When to seek care for ear pain
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ohrenschmerzen sind Schmerzen im oder um das Ohr herum. Sie können von verschiedenen Ursachen kommen, wie zum Beispiel einer Mittelohrentzündung, einer Entzündung des äußeren Gehörgangs oder auch Problemen mit den Zähnen oder dem Kiefergelenk.
Wichtige Fakten
- Ohrenschmerzen sind ein häufiges Symptom, besonders bei Kindern.
- Oft bessern sie sich von selbst wieder, ohne dass eine Behandlung nötig ist.
- Manche Ohrenschmerzen erfordern jedoch ärztliche Hilfe – erfahren Sie hier, woran Sie das erkennen.
Ja, Ohrenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Menschen zum Arzt gehen. Besonders Kinder sind betroffen.
Ohrenschmerzen können Menschen jeden Alters betreffen. Sie treten häufiger bei Kindern auf, vor allem im Rahmen von Erkältungen oder Mittelohrentzündungen. Auch Erwachsene können Ohrenschmerzen haben, beispielsweise durch Flugreisen, Schwimmen oder Zahnprobleme.
Symptome
- Starke Ohrenschmerzen, die plötzlich auftreten und von hohem Fieber (über 39°C) begleitet werden
- Ohrenschmerzen nach einem Unfall oder einer Verletzung am Kopf oder Ohr
- Ohrenschmerzen mit Lähmungserscheinungen im Gesicht (z. B. einseitiges Herabhängen des Mundes)
- Ohrenschmerzen mit starkem Schwindel oder Drehschwindel, die das Stehen oder Gehen unmöglich machen
- Ohrenschmerzen bei Personen, die gerade Kontakt mit lauten Explosionen oder Schüssen hatten
- ⚠Ohrenschmerzen, die länger als zwei Tage anhalten oder trotz einfacher Hausmittel nicht besser werden
- ⚠Ohrenschmerzen bei Säuglingen unter sechs Monaten
- ⚠Ausfluss aus dem Ohr, insbesondere wenn er eitrig oder blutig ist
- ⚠Ohrenschmerzen mit plötzlicher deutlicher Hörminderung auf einem Ohr
- ⚠Ohrenschmerzen bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. durch Chemotherapie oder HIV)
- ⚠Ohrenschmerzen, die mit Kopfschmerzen, Nackensteife oder Lichtscheu einhergehen
Häufige Symptome
- Schmerzen im Ohr, die stechend, drückend oder dumpf sein können
- Rötung oder Schwellung am oder um das Ohr herum
- Hörminderung oder das Gefühl, dass das Ohr verstopft ist
- Juckreiz im Ohr, besonders bei Entzündungen des äußeren Gehörgangs
- Ausfluss aus dem Ohr (klar, gelblich oder blutig)
- Fieber, vor allem bei Mittelohrentzündungen
Symptome bei Kindern
- Kinder reiben oder ziehen häufig an ihrem Ohr
- Sie können schlechter hören und reagieren weniger auf Geräusche
- Unruhe, Weinerlichkeit oder Schlafstörungen
- Fieber, manchmal auch Erbrechen oder Durchfall
- Appetitlosigkeit – Kinder verweigern oft das Trinken oder Essen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen können weniger stark wahrgenommen werden, obwohl eine ernsthafte Erkrankung vorliegt
- Hörminderung fällt möglicherweise stärker auf als der Schmerz
- Verwirrtheit oder Schwindel können Anzeichen einer Komplikation sein
- Begleiterkrankungen wie Diabetes oder eine schwache Immunabwehr können das Risiko für schwere Verläufe erhöhen
Ursachen
Hauptursachen
- Mittelohrentzündung (Otitis media) – meist nach einem Infekt der oberen Atemwege, tritt häufig bei Kindern auf
- Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa) – oft durch Feuchtigkeit nach dem Schwimmen oder durch Verletzungen beim Reinigen
- Eustachische Röhre (Ohrtrompete) verstopft – z. B. bei Erkältung, Allergie oder Flugreisen (Barotrauma)
- Zahn- oder Kieferprobleme – z. B. eine Entzündung des Weisheitszahns oder Kiefergelenkschmerzen
- Hauterkrankungen im Gehörgang – z. B. Ekzeme oder Pilzinfektionen
Risikofaktoren
- Kleinkindalter (unter 3 Jahren), vor allem wenn Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen sind
- Rauchen im Haushalt oder Passivrauchen
- Schnullergebrauch bei Babys (erhöht Risiko für Mittelohrentzündung)
- Schwimmen ohne Ohrstöpsel oder häufiges Baden
- Verwendung von Wattestäbchen oder anderen Gegenständen zum Reinigen der Ohren (verletzt die Haut)
- Allergien oder vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) bei Kindern
- Druckveränderungen wie beim Fliegen oder Tauchen
- Geschwächtes Immunsystem durch Erkrankungen oder Medikamente
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie unter drei Monate alt sind und Ohrenschmerzen haben (immer ärztliche Vorstellung)
- Wenn die Schmerzen sehr stark sind und nicht auf einfache Schmerzmittel ansprechen
- Wenn Sie Fieber über 38,5°C haben, das nicht sinkt
- Wenn Flüssigkeit oder Eiter aus dem Ohr läuft
- Wenn Sie auf einmal sehr schlecht hören oder ein Ohr taub wird
- Wenn sich die Schmerzen auf das Gesicht oder den Hals ausbreiten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Ohrenschmerzen mild sind und nach 1 bis 2 Tagen nicht von selbst verschwinden
- Wenn Sie öfter Ohrenschmerzen haben (wiederkehrende Infekte)
- Wenn Sie beim Schlucken oder Kauen Schmerzen verspüren (kann auf Zahn- oder Kieferproblem hinweisen)
- Zur Kontrolle, wenn Sie einen Ohrstöpsel oder Fremdkörper im Ohr vermuten
Diagnose
Der Arzt wird zunächst mit einem Ohrenspiegel (Otoskop) in Ihr Ohr schauen. Damit kann er erkennen, ob das Trommelfell gerötet oder vorgewölbt ist (Mittelohrentzündung) oder ob der Gehörgang entzündet ist (äußere Entzündung). Manchmal wird auch ein Hörtest durchgeführt oder mit einem Luftstoß geprüft, wie gut sich das Trommelfell bewegt.
Mögliche Untersuchungen
- Ohrenspiegelung (Otoskopie) – meist ausreichend
- Hörtest (Stimmgabelprüfung oder Audiometrie) bei Hörminderung
- Trommelfellbeweglichkeitsprüfung (Tympanometrie)
- Bei eitrigem Ausfluss: Abstrich, um den Erreger zu bestimmen
- Bei Verdacht auf Komplikationen: Bildgebung wie CT oder MRT (selten nötig)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Der Arzt wird Sie auch nach Ihren Symptomen, Vorerkrankungen und möglichen Auslösern fragen. In den meisten Fällen kann die Diagnose bereits nach der Ohrenspiegelung gestellt werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Ohrenschmerzen. Viele leichte Infekte heilen von selbst. Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika nötig sein, die aber nicht immer erforderlich sind. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel können die Beschwerden lindern. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Behandlung für Sie oder Ihr Kind am besten geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärmeanwendungen: Legen Sie einen warmen Wickel (z. B. ein feuchtes, warmes Tuch) oder eine Wärmflasche auf das schmerzende Ohr – aber nicht zu heiß, um Verbrennungen zu vermeiden.
- Viel trinken – das kann die Durchblutung fördern und den Heilungsprozess unterstützen.
- Bei Kindern: den Kopf leicht erhöht lagern, um den Druck im Ohr zu verringern.
- Vermeiden Sie es, am Ohr zu ziehen oder zu kratzen.
- Bei äußerer Gehörgangsentzündung: Trockenhalten des Ohrs (z. B. beim Duschen Wattebausch mit Vaseline ins Ohr).
- Kau- und Sprechbewegungen reduzieren, wenn die Schmerzen durch Kieferprobleme kommen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kann der Arzt entzündungshemmende Schmerzmittel empfehlen (z. B. Ibuprofen oder Paracetamol) – achten Sie auf die richtige Dosierung für Ihr Kind oder für sich selbst. Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika zum Einnehmen oder als Ohrentropfen verordnet werden. Wichtig: Antibiotika sind nur gegen Bakterien wirksam, nicht gegen Viren. Ihr Arzt wird eine sogenannte ‚Zuwarten‘-Strategie vorschlagen, wenn es sich um einen unkomplizierten Infekt handelt. Bei Pilzinfektionen werden spezielle Antipilzmittel eingesetzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn immer wieder Mittelohrentzündungen auftreten oder wenn Flüssigkeit im Mittelohr nicht abfließt, kann eine kleine Operation helfen. Dabei wird ein kleines Röhrchen (Paukenröhrchen) durch das Trommelfell gelegt, um den Druck auszugleichen und Flüssigkeit abzuleiten. Diese Entscheidung trifft der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Ohrenschmerzen sind meist vorübergehend. Solange die Beschwerden anhalten, sollten Sie Lärm und Zugluft meiden. Sorgen Sie für ausreichend Ruhe und schlafen Sie mit erhöhtem Kopf. Vermeiden Sie Fliegen oder Tauchen, bis die Ohrinfektion vollständig abgeheilt ist.
Tipps für den Alltag
- Ohren beim Duschen oder Baden trocken halten – verwenden Sie eine Duschhaube oder einen angefeuchteten Wattebausch.
- Keine Wattestäbchen oder Gegenstände in den Gehörgang einführen – das reizt die Haut und kann Infektionen begünstigen.
- Nach dem Schwimmen die Ohren vorsichtig mit einem Handtuch abtrocknen oder mit einem Föhn auf niedriger Stufe trocknen lassen.
- Regelmäßiges Händewaschen und ausgewogene Ernährung unterstützen das Immunsystem.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann das Immunsystem stärken. Besonders Vitamin C, Zink und Omega-3-Fettsäuren werden oft mit einer guten Immunfunktion in Verbindung gebracht. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist in der Regel unbedenklich, wenn Sie sich kräftig genug fühlen. Vermeiden Sie jedoch Sport, der starke Druckänderungen oder Erschütterungen verursacht (z. B. Tauchen, Boxen).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende oder wiederkehrende Ohrenschmerzen können belastend sein und die Lebensqualität beeinträchtigen. Besonders bei Kindern kann es zu Unruhe, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten kommen. Auch Erwachsene können sich durch die Schmerzen gestresst oder gereizt fühlen. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn die Belastung zu groß wird – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Manche Ohrenschmerzen lassen sich vermeiden oder zumindest die Häufigkeit verringern. Dazu gehören einfache Maßnahmen wie Trockenhalten der Ohren, Vermeiden von Wattestäbchen und eine gute Immunabwehr. Auch das Vermeiden von Rauch in Innenräumen und das richtige Verhalten beim Fliegen (Kaugummi kauen, schlucken) können helfen.
Impfungen
Die Pneumokokken-Impfung und die Grippe-Impfung können das Risiko für Mittelohrentzündungen senken. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, ob diese Impfungen für Sie oder Ihr Kind empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung speziell für Ohrenschmerzen. Allerdings werden bei den U-Untersuchungen für Kinder (U1 bis U9) das Hörvermögen und die Ohrgesundheit regelmäßig überprüft. Bei Erwachsenen können Hörtests, z. B. im Rahmen der Vorsorge, sinnvoll sein, wenn wiederholt Ohrenprobleme auftreten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Mittelohrentzündung mit dauerhafter Hörminderung
- Trommelfellriss (Perforation) – meist heilt er von selbst, kann aber zu Hörminderung führen
- Ausbreitung der Entzündung auf das Innenohr, das Felsenbein oder das Gehirn (selten, aber ernst: z. B. Hirnhautentzündung, Hirnabszess)
- Bildung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Paukenerguss) mit anhaltender Schwerhörigkeit
- Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung) – meist vorübergehend bei entsprechender Behandlung
Langzeitprognose
Die allermeisten Ohrenschmerzen sind gut behandelbar und heilen ohne Folgen aus. Wenn Sie jedoch rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen, lassen sich Komplikationen fast immer vermeiden oder gut behandeln. Ihre Hörfähigkeit bleibt dadurch meist erhalten. Auch wiederkehrende Infekte lassen sich durch vorbeugende Maßnahmen und eventuell eine kleine Operation in den Griff bekommen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten – es gibt viele gute Behandlungsmöglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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