Hörsturz (plötzlicher Hörverlust)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Hörsturz ist ein plötzliches Nachlassen des Gehörs, meist auf einem Ohr. Oft tritt er ohne offensichtlichen Auslöser auf. Betroffene merken es wie von einer Sekunde auf die nächste: Das Ohr fühlt sich „taub“ oder wie mit Watte verstopft an. Der Hörsturz entsteht im Innenohr, also im Teil des Ohrs, der für das Hören zuständig ist.
Wichtige Fakten
- Ein Hörsturz kommt meist auf einem Ohr plötzlich – wie aus dem Nichts.
- Viele Hörstürze bilden sich auch ohne Behandlung von selbst zurück.
- Je früher ein Hörsturz ärztlich abgeklärt wird, desto besser – warten Sie nicht zu lange.
Ein Hörsturz ist nicht selten. In Deutschland erleben das pro Jahr schätzungsweise mehrere Menschen pro 10.000 – genau weiß man es nicht, weil manche Betroffene keine ärztliche Hilfe suchen.
Ein Hörsturz kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten sind aber Erwachsene zwischen etwa 40 und 60 Jahren. Manche Menschen bekommen ihn einmal im Leben, andere seltener auch mehrfach.
Symptome
- Plötzliche Hörminderung zusammen mit halbseitiger Lähmung im Gesicht oder am Arm
- Hängender Mundwinkel oder Schwäche in einem Arm oder Bein
- Starke Sprachschwierigkeiten oder plötzlich verwaschene Sprache
- Sehr starker Schwindel mit Erbrechen, sodass Sie nicht mehr sicher stehen können
- Hörsturz nach einem schweren Schlag oder Unfall gegen den Kopf
- ⚠Plötzlicher Hörverlust innerhalb der letzten Stunden oder Tage – das ist immer dringend
- ⚠Das Gefühl, auf einem Ohr deutlich schlechter zu hören als am Vortag
- ⚠Neuer, anhaltender Tinnitus zusammen mit Hörminderung
Häufige Symptome
- Plötzlich verschlechtertes Hören auf einem Ohr
- Gedämpfter oder „verstopfter“ Klang im Ohr
- Druckgefühl im Ohr
- Ohrgeräusche, zum Beispiel Pfeifen oder Rauschen (Tinnitus)
- Schwindelgefühl oder leichte Benommenheit
Symptome bei Kindern
- Kinder reagieren nicht, wenn man sie ruft oder anspricht
- Das Kind klagt über „Ohren zu“ oder ein komisches Gefühl im Ohr
- In der Schule wirkt es unaufmerksam oder versteht Aufgaben schlechter
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Der Hörverlust wird leicht für Altersschwerhörigkeit gehalten – er betrifft aber oft nur ein Ohr und kommt plötzlich
- Ältere Menschen hören Gespräche auf einmal nur noch einseitig undeutlich
- Verstärkte Unsicherheit beim Gehen oder Gleichgewichtsprobleme können dazukommen
Ursachen
Hauptursachen
- Bei vielen Hörstürzen bleibt die genaue Ursache unklar
- Entzündungen – zum Beispiel durch eine Virusinfektion im Innenohr
- Durchblutungsstörungen im Innenohr
- Störungen des Immunsystems, bei denen körpereigene Zellen das Innenohr angreifen
- Starke seelische Belastung oder akuter Stress
Risikofaktoren
- Starker Druck oder sehr belastende Lebensereignisse
- Bluthochdruck
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Schlafmangel und Erschöpfung
- Rauchen
- Frühere Hörstürze in den eigenen oder in Familienmitgliedern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie bei einem plötzlichen Hörverlust am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf – am besten eine HNO-Praxis oder die Notaufnahme.
- Eine schnelle Untersuchung hilft, ernste Ursachen auszuschließen und eine eventuelle Behandlung in Ruhe zu planen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie schon seit einigen Wochen oder Monaten schlechter hören, kann das vom Hausarzt oder direkt in der HNO-Praxis abgeklärt werden.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und danach, wann alles angefangen hat. Dann untersucht das Ohr und testet genauer, welche Töne Sie hören. So lässt sich meist feststellen, ob das Innenohr betroffen ist.
Mögliche Untersuchungen
- Hörtest mit einem Kopfhörer und Tönen (Audiometrie)
- Stimmgabel-Test, um zu prüfen, ob Ihr Gehör normal arbeitet
- Druckmessung am Ohr – damit erkennt man, ob das Trommelfell und das Mittelohr in Ordnung sind
- Manchmal eine Blutentnahme, um Entzündungen oder andere Ursachen zu finden
- In besonderen Fällen eine Magnetresonanztomografie (MRT) – dabei wird mit Magnetwellen ein Bild vom Kopf gemacht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut nicht weh. Der Hörtest dauert normalerweise etwa 15 bis 30 Minuten. Sie erhalten danach das Ergebnis und gemeinsam wird besprochen, ob eine Behandlung sinnvoll ist. Bei Hörsturz gilt: Eine genaue Untersuchung gibt Sicherheit.
Behandlung
Ein Hörsturz ist eine Erkrankung des Innenohrs. Häufig heilt er von allein – in manchen Fällen versucht man, die Heilung mit Medikamenten zu unterstützen. Es gibt keine Behandlung, die in jedem Fall wirkt. Deshalb wird der Nutzen mit Ihnen individuell besprochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Gönnen Sie sich Ruhe und Auszeiten – körperliche und seelische Erholung hilft dem Ohr
- Meiden Sie sehr laute Musik und Lärm, bis sich das Hörvermögen erholt hat
- Vermeiden Sie unnötigen Druck aufs Ohr – zum Beispiel durch heftiges Nasenputzen
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und versuchen Sie, Stress zu reduzieren
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente verschreiben, die die Durchblutung verbessern oder entzündungshemmend wirken. Manche Therapien werden, insbesondere im Krankenhaus oder in der Praxis, als Infusion verabreicht. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von Ursache, Schweregrad und Begleiterkrankungen ab. Entscheidungen über Medikamente und deren Dosis gehören immer in die Hand von medizinischem Fachpersonal.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, etwa wenn eine genaue Untersuchung eine andere Ursache zeigt, zum Beispiel einen Tumor im Gleichgewichtsnerv. Dann wird der Eingriff geplant, nicht als Notfall – Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen gut, warum das in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen erholen sich nach einem Hörsturz innerhalb von Wochen gut. In der Zwischenzeit kann ein Hörtest zeigen, welches Ausmaß noch bleibt. Wenn ein Ohr schlechter hört, helfen einfache Strategien: zum Beispiel beim Gespräch die bessere Ohrenseite zuzuwenden oder in ruhigen Räumen zu telefonieren.
Tipps für den Alltag
- Schonen Sie Ihre Ohren: eine ruhige Umgebung bedeutet weniger Reiz für das Ohr
- Sprechen Sie offen über Ihre Hörminderung – Kolleginnen und Kollegen oder Freunde können dann Rücksicht nehmen
- Falls das Hören eingeschränkt bleibt, probieren Sie ein Hörgerät oder andere Hörhilfen – das kann den Alltag deutlich erleichtern
Ernährung und Bewegung
Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind allgemein gut für die Durchblutung. Beim Hörsturz gibt es keinen speziellen Beweis für eine bestimmte Diät. Ein ausgeglichener Lebensstil mit ausreichend Schlaf unterstützt aber die Erholung des gesamten Körpers – auch des Ohrs.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein plötzlicher Hörverlust ist beunruhigend und kann Ängste auslösen. Dauerhafte Ohrgeräusche, auch Tinnitus genannt, kommen vor und können den Schlaf stören. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich nicht allein fühlen – sprechen Sie mit vertrauten Menschen oder suchen Sie professionelle Unterstützung, die Ihnen hilft, mit der Belastung umzugehen.
Vorbeugung
Ein Hörsturz lässt sich nicht vollständig verhindern, weil die genaue Ursache oft unbekannt ist. Aber ein gesunder Lebensstil stärkt die Durchblutung und das Immunsystem – das ist gut für das Innenohr. Vermeiden Sie außerdem dauerhaften Lärm und schützen Sie Ihre Ohren bei lauter Umgebung.
Impfungen
Es gibt keine spezielle Impfung gegen Hörsturz. Aber Impfungen gegen Infektionskrankheiten wie Grippe oder auch eine Pneumokokken-Schutzimpfung können Entzündungen vorbeugen, die das Innenohr angreifen könnten. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Pflichtuntersuchung für Erwachsene auf Hörsturz. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko – zum Beispiel mit Hörsturz in der Vorgeschichte oder sehr lauter Arbeitsumgebung – kann eine regelmäßige Hörmessung sinnvoll sein. Fragen Sie dazu in Ihrer HNO-Praxis oder bei Ihrem Betriebsarzt nach.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Hörvermögen kann dauerhaft eingeschränkt bleiben
- Ein dauerhafter Tinnitus kann sich entwickeln
- Bei einer durchblutungsbedingten Ursache kann unbehandelt auch das Gleichgewicht betroffen sein
Langzeitprognose
Es gibt keinen Grund, den Mut zu verlieren. Viele Hörstürze, vor allem leichte, bilden sich innerhalb von Tagen bis Wochen vollständig zurück. Auch bei stärkeren Hörverlusten bessert sich die Hörmöglichkeit oft deutlich. Selbst wenn ein Rest bleibt, kann man mit Hörgeräten oder Erlernen von Bewältigungsstrategien ein gutes, erfülltes Leben führen. Ihr Behandlungsteam hilft Ihnen, den nächsten Schritt zu finden.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.