Scheidentrockenheit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Vaginale Trockenheit (trockene Scheide) bedeutet, dass die Schleimhaut in der Scheide weniger feucht ist als normal. Das kann zu Beschwerden wie Jucken, Brennen oder Schmerzen führen.
Wichtige Fakten
- Vaginale Trockenheit ist sehr häufig, besonders nach den Wechseljahren.
- Sie ist gut behandelbar – oft schon mit einfachen Mitteln.
- Die Beschwerden können den Alltag und die Partnerschaft belasten, sind aber kein Grund zur Sorge.
Ja, viele Frauen erleben irgendwann in ihrem Leben Phasen vaginaler Trockenheit. Besonders häufig tritt sie in den Wechseljahren, nach der Geburt oder während des Stillens auf.
Grundsätzlich kann jede Frau betroffen sein – unabhängig vom Alter. Allerdings sind Frauen in den Wechseljahren, nach einer Krebsbehandlung oder mit bestimmten Erkrankungen (wie Sjögren-Syndrom) besonders anfällig.
Symptome
- Plötzliche starke Blutungen aus der Scheide (nicht im Zusammenhang mit der Periode)
- Starke Unterleibsschmerzen, die nicht nachlassen
- Schüttelfrost mit hohem Fieber und eitrigem Ausfluss – das kann auf eine schwere Infektion hinweisen. Rufen Sie in diesen Fällen sofort den Notruf 112.
- ⚠Anhaltende oder sich verschlechternde Beschwerden, die den Alltag stark beeinträchtigen
- ⚠Verdacht auf eine Pilz- oder Bakterieninfektion (z.B. ungewöhnlicher, übelriechender Ausfluss)
- ⚠Schmerzen oder Blutungen, die immer wieder auftreten und Sie beunruhigen. Suchen Sie noch am gleichen oder nächsten Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Häufige Symptome
- Trockenheitsgefühl in der Scheide
- Juckreiz oder Brennen im Scheidenbereich
- Schmerzen oder Unbehagen beim Geschlechtsverkehr
- Leichte Schmierblutungen nach dem Sex
- Häufiger Harndrang oder wiederkehrende Harnwegsinfekte
Symptome bei Kindern
- Vaginale Trockenheit bei Kindern ist selten, kann aber durch Reizstoffe (z.B. Seifen, enge Kleidung) oder eine Entzündung der Scheide (Vulvovaginitis) auftreten. Symptome sind dann vor allem Rötung, Juckreiz und Brennen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Frauen ist die Scheidenschleimhaut oft dünner und empfindlicher. Die Trockenheit ist meist stärker ausgeprägt, kann zu wiederkehrenden Harnwegsinfekten und Schmerzen beim Wasserlassen führen. Auch das Scheidenmilieu ändert sich, was das Risiko für Infektionen erhöht.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonelle Veränderungen: Besonders ein Absinken des Östrogenspiegels (in den Wechseljahren, nach der Geburt oder während des Stillens)
- Bestimmte Medikamente: Zum Beispiel manche Antihistaminika (gegen Allergien), Antidepressiva oder Chemotherapie
- Reizungen durch Seifen, Duschgels, Intimsprays oder häufiges Waschen mit Wasser
- Stress und psychische Belastung, die die Durchblutung und Feuchtigkeitsproduktion beeinflussen können
Risikofaktoren
- Wechseljahre oder Entfernung der Eierstöcke
- Rauchen (schlechtere Durchblutung und frühere Wechseljahre)
- Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder das Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung, die Schleimhäute austrocknet)
- Bestrahlung oder Operation im Beckenbereich
- Ungenügende sexuelle Erregung vor dem Geschlechtsverkehr
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Schmerzen oder Blutungen, die nicht von der Periode kommen
- Fieber über 38,5 °C mit Schmerzen im Unterleib
- Eitriger oder übelriechender Ausfluss
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Trockenheit länger als ein paar Wochen anhält und Sie im Alltag beeinträchtigt
- Bei wiederholten Harnwegsinfekten oder Schmerzen beim Sex
- Bevor Sie ein rezeptfreies Gleitmittel oder eine Behandlung ausprobieren – lässt sich besser mit Ihrer Ärztin besprechen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst ein Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese) und nach Ihren Symptomen, Ihrem Lebensstil und möglichen Auslösern fragen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung des Scheiden- und Vulvabereichs.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung der Scheide mit einem Spekulum (einem Instrument, das die Scheidenwände sanft auseinanderhält)
- Messung des pH-Werts der Scheide (ein erhöhter Wert kann auf eine veränderte Scheidenflora hinweisen)
- Abstrich zur Untersuchung auf Pilze oder Bakterien, falls eine Infektion vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel kurz und verursacht keine großen Schmerzen. Teilen Sie Ihrer Ärztin mit, wenn Sie sehr angespannt sind – sie kann dann besonders behutsam vorgehen. Nach der Diagnose bespricht sie mit Ihnen die passenden Behandlungsmöglichkeiten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Meist lassen sich die Beschwerden gut lindern, oft schon mit einfachen Maßnahmen wie Gleitmitteln oder Feuchtigkeitscremes. Sind hormonelle Veränderungen der Grund, kann eine örtliche Hormonbehandlung helfen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin berät Sie gerne, was für Sie am besten geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Verwenden Sie auf Wasserbasis basierende Gleitmittel beim Geschlechtsverkehr – das reduziert Reibung und Schmerzen.
- Tragen Sie atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle und vermeiden Sie enge Kleidung.
- Verzichten Sie auf parfümierte Seifen, Intimsprays oder aggressive Reinigungsmittel im Intimbereich.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, um die allgemeine Feuchtigkeit der Schleimhäute zu unterstützen.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen östrogenhaltige Präparate verschreiben, die direkt in die Scheide gegeben werden (z.B. als Creme, Zäpfchen oder Ring). Diese lokale Hormontherapie wirkt gezielt und hat in der Regel kaum Nebenwirkungen. Auch nicht-hormonelle Feuchtigkeitscremes oder -gels, die den pH-Wert der Scheide stabilisieren, sind als rezeptfreie Optionen erhältlich – sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrer Apothekerin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei vaginaler Trockenheit in der Regel nicht nötig. Nur wenn eine Grunderkrankung wie eine Harninkontinenz oder ein Scheidenvorfall vorliegt, kann ein chirurgischer Eingriff infrage kommen. Das besprechen Sie am besten mit Ihrer Frauenärztin.
Leben mit der Erkrankung
Auch mit vaginaler Trockenheit können Sie Ihren Alltag gut bewältigen. Wichtig ist, auf Ihren Körper zu hören und sanfte Pflegeprodukte zu verwenden. Planen Sie genügend Zeit für den Geschlechtsverkehr ein oder nutzen Sie Gleitmittel – das kann viel entspannter machen.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie langes Sitzen in heißem Wasser oder Saunabesuche bei starken Beschwerden.
- Setzen Sie auf eine sanfte Reinigung mit klarem Wasser oder speziellen pH-neutralen Intimwaschlotionen.
- Wenn Sie rauchen, ist das ein guter Grund, einen Ausstiegsversuch zu unternehmen – Rauchen verschlechtert die Durchblutung und damit die Feuchtigkeitsproduktion.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Leinsamen, Walnüssen oder Fisch) kann die Schleimhäute unterstützen. Regelmäßige Bewegung, insbesondere Beckenbodentraining, fördert die Durchblutung im Genitalbereich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Vaginale Trockenheit kann das Selbstwertgefühl und die Sexualität beeinträchtigen. Es ist normal, sich frustriert oder traurig zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner darüber zu sprechen oder professionelle Hilfe zu suchen. Ein offener Umgang entlastet oft.
Vorbeugung
Einige Faktoren wie die Wechseljahre lassen sich nicht verhindern, aber Sie können die Beschwerden mildern: Vermeiden Sie Reizstoffe, verwenden Sie bei Bedarf Gleitmittel und lassen Sie Ihre Hormonwerte bei Beschwerden ärztlich überprüfen.
Impfungen
Entfällt
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt (jährlich) helfen, Veränderungen früh zu erkennen. Ab dem 20. Lebensjahr wird in Deutschland die jährliche Krebsvorsorge für den Gebärmutterhals angeboten – dabei wird oft auch der Scheidenzustand beurteilt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Harnwegsinfekte
- Schmerzhafte Risse (Fissuren) in der Scheidenschleimhaut
- Wiederkehrende Scheideninfektionen (z.B. Pilzinfektionen)
- Verschlechterung der Lebensqualität durch Schmerzen und vermindertes sexuelles Verlangen
Langzeitprognose
Vaginale Trockenheit ist kein Dauerzustand, wenn sie richtig behandelt wird. Die meisten Frauen erleben schon mit einfachen Mitteln eine deutliche Besserung. Auch langfristig ist die Prognose gut – Sie müssen sich nicht damit abfinden. Suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat, dann können die Beschwerden in der Regel sehr gut gelindert werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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