Blutvolumenbestimmung: Was der Test misst und wann er sinnvoll ist
Übersicht
Bei einer Blutvolumenbestimmung wird gemessen, wie viel Blut insgesamt in Ihrem Körper kreist. Dabei wird nicht nur eine Blutprobe untersucht, sondern berechnet, wie sich das Blut zusammensetzt: aus flüssigem Blutplasma und aus den roten Blutkörperchen, die Sauerstoff transportieren. So lässt sich unterscheiden, ob wirklich zu viele rote Blutkörperchen gebildet werden – oder ob das Blut nur „dickflüssiger" wirkt, weil zu wenig Flüssigkeit im Blut ist. Der Test ist kein alltäglicher Laborwert, sondern eine spezielle Untersuchung, die meist in einer Klinik oder einem spezialisierten Labor durchgeführt wird.
Wichtige Fakten
- Die Blutvolumenbestimmung misst die gesamte Blutmenge und den Anteil der roten Blutkörperchen – nicht nur einen einzelnen Laborwert.
- Sie hilft zum Beispiel zu klären, ob ein erhöhter Laborwert (Hämatokrit, also der Anteil der roten Blutkörperchen am Blut) wirklich durch eine vermehrte Bildung roter Blutkörperchen entsteht oder nur durch Flüssigkeitsmangel.
- Der Test dauert meist ein bis zwei Stunden, es werden dabei in der Regel zwei Blutproben genommen – manchmal mit einer winzigen Menge einer harmlosen Markierungssubstanz, die kurz zuvor gespritzt wird.
- Das Ergebnis wird immer zusammen mit Beschwerden, Blutbild und weiteren Untersuchungen beurteilt, nie für sich allein.
Nein, die Blutvolumenbestimmung gehört nicht zu den Routineuntersuchungen. Sie wird gezielt eingesetzt, wenn nach einem auffälligen Blutbild oder bei bestimmten Beschwerden genauer geklärt werden soll, ob die Blutmenge tatsächlich verändert ist.
Häufig betrifft sie Menschen, bei denen im Blutbild ein erhöhter Wert für rote Blutkörperchen oder Hämatokrit aufgefallen ist. Auch bei unklarer Blutarmut, bei starkem Flüssigkeitsmangel oder vor bestimmten Behandlungen, die die Blutmenge beeinflussen, kann der Test zum Einsatz kommen. Bei Kindern wird er nur selten und dann in spezialisierten Zentren durchgeführt.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot oder Brustschmerzen
- Anzeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, Sprachstörung, plötzliche Lähmung oder Sehverlust
- Bewusstlosigkeit oder plötzliche Verwirrtheit
- Starke, nicht stillbare Blutung
- Sehr schneller Herzschlag mit Schwindel und Kreislaufkollaps
- ⚠Zunehmende Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- ⚠Neu aufgetretene Schwellung, Schmerzen oder Überwärmung eines Beins
- ⚠Deutlich zunehmende Müdigkeit oder Luftnot bei leichter Anstrengung
- ⚠Starker Juckreiz nach dem Duschen oder Baden, der neu auftritt
Häufige Symptome
- Anlass für den Test ist oft gar kein Beschwerdebild, sondern ein auffälliger Laborwert beim Blutbild.
- Mögliche Zeichen bei vermehrten roten Blutkörperchen: gerötete Gesichtshaut, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche oder ein Druckgefühl im Kopf.
- Manche Menschen berichten über Juckreiz, besonders nach einem warmen Bad oder einer warmen Dusche.
- Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein allgemeines Schwächegefühl können vorkommen – sie sind aber unspezifisch und haben viele mögliche Ursachen.
- Bei Blutarmut eher: Blässe, Leistungsabfall, Kurzatmigkeit bei Anstrengung und schneller Herzschlag.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird die Untersuchung sehr zurückhaltend eingesetzt und meist nur in spezialisierten kinderärztlichen Zentren.
- Auffällige Blutwerte im Kindesalter werden zuerst mit anderen, schonenderen Untersuchungen abgeklärt.
- Eltern sollten vorher genau besprechen, warum der Test nötig ist und wie er für das Kind möglichst angenehm abläuft.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter sind Laborwerte oft schwerer einzuordnen, weil Flüssigkeitsmangel und andere Erkrankungen die Werte beeinflussen können.
- Dehydration (Flüssigkeitsmangel) ist bei älteren Menschen häufig und kann einen erhöhten Hämatokrit vortäuschen – der Blutvolumentest kann hier Klarheit bringen.
- Begleitende Herz-, Nieren- oder Lungenerkrankungen werden bei der Beurteilung mit berücksichtigt.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein im Blutbild erhöhter Hämatokrit, der genauer abgeklärt werden soll
- Verdacht auf eine echte Vermehrung der roten Blutkörperchen (zum Beispiel bei einer Erkrankung des Knochenmarks)
- Abgrenzung dazu: ein nur scheinbar erhöhter Wert durch Flüssigkeitsmangel (relative Blutverdickung)
- Unklare Blutarmut, bei der gemessen werden soll, wie viel Blut und rote Blutkörperchen tatsächlich vorhanden sind
- Starker oder länger anhaltender Blutverlust
- Vor oder während bestimmter Behandlungen, die die Blutmenge beeinflussen – etwa in der Intensivmedizin oder bei speziellen Knochenmarkerkrankungen
Risikofaktoren
- Rauchen (kann die Zahl der roten Blutkörperchen erhöhen)
- Aufenthalt in großer Höhe über längere Zeit
- Flüssigkeitsmangel, etwa durch wenig Trinken oder starkes Schwitzen
- Schlafbezogene Atemstörungen mit nächtlichen Atempausen
- Bestimmte Herz- oder Lungenerkrankungen mit Sauerstoffmangel im Blut
- Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen zu viele Blutzellen gebildet werden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn ein erhöhter Hämatokrit zusammen mit Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Benommenheit auftritt
- Bei neu aufgetretener Schwellung oder Schmerz in einem Bein
- Bei plötzlicher Luftnot oder Brustschmerz – hier gilt: Notruf 112
- Bei unerklärlichem Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder anhaltendem Juckreiz
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn in Ihrem Blutbild ein auffälliger Wert für rote Blutkörperchen oder Hämatokrit steht und Sie wissen möchten, was das bedeutet
- Wenn Sie häufiger unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Ohrgeräuschen leiden und parallel ein auffälliges Blutbild besteht
- Wenn bei Ihnen eine Blutarmut bekannt ist und trotz Behandlung keine Besserung eintritt
- Wenn Sie unsicher sind, ob eine vorgeschlagene Untersuchung für Sie sinnvoll ist – eine zweite Meinung ist immer erlaubt
Diagnose
Die Blutvolumenbestimmung ist selbst ein diagnostischer Baustein. Sie wird nie allein bewertet, sondern immer zusammen mit Ihren Beschwerden, dem großen Blutbild, weiteren Laborwerten und manchmal einer Ultraschalluntersuchung. So kann das Behandlungsteam unterscheiden, ob wirklich zu viele rote Blutkörperchen gebildet werden oder ob das Blut durch Flüssigkeitsmangel nur eingeengt ist.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild mit Hämatokrit und Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
- Die Blutvolumenbestimmung selbst – meist über eine Markierungssubstanz, die kurzzeitig gespritzt wird, gefolgt von Blutproben
- Bestimmung von Erythropoetin (ein körpereigenes Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt)
- Zusätzliche Laborwerte zu Nieren, Leber und Eisenstoffwechsel
- Ultraschall des Bauchraums, zum Beispiel zur Beurteilung von Milz und Nieren
- Bei Bedarf eine genetische Untersuchung des Blutes
- Bei vermuteter schlafbezogener Atemstörung eine Schlafuntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin dauert meist ein bis zwei Stunden. Häufig wird Ihnen zuerst eine kleine Menge einer harmlosen Markierungssubstanz gespritzt oder es werden markierte eigene rote Blutkörperchen verwendet. Nach einer kurzen Wartezeit wird Blut abgenommen – manchmal ein- bis zweimal. Das Blut wird im Labor analysiert und daraus die Blutmenge berechnet. In der Regel müssen Sie nicht nüchtern kommen, trinken Sie aber vorher normal. Fragen Sie vorab, ob Medikamente wie gewohnt eingenommen werden dürfen. Die Ergebnisse liegen oft erst nach einigen Tagen vor.
Behandlung
Der Test selbst ist keine Behandlung – er liefert die Grundlage dafür, die richtige Behandlung zu wählen. Was danach geschieht, hängt ganz vom Ergebnis ab: Ist die Blutmenge normal und der Laborwert nur durch Flüssigkeitsmangel erhöht, genügt oft schon regelmäßiges Trinken und eine Kontrolle. Zeigt sich dagegen eine echte Vermehrung der roten Blutkörperchen, bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen gezielte Maßnahmen.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken – Wasser ist meist die beste Wahl, besonders an warmen Tagen und bei körperlicher Anstrengung
- Vor dem Termin gut trinken und nicht tagelang wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, damit der Wert aussagekräftig ist
- Eine Liste Ihrer Medikamente und früheren Blutbilder mitbringen
- Fragen Sie nach, was das Ergebnis konkret für Sie bedeutet und wie es weitergeht
- Notieren Sie Beschwerden wie Kopfschmerzen, Juckreiz oder Schwindel, damit Sie sie beim Gespräch schildern können
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Liegt eine echte Vermehrung der roten Blutkörperchen vor, gibt es etablierte Verfahren, um die Blutmenge und die Zellzahl zu senken; dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Blutentnahmen (Aderlass) unter ärztlicher Kontrolle und – je nach Situation – medikamentöse Behandlungen, die Ihr Arzt oder Ihre Ärztin mit Ihnen bespricht. Bei einer relativen Blutverdickung durch Flüssigkeitsmangel steht das Trinken und die Behandlung der auslösenden Ursache im Vordergrund. Bei Blutarmut wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt. Konkrete Medikamente, Dosierungen und Namen gehören ausschließlich in das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist im Zusammenhang mit der Blutvolumenbestimmung selbst nicht nötig. Sie kann aber bei bestimmten Grunderkrankungen eine Rolle spielen – das wird individuell besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Warten auf ein Laborergebnis kann unruhig machen. Helfen kann es, sich klarzumachen: Der Test schafft Klarheit, er verändert nichts zum Schlechten. Bis zum Ergebnis lohnt es sich, auf sich zu achten – genug zu trinken, ausreichend zu schlafen und Beschwerden aufzuschreiben, statt sie im Kopf zu sortieren.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig über den Tag verteilt trinken, nicht erst bei Durst
- Wenn Sie rauchen: Rauchstopp entlastet Herz und Gefäße und kann Blutwerte verbessern – Unterstützung gibt es bei Ihrer Hausarztpraxis
- Bewegung im Alltag, angepasst an Ihre Kondition
- Ausreichend Schlaf und ein Blick auf mögliche nächtliche Atemprobleme
- Bei großer Hitze oder Sport zusätzlich auf Flüssigkeit achten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Herz und Gefäße. Salzreiche Kost kann den Blutdruck erhöhen – hier lohnt sich ein bewusster Umgang. Bewegung ist fast immer hilfreich; sprechen Sie bei Herzbeschwerden oder Luftnot vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das passende Maß. Spezielle „Blutverdünner-Lebensmittel" oder Entschlackungskuren braucht es nicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein auffälliger Blutwert löst oft Sorgen aus, gerade weil man selbst wenig damit anfangen kann. Diese Anspannung ist normal. Es kann helfen, konkrete Fragen aufzuschreiben, eine Vertrauensperson zum Termin mitzunehmen und sich nicht im Internet treiben zu lassen – viele dort beschriebene Szenarien passen nicht zu Ihrer Situation. Wenn Unruhe, Schlafprobleme oder Ängste länger anhalten, sprechen Sie darüber. Psychosoziale Unterstützung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine sinnvolle Ergänzung.
Vorbeugung
Die Untersuchung selbst lässt sich nicht „verhindern" – sie ist ein Werkzeug, kein Risiko. Vorbeugen lässt sich aber den Situationen, die zu auffälligen Blutwerten führen: ausreichend trinken, nicht rauchen, einen gesunden Blutdruck im Blick behalten und bei Herz- oder Lungenerkrankungen die Behandlung konsequent wahrnehmen.
Früherkennungsprogramme
Eine routinemäßige Blutvolumenbestimmung als Vorsorge gibt es nicht und sie ist auch nicht sinnvoll. Sinnvoll ist dagegen, auffällige Werte im normalen Blutbild abklären zu lassen. Wie oft ein Blutbild kontrolliert wird, richtet sich nach Ihrem Alter, Ihren Beschwerden und Ihren Vorerkrankungen – das besprechen Sie am besten in Ihrer Hausarztpraxis.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein erhöhter Anteil an roten Blutkörperchen kann das Blut dickflüssiger machen – dadurch steigt die Neigung zu Blutgerinnseln (Thrombosen) leicht an.
- Ungeklärte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Juckreiz bleiben ohne Diagnose oft bestehen.
- Eine dahinterliegende Knochenmarkerkrankung würde ohne Abklärung nicht erkannt und nicht behandelt.
- Umgekehrt kann eine unerkannte Blutarmut zu anhaltender Müdigkeit und Leistungsschwäche führen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den allermeisten Fällen gut. Der Blutvolumentest liefert eine klare Grundlage, und viele Veränderungen lassen sich gut begleiten und behandeln – besonders, wenn sie früh erkannt werden. Ein einzelner auffälliger Wert im Blutbild ist häufig harmlos und oft durch Flüssigkeitsmangel erklärt. Mit regelmäßiger ärztlicher Betreuung und einem aufmerksamen Umgang mit dem eigenen Körper haben Sie gute Möglichkeiten, gut damit zu leben.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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