Gesichtsfeldtest (Perimetrie): Was Sie erwartet
Übersicht
Beim Gesichtsfeldtest – auch Perimetrie genannt – wird gemessen, wie viel Sie sehen, während Sie geradeaus schauen und das Auge ruhig halten. Das Gesichtsfeld ist der gesamte Bereich, den Ihre Augen wahrnehmen können, also auch seitlich, nach oben und nach unten. Beim Test sitzen Sie vor einem Gerät, schauen auf einen festen Punkt in der Mitte und drücken einen Knopf, sobald Sie einen kleinen Lichtpunkt bemerken. So entsteht eine Art Landkarte Ihres Sehens. Die Untersuchung tut nicht weh und ist nicht gefährlich. Sie dauert meist etwa 5 bis 15 Minuten pro Auge, je nach Testart.
Wichtige Fakten
- Der Test prüft das seitliche Sehen – nicht die Sehschärfe und nicht die Farbe.
- Er ist schmerzfrei und ungefährlich; Sie müssen nur aufmerksam mitmachen.
- Er hilft, Erkrankungen wie ein Glaukom (Grüner Star) früh zu erkennen und zu beobachten.
- Die Ergebnisse werden als Karte oder Grafik dargestellt – Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen, was sie bedeuten.
Ja. Der Gesichtsfeldtest gehört zu den häufigsten Untersuchungen in der Augenheilkunde. Er wird regelmäßig bei Verdacht auf ein Glaukom, bei Verdacht auf Nerven- oder Hirnerkrankungen und als Verlaufskontrolle eingesetzt.
Menschen jeden Alters. Besonders oft wird er bei Erwachsenen ab etwa 40 Jahren gemacht, bei Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck, mit Diabetes oder Bluthochdruck, mit einer Familiengeschichte von Glaukom – und bei allen, die Veränderungen beim Sehen bemerken. Auch Kinder können ihn brauchen, dann meist in einer kindgerechten Form.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen.
- Ein dunkler „Vorhang“ oder Schleier, der sich plötzlich über das Sehen schiebt.
- Plötzlich viele Blitze, Rußregen (viele kleine schwarze Punkte) oder ein neuer Schatten im Sichtfeld.
- Starke Augenschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Verschlechterung des Sehens.
- Sehstörungen zusammen mit Lähmung, Sprachstörung, Taubheitsgefühl oder starken Kopfschmerzen – hier besteht Verdacht auf einen Schlaganfall.
- ⚠Neue oder schnell zunehmende Ausfälle im Gesichtsfeld.
- ⚠Plötzlich auftretendes Doppeltsehen.
- ⚠Zunehmende Unsicherheit beim Gehen oder Autofahren wegen des Sehens.
- ⚠Rötung, Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit am Auge mit Sehveränderung.
Häufige Symptome
- Sie bemerken Dinge auf einer Seite nicht, zum Beispiel im Straßenverkehr oder beim Blick zur Seite.
- Sie stoßen häufiger an Gegenstände oder Personen an, ohne es zu wollen.
- Teile des Bildes wirken wie „ausgeblendet“ oder neblig, auch mit Brille.
- In der Dämmerung oder bei schlechtem Licht sehen Sie deutlich schlechter.
- Beim Lesen finden Sie den Zeilenanfang schwer oder übersehen Wörter am Rand.
- Sie brauchen länger, um sich in einem Raum zu orientieren.
Symptome bei Kindern
- Kinder bemerken eine Gesichtsfeldeinschränkung oft selbst nicht.
- Mögliche Zeichen: häufiges Augenreiben, Zusammenstoßen, Unsicherheit beim Spielen oder beim Treppensteigen.
- Manchmal fallen Schwierigkeiten in der Schule auf, etwa beim Abschreiben von der Tafel.
- Bei Kindern wird der Test oft spielerisch und mit viel Geduld durchgeführt; manchmal sind mehrere Versuche nötig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter steigt das Risiko für Glaukom und andere Augenerkrankungen, die das Gesichtsfeld betreffen.
- Ausfälle werden oft spät bemerkt, weil das Gehirn fehlende Bereiche unbemerkt „auffüllt“.
- Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind deshalb besonders wichtig – auch ohne Beschwerden.
- Eingeschränktes Sehen erhöht im Alter das Risiko für Stürze; gute Beleuchtung und Hilfsmittel helfen.
Ursachen
Hauptursachen
- Glaukom (Grüner Star): eine Schädigung des Sehnervs, häufig durch erhöhten Augeninnendruck. Dabei gehen zuerst oft Randbereiche des Sehens verloren.
- Erkrankungen des Sehnervs, zum Beispiel durch Durchblutungsstörungen oder Entzündungen.
- Schlaganfall oder andere Durchblutungsstörungen im Gehirn.
- Veränderungen im Gehirn, die den Sehweg betreffen, etwa Tumore oder Entzündungen.
- Erkrankungen der Netzhaut, etwa diabetische Netzhautveränderungen oder eine Retinitis pigmentosa (eine angeborene Netzhauterkrankung).
- Manchmal spielen Nebenwirkungen von Medikamenten eine Rolle – klären Sie dies mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab, ohne Medikamente selbst abzusetzen.
Risikofaktoren
- Erhöhter Augeninnendruck
- Glaukom in der Familie
- Höheres Lebensalter
- Diabetes mellitus oder Bluthochdruck
- Starke Kurzsichtigkeit
- Durchblutungsstörungen oder niedriger Blutdruck mit Kreislaufproblemen
- Dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente – dies muss ärztlich beurteilt werden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich schlechter sehen oder ein neuer Ausfall im Gesichtsfeld auftritt.
- Wenn Sie plötzlich Doppeltsehen haben.
- Wenn Augenschmerzen, Rötung und Übelkeit zusammenkommen.
- Wenn zu Sehstörungen weitere neurologische Zeichen wie Schwäche oder Sprachprobleme kommen – dann sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie langsam zunehmende Sehveränderungen bemerken, etwa beim Autofahren oder Lesen.
- Bei bekanntem Glaukom: zu den vereinbarten Kontrollterminen kommen.
- Bei Diabetes oder Bluthochdruck: regelmäßige Augenuntersuchungen wahrnehmen.
- Ab etwa 40 Jahren mit Risikofaktoren: einen Vorsorgetermin beim Augenarzt vereinbaren.
Diagnose
Der Gesichtsfeldtest selbst ist die Untersuchung. Sie sitzen in einem ruhigen, oft leicht abgedunkelten Raum vor einem Gerät, ein Auge wird abgedeckt. Sie schauen auf einen festen Mittelpunkt und melden mit einem Knopfdruck jeden Lichtpunkt, den Sie seitlich wahrnehmen. So prüft das Gerät viele Punkte im Gesichtsfeld. Danach wird das andere Auge getestet. Aus den Antworten entsteht eine Karte, die zeigt, wo Ihr Sehen vollständig ist und wo Lücken sind. Ihr Augenarzt vergleicht das Ergebnis mit früheren Tests und mit Ihren Beschwerden.
Mögliche Untersuchungen
- Automatisierte Perimetrie: Der übliche computergestützte Test mit Lichtpunkten und Knopfdruck.
- Goldmann-Perimetrie: Eine Untersuchung, bei der die Grenzen des Gesichtsfelds von Hand abgetastet werden.
- Kurzer Screening-Test, wenn nur ein erster Eindruck gebraucht wird.
- Messung des Augeninnendrucks.
- Untersuchung des Sehnervs mit der Spaltlampe (Mikroskop mit Licht).
- Optische Kohärenztomografie (OCT): Ein bildgebendes Verfahren, das die Nervenschicht der Netzhaut vermisst.
- Bei Verdacht auf eine Ursache im Gehirn: Überweisung an die Neurologie, manchmal mit Bildgebung wie MRT.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bringen Sie Ihre aktuelle Brille oder Kontaktlinsen mit – auch eine Lesebrille, falls Sie sie brauchen. Kommen Sie möglichst ausgeruht, denn Müdigkeit kann das Ergebnis verschlechtern. Während des Tests sollten Sie ruhig sitzen, geradeaus schauen und nicht den Lichtpunkten mit den Augen folgen. Pausen sind möglich, wenn Sie sich konzentrieren müssen. Es gibt keinen Grund zur Angst: Nichts berührt Ihr Auge, es wird nichts gespritzt und nichts eingeführt. Nach dem Test können Sie sofort wieder am Alltag teilnehmen, auch Autofahren ist in der Regel kein Problem – fragen Sie im Zweifel nach.
Behandlung
Der Gesichtsfeldtest ist eine Untersuchung, keine Behandlung. Er zeigt, ob und wie stark Ihr Sehen eingeschränkt ist. Daraus ergibt sich, welche Behandlung sinnvoll ist. Diese richtet sich immer nach der Ursache und wird von Ihrem Behandlungsteam mit Ihnen besprochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Zu Kontrollterminen regelmäßig kommen – so werden Veränderungen früh erkannt.
- Ältere Testergebnisse mitbringen, damit der Verlauf verglichen werden kann.
- Ausgeruht zum Termin erscheinen und vorher keine anstrengenden Aufgaben einplanen.
- Brille oder Kontaktlinsen mitbringen, die Sie im Alltag tragen.
- Vor dem Test nicht viel Koffein trinken, wenn Sie darauf empfindlich reagieren – das kann die Konzentration beeinflussen.
- Zu Hause notieren, wann Ihnen Sehauffälligkeiten auffallen – das hilft bei der Einordnung.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Bei einem Glaukom versucht das Behandlungsteam, den Augeninnendruck zu senken und so den Sehnerv zu schützen. Dafür gibt es verschiedene Wege: Augentropfen, Laserbehandlungen oder eine Operation. Bei Durchblutungsstörungen oder Erkrankungen des Gehirns arbeitet die Augenheilkunde mit anderen Fachrichtungen zusammen, etwa der Neurologie oder Inneren Medizin. Bei Netzhauterkrankungen wie einer diabetischen Netzhautveränderung ist eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck wichtig. Diese Seite nennt bewusst keine konkreten Medikamente oder Dosierungen – bitte sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre persönliche Behandlung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann infrage kommen, wenn ein Glaukom mit anderen Maßnahmen nicht ausreichend unter Kontrolle zu bringen ist. Auch eine starke Linsentrübung (grauer Star) kann das Sehen einschränken und wird dann manchmal operiert. Ob ein Eingriff für Sie sinnvoll ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen nach einer ausführlichen Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Teile des Gesichtsfelds fehlen, lässt sich der Alltag gut anpassen. Viele Menschen lernen, den Kopf bewusst etwas mehr zu drehen und die Umgebung „abzuscannen“. Gute Beleuchtung, aufgeräumte Wege und rutschfeste Böden helfen gegen Stolpern. Beim Autofahren ist besondere Vorsicht wichtig; klären Sie mit Ihrem Augenarzt, ob und wie Sie sicher fahren können. Im Beruf und im Haushalt gibt es Hilfsmittel und Beratung, die vieles erleichtern.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Augenarzttermine wahrnehmen – auch wenn Sie nichts bemerken.
- Blutdruck und Blutzucker gut im Blick behalten, wenn Sie betroffen sind.
- Nicht rauchen – Rauchen schadet den Gefäßen und dem Sehnerv.
- Ausreichend bewegen und Pausen für die Augen einplanen, besonders bei Bildschirmarbeit.
- Zu Hause für gute Beleuchtung sorgen, besonders an Treppen und Fluren.
- Beim Sport und bei handwerklichen Arbeiten die Augen schützen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Gefäßgesundheit. Bewegung – etwa zügiges Gehen mehrmals pro Woche – tut Herz und Kreislauf gut. Es gibt kein Lebensmittel und kein Training, das einen Gesichtsfeldausfall rückgängig macht. Aber ein gesunder Lebensstil hilft, Folgeerkrankungen vorzubeugen und das Fortschreiten mancher Ursachen zu bremsen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sehveränderung kann verunsichern, Sorgen machen oder traurig stimmen – das ist verständlich. Manche Menschen fürchten, im Alltag abhängig zu werden oder den Führerschein zu verlieren. Sprechen Sie offen darüber. Hilfe gibt es zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 222 2222 (kostenlos, rund um die Uhr). Auch eine Psychotherapie kann entlasten, wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit länger anhalten. Bei Gedanken, sich selbst zu schaden, wählen Sie sofort den Notruf 112.
Vorbeugung
Den Gesichtsfeldtest selbst muss man nicht verhindern – er ist eine harmlose Untersuchung. Wichtig ist, Ursachen für Sehstörungen früh zu erkennen. Dazu helfen regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt, ein gut eingestellter Blutdruck und Blutzucker, der Verzicht aufs Rauchen und guter Schutz der Augen bei Sport und Arbeit.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört die Glaukom-Früherkennung nicht überall zur gesetzlich bezahlten Regelversorgung – fragen Sie Ihre Krankenkasse und Ihren Augenarzt. Sprechen Sie über Ihre Risikofaktoren, etwa ein Glaukom in der Familie. Dann lässt sich gemeinsam entscheiden, ob regelmäßige Kontrollen sinnvoll sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbemerkte Gesichtsfeldausfälle können größer werden und das Sehen dauerhaft einschränken.
- Bei einem Glaukom kann der Sehnerv fortschreitend geschädigt werden – bereits verlorene Bereiche erholen sich meist nicht mehr.
- Eingeschränktes Sehen erhöht das Risiko für Stürze und Unfälle, besonders im Alter.
- Im Straßenverkehr können Seheinschränkungen gefährlich werden – hier ist eine ehrliche Einschätzung wichtig.
- Bei einer Ursache im Gehirn können weitere Beschwerden dazukommen, die eine gezielte Behandlung brauchen.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit auffälligem Gesichtsfeldtest können gut begleitet und behandelt werden. Wichtig ist, dass die Ursache gefunden und regelmäßig kontrolliert wird. Je früher eine Veränderung erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten, das Sehen zu erhalten. Viele Betroffene führen mit Hilfsmitteln und ein paar Anpassungen ein selbstbestimmtes Leben. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei – Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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