Nebenhöhlenentzündung mit Fieber
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sind die Schleimhäute in den luftgefüllten Räumen im Gesichtsschädel entzündet. Wenn zusätzlich Fieber auftritt, bedeutet das, dass der Körper eine Entzündung bekämpft. Das ist ein wichtiges Zeichen, das Sie ernst nehmen sollten.
Wichtige Fakten
- Die Nebenhöhlen liegen hinter und über Augen, Nase und Wangen.
- Eine Entzündung verstopft die Öffnungen, dadurch können Schleim und Sekret nicht abfließen.
- Fieber zeigt, dass das Immunsystem arbeitet, aber eine ärztliche Abklärung kann sinnvoll sein.
Ja, sehr häufig. In Deutschland bekommen viele Menschen mehrmals im Leben eine Nebenhöhlenentzündung, besonders in den Monaten mit vielen Atemwegsinfekten.
Betroffen sind alle Altersgruppen, aber am häufigsten Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Menschen mit Allergien, schwachem Immunsystem oder bestimmten anatomischen Gegebenheiten sind öfter betroffen.
Symptome
- Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Sehr hohes Fieber über 40 Grad Celsius, das schnell ansteigt
- Bewusstseinstrübung oder starke Verwirrtheit
- Plötzliche, starke Schwellung rund um ein Auge
- Nackensteifigkeit mit Fieber – dann sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Starke einseitige Gesichtsschmerzen oder Schwellungen
- ⚠Fieber, das länger als vier Tage anhält oder immer wieder kommt
- ⚠Schmerzen in einem Auge, Doppelbilder oder Sehstörungen
- ⚠Bei bekannten Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma oder geschwächtem Immunsystem
Häufige Symptome
- Druckgefühl oder Schmerzen im Gesicht – besonders an Stirn, Wangen oder hinter den Augen
- Verstopfte oder laufende Nase – oft mit dickem Sekret
- Fieber über 37,8 Grad Celsius
- Kopfschmerzen
- Husten, der nachts schlimmer wird
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Fieber über 38 Grad Celsius
- Nase läuft und ist gleichzeitig verstopft
- Schlechter Appetit
- Husten, besonders im Schlaf
- Reizbarkeit und Müdigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger Fieber – eher anhaltende Erschöpfung
- Verwirrtheit oder Veränderung im Verhalten
- Langanhaltender Druck im Kopf
- Trockener Husten ohne Erkältung
Ursachen
Hauptursachen
- Viren – zum Beispiel Erkältungsviren, die die Schleimhäute anschwellen lassen
- Bakterien, die sich in einer verstopften Nebenhöhle festsetzen, wenn der Schleim nicht abfließt
- Allergien mit dauerhaft geschwollenen Schleimhäuten
- Zahninfektionen, die auf die unteren Nebenhöhlen übergreifen
Risikofaktoren
- Rauchen oder ständiger Aufenthalt in verrauchten Räumen
- Häufige Erkältungen oder Grippe
- Allergischer Schnupfen (Heuschnupfen)
- Keine ausreichende Trinkmenge – trockene Schleimhäute
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Krankheit oder bestimmte Medikamente
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den genannten Notfallzeichen oder wenn Sie unsicher sind
- Wenn das Fieber trotz Hausmitteln nicht sinkt
- Wenn die Schmerzen im Gesicht sehr stark sind
- Wenn Sie eine Grunderkrankung haben, die das Immunsystem betrifft
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht besser werden
- Wenn bereits mehrere Nebenhöhlenentzündungen in einem Jahr auftraten
- Bevor Sie eine Fernreise oder einen Flug unternehmen, um den Druckausgleich zu besprechen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt nimmt sich Zeit für Ihre Krankengeschichte und schaut sich Nase und Gesicht genau an. Dazu beleuchtet er den Innenraum der Nase und tastet die Nebenhöhlen vorsichtig von außen ab. So findet er heraus, ob eine Entzündung vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Inspektion der Nase mit einem Nasenspiegel (Spekulum)
- Abklopfen der Nebenhöhlen am Kopf
- Fiebermessung
- Nasenendoskopie: ein dünner, flexibler Schlauch mit Kamera wird in die Nase geführt
- Nur in besonderen Fällen: Computertomografie (CT), eine besondere Röntgenuntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut nicht weh und dauert meist nur wenige Minuten. Sie können normal atmen und liegen oder sitzen bequem. Wenn eine Nasenspiegelung nicht ausreicht, bekommen Sie eine Überweisung zu einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen reichen Geduld und gute Selbstpflege. Die AWMF-Leitlinie zur Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt, Antibiotika zurückhaltend einzusetzen – nur bei Anzeichen einer bakteriellen Infektion oder bei schweren Verläufen. Zur medikamentösen Behandlung gehören abschwellende und schmerzlindernde Mittel, die die Symptome erleichtern. Ein Arztbesuch hilft, den passenden Weg zu finden.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee – das hält den Schleim dünn
- Inhalieren mit Wasserdampf: eine Schüssel mit heißem Wasser, Handtuch über den Kopf – das befreit die Nase
- Warme Umschläge auf Stirn und Wangen lindern das Druckgefühl
- Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper – etwa mit einem zweiten Kissen
- Rauchen vermeiden und trockene Heizungsluft mit einem feuchten Tuch oder Luftbefeuchter ausgleichen
Medizinische Behandlungen
Ein Arzt oder eine Ärztin kann abschwellende Arzneimittel, schmerzlindernde Medikamente oder Nasenspülungen mit Kochsalzlösung empfehlen. Diese sollen Beschwerden lindern, aber nicht eigenmächtig über längere Zeit angewendet werden. Wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, kann ein Antibiotikum verordnet werden – absprechen, wie lange Sie es nehmen sollen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur dann ein Thema, wenn eine chronische Sinusitis trotz Behandlung bleibt oder wenn ein anatomisches Problem die Belüftung verhindert. Ein HNO-Arzt kann erklären, welche Methode für Sie geeignet ist und was sie beinhaltet.
Leben mit der Erkrankung
Gönnen Sie sich Ruhe und geben Sie Ihrem Körper die Zeit, die Entzündung zu überwinden. Achten Sie darauf, viel zu trinken und regelmäßig zu lüften. Wenn Sie liegen, ist der Kopf höher gelagert – das macht die Atmung leichter und reduziert den Druck im Gesicht.
Tipps für den Alltag
- Täglich 20 Minuten lüften – auch im Winter
- Stress vermeiden oder Entspannungsübungen in den Alltag einbauen
- Rauchen aufgeben, denn Tabakrauch reizt die Schleimhäute
- Gerade bei Allergien: Allergene wie Hausstaub oder Pollen reduzieren
- Gesunde Schlafroutine – ausreichend Schlaf stärkt die Abwehrkräfte
Ernährung und Bewegung
Leichte Kost mit viel Gemüse und Obst unterstützt den Heilungsprozess. Auf anstrengende Sportarten sollten Sie bei Fieber verzichten. Spaziergänge an frischer Luft sind erlaubt, wenn Sie sich wohlfühlen – aber nur ohne Anstrengung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine hartnäckige Entzündung mit Fieber kann die Stimmung drücken, weil man sich schlapp und unwohl fühlt. Das ist ganz normal. Nehmen Sie die Krankheit ernst, ruhen Sie sich aus und sprechen Sie mit Menschen, die Ihnen gut tun, wenn Sie sich belastet fühlen.
Vorbeugung
Nicht jede Entzündung lässt sich verhindern. Aber Sie können das Risiko senken: Hände häufig waschen, Abstand zu erkälteten Menschen halten, Schleimhäute feucht halten und das Immunsystem durch Lebensstil und gesunde Ernährung stärken.
Impfungen
Gegen Grippe, COVID-19 und Pneumokokken gibt es in Deutschland Impfempfehlungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für bestimmte Personengruppen eine Schutzimpfung. Diese kann mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Früherkennungsprogramme
Für Nebenhöhlenentzündungen gibt es kein Früherkennungs-Screening. Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen kann aber ein Arzt auf Auffälligkeiten der Nase achten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei langer Dauer kann eine chronische Nebenhöhlenentzündung entstehen, die den Geruchssinn stört.
- Selten kann das Bakterium in die Augenhöhle wandern und dort eine Entzündung hervorrufen.
- In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute – das ist ein Notfall.
- Ein akuter Schub kann Menschen mit Asthma verschlechtern – dann ist ärztliche Hilfe wichtig.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung und Geduld wird die häufigste Form, die akute virale Sinusitis, meist in zwei bis drei Wochen vollständig gesund. Selbst bakterielle oder chronische Verläufe lassen sich heute gut behandeln. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hilft Ihnen dabei, den Weg zu finden, der für Sie passt.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.