Das EKG (Elektrokardiogramm): So wird das Herz geprüft
Übersicht
Ein EKG – die Abkürzung steht für Elektrokardiogramm – ist eine schnelle, schmerzfreie Untersuchung. Dabei zeichnet ein Gerät die elektrischen Signale auf, mit denen Ihr Herz arbeitet. Diese winzigen Signale entstehen bei jedem Herzschlag im Herzen selbst und sind bis auf die Haut messbar. Aus den wellenförmigen Linien kann die Ärztin oder der Arzt ablesen, ob das Herz im richtigen Takt schlägt, ob die elektrischen Signale normal weitergeleitet werden und ob es Hinweise auf eine Durchblutungsstörung oder eine Verdickung des Herzmuskels gibt. Wichtig zu wissen: Es fließt kein Strom in Ihren Körper. Das EKG misst nur – es gibt nichts ab.
Wichtige Fakten
- Ein Ruhe-EKG dauert meist nur wenige Minuten und tut nicht weh.
- Die Signale werden über kleine Klebeelektroden auf Brust, Armen und Beinen abgeleitet.
- Es gibt verschiedene Formen: Ruhe-EKG, Belastungs-EKG und Langzeit-EKG.
- Ein unauffälliges EKG ist beruhigend, schließt eine Herzerkrankung aber nicht in jedem Fall aus.
- Das EKG gehört zu den häufigsten Untersuchungen in der Hausarztpraxis.
Ja, sehr. Das EKG ist eine der am häufigsten durchgeführten Untersuchungen überhaupt. Fast jede Hausarztpraxis hat ein EKG-Gerät, und viele Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens eines geschrieben – zum Beispiel bei Herzklopfen, vor einer Operation oder als Verlaufskontrolle.
Ein EKG kann bei jedem Menschen geschrieben werden, vom Säugling bis zu sehr alten Menschen. Besonders oft wird es bei Erwachsenen ab etwa 40 Jahren, bei Menschen mit Herzbeschwerden und bei Personen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes eingesetzt. Auch Kinder kommen gelegentlich zum EKG, etwa vor Operationen oder wenn in der Familie angeborene Herzfehler vorkommen.
Symptome
- Brustschmerz, der länger als einige Minuten anhält oder in Arm, Hals, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt
- Starke Enge oder Druck in der Brust zusammen mit Atemnot, kaltem Schweiß oder Übelkeit
- Plötzlich auftretende schwere Atemnot
- Herzrasen mit Schwindel, Kollaps oder Bewusstlosigkeit
- Ohnmacht, besonders wenn davor Brustschmerz oder Herzklopfen bestand
- In diesen Fällen zählt jede Minute: Rufen Sie sofort den Notruf 112
- ⚠Neu aufgetretenes Herzstolpern oder Herzrasen, das länger anhält
- ⚠Zunehmende Luftnot schon bei leichter Anstrengung
- ⚠Wassereinlagerungen an Beinen oder Knöcheln, die neu sind
- ⚠Ein auffälliger EKG-Befund, den Ihre Praxis Ihnen mitgeteilt hat
- ⚠Beschwerden, die Sie beunruhigen, auch wenn sie wieder verschwinden – lassen Sie sie zeitnah abklären
Häufige Symptome
- Herzklopfen, Herzstolpern oder ein spürbar unregelmäßiger Puls
- Schmerzen, Druck oder ein Engegefühl in der Brust
- Kurzatmigkeit bei Anstrengung, die früher leichtfiel
- Schwindel oder ein Gefühl, kurz wegzutreten
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder nachlassende Belastbarkeit
- Kurze Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
- Manchmal auch ganz ohne Beschwerden – etwa als Kontrolle vor einer Operation oder bei bestimmten Medikamenten
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist ein EKG deutlich seltener nötig als bei Erwachsenen
- Der Puls von Kindern ist natürlicherweise schneller – das ist kein Zeichen einer Krankheit
- Häufige Anlässe: Kontrolle vor einer Operation, ein Herzgeräusch, Ohnmacht oder angeborene Herzfehler in der Familie
- Kinder mit angeborenem Herzfehler werden regelmäßig per EKG mitbetreut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter werden Herzrhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen häufiger – ein EKG wird deshalb öfter geschrieben
- Oft fällt ein unregelmäßiger Puls zuerst bei der Routinekontrolle auf
- Bei Menschen, die älter werden, kann sich ein Herzinfarkt auch ohne starken Brustschmerz zeigen, zum Beispiel mit Luftnot oder Schwäche
- Ein EKG hilft auch, die Wirkung von Herzmedikamenten zu kontrollieren
Ursachen
Hauptursachen
- Herzklopfen oder ein unregelmäßiger Puls, dessen Ursache geklärt werden soll
- Brustschmerz oder Druck in der Brust
- Luftnot oder nachlassende Belastbarkeit
- Schwindel oder Ohnmacht
- Kontrolle vor einer Operation oder vor bestimmten Behandlungen
- Überwachung von Herzmedikamenten, die den Rhythmus beeinflussen können
- Auffällige Werte bei einer Vorsorgeuntersuchung, etwa ein zu langsamer oder zu schneller Puls
- Vor einer Sporttauglichkeitsuntersuchung, wenn es dafür einen Grund gibt
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Herzerkrankungen in der Familie
- Zunehmendes Alter
- Starker und langanhaltender Stress sowie Schlafmangel
- Sehr viel Alkohol oder aufputschende Substanzen
- Eine Überfunktion der Schilddrüse oder ein gestörter Salzhaushalt des Körpers
- Bestimmte Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Brustschmerz oder ein starker Druck in der Brust, der nicht schnell wieder verschwindet – hier gilt der Notruf 112
- Herzrasen mit Schwindel, Übelkeit oder Schwächegefühl
- Ohnmacht oder ein fast vollständiger Bewusstseinsverlust
- Plötzliche schwere Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrendes Herzstolpern oder Herzklopfen ohne akute Beschwerden
- Ein Puls, der Ihnen ungewöhnlich schnell, langsam oder unregelmäßig vorkommt
- Nachlassende Belastbarkeit über Wochen
- Schwindel beim Aufstehen oder bei Anstrengung
- Wenn in Ihrer Familie Herzrhythmusstörungen oder plötzliche Herztodesfälle vorkommen
- Wenn Sie ein EKG zur Verlaufskontrolle benötigen, etwa wegen eines Medikaments
Diagnose
Das EKG ist selbst die Untersuchung – es wird eingesetzt, um Beschwerden wie Herzklopfen, Brustschmerz oder Atemnot abzuklären und den Herzrhythmus zu beurteilen. Je nach Fragestellung wählt die Ärztin oder der Arzt die passende Form: ein kurzes Ruhe-EKG im Liegen, ein Belastungs-EKG auf dem Fahrrad oder Laufband oder ein Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden, das den Alltag mitschreibt. Die Ergebnisse werden gemeinsam mit Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und oft auch mit weiteren Untersuchungen beurteilt.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: wenige Minuten im Liegen, die häufigste Form
- Belastungs-EKG: Messung während körperlicher Anstrengung auf Fahrrad oder Laufband, dabei wird auch der Blutdruck kontrolliert
- Langzeit-EKG: ein kleines tragbares Gerät zeichnet den Rhythmus über einen oder zwei Tage auf
- Event-Rekorder: ein Gerät, das Sie über längere Zeit tragen und bei Beschwerden selbst auslösen
- Blutuntersuchung, zum Beispiel zur Kontrolle von Schilddrüse, Salzen und Herzwerten
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie), um Größe, Pumpkraft und Klappen zu beurteilen
- Je nach Befund weitere Untersuchungen wie ein Herz-CT oder ein Herzkatheter
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie liegen meist entspannt auf einer Liege und machen den Oberkörper frei. Die Haut an den Ableitstellen wird kurz gereinigt, bei Bedarf werden kleine Haare abrasiert. Dann klebt die Fachkraft einige Elektroden auf Brust, Arme und Beine, die über dünne Kabel mit dem Gerät verbunden sind. Sie spüren dabei nichts – kein Kribbeln, keinen Strom. Wichtig ist, dass Sie ruhig liegen und normal atmen, damit die Aufzeichnung sauber wird. Nach etwa fünf bis zehn Minuten ist alles vorbei, die Elektroden werden abgenommen und Sie können sofort wieder Ihren Alltag fortsetzen. Beim Belastungs-EKG kommen Sie zusätzlich auf ein Fahrrad oder Laufband; Sie treten gleichmäßig, die Anstrengung wird langsam gesteigert, und Sie sagen Bescheid, wenn es zu viel wird. Beim Langzeit-EKG bekommen Sie ein kleines Gerät mit nach Hause und führen ein kurzes Tagebuch über Beschwerden und Aktivitäten.
Behandlung
Ein EKG ist keine Behandlung, sondern eine Untersuchung. Es verändert nichts an Ihrem Herzen und hinterlässt keine Spuren. Was danach geschieht, hängt ganz vom Befund ab: Ist alles in Ordnung, brauchen Sie meist nichts weiter zu tun. Zeigt sich etwas Auffälliges, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen, welche Schritte sinnvoll sind.
Selbsthilfe zu Hause
- Für ein Ruhe-EKG müssen Sie in der Regel nicht nüchtern sein – essen und trinken Sie wie gewohnt
- Tragen Sie bequeme, lockere Kleidung, die sich am Oberkörper leicht öffnen lässt
- Cremen oder ölen Sie Brust, Arme und Beine am Untersuchungstag nicht ein, das kann die Messung stören
- Sagen Sie vorher, welche Medikamente Sie einnehmen und ob Sie einen Herzschrittmacher oder Defibrillator tragen
- Planen Sie ein paar Minuten Ruhe vor der Untersuchung ein, damit Sie entspannt liegen können
- Bei einem Langzeit-EKG: Duschen ist meist erlaubt, Baden und Sauna nicht – fragen Sie im Zweifel nach
- Notieren Sie sich vorher Ihre Beschwerden, wann sie auftreten und wie lange sie dauern – das hilft bei der Einordnung
Medizinische Behandlungen
Wie es nach dem EKG weitergeht, richtet sich ganz nach dem Befund. Bei einem unauffälligen Ergebnis ist oft keine Behandlung nötig. Findet sich eine Ursache für Ihre Beschwerden, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die passenden Möglichkeiten mit Ihnen – das kann von regelmäßiger Kontrolle über eine Behandlung des Blutdrucks bis zu einer Therapie von Herzrhythmusstörungen reichen. Welche Behandlung für Sie sinnvoll ist, entscheidet sich immer im Gespräch und individuell; die Auswahl und Dosierung von Medikamenten gehört in die Hände Ihrer behandelnden Praxis.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem EKG müssen Sie nichts beachten – keine Schonung, keine Pause, keine Nachwirkungen. Auch ein Langzeit-EKG schränkt den Alltag kaum ein: Sie tragen ein kleines Gerät bei sich, gehen zur Arbeit, essen und schlafen wie sonst. Warten Sie auf einen Befund, kann das nervös machen. Viele Praxen geben Rückmeldung innerhalb weniger Tage; fragen Sie ruhig nach, wenn Sie unsicher sind, wann Sie mit einer Antwort rechnen können.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung – schon regelmäßiges Gehen oder Radfahren tut dem Herzen gut
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag
- Verzichten Sie möglichst auf Rauchen; Unterstützung beim Aufhören bekommen Sie in Ihrer Praxis
- Gehen Sie sparsam mit Alkohol um
- Nehmen Sie Ihre Medikamente so ein, wie sie verordnet wurden, und sprechen Sie über Nebenwirkungen, statt selbst etwas abzusetzen
- Kontrollieren Sie Blutdruck und Blutzucker, wenn Ihnen das empfohlen wurde
Ernährung und Bewegung
Eine herzfreundliche Ernährung ist meist einfach: viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch, gute Öle – und weniger stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und sehr salzige Speisen. Für Bewegung gilt: lieber regelmäßig als selten und dafür extrem. Etwa 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche sind ein gutes Ziel, zum Beispiel in Stücken von 20 bis 30 Minuten. Wenn Sie lange nicht aktiv waren oder Beschwerden hatten, sprechen Sie vorher mit Ihrer Praxis über einen passenden Einstieg – ein Belastungs-EKG kann dabei helfen, Ihre Grenzen kennenzulernen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sich Sorgen ums Herz zu machen, ist verständlich – das Herz steht für viel. Warten auf einen Befund, Herzstolpern zu spüren oder nach einer auffälligen Messung beunruhigt zu sein, kann Angst und Unruhe auslösen und sogar den Schlaf stören. Sprechen Sie offen darüber. Oft hilft es, genau zu verstehen, was gemessen wurde und was der Befund bedeutet – fragen Sie nach, bis Sie es wirklich verstanden haben. Wenn Ängste länger anhalten, sich im Alltag breitmachen oder Sie sich zunehmend zurückziehen, suchen Sie Unterstützung. In akuten seelischen Krisen können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden (kostenlos, rund um die Uhr) oder im Notfall die 112 rufen.
Vorbeugung
Ein EKG selbst kann man nicht verhindern – es ist eine Untersuchung, keine Krankheit. Worum es geht, ist die Gesundheit Ihres Herzens. Viele Herzprobleme lassen sich durch einen gesunden Lebensstil und die konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfettwerten günstig beeinflussen.
Früherkennungsprogramme
Ob ein EKG ohne konkreten Anlass sinnvoll ist, wird unterschiedlich beurteilt. Fachgesellschaften raten nicht generell zu einem EKG als Reihenuntersuchung bei Menschen ohne Beschwerden und ohne besondere Risiken; bei bestimmten Personengruppen kann es nach individueller Einschätzung dennoch sinnvoll sein. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei unter anderem an den Empfehlungen der AWMF-Fachleitlinien. Die beste Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Praxis – sprechen Sie über Ihr persönliches Risiko.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein nicht abgeklärtes Herzrasen oder Vorhofflimmern kann unbemerkt bleiben und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen
- Eine Durchblutungsstörung des Herzens kann sich verschlimmern, wenn sie lange unerkannt bleibt
- Bei manchen Menschen können Ohnmachten wiederkehren und zu Stürzen führen
- Wichtig: Diese Folgen entstehen nicht durch das EKG, sondern durch eine mögliche Erkrankung, die ohne Untersuchung übersehen würde
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. Das EKG ist eine einfache Möglichkeit, früh Klarheit zu bekommen – und früh erkannte Herzprobleme lassen sich heute in vielen Fällen gut behandeln. Sehr oft zeigt sich sogar, dass alles in Ordnung ist. Egal wie der Befund ausfällt: Sie sind damit nicht allein, und es gibt klare nächste Schritte, die Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gehen können.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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