QSART – der quantitative sudomotorische Axonreflex-Test einfach erklärt
Übersicht
QSART steht für „Quantitativer Sudomotorischer Axonreflex-Test“. Das ist eine Untersuchung, bei der man prüft, wie gut die kleinen Nervenfasern in der Haut arbeiten, die das Schwitzen steuern. „Sudomotorisch“ heißt einfach: zum Schwitzen gehörend. Diese feinen Nervenfasern geben den Schweißdrüsen das Signal „Jetzt Schweiß bilden!“. Beim QSART bringt man eine kleine Menge einer Flüssigkeit auf die Haut, die die Schweißdrüsen anregt, und misst dann genau, wie viel Feuchtigkeit entsteht. So kann man sehen, ob diese kleinen Nervenfasern normal reagieren, abgeschwächt reagieren oder ganz ausfallen. Der Test gehört zu den Untersuchungen des „autonomen Nervensystems“ – das ist der Teil des Nervensystems, der unbewusst Dinge wie Schwitzen, Blutdruck und Verdauung regelt.
Wichtige Fakten
- Der QSART misst die Schweißproduktion an mehreren Hautstellen, meist an den Unterarmen und Unterschenkeln.
- Er prüft die kleinen, dünnen Nervenfasern – nicht die dicken Nerven, die man mit einem herkömmlichen Nerventest untersucht.
- Der Test tut in der Regel nicht weh; die meisten Menschen spüren nur ein leichtes Kribbeln oder ein warmes Gefühl.
- Ein einzelnes Testergebnis ist keine Diagnose. Der Arzt ordnet es zusammen mit Ihren Beschwerden und anderen Untersuchungen ein.
Der QSART ist eine spezielle Untersuchung. Nicht jede Arztpraxis bietet ihn an – er wird vor allem in neurologischen Praxen und Kliniken mit Schwerpunkt auf Nervenerkrankungen durchgeführt. Die Beschwerden, die zu diesem Test führen, sind dagegen recht verbreitet: Brennen in den Füßen, Taubheitsgefühle oder Schwindel beim Aufstehen kennt zum Beispiel eine ganze Reihe von Menschen mit Diabetes.
Der Test kann bei Menschen jeden Alters gemacht werden, wenn der Verdacht auf geschädigte kleine Nervenfasern besteht. Häufige Auslöser sind Diabetes, bestimmte Behandlungen in der Krebstherapie, langjähriger hoher Alkoholkonsum oder ein Vitaminmangel. Auch jüngere Menschen ohne erkennbare Ursache können solche Beschwerden haben. Bei Kindern wird der Test nur durchgeführt, wenn ein klarer Verdacht besteht und das Kind ruhig liegen kann.
Symptome
- Plötzliche Lähmung oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, hängender Mundwinkel oder Sprachstörungen – Verdacht auf Schlaganfall: sofort die 112 anrufen
- Plötzliche Bewusstlosigkeit, ein Krampfanfall oder starke Atemnot
- Starke Brustschmerzen oder ein plötzlicher, unerträglicher Kopfschmerz
- Schnell fortschreitende Lähmungen, zum Beispiel wenn die Beine zunehmend „versagen“
- ⚠Zunehmende Schwäche, die Laufen oder Greifen deutlich erschwert
- ⚠Wiederholte Stürze durch Schwindel beim Aufstehen
- ⚠Plötzlich nicht mehr Wasser lassen können
- ⚠Taubheit, die sich innerhalb von Stunden oder Tagen über den ganzen Körper ausbreitet
Häufige Symptome
- Brennen, Kribbeln oder Stechen in Füßen und Händen, oft nachts stärker
- Taubheitsgefühl oder das Gefühl, „wie auf Watte“ zu laufen
- Sehr trockene Haut an den Beinen oder im Gegenteil übermäßiges Schwitzen
- Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen
- Hitzeunverträglichkeit, weil der Körper nicht richtig schwitzt
- Blasen- oder Darmentleerungsstörungen ohne andere erkennbare Ursache
- Störungen der Wärmewahrnehmung – man merkt zum Beispiel nicht, dass der Boden zu heiß ist
Symptome bei Kindern
- Kinder können solche Beschwerden oft schlechter beschreiben – sie klagen eher über „komische Füße“ oder wollen beim Laufen nicht richtig mitmachen
- Auffällig sind manchmal häufige Stürze, eine ungeschickte Gangart oder ein Kind, das Wärme und Kälte schlecht unterscheidet
- Der Test selbst läuft wie bei Erwachsenen ab, braucht aber Ruhe und Vertrauen – das erklärt man dem Kind am besten vorher in einfachen Worten
- Seltene erbliche Nervenerkrankungen können bereits im Kindesalter Beschwerden machen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter sind Nervenschäden häufiger, oft durch Diabetes oder durch langjährig eingenommene Medikamente
- Ältere Menschen stürzen leichter, wenn das Gefühl in den Füßen nachlässt – ein wichtiger Grund, das abklären zu lassen
- Trockene Haut, Wärmestörungen und ein unsicheres Gangbild werden manchmal als „normales Altern“ abgetan und deshalb zu spät untersucht
- Auch der Blutdruck beim Aufstehen kann im Alter instabiler werden – Schwindel sollte dann ärztlich abgeklärt werden
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes (Zuckerkrankheit) – die häufigste Ursache für Schäden an kleinen Nervenfasern
- Bestimmte Behandlungen in der Krebstherapie, die Nerven belasten können
- Langjähriger, hoher Alkoholkonsum
- Mangel an Vitamin B12 oder anderen Vitaminen
- Erkrankungen von Schilddrüse, Nieren oder Leber
- Erbliche (genetische) Nervenerkrankungen
- Bei einem Teil der Betroffenen findet sich keine Ursache – das nennt man „idiopathisch“
Risikofaktoren
- Diabetes oder ein über lange Zeit erhöhter Blutzucker
- Behandlungen, die Nervenfasern belasten können (zum Beispiel in der Krebstherapie)
- Regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum
- Vitaminmangel oder sehr einseitige Ernährung
- Familiäre Vorbelastung mit Nervenerkrankungen
- Höheres Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Taubheit oder Schwäche schnell zunehmen
- Wenn Sie beim Aufstehen so schwindelig werden, dass Sie sich festhalten müssen oder stürzen
- Wenn Sie nicht mehr Wasser lassen können
- Wenn eine Wunde am Fuß nicht bemerkt wurde und sich entzündet
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltendem Brennen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Füßen oder Händen
- Bei sehr trockener Haut oder auffällig verändertem Schwitzen
- Wenn Sie Wärme und Kälte an den Füßen schlechter spüren als früher
- Wenn bei Ihnen Diabetes bekannt ist und Sie regelmäßig zur Fußkontrolle gehen
Diagnose
Die Untersuchung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch: Welche Beschwerden haben Sie, seit wann, wo genau, und was hat sich verändert? Dazu kommen Fragen nach Vorerkrankungen, Medikamenten, Alkohol und familiären Nervenerkrankungen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung mit Prüfung von Gefühl, Reflexen und Hautbefund. Der QSART ist dann ein Baustein im Gesamtbild – er zeigt, wie gut die schweißsteuernden Nervenfasern arbeiten. Die eigentliche Diagnose stellen die Ärztin oder der Arzt aus allen Ergebnissen zusammen.
Mögliche Untersuchungen
- QSART: kleine Messkammern auf der Haut, die die Schweißmenge nach einem Reiz erfassen
- Hautbiopsie: eine winzige Gewebeprobe, mit der man die kleinen Nervenfasern in der Haut direkt zählen kann
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: prüft die größeren Nerven – oft ergänzend
- Quantitative sensorische Testung: misst Kälte-, Wärme- und Berührungsempfinden
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf Blutzucker, Vitamin B12, Schilddrüsen- und Nierenwerte
- Kreislauftests wie ein Kipptisch- oder Schellong-Test bei Schwindel beim Aufstehen
- Je nach Fragestellung weitere Tests des Schwitzens oder des autonomen Nervensystems
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin dauert meist etwa 30 bis 60 Minuten. Für den QSART werden Ihnen kleine Kammern auf die Haut geklebt, meist an Armen und Beinen. Über eine milde elektrische Spannung dringt eine Flüssigkeit in die Haut, die die Schweißdrüsen anregt. Die Kammern messen dann, wie viel Feuchtigkeit entsteht – das kann man nicht steuern und muss man nicht „richtig machen“. Viele empfinden ein leichtes Kribbeln oder Wärmegefühl; Schmerzen sind nicht typisch. Danach können kleine rote Stellen oder ein vorübergehendes Kribbeln an den Klebestellen bleiben. Vor der Untersuchung sagt Ihnen die Praxis, ob Sie Kaffee, Nikotin oder Alkohol meiden sollen und ob Medikamente vorher pausiert werden müssen – ändern Sie Medikamente aber nie ohne Rücksprache.
Behandlung
Der QSART ist eine Untersuchung und keine Behandlung – er schadet nicht und muss nicht „therapiert“ werden. Behandelt wird das, was man mit ihm findet: die geschädigten kleinen Nervenfasern beziehungsweise ihre Ursache. Wie die Behandlung aussieht, hängt ganz davon ab, warum die Nerven belastet sind. Das besprechen Sie am besten ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Füße täglich anschauen, auch zwischen den Zehen – bei vermindertem Gefühl bemerkt man kleine Wunden sonst leicht zu spät
- Passende, nicht drückende Schuhe tragen und vor dem Anziehen prüfen, ob nichts hineingefallen ist
- Haut gut pflegen, trockene Haut eincremen, aber keine Creme zwischen die Zehen geben
- Ausreichend trinken und längeres Stehen in großer Hitze vermeiden
- Nikotin möglichst meiden und Alkohol nur in Maßen konsumieren
- Zuhause Stolperfallen entfernen, nachts für ausreichend Licht sorgen
- Bei Diabetes: die Blutzuckerwerte im vereinbarten Rahmen halten
Medizinische Behandlungen
Behandelt wird immer die Ursache, soweit sie sich finden lässt. Bei Diabetes steht eine gute Stoffwechsel-Einstellung im Mittelpunkt, bei einem Vitaminmangel die Ergänzung des fehlenden Vitamins, bei belastenden Medikamenten wird die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob es Alternativen gibt – niemals eigenmächtig absetzen. Gegen Brennen und Kribbeln gibt es verschiedene ärztliche Behandlungsansätze, die individuell abgestimmt werden. Wichtig sind außerdem Physiotherapie, Fußpflege und Hilfen für einen sicheren Gang. Alles Weitere besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; auch Ihre Apotheke kann zur richtigen Anwendung unterstützen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim QSART selbst kein Thema. Sie kann nur in seltenen Fällen eine Rolle spielen, wenn eine andere, ganz bestimmte Erkrankung hinter den Beschwerden steckt – das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im Einzelfall.
Leben mit der Erkrankung
Wenn die kleinen Nervenfasern nicht mehr richtig arbeiten, ändert sich im Alltag manches: Man spürt Bodenhitze schlechter, bemerkt kleine Verletzungen am Fuß später oder wird beim schnellen Aufstehen schwindelig. Mit ein paar Gewohnheiten lässt sich das gut in den Griff bekommen – vor allem mit regelmäßigen Fußkontrollen, sicheren Schuhen und etwas Vorsicht bei Hitze und beim Aufstehen.
Tipps für den Alltag
- Feste Rituale für die Fußkontrolle einführen, zum Beispiel jeden Abend beim Zubettgehen
- Beim Aufstehen erst sitzen bleiben und ein paar Sekunden durchatmen
- Bei Hitze Schatten, luftige Kleidung und regelmäßiges Trinken einplanen
- Bewegung im Alltag fest verankern – Spaziergänge, Treppen, Radfahren
- Ausreichend Schlaf und Pausen, damit das Nervensystem nicht zusätzlich belastet wird
- Offen mit Angehörigen über Gefühlsstörungen sprechen, damit sie im Alltag Rücksicht nehmen können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und guten Eiweißquellen unterstützt die Nerven. Bei Diabetes ist eine gleichmäßige Kohlenhydratverteilung sinnvoll. Achten Sie auf ausreichend Vitamin B12 – bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist eine ärztliche Beratung zur Ergänzung oft sinnvoll. Bewegung tut den Nerven gut: Gleichgewichtstraining, Spazierengehen und leichte Kraftübungen fördern die Durchblutung und senken das Sturzrisiko. Starten Sie langsam und steigern Sie sich – und lassen Sie sich bei Unsicherheit physiotherapeutisch anleiten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltendes Brennen, Kribbeln oder Schwindel kann zermürben und den Schlaf rauben. Viele Menschen machen sich Sorgen, was hinter den Beschwerden steckt, oder fühlen sich im Alltag unsicher. Solche Gefühle sind verständlich und verdienen Aufmerksamkeit – sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, auch über Ängste und Erschöpfung. Wenn Sie sich in einer seelischen Krise befinden oder Gedanken haben, sich etwas anzutun, holen Sie sich bitte sofort Hilfe: beim Notruf 112, bei Ihrer Arztpraxis oder bei einer örtlichen Telefonseelsorge. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Den QSART selbst muss man nicht „verhindern“ – er ist eine harmlose Untersuchung. Vorbeugen kann man aber den Schäden an den kleinen Nervenfasern, die mit ihm untersucht werden: mit gut eingestelltem Blutzucker bei Diabetes, maßvollem Alkoholkonsum, ausreichender Vitaminversorgung und dem bewussten Umgang mit nervenbelastenden Behandlungen. Nicht alle Ursachen lassen sich beeinflussen, vor allem erbliche Formen nicht – das ist keine Schuldfrage.
Impfungen
Für den QSART sind keine besonderen Impfungen nötig. Fragen Sie bei Gelegenheit Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Schutzimpfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei Ihnen Diabetes bekannt ist, gehören regelmäßige Fußuntersuchungen zur Standardvorsorge – mindestens einmal im Jahr, bei Auffälligkeiten häufiger. Dabei werden Gefühl, Haut, Schuhe und Durchblutung geprüft. So lassen sich Probleme früh erkennen, bevor sie Beschwerden machen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Kleine Verletzungen und Druckstellen am Fuß werden übersehen und können sich entzünden
- Erhöhte Sturzgefahr durch unsicheres Gangbild oder Schwindel beim Aufstehen
- Überhitzung und Kreislaufprobleme bei Hitze, wenn der Körper nicht ausreichend schwitzen kann
- Blasen- oder Darmentleerungsstörungen, die den Alltag belasten
- Anhaltender Schlafmangel und Erschöpfung durch brennende Schmerzen
Langzeitprognose
Die meisten Ursachen für Beschwerden an den kleinen Nervenfasern lassen sich gut behandeln oder zumindest günstig beeinflussen – besonders, wenn man früh damit anfängt. Der QSART hilft dabei, die Lage klar einzuordnen und die richtige Behandlung zu wählen. Viele Menschen spüren mit der Zeit eine Besserung; bei anderen bleibt ein Rest an Beschwerden, der sich aber gut in den Alltag einbinden lässt. Wichtig ist, dass Sie sich gut informiert fühlen und Ihre Fragen stellen – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt begleitet Sie dabei.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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