Bildgebung des Herzens: Was Herz-Untersuchungen zeigen
Übersicht
Mit „Bildgebung des Herzens“ sind alle Untersuchungen gemeint, die das Herz sichtbar machen – seine Form, seine Pumpkraft und die Gefäße, die es mit Blut versorgen. Bekannte Beispiele sind der Herzultraschall (Echokardiografie: Bilder mit Schallwellen), die Magnetresonanztomografie (MRT: Bilder mit einem starken Magnetfeld), die Computertomografie (CT: Bilder mit Röntgenstrahlen) und Untersuchungen mit sehr kleinen Mengen radioaktiver Stoffe. Manche Verfahren zeigen das Herz im Ruhezustand, andere unter Belastung. So können Ärztinnen und Ärzte erkennen, ob das Herz gesund arbeitet oder ob etwas genauer abgeklärt werden muss.
Wichtige Fakten
- Herz-Untersuchungen tun in der Regel nicht weh. Viele dauern nur wenige Minuten, manche etwa eine Stunde.
- Der Herzultraschall ist die häufigste Untersuchung. Er arbeitet mit Schallwellen, nicht mit Röntgenstrahlen.
- Nicht jede Untersuchung ist für jede Person gleich sinnvoll. Gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wird das passende Verfahren ausgewählt.
Sehr häufig. Untersuchungen des Herzens gehören zu den am meisten durchgeführten Untersuchungen überhaupt. Allein der Herzultraschall wird in Kliniken und Praxen täglich vielfach eingesetzt.
Grundsätzlich kann jede und jeder eine Herz-Untersuchung brauchen. Am häufigsten betroffen sind Menschen mit Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder Herzstolpern, Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes und Menschen, bei denen in der Familie eine Herzerkrankung bekannt ist. Auch Kinder und Jugendliche werden untersucht, zum Beispiel wenn beim Abhören ein Herzgeräusch auffällt oder ein angeborener Herzfehler vermutet wird.
Symptome
- Brustschmerzen, die länger als einige Minuten anhalten oder in Arm, Schulter, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen
- Plötzliche, starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen
- Bewusstlosigkeit oder ein kurzes Wegtreten (Ohnmacht)
- Herzrasen zusammen mit Schwindel, Engegefühl in der Brust oder starker Angst
- Bläuliche Lippen oder ein graues, kaltschweißiges Gesicht
- In all diesen Fällen gilt: sofort die 112 anrufen – auch nachts und am Wochenende.
- ⚠Neu aufgetretenes Herzstolpern, das über Stunden anhält
- ⚠Deutlich zunehmende Atemnot bei leichter Belastung
- ⚠Neu aufgetretene oder stärker werdende Schwellungen an Beinen und Knöcheln
- ⚠Fieber mit Herzklopfen oder Unwohlsein nach einer Infektion
- ⚠Brustschmerzen, die wiederholt kurz auftreten und wieder verschwinden
Häufige Symptome
- Brustschmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust, besonders bei Belastung
- Atemnot bei Treppensteigen, Spazierengehen oder anderen alltäglichen Anstrengungen
- Herzklopfen, Herzrasen oder Herzstolpern
- Schwindel oder ein Gefühl von Schwäche
- Geschwollene Knöchel und Beine
- Ungewöhnliche Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit
- Ein Herzgeräusch, das beim Abhören auffällt
- Ohnmacht oder ein kurzes Wegtreten ohne erkennbaren Grund
Symptome bei Kindern
- Ein Herzgeräusch beim Abhören – sehr oft harmlos, wird aber oft abgeklärt
- Trinkschwäche oder schnelles Ermüden beim Trinken
- Langsames Wachstum oder schlechte Gewichtszunahme
- Schnelle Erschöpfung beim Spielen oder Toben
- Bläuliche Lippen oder Hautverfärbungen, besonders bei Anstrengung
- Herzfehler, die bei Geschwistern oder Eltern bekannt sind
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Luftnot bei leichten Tätigkeiten
- Wassereinlagerungen an Beinen, Knöcheln oder in der Lunge
- Herzrhythmusstörungen, oft als unregelmäßiger Puls spürbar
- Kontrolle nach einem Herzinfarkt oder einer Herzkatheter-Behandlung
- Abklärung vor einer geplanten Operation
- Herzklappen, die mit dem Alter undichter oder enger werden können
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, etwa nach Brustschmerzen oder einem auffälligen Belastungstest
- Abklärung einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz: Das Herz pumpt nicht mehr kräftig genug.)
- Kontrolle und Beurteilung der Herzklappen
- Abklärung von Herzrhythmusstörungen
- Angeborene Herzfehler oder Herzfehler, die im Laufe des Lebens entstanden sind
- Vor und nach Operationen oder Eingriffen am Herzen
- Regelmäßige Verlaufskontrolle bei einer bereits bekannten Herzerkrankung
- Abklärung von Bluthochdruck oder auffälligen Blutwerten, die auf das Herz hinweisen
Risikofaktoren
- Bluthochdruck
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Rauchen
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Herzerkrankungen in der Familie, besonders in jungen Jahren
- Höheres Lebensalter
- Übergewicht
- Bewegungsmangel und viel Sitzen
- Dauerhafter Stress und schlechter Schlaf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Brustschmerzen neu auftreten oder stärker werden
- Wenn Sie plötzlich schlecht Luft bekommen oder nachts aufwachen, weil Sie keine Luft bekommen
- Wenn Sie sich schwach, benommen oder kurzatmig fühlen
- Wenn Ihre Beine oder Knöchel innerhalb von Tagen deutlich anschwellen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen weniger leistungsfähig sind und nicht wissen, warum
- Wenn beim Abhören ein Herzgeräusch aufgefallen ist
- Wenn in Ihrer Familie eine erbliche Herzerkrankung bekannt ist
- Wenn bei Ihnen Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte festgestellt wurden
- Wenn Sie vor einer geplanten Operation stehen und das Herz vorher eingeschätzt werden soll
- Wenn Sie eine bestehende Herzerkrankung regelmäßig kontrollieren lassen
Diagnose
Am Anfang steht fast immer ein Gespräch: Was spüren Sie, seit wann, bei welcher Belastung? Danach folgt eine körperliche Untersuchung – Abhören, Puls fühlen, Blutdruck messen, manchmal die Beine auf Schwellungen prüfen. Aus diesen Informationen wählt die Ärztin oder der Arzt ein oder zwei passende Untersuchungen aus. Nicht jede Person braucht alle Verfahren. Die Empfehlungen orientieren sich an den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (AWMF), in denen festgehalten ist, wann welche Untersuchung sinnvoll ist.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm): misst die elektrischen Signale des Herzens über kleine Elektroden auf der Haut. Kein Bild im engeren Sinn, aber meist der erste Schritt.
- Herzultraschall (Echokardiografie): Der Schallkopf wird auf die Brust gelegt. Man sieht Größe, Form, Pumpkraft und die Herzklappen. Es tut nicht weh.
- Belastungs-EKG und Stress-Ultraschall: Das Herz wird unter Belastung beobachtet, zum Beispiel auf dem Fahrrad.
- Schluck-Echo (transösophageale Echokardiografie): Der Schallkopf wird über die Speiseröhre eingeführt. Das ergibt genauere Bilder, meist mit einem Beruhigungsmittel.
- Herz-CT (Computertomografie): Aufnahmen mit Röntgenstrahlen, oft mit Kontrastmittel. Sie zeigen die Herzkranzgefäße und Verkalkungen.
- Herz-MRT (Magnetresonanztomografie): Bilder mit einem starken Magnetfeld, ohne Röntgenstrahlen. Sehr genau bei Herzmuskel, Narben und Durchblutung.
- Nuklearmedizinische Untersuchung (zum Beispiel Myokardszintigrafie): Mit einer sehr kleinen Menge eines radioaktiven Stoffes wird die Durchblutung des Herzmuskels sichtbar gemacht.
- Herzkatheteruntersuchung: Ein dünner Schlauch wird meist über das Handgelenk oder die Leiste bis zum Herzen geführt. Mit Kontrastmittel lassen sich die Herzkranzgefäße genau darstellen.
- Langzeit-EKG und 24-Stunden-Blutdruckmessung: kleine Geräte zeichnen Herzrhythmus und Blutdruck über einen ganzen Tag auf.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden meist gebeten, bequeme Kleidung zu tragen und Schmuck abzulegen. Für den Ultraschall liegen Sie einige Minuten auf einer Liege, manchmal auf der Seite. Beim CT oder Herzkatheter bekommen Sie oft Kontrastmittel – dabei kann ein kurzes warmes Gefühl durch den Körper gehen, das wieder vorbeigeht. Beim MRT liegen Sie in einer Röhre, die laut klopfen kann; Sie bekommen Ohrenschützer und können jederzeit über eine Klingel Bescheid sagen. Viele Untersuchungen dauern zwischen 15 und 60 Minuten. Fragen Sie vorher, ob Sie nüchtern kommen sollen und ob jemand Sie abholen muss.
Behandlung
Die Untersuchung selbst ist keine Behandlung – sie liefert die Grundlage für Entscheidungen. Ist alles unauffällig, dürfen Sie oft aufatmen und brauchen keine weitere Behandlung. Zeigt sich ein Befund, bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen, welche Schritte sinnvoll sind. Manchmal genügen regelmäßige Kontrollen, manchmal helfen eine Änderung des Lebensstils, Medikamente oder ein Eingriff.
Selbsthilfe zu Hause
- Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit, auch von Präparaten, die Sie ohne Rezept kaufen.
- Sagen Sie vorher Bescheid, wenn Sie auf Kontrastmittel, Jod, Latex oder Medikamente allergisch reagieren oder wenn Sie schwanger sind oder sein könnten.
- Fragen Sie vor der Untersuchung, ob Sie nüchtern kommen sollen oder auf Kaffee, Tee und Nikotin verzichten müssen.
- Planen Sie genug Zeit ein und organisieren Sie eine Begleitung, wenn Sie ein Beruhigungsmittel bekommen oder Kontrastmittel erhalten.
- Schreiben Sie Ihre Fragen vorher auf – in der Aufregung vergisst man sie sonst leicht.
- Bitten Sie nach der Untersuchung um eine verständliche Erklärung des Befunds und lassen Sie sich wichtige Punkte notieren.
Medizinische Behandlungen
Was nach der Untersuchung geschieht, hängt ganz vom Befund ab. Bei einem gesunden Herzen ist keine Behandlung nötig. Sind die Herzkranzgefäße verengt, die Herzklappen undicht oder der Herzrhythmus gestört, kommen verschiedene Wege infrage: eine Anpassung des Lebensstils, Medikamente, ein Eingriff über den Herzkatheter oder in seltenen Fällen eine Operation. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen die Möglichkeiten in Ruhe und bespricht mit Ihnen Vor- und Nachteile, bevor Sie sich entscheiden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation am Herzen ist nur bei bestimmten Befunden notwendig – etwa bei stark verengten oder undichten Herzklappen, bei manchen angeborenen Herzfehlern oder wenn die Herzkranzgefäße so verändert sind, dass ein Bypass (eine Überbrückung) sinnvoll ist. Das ist ein großer Schritt, der sorgfältig besprochen wird. Viele Herzerkrankungen lassen sich heute aber ohne Operation gut behandeln.
Leben mit der Erkrankung
Die Zeit bis zum Befund kann sich lang anfühlen. Versuchen Sie, den Alltag so normal wie möglich weiterzuführen, und machen Sie sich bewusst: Sie haben den ersten wichtigen Schritt getan, indem Sie die Untersuchung wahrgenommen haben. Halten Sie Ihre Termine und Kontrollen ein, und notieren Sie Veränderungen Ihrer Beschwerden – das hilft bei den nächsten Gesprächen.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung – schon regelmäßiges Spazierengehen tut dem Herzen gut.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag.
- Verzichten Sie möglichst auf das Rauchen; Unterstützung beim Aufhören gibt es bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
- Trinken Sie Alkohol nur in Maßen, wenn überhaupt.
- Lassen Sie Blutdruck und Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein und sprechen Sie über Nebenwirkungen, statt sie selbst abzusetzen.
Ernährung und Bewegung
Eine herzfreundliche Ernährung ist meist einfach: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, dazu pflanzliche Öle, Nüsse und Fisch. Salz, stark verarbeitete Lebensmittel und zuckrige Getränke besser sparsam. Bei der Bewegung gilt: lieber regelmäßig als selten und sehr anstrengend. Als Orientierung dienen etwa 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, zum Beispiel zügiges Gehen oder Radfahren. Wenn Sie lange nicht sportlich aktiv waren oder Beschwerden haben, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Belastung für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sorgen um das Herz können belasten – manche Menschen schlafen schlechter, grübeln viel oder fühlen sich angespannt bis zur Untersuchung. Das ist normal und darf sein. Sprechen Sie offen darüber; oft hilft schon ein klärendes Gespräch mit dem Behandlungsteam. Wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit über Wochen anhalten und Ihren Alltag schwer machen, holen Sie sich Unterstützung. In Deutschland können Sie sich dafür an Ihre Hausarztpraxis, an örtliche Beratungsstellen oder an die Telefonseelsorge wenden. Bei akuten seelischen Krisen gilt wie bei allen Notfällen: 112 anrufen.
Vorbeugung
Eine Untersuchung selbst lässt sich nicht „verhindern“ – sie ist ja dazu da, Klarheit zu schaffen. Vorbeugen lässt sich aber vielen Herzerkrankungen, die eine Bildgebung nötig machen: mit einem gesunden Lebensstil, gut eingestelltem Blutdruck und Blutzucker und dem Verzicht auf das Rauchen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass im Laufe des Lebens ein Eingriff am Herzen nötig wird.
Impfungen
Eine Impfung gegen Herzkrankheiten gibt es nicht. Bestimmte Schutzimpfungen können für Menschen mit einer Herzerkrankung aber sinnvoll sein, weil Infekte das Herz zusätzlich belasten können. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie passen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland bietet die gesetzliche Krankenkasse ab 35 Jahren einen regelmäßigen Gesundheits-Check an, bei dem Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte geprüft werden. Auch eine Blutdruckmessung zu Hause kann helfen, Veränderungen früh zu erkennen. Bei familiärer Belastung oder bekannten Risikofaktoren kann eine frühere und engmaschigere Kontrolle sinnvoll sein – sprechen Sie Ihre Praxis darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine verengte Herzkranzgefäß-Erkrankung kann unbemerkt fortschreiten und irgendwann zu einem Herzinfarkt führen.
- Eine Herzschwäche kann sich ohne Behandlung verschlechtern, mit zunehmender Atemnot und Wassereinlagerungen.
- Herzrhythmusstörungen können Beschwerden verursachen und in seltenen Fällen gefährlich werden.
- Angeborene Herzfehler brauchen oft eine Verlaufskontrolle, damit rechtzeitig reagiert werden kann.
- Die Untersuchungen selbst haben nur selten Komplikationen: Kontrastmittel können allergische Reaktionen auslösen, und Röntgen- oder CT-Aufnahmen bedeuten eine kleine zusätzliche Strahlenbelastung. Ihr Behandlungsteam wägt Nutzen und Risiken deshalb bewusst ab.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen, die wegen Herz-Beschwerden untersucht werden, erhalten einen beruhigenden Befund. Und wenn etwas auffällt, ist das ein Vorteil: Herzerkrankungen lassen sich heute in vielen Fällen gut behandeln und im Verlauf stabil halten. Je früher ein Befund bekannt ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, gegenzusteuern.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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