Nebenhöhlenentzündung: Warum die Schmerzen beim Liegen schlimmer werden
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
In den Gesichtsknochen sitzen luftgefüllte Hohlräume – die Nasennebenhöhlen. Wenn diese Schleimhäute anschwellen, spricht man von einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Im Liegen wird der Druck in diesen Hohlräumen oft stärker, weil das Sekret nicht abfließen kann. Deshalb fühlen sich die Schmerzen beim Hinlegen oft schlimmer an.
Wichtige Fakten
- Beim Liegen staut sich Schleim in den Nebenhöhlen – das verstärkt den Druck.
- Die meisten Nebenhöhlenentzündungen heilen von selbst wieder ab.
- Hitze, Dampf und Ruhe können die Beschwerden lindern.
Ja. Erkältungen mit Schnupfen führen sehr häufig zu einer Mitbeteiligung der Nebenhöhlen. Die allermeisten Menschen erleben das mehrmals im Leben.
Betroffen sind Menschen jeden Alters. Besonders häufig tritt es auf bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren, sowie bei Personen mit Allergien oder geschwächtem Immunsystem. Auch nach einer Grippe ist das Risiko erhöht.
Symptome
- Bei starker Schwellung oder Rötung rund um das Auge – sofort den Notruf 112 wählen
- Bei hohem Fieber mit steifem Hals und starken Kopfschmerzen – sofort den Notruf 112 wählen
- Bei plötzlichen Sehstörungen oder Doppelbildern – sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Wenn die Beschwerden nach mehr als 10 Tagen nicht besser werden
- ⚠Wenn das Fieber über 38,5 Grad länger als 3 Tage anhält
- ⚠Bei starken einseitigen Gesichtsschmerzen, die bei Vorbeugen zunehmen
Häufige Symptome
- Druckgefühl oder Schmerzen im Gesicht, besonders um Augen, Nase oder Stirn
- Verstopfte Nase und erschwertes Atmen durch die Nase
- Zäher Ausfluss aus der Nase oder in den Rachen
Symptome bei Kindern
- Kind wirkt gereizt oder quengelig
- Husten, auch nachts
- Hohes Fieber möglich
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Hitze- oder Druckgefühl im Gesicht
- Kopfschmerzen
- Abgeschlagenheit, die im Liegen zunimmt
Ursachen
Hauptursachen
- Meist geht eine Virusinfektion wie eine Erkältung voraus, die die Schleimhäute anschwellen lässt
- In selteneren Fällen können Bakterien eine Nasennebenhöhlenentzündung verursachen
- Bei Allergien, etwa gegen Hausstaubmilben oder Pollen, kann die Schleimhaut ebenfalls anschwellen
Risikofaktoren
- Rauchen oder Passivrauchen
- Trockene Raumluft, zum Beispiel durch Heizung
- Anatomische Besonderheiten wie eine krumme Nasenscheidewand
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Auge mitbetroffen wirkt, also bei Schwellung oder Rötung
- Wenn hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen auftritt
- Wenn Sie Atemnot bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als 10 Tage andauern
- Wenn Sie häufig unter Nebenhöhlenentzündungen leiden
- Wenn Sie schwanger sind oder ein geschwächtes Immunsystem haben
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und schaut sich Nase und Rachen an. Dabei kann sie oder er erkennen, ob die Schleimhäute gerötet und geschwollen sind.
Mögliche Untersuchungen
- Betrachtung der Nasenschleimhäute mit einem Lichtgerät (vordere Rhinoskopie)
- Abklopfen der Nebenhöhlen, um Druckstellen zu erkennen
- In unklaren Fällen: eine Computertomografie (CT), vor allem bei Verdacht auf chronische Verläufe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut nicht weh. Sie sitzen auf einem Stuhl, die Ärztin oder der Arzt leuchtet in Ihre Nase und fragt Sie eventuell, ob bestimmte Stellen schmerzen. Manche Praxen verwenden auch eine kleine Nasenspiegelung mit einer Kamera. All das ist unangenehm, aber nicht gefährlich.
Behandlung
Bei einer akuten Nebenhöhlenentzündung, die nicht durch Bakterien verursacht wird, steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Ihr Körper schafft die Heilung meist selbst – Sie können ihn dabei unterstützen. Die Ärztin oder der Arzt kann bei Bedarf Mittel empfehlen, die die Schleimhaut abschwellen lassen oder entzündungshemmend wirken. Die Behandlung richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen und folgt der deutschen AWMF-Leitlinie für Nasennebenhöhlenentzündungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Befeuchten Sie die Atemwege mit Wasserdampf, zum Beispiel eine Schüssel mit heißem Wasser und darüber beugen (mit Abstand, um Verbrühungen zu vermeiden)
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee
- Lagern Sie Ihren Kopf beim Schlafen erhöht, damit das Sekret besser abfließen kann
Medizinische Behandlungen
Manche ärztlich empfohlenen Mittel helfen, die Schleimhäute abzuschwellen – zum Beispiel Sprays, die abschwellen oder entzündungshemmend wirken. Diese sollten Sie nicht länger als ärztlich empfohlen anwenden. Auch schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente können Sie nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einnehmen. Bei bakterieller Infektion kann manchmal ein Antibiotikum nötig sein – aber nur dann, wenn die Ärztin oder der Arzt es verordnet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur selten in Frage, etwa wenn eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen vorliegt oder wenn Komplikationen drohen. Sie entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen nach gründlicher Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Im Akutfall hilft Schonung. Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten, verzichten Sie auf Saunagänge, und halten Sie Ihr Schlafzimmer nicht zu warm. Die Beschwerden sind unangenehm, klingen aber in der Regel nach ein bis zwei Wochen ab.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie auf Rauchen und Passivrauchen, das reizt die Schleimhäute
- Vermeiden Sie sehr trockene Raumluft, öffnen Sie regelmäßig das Fenster
- Nasenspülungen mit Salzwasser können Sie zu Hause durchführen – sprechen Sie mit Ihrer Apotheke
Ernährung und Bewegung
Gute Flüssigkeitszufuhr hält den Schleim flüssig. Leichte Bewegung an der frischen Luft kann guttun, aber übertreiben Sie es während einer akuten Entzündung nicht. Bei Fieber ist Bettruhe das Richtige.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Schmerzen im Gesicht und ein verstopftes Gefühl können müde und reizbar machen. Das ist normal. Erlauben Sie sich, zu pausieren. Wenn die Beschwerden länger anhalten und Sie seelisch belasten, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin.
Vorbeugung
Sie können nicht jede Nebenhöhlenentzündung verhindern, aber das Risiko senken. Handhygiene, ausreichend Trinken, ein starkes Immunsystem durch Schlaf und Bewegung sowie gut behandelte Allergien sind die wichtigsten Punkte.
Impfungen
Die Grippeimpfung kann vor schweren Atemwegsinfekten schützen, die oft eine Nebenhöhlenentzündung auslösen. Auch die COVID-19-Impfung verringert das Risiko für Atemwegsinfektionen. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin berät Sie dazu gerne.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine bestimmte Früherkennungsuntersuchung für Nebenhöhlenentzündungen. Wer häufig betroffen ist, sollte sich aber regelhaft bei einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt vorstellen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nur sehr selten kann sich die Entzündung auf das Auge oder das Gehirn ausbreiten
- Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung kann sich entwickeln, wenn die akute Entzündung nicht richtig abheilt
- Dauerhafter Schleimfluss und Druck im Gesicht können die Lebensqualität stark beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die allermeisten akuten Nebenhöhlenentzündungen heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig aus. Mit den richtigen Maßnahmen und ärztlicher Begleitung sind Komplikationen extrem selten. Auch bei chronischen Beschwerden gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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