Herzkatheteruntersuchung: verständlich erklärt
Übersicht
Eine Herzkatheteruntersuchung ist eine Untersuchung des Herzens mit einem sehr dünnen, biegsamen Schlauch, dem Herzkatheter. Der Schlauch wird meist über eine Blutader am Handgelenk oder in der Leiste eingeführt und bis zum Herzen geschoben. Über den Katheter kann Kontrastmittel gespritzt werden. Kontrastmittel ist eine Flüssigkeit, die im Röntgenbild sichtbar macht, wie das Blut durch die Herzkranzgefäße fließt. So lassen sich Engstellen, Herzklappen, Herzmuskel, Druckverhältnisse und die Pumpkraft beurteilen. Bei Bedarf kann im selben Termin eine Engstelle aufgedehnt und mit einer kleinen Gefäßstütze, einem Stent, offen gehalten werden.
Wichtige Fakten
- Die Herzkatheteruntersuchung ist meist ein kleiner Eingriff über Handgelenk oder Leiste, nicht eine Operation am offenen Herzen.
- Sie kann der Abklärung dienen und gleichzeitig eine Behandlung ermöglichen, zum Beispiel das Aufdehnen einer Engstelle.
- Vor dem Eingriff werden Allergien, Nierenfunktion, Medikamente und Begleiterkrankungen besprochen.
Ja, die Herzkatheteruntersuchung gehört in Deutschland zu den häufigen Untersuchungen am Herzen. Sie wird sowohl zur Abklärung von Beschwerden als auch in der Akutbehandlung des Herzinfarkts eingesetzt.
Sie betrifft Menschen mit Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße, nach einem Herzinfarkt, bei Herzklappen- oder Herzmuskelerkrankungen, bei bestimmten Rhythmusstörungen und bei angeborenen Herzfehlern. Männer und Frauen jeden Alters können sie brauchen, gehäuft ab dem mittleren Lebensalter.
Symptome
- Rufen Sie sofort 112 an, wenn eines dieser Zeichen auftritt.
- Starker Brustschmerz oder Druckgefühl, das länger als wenige Minuten anhält oder in Arm, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlt
- Brustschmerz mit Kaltschweiß, Übelkeit, Atemnot oder Todesangst – Verdacht auf Herzinfarkt
- Plötzliche schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Zusammenbruch
- Nach Herzkatheter: starke Blutung an der Einstichstelle, die trotz Druck nicht stoppt, oder schnell wachsende Schwellung
- Nach Herzkatheter: kalter, blasser oder bläulicher Arm oder Fuß, starker Schmerz oder Gefühlsstörung
- Nach Herzkatheter: schwere allergische Reaktion mit Schwellung von Gesicht oder Hals, Atemnot oder Nesselsucht
- Nach Herzkatheter: plötzlicher starker Brustschmerz, Herzrasen mit Schwindel oder Ohnmacht
- ⚠Neue oder zunehmende Atemnot, die nicht in Ruhe verschwindet
- ⚠Herzklopfen oder unregelmäßiger Puls mit Schwindel, aber ohne Ohnmacht
- ⚠Fieber, zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle
- ⚠Leichte Blutung oder Bluterguss, der größer wird oder stark schmerzt
- ⚠Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufschwäche nach dem Eingriff
Häufige Symptome
- Brustschmerz, Druck oder Engegefühl, besonders bei Belastung
- Atemnot oder schnelle Erschöpfung bei alltäglicher Bewegung
- Herzrasen, Herzstolpern oder unregelmäßiger Herzschlag
- Schwindel, Schwäche oder kurze Ohnmacht
- Geschwollene Beine, nächtliche Atemnot oder Wassereinlagerungen
- Bei Herzinfarkt: starker Brustschmerz mit Kaltschweiß, Übelkeit und Ausstrahlung in Arm, Hals oder Rücken
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird eine Herzkatheteruntersuchung vor allem bei angeborenen Herzfehlern geplant.
- Hinweise können bläuliche Lippen, Trinkschwäche, langsames Wachstum, Schwitzen beim Füttern oder häufige Atemwegsinfekte sein.
- Die Entscheidung treffen Kinderkardiologen in spezialisierten Zentren.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können Beschwerden unspezifisch sein, zum Beispiel Luftnot, Müdigkeit, Schwäche oder Verwirrtheit statt klassischem Brustschmerz.
- Begleiterkrankungen werden vor dem Eingriff sorgfältig geprüft. Das Alter allein ist kein Hindernis.
- Nach dem Eingriff sind Aufmerksamkeit auf Blutungszeichen, Kreislauf und Infektionszeichen besonders wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße bei Brustschmerz oder Belastungsatemnot
- Akutes Koronarsyndrom oder Herzinfarkt
- Herzklappenerkrankung, Herzmuskelschwäche oder Lungenhochdruck
- Anhaltende Rhythmusstörungen oder unklare Herzbeschwerden
- Angeborene Herzfehler bei Kindern und Erwachsenen
- Vor bestimmten Herzoperationen zur genauen Planung
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Erhöhte Blutfette
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung mit Herzkrankheiten
- Höheres Lebensalter
- Dauerhafter Stress und schlechter Schlaf können das Herz belasten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Brustschmerz in Ruhe, der länger anhält
- Atemnot in Ruhe oder plötzlich zunehmende Atemnot
- Ohnmacht oder fast-Ohnmacht
- Herzrasen mit Schwindel
- Nach Herzkatheter: Blutung, Infektionszeichen oder starke Schmerzen an der Einstichstelle
- Fieber nach dem Eingriff
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Belastungsabhängige Beschwerden, die wiederholt auftreten
- Bekannte Herzkrankheit und neue oder veränderte Symptome
- Fragen vor einem geplanten Herzkathetertermin
- Besprechung des Medikamentenplans und der Nachsorge
- Kontrolltermin nach dem Eingriff
Diagnose
Die Herzkatheteruntersuchung ist selbst ein wichtiger Untersuchungsschritt. Vorher bespricht das Team Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und Allergien. Meist werden vorab ein EKG und ein Herzultraschall gemacht, oft auch ein Belastungstest oder eine Computertomografie. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung über Handgelenk oder Leiste. Ein Beruhigungsmittel kann angeboten werden. Über den Katheter wird Kontrastmittel gespritzt und mit Röntgenstrahlen sichtbar gemacht. So erkennen Ärzte Engstellen, Klappenveränderungen, Drücke und die Pumpfunktion.
Mögliche Untersuchungen
- Echokardiografie, also Herzultraschall
- Belastungs-EKG oder anderer Stresstest
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel Herzmarker
- Röntgenaufnahme der Brust
- Computertomografie der Herzkranzgefäße
- Herzkatheteruntersuchung mit Kontrastmittel
- Eventuell Magnetresonanztomografie des Herzens
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Oft sollen Sie nüchtern kommen. Schmuck und Metall werden entfernt. Organisieren Sie eine Abholung, weil Sie danach vielleicht nicht selbst fahren dürfen. Der Eingriff dauert häufig etwa 30 bis 60 Minuten. Danach gibt es einen Druckverband und je nach Zugang Bettruhe und Kontrollen. Manchmal bleibt man einige Stunden oder über Nacht zur Beobachtung. Während des Eingriffs kann ein warmes Gefühl oder kurzes Herzklopfen auftreten. Sagen Sie dem Team sofort Bescheid, wenn Sie Schmerzen, Atemnot oder andere Beschwerden bemerken.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund. Sind die Herzkranzgefäße frei, ist oft keine weitere Behandlung am Herzen nötig. Findet sich eine Engstelle, kann sie im selben Eingriff mit einem Ballon aufgedehnt und mit einem Stent offen gehalten werden. Bei anderen Befunden kommen je nach Situation Medikamente, Klappenverfahren, eine Behandlung von Rhythmusstörungen oder eine Herzoperation infrage. In Deutschland orientieren sich Ärzte bei der Entscheidung an AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie sich genau an die Anweisungen Ihrer Praxis oder Klinik.
- Halten Sie die Einstichstelle sauber und trocken und kratzen Sie nicht daran.
- Vermeiden Sie schwere Lasten und starke Anstrengung für einige Tage. Die genaue Dauer sagt Ihnen das Behandlungsteam.
- Autofahren nur, wenn es ausdrücklich erlaubt ist.
- Trinken Sie ausreichend, wenn keine Flüssigkeitsbeschränkung besteht, damit das Kontrastmittel ausgeschieden wird.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente nach Plan ein und setzen Sie nichts selbst ab.
- Achten Sie auf Blutungszeichen, Infektionszeichen und Kreislaufbeschwerden.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen allgemeine Herzschutzmaßnahmen, vom Arzt verordnete Medikamente zur Blutdruck-, Cholesterin- oder Gerinnungskontrolle, eine Aufdehnung mit Ballon, ein Stent, eine Behandlung von Herzrhythmusstörungen, ein Klappenverfahren oder in manchen Fällen eine Herzoperation infrage. Welche Behandlung passt, bespricht das Herzteam individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine offene Herzoperation kann nötig sein bei komplexen Verengungen, bestimmten Herzklappenerkrankungen, angeborenen Herzfehlern oder wenn ein Kathetereingriff nicht sicher möglich ist. Diese Entscheidung trifft ein Herzteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer einfachen Untersuchung fühlen sich viele Menschen nach ein bis zwei Tagen wieder normal. Nach einer Aufdehnung oder einem Stent kann die Erholung etwas länger dauern. Leichte Müdigkeit und ein Bluterguss sind möglich. Fragen Sie nach konkreten Fristen für Arbeit, Sport, Heben und Autofahren.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Rauchverzicht unterstützen
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Blick behalten
- Regelmäßig in Bewegung bleiben, im Rahmen der ärztlichen Empfehlung
- Auf ein gesundes Gewicht achten
- Stress reduzieren und auf ausreichenden Schlaf achten
- Kontrolltermine wahrnehmen
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung betont Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und gesunde Öle. Weniger Salz, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel sind hilfreich. Bewegung nach ärztlicher Empfehlung tut gut, oft Ausdauer wie zügiges Gehen. Eine Herzreha oder Herzsportgruppe kann den Wiederaufbau unterstützen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sorgen vor dem Eingriff und nach einem Herzereignis sind normal. Manche Menschen schlafen schlecht, fühlen sich ängstlich oder niedergeschlagen. Sprechen Sie darüber. Psychologische Unterstützung und eine Herzreha können helfen. Bei Gedanken, sich etwas anzutun, holen Sie sofort Hilfe über 112.
Vorbeugung
Die Herzkatheteruntersuchung selbst lässt sich nicht verhindern. Aber das Risiko für Herzkrankheiten, die dazu führen, lässt sich senken. Rauchstopp, gute Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, Bewegung und gesundes Essen helfen.
Impfungen
Bei Herzkrankheiten können Impfungen nach ärztlicher Beratung sinnvoll sein, zum Beispiel gegen Grippe oder COVID-19, wenn sie empfohlen werden. Fragen Sie Ihre Praxis.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Check-ups mit Blutdruckmessung sowie Kontrolle von Blutzucker und Blutfetten sind sinnvoll. Bei Beschwerden früh ärztlich abklären. In Deutschland gibt es Check-up-Angebote; Ihre Praxis berät Sie.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine nicht abgeklärte oder unbehandelte koronare Herzkrankheit kann zu Herzinfarkt, Herzschwäche oder gefährlichen Rhythmusstörungen führen.
- Bei einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute. Eine verzögerte Behandlung kann den Herzmuskel schädigen.
- Nach einer Herzkatheteruntersuchung können selten Blutungen, Infektionen, Gefäßverletzungen, eine Nierenbelastung durch Kontrastmittel oder allergische Reaktionen auftreten.
- Sehr selten kommt es während des Eingriffs zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Rhythmusstörungen.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen vertragen den Eingriff gut. Ernsthafte Komplikationen sind selten, und viele Beschwerden lassen sich danach gezielt behandeln. Mit guter Nachsorge und einem herzgesunden Lebensstil sind die Aussichten oft gut. Ihr Behandlungsteam bespricht Nutzen und Risiken individuell mit Ihnen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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