Sehen in der Dunkelheit – Wenn die Nacht die Sicht nimmt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unter Nachtsichtproblemen versteht man Schwierigkeiten, bei schwachem Licht oder in der Dunkelheit zu sehen. Das kann von leichtem Unbehagen bis zu ernsthaften Einschränkungen reichen. Manchmal liegt es an einer Brille, die nicht mehr passt, manchmal an einer Augenerkrankung. Gemeint ist nicht das normale, leichte Nachlassen der Sehschärfe in der Dämmerung.
Wichtige Fakten
- Nachtsichtprobleme sind häufig, gerade mit zunehmendem Alter.
- Oft hilft schon eine neue oder angepasste Brille.
- Nicht jede Verschlechterung ist krankhaft – aber eine Abklärung beim Augenarzt ist wichtig.
Ja. Viele Menschen bemerken ab dem 40. oder 50. Lebensjahr, dass sie in der Dämmerung oder nachts schlechter sehen. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, zum Beispiel bei Kurzsichtigkeit.
Nachtsichtprobleme können in jedem Alter auftreten. Besonders betroffen sind Menschen mit Kurzsichtigkeit, ältere Erwachsene und Personen mit bestimmten Augenerkrankungen. Auch wer häufig Auto fährt oder viel auf Bildschirme schaut, spürt oft eine Verschlechterung in der Dämmerung.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
- Schwarzer Vorhang oder Schatten im Sichtfeld
- Schmerzen im Auge mit Übelkeit und Erbrechen
- Doppelbilder oder starke Lichthöfe nach einem Unfall oder Kopfstoß
- ⚠Neu auftretende Lichtblitze oder Rußregen im Sichtfeld
- ⚠Starke Rötung des Auges mit Sehverschlechterung
- ⚠Zunehmende Blendung mit Kopfschmerzen
Häufige Symptome
- Verschwommenes Sehen in der Dämmerung
- Blendung durch entgegenkommende Scheinwerfer
- Kontraste wirken schwächer
- Augenermüdung schnell bei Dunkelheit
- Objekte erscheinen wie durch Nebel
Symptome bei Kindern
- Häufiges Stolpern in der Dämmerung
- Angst im Dunkeln
- Abneigung gegen Abendaktivitäten
- Zusammenkneifen der Augen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Starke Blendung
- Gefühl, im Dunkeln unsicher zu sein
- Längere Anpassungszeit beim Wechsel von hell zu dunkel
- Orientierungsprobleme in schlecht beleuchteten Räumen
Ursachen
Hauptursachen
- Kurzsichtigkeit (Myopie) – das Sehen in der Ferne ist ohne Brille unscharf
- Grauer Star (Katarakt) – die Augenlinse wird trüb und streut das Licht
- Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa – eine erbliche Störung der Lichtsinneszellen
- Vitamin-A-Mangel – wichtig für die Sehfähigkeit bei Dämmerung
- Diabetes mit Folgen für die Netzhaut
- Manche Medikamente, die die Pupillenweite beeinflussen
Risikofaktoren
- Alter über 50
- Starke Kurzsichtigkeit
- Diabetes mellitus
- Erbliche Augenerkrankungen in der Familie
- Rauchen
- Manche Medikamente, z. B. gegen Allergien oder bestimmte psychische Erkrankungen – fragen Sie hierzu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder Apotheker
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Sehverschlechterung innerhalb von Minuten oder Stunden
- Verlust des Gesichtsfeldes, z. B. ein Schatten von der Seite
- Schmerzen im Auge mit Rötung und Kopfschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie brauchen nachts länger, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen
- Ihre Brille ist nicht mehr ausreichend
- Blendung beim Autofahren nimmt zu
- Sie sind über 60 und hatten lange keine Augenuntersuchung
Diagnose
Der Augenarzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach prüft er Ihre Sehschärfe bei verschiedenen Lichtverhältnissen. So lässt sich meist schnell klären, ob eine Brille ausreicht oder weitere Untersuchungen nötig sind.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Buchstaben- oder Symboltafeln
- Messung der Sehschärfe in der Dämmerung (Niedrigluminanz-Sehtest)
- Spaltlampenuntersuchung zur Beurteilung von Linse und Augeninnerem
- Augenhintergrunduntersuchung mit erweiterten Pupillen
- Bei Verdacht auf Netzhauterkrankung: Elektroretinogramm (ERG) – misst die elektrische Aktivität der Netzhaut
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Manche Tropfen zur Pupillenerweiterung können vorübergehend brennen und die Sicht für einige Stunden verschwimmen lassen. Bringen Sie idealerweise eine Begleitperson mit, wenn Sie nach der Untersuchung nicht selbst gut sehen können. Ihren Befund bespricht die Ärztin oder der Arzt direkt mit Ihnen. Bei Bedarf werden Sie an eine Augenklinik überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. In vielen Fällen genügt eine neue Brille. Bei Augenkrankheiten kann eine Operation oder die Behandlung der Grunderkrankung helfen. Steht eine andere Krankheit im Hintergrund – zum Beispiel Diabetes oder ein Vitamin-A-Mangel – wird diese zuerst behandelt.
Selbsthilfe zu Hause
- Sorgen Sie für gute Beleuchtung zu Hause, besonders auf Treppen und in Fluren
- Tragen Sie eine Brille mit entspiegelten Gläsern
- Vermeiden Sie direkte Scheinwerfer, schauen Sie nachts leicht am Straßenrand entlang
- Verzichten Sie nachts auf Alkohol, wenn Sie noch Auto fahren müssen
- Halten Sie Ihre Brillengläser sauber und kratzerfrei
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt wird Sie ausführlich beraten. Es gibt verschiedene Ansätze je nach Ursache: Angepasste Sehhilfen, Augentropfen gegen trockene Augen – falls dies die Sicht verschlechtert – oder die Behandlung einer Grunderkrankung wie Diabetes. Auch operative Eingriffe, zum Beispiel die Entfernung eines Grauen Stars, können das Nachtsichtvermögen verbessern. Die genaue Therapie ist sehr individuell. Besprechen Sie alle Möglichkeiten offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein Grauer Star die Sicht stark beeinträchtigt, kann eine Operation helfen, bei der die getrübte Linse durch eine künstliche ersetzt wird. Auch bei bestimmten Netzhauterkrankungen kann ein Eingriff nötig sein. Die Entscheidung trifft die Augenärztin oder der Augenarzt gemeinsam mit Ihnen anhand der Befunde.
Leben mit der Erkrankung
Wer nachts schlecht sieht, kann den Alltag gut meistern, wenn er einige Dinge beachtet: Gehwege in beleuchteten Bereichen nutzen, eine Taschenlampe mitführen und bei Dunkelheit das Autofahren vermeiden, bis die Ursache abgeklärt ist. Planen Sie Wege so, dass Sie sich sicher fühlen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Pausen bei der Bildschirmarbeit
- Fahrten in der Dämmerung wenn möglich vermeiden
- Kontaktlinsen oder Brille regelmäßig vom Augenarzt prüfen lassen
- Ausreichend Schlaf – müde Augen sehen schlechter
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Vitamin-A-reichen Lebensmitteln wie Karotten, Süßkartoffeln und Grünkohl unterstützt die Netzhaut. Bewegung fördert die Durchblutung der Augen. Bei einer erblichen Augenerkrankung ist Ernährung aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wer nachts schlecht sieht, kann sich unsicher fühlen und Ängste entwickeln – das ist verständlich. Sie sind damit nicht allein. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Auch eine psychologische Beratung kann helfen. Wenn Sie in eine seelische Krise geraten, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge oder an ärztliche Hilfe.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen lassen sich verhindern. Sie können aber das Risiko senken: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig untersuchen, tragen Sie bei Sonne eine Sonnenbrille mit UV-Schutz und behandeln Sie Grunderkrankungen wie Diabetes konsequent.
Früherkennungsprogramme
Ab 60 Jahren ist eine regelmäßige Augenuntersuchung empfehlenswert. Auch jüngere Menschen mit Sehproblemen oder familiärer Vorbelastung sollten sich regelmäßig untersuchen lassen. Fragen Sie in Ihrer Augenarztpraxis nach den empfohlenen Intervallen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unsicherheit und Stürze im Dunkeln
- Schwierigkeiten im Straßenverkehr, besonders beim Autofahren
- Zunehmende Verschlechterung der Sehkraft, wenn eine behandelbare Ursache wie ein Grauer Star nicht rechtzeitig erkannt wird
Langzeitprognose
Durch eine genaue Untersuchung und eine passende Behandlung lässt sich die Nachtsicht in den meisten Fällen deutlich verbessern. Auch wenn eine Grunderkrankung nicht heilbar ist – mit Hilfsmitteln, guten Lichtquellen und angepassten Gewohnheiten können Sie weiterhin ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) · Deutschland
- Pro Retina Deutschland e. V. – Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhauterkrankungen · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.