst.
- Ein verstopfter Tränenkanal kann zu wiederholten Bindehautentzündungen führen.
Ja, tränende Augen durch einen verstopften Tränenkanal sind weit verbreitet. Sie treten besonders bei Säuglingen und bei Menschen über 60 Jahren auf.
Besonders betroffen sind Babys, bei denen der Tränenkanal noch nicht vollständig geöffnet ist, sowie ältere Erwachsene. Menschen mit chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, Allergien oder Raucher haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn das Augenlid und das Gesicht plötzlich stark anschwellen.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie eine plötzliche Sehverschlechterung bemerken.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn hohes Fieber dazukommt.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn starke Schmerzen im oder um das Auge auftreten.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn sich das Auge nicht mehr öffnen lässt.
- ⚠Eitriges Sekret aus dem Auge
- ⚠Schwellung und Rötung, die sich ausbreitet
- ⚠Anhaltende Beschwerden trotz Behandlung
- ⚠Schmerzen oder Druckgefühl im Augenbereich
Häufige Symptome
- Wasser läuft ständig über das Auge oder die Wange
- Unscharfes Sehen, weil die Tränen das Sichtfeld stören
- Wiederkehrende Rötungen oder Entzündungen des Auges
- Krusten am Lidrand, vor allem morgens
- Schleim oder Eiter im inneren Augenwinkel (bei Entzündung)
Symptome bei Kindern
- Tränende Augen, obwohl das Kind nicht weint
- Schleimiges oder eitriges Sekret im Augenwinkel
- Beide Augen können betroffen sein
- Beschwerden bessern sich häufig in den ersten Lebensmonaten
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Tränenlaufen, besonders bei Wind, Kälte oder grellem Licht
- Wiederholte Entzündungen am inneren Augenwinkel
- Druck- oder Spannungsgefühl im Bereich des Tränensacks
- Eitriger Ausfluss, wenn der Tränensack leicht gedrückt wird
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Verengung oder Verschluss des Tränenkanals (besonders bei Babys)
- Altersbedingte Veränderungen am Abflusssystem der Tränen
- Chronische Entzündungen der Nase oder Nasennebenhöhlen
- Narben oder Verletzungen im Bereich des Tränenkanals
- Sehr selten tumorbedingte Engstellen
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Rauchen
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung
- Allergische Rhinitis (Heuschnupfen)
- Vorherige Operationen im Gesicht oder an der Nase
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Auge deutlich geschwollen und gerötet ist
- Wenn Eiter aus dem Auge austritt
- Wenn sich die Sehschärfe verschlechtert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Tränen seit mehreren Wochen anhält
- Wenn Sie häufiger Bindehautentzündungen bekommen
- Wenn das Tränen den Alltag stark beeinträchtigt
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erfragt die Beschwerden und untersucht das Auge mit einer sogenannten Spaltlampe – einem Mikroskop mit Licht. Dabei wird auch der innere Augenwinkel genau betrachtet. Um die Durchgängigkeit des Tränenkanals zu prüfen, wird dieser gespült. Die Fachleute orientieren sich dabei an den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Spaltlampenuntersuchung des Auges
- Tränenwegspülung mit Kochsalzlösung
- Sondierung des Tränenkanals mit einem feinen Draht
- Nasenendoskopie, um die Öffnung des Tränenkanals in der Nase zu sehen
- Selten bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen mit Kontrastmittel
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist unangenehm, aber nicht schlimm. Die Spülung des Tränenkanals kann kurz ziehen oder wie ein Druckgefühl wirken. Die Ärztin oder der Arzt erklärt die Schritte vorab und unterstützt bei Unsicherheiten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Alter und Schweregrad. Bei Säuglingen wird zunächst oft abgewartet, weil sich der Kanal in den ersten Monaten öffnen kann. Bei Erwachsenen können Massagen, Wärme, Augentropfen oder Durchspülungen helfen. Bleibt der Kanal zu, ist ein kleiner Eingriff möglich.
Selbsthilfe zu Hause
- Warme Kompressen zwei- bis dreimal täglich für wenige Minuten auf das geschlossene Lid legen
- Den inneren Augenwinkel sanft mit dem sauberen Finger massieren, von innen nach außen
- Das Auge und die Lidränder mit klarem Wasser und einem sauberen Tuch vorsichtig reinigen
- Auf Reiben der Augen verzichten
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann den Tränenkanal spülen und dadurch den Abfluss wieder herstellen. Bei Entzündungen können entzündungshemmende oder antibiotische Präparate als Augentropfen, Salbe oder Saft verschrieben werden. Ein solcher Einsatz ist nur mit Rezept sinnvoll und wird individuell entschieden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Verstopfung bestehen bleibt, kann ein kleiner Eingriff unter örtlicher Betäubung helfen. Dabei wird eine feine Sonde eingeführt, der Kanal gedehnt oder ein dünnes Röhrchen eingesetzt. In manchen Fällen schafft eine Operation einen neuen Abflussweg zur Nase. Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt und ist gut verträglich.
Leben mit der Erkrankung
Tränende Augen sind kein Grund zur Sorge, aber sie können im Alltag lästig sein. Sie können die Tränen vorsichtig mit einem weichen, sauberen Tuch abtupfen. Es ist hilfreich, ein Ersatztuch oder Taschentuch griffbereit zu haben. Achten Sie darauf, die Umgebung staubfrei zu halten.
Tipps für den Alltag
- Bei Wind und kaltem Wetter eine Brille oder Sonnenbrille tragen
- Rauchen vermeiden
- Innenräume nicht zu stark heizen oder trocken halten
- Bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen machen und öfter blinzeln
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit unterstützen die allgemeine Gesundheit. Sie können sich normal bewegen und Sport treiben. Beim Schwimmen empfehlen sich eine gut sitzende Schwimmbrille und das gründliche Ausspülen der Augen nach dem Baden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn die Augen ständig tränen, können Sie sich unsicher und unwohl fühlen. Vielleicht vermeiden Sie bestimmte Situationen. Das ist verständlich. Es hilft, mit vertrauten Menschen oder mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen. Eine Behandlung kann die Beschwerden oft deutlich verbessern.
Vorbeugung
Nicht immer lässt sich ein verstopfter Tränenkanal verhindern. Sie können dazu beitragen, Entzündungen zu vermeiden, indem Sie die Nasen- und Augenpartie reinigen, nicht rauchen und allergische Reaktionen mit ärztlicher Hilfe behandeln.
Impfungen
Im Allgemeinen schützt keine Impfung speziell vor einem verstopften Tränenkanal. Lassen Sie sich aber gegen saisonale Grippe impfen, um Infekte zu vermeiden, die das Abflusssystem belasten können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine standardmäßige Vorsorgeuntersuchung für tränende Augen. Wenn die Symptome länger als einige Wochen anhalten, sollten Sie eine Augen- oder HNO-Ärztin bzw. einen Augen- oder HNO-Arzt aufsuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Bindehautentzündungen
- Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis)
- Abszess im Augenbereich
- In sehr seltenen Fällen Ausbreitung der Infektion auf das umliegende Gewebe oder ins Gehirn
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Viele Verstopfungen lösen sich von selbst oder lassen sich durch Spülungen und Massagen bessern. Wenn ein Eingriff nötig ist, sind die Erfolgsraten hoch. Komplikationen treten heute deutlich seltener auf, weil Infektionen früh erkannt und behandelt werden.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.