Knochendichtemessung (DXA): Was die Untersuchung zeigt
Übersicht
Die Knochendichtemessung – oft DXA oder DEXA genannt – ist eine Untersuchung, die misst, wie dicht und stabil Ihre Knochen sind. DXA steht für „Dual-Röntgen-Absorptiometrie“. Dabei durchdringen zwei sehr schwache Röntgenstrahlen den Körper. Knochen und Weichteile schwächen die Strahlen unterschiedlich stark ab, und ein Computer berechnet daraus die Knochenmasse. Gemessen werden meist die Lendenwirbelsäule und die Hüfte, weil sich dort ein Knochenschwund (Osteoporose) am zuverlässigsten zeigt. Die Strahlenbelastung ist sehr gering, deutlich niedriger als bei einem normalen Röntgenbild der Brust.
Wichtige Fakten
- Die Messung dauert meist 10 bis 20 Minuten, tut nicht weh und Sie liegen dabei offen auf einer gepolsterten Liege – nicht in einer engen Röhre.
- Sie zeigt, wie viel Knochenmasse Sie haben. Sie zeigt nicht, ob Sie Schmerzen haben oder wie belastbar Sie sich gerade fühlen.
- Ein auffälliger Wert ist ein Risikohinweis, keine fertige Diagnose. Erst zusammen mit Alter, Vorerkrankungen, Sturzrisiko und Lebensstil ergibt sich ein Gesamtbild.
Ja. Die Knochendichtemessung gehört zu den häufigsten Untersuchungen in Orthopädie und Innerer Medizin und wird in Deutschland sehr oft durchgeführt, vor allem bei Menschen ab etwa 60 Jahren. Sie ist schnell, schmerzfrei und gut verträglich.
Symptome
- Plötzliche starke Rückenschmerzen nach einem Sturz, wenn Sie nicht mehr aufstehen oder stehen können.
- Nach einem Sturz: Hüfte oder Bein sind verdreht oder verkürzt, stark geschwollen, und Auftreten ist unmöglich.
- Taubheit, Kribbeln oder Schwäche in den Beinen oder Probleme beim Wasserlassen nach einem Sturz – mögliche Zeichen einer Nervenschädigung.
- ⚠Fieber zusammen mit starken Rückenschmerzen – ein Hinweis auf eine mögliche Infektion.
- ⚠Neue Rückenschmerzen nach einer kleinen Bewegung, wenn Bewegung kaum noch möglich ist.
- ⚠Rückenschmerzen mit ungewolltem Gewichtsverlust, Übelkeit oder nächtlichem Schwitzen.
Häufige Symptome
- Oft gar keine: Knochenschwund verläuft lange ohne Beschwerden und wird deshalb auch „stille Krankheit“ genannt.
- Ein Knochenbruch nach einem harmlosen Sturz oder einer kleinen Alltagsbewegung, zum Beispiel am Handgelenk, Oberarm oder Oberschenkelhals.
- Rückenschmerzen, die langsam zunehmen, besonders im mittleren Rücken.
- Abnahme der Körpergröße um mehrere Zentimeter.
- Eine zunehmend gebeugte Haltung.
- Ein eingebrochener Wirbelkörper, der zufällig im Röntgenbild entdeckt wird.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird die Knochendichte nur selten gemessen, und dann mit besonderen Auswertungen und eigenen Normalwerten.
- Anlass sind zum Beispiel eine langjährige Kortisonbehandlung, bestimmte Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen oder wiederholte Knochenbrüche ohne klare Ursache.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter nehmen Knochenmasse und Muskelkraft natürlicherweise ab – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil des Älterwerdens.
- Stürze enden im höheren Alter häufiger mit einem Bruch. Deshalb sollte neben der Knochendichte immer auch das Sturzrisiko angesprochen werden.
- Häufige Gründe für Stürze sind Sehschwäche, Schwindel, schwache Beine, Blutdruckmittel, Stolperfallen zu Hause und schlecht sitzendes Schuhwerk.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonumstellung nach den Wechseljahren: Der Wegfall von Östrogen beschleunigt den Knochenabbau.
- Längere Behandlung mit Kortison oder anderen knochenschwächenden Medikamenten.
- Bewegungsmangel – Knochen brauchen Druck und Zug, um stabil zu bleiben.
- Mangel an Kalzium und Vitamin D über die Ernährung, wenig Aufenthalt im Freien.
- Erkrankungen von Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Niere, Darm oder Leber sowie rheumatische Erkrankungen.
- Rauchstopp und weniger Alkohol sind wichtige Hebel: Rauchen und regelmäßig viel Alkohol beschleunigen den Knochenabbau.
- Angeborene Veranlagung: Knochenstabilität ist auch eine Frage der Gene.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht und höheres Alter
- Frühere Knochenbrüche nach geringer Gewalteinwirkung
- Knochenbrüche bei Eltern, besonders am Oberschenkelhals
- Sehr niedriges Körpergewicht oder starker Gewichtsverlust
- Rauchen und regelmäßig mehr als ein bis zwei Gläser Alkohol pro Tag
- Wenig Bewegung, häufige Bettlägerigkeit
- Kortisonbehandlung über mehrere Monate
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Krampfanfälle oder mit Einfluss auf den Hormonhaushalt – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Erhöhtes Sturzrisiko, zum Beispiel durch Sehschwäche, Gleichgewichtsprobleme oder Kraftverlust
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Rückenschmerzen nach einem Sturz oder einer ruckartigen Bewegung.
- Wenn Sie nach einem Sturz nicht mehr auftreten oder aufstehen können.
- Gefühlsstörungen oder Kraftverlust in den Beinen.
- Fieber in Verbindung mit starken Rückenschmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 50 sind und schon einmal einen Knochenbruch nach einem harmlosen Sturz hatten.
- Wenn Sie mehrere Zentimeter an Körpergröße verloren haben oder sich Ihre Haltung zunehmend beugt.
- Wenn Sie länger als drei Monate Kortison einnehmen.
- Wenn in Ihrer Familie gehäuft Oberschenkelhalsbrüche vorkommen.
- Wenn Sie über 70 sind oder mehrere Sturzrisiken bei sich bemerken.
Diagnose
Die Knochendichtemessung selbst ist der zentrale Baustein. Sie wird meist in einer Praxis für Orthopädie, Radiologie oder in einer Osteoporose-Ambulanz durchgeführt. Der gemessene Wert wird als T-Wert angegeben: Er vergleicht Ihre Knochendichte mit der eines jungen, gesunden Erwachsenen. Werte ab etwa minus 2,5 gelten als deutlich erniedrigt; Werte zwischen minus 1 und minus 2,5 werden als Osteopenie bezeichnet – eine Vorstufe, die Aufmerksamkeit verdient, aber kein Grund zur Panik ist. Wichtig ist immer der Blick aufs Ganze: Ein T-Wert allein ergibt keine Behandlung, erst das geschätzte Bruchrisiko zählt.
Mögliche Untersuchungen
- DXA-Messung von Lendenwirbelsäule und Hüfte – der Standard.
- Blutuntersuchung auf Kalzium, Vitamin D sowie Nieren-, Leber- und Schilddrüsenwerte, um andere Ursachen des Knochenschwunds zu erkennen.
- Röntgen der Wirbelsäule oder eine andere Bildgebung, wenn ein Wirbelbruch vermutet wird.
- Berechnung des Bruchrisikos für die nächsten zehn Jahre aus Messwert, Alter, Vorerkrankungen und Lebensstil – nach der deutschen Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO), die sich auf die AWMF-Leitlinie zur Osteoporose stützt.
- Sturzrisiko-Check: Gleichgewicht, Sehen, Kraft, Blutdruck und die Wohnumgebung.
- In bestimmten Fällen eine Verlaufsmessung nach ein bis drei Jahren oder eine andere Messmethode, etwa eine Quantitative Computertomografie (QCT) – sie ist mit mehr Strahlung verbunden und daher nur für besondere Fragestellungen gedacht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für die DXA brauchen Sie keine besondere Vorbereitung: Sie können normal essen und trinken. Tragen Sie möglichst bequeme Kleidung ohne Reißverschlüsse, Knöpfe oder Metallteile – manche Praxen stellen auch Einmalkleidung. Sie legen sich auf eine gepolsterte Liege, ein Arm wird eventuell etwas anders gelagert. Der Messarm fährt langsam über Sie hinweg, und Sie sollen dabei ruhig liegen bleiben. Es gibt keine Spritze, kein Kontrastmittel und keine enge Röhre. Danach können Sie sofort Ihren Alltag fortsetzen. Das Ergebnis besprechen Sie am besten in einem eigenen Termin, damit genug Zeit für Fragen bleibt – bringen Sie dafür Ihre Medikamentenliste und frühere Röntgenbilder mit.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nicht nach dem Messwert allein, sondern nach Ihrem gesamten Bruchrisiko. Ist es niedrig, reichen oft Bewegung, gute Ernährung und Vorsorge gegen Stürze – und eine Kontrolle in einigen Jahren. Ist es hoch, kommen zusätzlich verschreibungspflichtige Medikamente infrage. Ziel ist immer dasselbe: Knochenbrüche verhindern und Selbstständigkeit erhalten.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung mit Gewichtsbelastung: Spazierengehen, Treppensteigen, Tanzen, leichte Kraftübungen.
- Gleichgewichtstraining, zum Beispiel Tai Chi, Yoga oder einfache Übungen auf einem Bein.
- Stolperfallen zu Hause beseitigen: lose Teppiche, Kabel, schlechte Beleuchtung, fehlende Haltestangen im Bad.
- Sehhilfe regelmäßig überprüfen lassen und gut sitzende, rutschfeste Schuhe tragen.
- Nicht rauchen und Alkohol in Maßen.
- Regelmäßig nach draußen gehen – Tageslicht hilft dem Körper, Vitamin D zu bilden.
- Bei Kraftverlust gezielt Muskeltraining einplanen: Kräftige Muskeln fangen Stürze besser ab.
Medizinische Behandlungen
Wenn das Bruchrisiko deutlich erhöht ist, kommen verschreibungspflichtige Medikamente in Betracht. Es gibt im Wesentlichen zwei Gruppen: Mittel, die den weiteren Knochenabbau bremsen, und Mittel, die den Knochenaufbau anregen. Welche Gruppe und welcher Wirkstoff zu Ihnen passen, hängt von Ihrem Risiko, Ihren Begleiterkrankungen und Ihren Wünschen ab – das gehört in ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Häufig wird außerdem auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium geachtet. Wichtig: Medikamente wirken am besten zusammen mit Bewegung, guter Ernährung und Sturzvorbeugung. Sie ersetzen diese Maßnahmen nicht. Bitte ändern oder beginnen Sie keine Medikamente auf eigene Faust – auch nicht rezeptfreie Präparate, ohne vorher zu fragen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Knochendichtemessung selbst macht keine Operation nötig. Ein Eingriff kann aber nach einem Knochenbruch sinnvoll werden – zum Beispiel am Oberschenkelhals, damit Sie schnell wieder mobil werden. Auch stark eingebrochene Wirbelkörper, die trotz anderer Behandlung große Schmerzen machen, können in spezialisierten Zentren operativ behandelt werden. Ob ein Eingriff infrage kommt, wird individuell nach Bruchart, Allgemeinzustand und Ihren Zielen entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Für die meisten Menschen ändert sich nach der Messung im Alltag wenig – außer, dass sie ihre Knochen bewusster unterstützen. Viele merken schnell: Ein täglicher Spaziergang, zwei Kraftübungen pro Woche und ein aufgeräumter Wohnungsflur tun nicht nur den Knochen gut, sondern auch dem Kopf. Wenn Sie ein Medikament einnehmen, lohnt sich ein fester Rhythmus und eine Liste, die Sie zu jedem Termin mitbringen.
Tipps für den Alltag
- Bewegung fest einplanen – lieber kurz und regelmäßig als selten und lang.
- Wohnung sicherer machen: Licht in Flur und Bad, Haltestangen, rutschfeste Matten.
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten – Erschöpfung erhöht das Sturzrisiko.
- Sehhilfe, Hörgerät und Zahnprothese regelmäßig prüfen lassen.
- Bei Schwindel oder Blutdruckproblemen die Medikamente mit der Praxis besprechen, statt selbst etwas zu verändern.
Ernährung und Bewegung
Eine knochenfreundliche Ernährung enthält genug Eiweiß und Kalzium – zum Beispiel Milchprodukte, grünes Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl, Hülsenfrüchte, Nüsse und kalziumreiches Mineralwasser. Vitamin D entsteht vor allem in der Haut durch Tageslicht; im Winter und bei wenig Aufenthalt im Freien kann der Wert über eine Blutuntersuchung geprüft werden. Bewegung sollte aus zwei Bausteinen bestehen: Ausdauer mit Gewichtsbelastung (Gehen, Wandern) und Krafttraining für Beine, Rücken und Arme. Ergänzend sind Gleichgewichtsübungen wertvoll. Falls Sie unsicher sind, wie Sie starten sollen, hilft eine Physiotherapie – sie ist oft ein guter Einstieg, auch mit Handicap.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Kurz nach einem auffälligen Messwert fühlen sich viele verunsichert, manche fürchten sich vor jedem Schritt und jeder Treppe. Das ist verständlich. Oft hilft es, Sorgen im Gespräch zu sortieren: Was ist heute realistisch, was ist Zukunftsmusik? Gute Nachrichten: Sie können sehr viel selbst beeinflussen. Wenn Ängste Sie im Alltag einschränken oder Sie sich niedergeschlagen fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis – psychotherapeutische Unterstützung ist keine Schwäche. In akuten seelischen Notlagen ist die TelefonSeelsorge erreichbar; bei akuter Gefahr wählen Sie die 112.
Vorbeugung
Knochenschwund lässt sich nicht vollständig verhindern – ein gewisser Abbau mit dem Alter gehört dazu. Aber Sie können Ihr Risiko für Brüche deutlich senken: durch Bewegung mit Gewichtsbelastung, ausreichend Eiweiß, Kalzium und Vitamin D, Verzicht auf Rauchen, maßvollen Alkoholkonsum und eine sichere Wohnumgebung. Besonders wertvoll ist das Training von Kraft und Gleichgewicht, weil es Stürze verhindert – und ein verhinderter Sturz ist ein verhinderter Bruch.
Impfungen
Für die Knochendichtemessung selbst sind keine Impfungen nötig. Ein vollständiger, altersgerechter Impfschutz ist dennoch sinnvoll, weil Infekte ältere Menschen schneller schwächen und Stürze begünstigen können. Was für Sie passt, klären Sie bitte mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Eine Knochendichtemessung für alle Menschen ab einem bestimmten Alter ist in Deutschland kein Standard. Die deutsche Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO), abgestimmt im Rahmen der AWMF-Leitlinie zur Osteoporose, empfiehlt die Messung bei erhöhtem Risiko – zum Beispiel bei Frauen nach den Wechseljahren mit weiteren Risikofaktoren, bei Menschen ab etwa 70, nach einem Bruch ohne große Gewalteinwirkung oder bei längerer Kortisonbehandlung. In diesen Fällen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel. Fragen Sie im Zweifel vor dem Termin bei Ihrer Kasse oder Praxis nach. Wichtiger als eine einzelne Zahl ist die gemeinsame Einschätzung Ihres persönlichen Risikos.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, besonders an Oberschenkelhals, Wirbelsäule und Handgelenk.
- Wirbelkörperbrüche, die zu Rückenschmerzen, Größenverlust und gebeugter Haltung führen können.
- Nach einem Oberschenkelhalsbruch drohen längerer Krankenhausaufenthalt, verlorene Selbstständigkeit und ein erhöhtes Pflegerisiko.
- Chronische Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit.
- Weniger Sicherheit im Alltag, manchmal mit Rückzug und Angst vor Stürzen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut, wenn Risiken früh erkannt und ernst genommen werden. Bewegung, gute Ernährung und – bei hohem Risiko – eine passende Behandlung können Brüche wirksam verhindern. Auch wer bereits einen Bruch hatte, kann viel für die Zukunft tun. Wichtig ist eine verlässliche Begleitung durch Ihre Praxis und ein Plan, den Sie im Alltag wirklich umsetzen können.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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