Szintigrafie der Nebenschilddrüsen (Parathyroid-Scan)
Übersicht
Die Szintigrafie der Nebenschilddrüsen ist eine bildgebende Untersuchung aus der Nuklearmedizin. Die Nebenschilddrüsen sind vier kleine Drüsen, die direkt hinter der Schilddrüse im Hals liegen. Sie bilden das Hormon Parathormon, das den Kalziumhaushalt im Körper steuert. Bei der Untersuchung bekommt man eine schwach radioaktive Substanz über eine Vene gespritzt. Diese Substanz reichert sich im Gewebe der Nebenschilddrüsen an. Eine spezielle Kamera macht danach Bilder davon. So kann man erkennen, wo die Drüsen liegen und ob eine von ihnen vergrößert ist oder zu viel Hormon bildet. Meistens wird die Untersuchung gemacht, um vor einer Operation eine überaktive Nebenschilddrüse genau zu finden.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist ein Bildgebungsverfahren und keine Behandlung. Sie zeigt dem Arzt, wo die Nebenschilddrüsen liegen und welche auffällig ist.
- Die Strahlenbelastung ist gering und vergleichbar mit anderen nuklearmedizinischen Untersuchungen. Der Stoff wird über Niere und Darm wieder ausgeschieden.
- Man ist wach, bekommt in der Regel keine Narkose und kann danach nach Hause gehen.
- Die gesamte Untersuchung dauert oft zwei bis drei Stunden, weil zwischen den Aufnahmen gewartet wird.
- Die Bilder allein beweisen keine Diagnose. Sie werden immer zusammen mit Blutwerten und anderen Untersuchungen beurteilt.
Ja, die Szintigrafie der Nebenschilddrüsen gehört zu den häufigeren nuklearmedizinischen Untersuchungen. Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn im Blut ein zu hoher Kalziumspiegel und ein zu hohes Parathormon auffallen und eine Operation geplant wird.
Untersucht werden vor allem Erwachsene, häufig zwischen 50 und 70 Jahren. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Untersuchung selten, weil eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen in diesem Alter sehr ungewöhnlich ist.
Symptome
- Starke Verwirrtheit, Sprachstörungen oder ungewöhnliche Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Wiederholtes Erbrechen oder starker Flüssigkeitsmangel mit Schwäche
- Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag oder Ohnmacht
- Sehr starke Muskelkrämpfe oder Krampfanfälle
- In diesen Fällen sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Neu aufgetretene starke Nierenschmerzen mit Übelkeit oder Blut im Urin
- ⚠Zunehmende Knochenschmerzen oder ein Knochenbruch ohne klaren Anlass
- ⚠Anhaltende Übelkeit, Verstopfung und deutlicher Durst über mehrere Tage
- ⚠Plötzliche Stimmungstiefs oder Verwirrtheit bei bekannt erhöhtem Kalziumwert
Häufige Symptome
- Viele Menschen mit einer überaktiven Nebenschilddrüse haben gar keine Beschwerden, und die Auffälligkeit wird zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt.
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit und allgemeine Schwäche
- Knochenschmerzen, Rückenschmerzen oder leichteres Auftreten von Knochenbrüchen
- Nierensteine oder Blut im Urin durch einen Nierenstein
- Viel Durst und häufiges Wasserlassen
- Verstopfung, Übelkeit oder Bauchschmerzen
- Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe
- Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen oder gedrückte Stimmung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen sehr selten und meist an eine angeborene oder familiäre Ursache gekoppelt.
- Mögliche Zeichen sind Gedeihstörungen, Knochenschmerzen, Muskelschwäche oder auffällig häufiges Wasserlassen.
- Bei Kindern wird die Untersuchung besonders sorgfältig abgewogen und nur bei klarer medizinischer Notwendigkeit durchgeführt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen werden Beschwerden wie Müdigkeit, Verwirrtheit oder Knochenschmerzen oft dem Alter zugeschrieben und deshalb übersehen.
- Ein erhöhter Kalziumwert im Blut wird bei älteren Menschen häufiger zufällig entdeckt.
- Knochenbrüche nach kleinen Stürzen können ein Hinweis auf eine lange bestehende Überfunktion sein.
- Bei ausgeprägter Verwirrtheit oder Kreislaufproblemen sollte immer an eine Kalziumentgleisung gedacht werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Der häufigste Grund für die Untersuchung ist der Verdacht auf eine gutartige Vergrößerung einer einzelnen Nebenschilddrüse, die zu viel Parathormon bildet.
- Sie wird außerdem genutzt, um vor einer geplanten Operation die genaue Lage der auffälligen Drüse zu bestimmen, damit der Eingriff möglichst klein bleiben kann.
- Manchmal liegt eine Nebenschilddrüse nicht an ihrem üblichen Platz. Die Untersuchung hilft, solche verlagerten Drüsen zu finden.
- Nach einer Operation kann die Untersuchung zeigen, ob noch Gewebe übrig ist, das weiterhin zu viel Hormon bildet.
- Selten kommen andere Ursachen wie eine erbliche Veranlagung oder eine frühere Bestrahlung im Halsbereich infrage.
Risikofaktoren
- Höheres Alter und weibliches Geschlecht
- Familiäre Häufung von Nebenschilddrüsen- oder anderen hormonellen Erkrankungen
- Frühere Bestrahlung im Bereich von Hals oder Brustkorb
- Bestimmte Medikamente, die den Kalziumhaushalt beeinflussen – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf Ihre Medikamentenliste an
- Chronische Nierenerkrankungen und ein länger bestehender Mangel an Vitamin D
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starker Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Herzrhythmusstörungen sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei starken Nierenschmerzen mit Fieber oder Blut im Urin noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn ein stark erhöhter Kalziumwert bekannt ist und Sie sich plötzlich deutlich schlechter fühlen, nicht abwarten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei Ihnen ein erhöhter Kalziumwert im Blut aufgefallen ist, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis über die nächsten Schritte.
- Bei wiederkehrenden Nierensteinen, unklaren Knochenschmerzen oder anhaltender Müdigkeit lohnt ein Termin zur Abklärung.
- Wenn eine Operation an der Nebenschilddrüse geplant ist, wird die Szintigrafie meist von der behandelnden Praxis oder Klinik veranlasst.
- Wenn Sie unsicher sind, ob die Untersuchung für Sie sinnvoll ist, fragen Sie nach einer verständlichen Erklärung der Vor- und Nachteile.
Diagnose
Am Anfang stehen immer Blutuntersuchungen. Dabei werden Kalzium und Parathormon gemessen. Erst wenn der Verdacht auf eine überaktive Nebenschilddrüse besteht, wird die Szintigrafie als Bildgebung ergänzt. Sie zeigt, wo die Drüsen liegen und welche auffällig ist. Häufig kommen ein Ultraschall des Halses und eine Knochendichtemessung dazu. Alle Ergebnisse zusammen ergeben das Bild, auf dessen Grundlage über das weitere Vorgehen entschieden wird.
Mögliche Untersuchungen
- Blutwerte für Kalzium, Parathormon, Vitamin D und die Nierenfunktion
- Sammelurin über 24 Stunden, um die Kalziumausscheidung zu prüfen
- Ultraschall der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen am Hals
- Szintigrafie der Nebenschilddrüsen, oft mit zusätzlicher Schnittbildtechnik (SPECT/CT) für eine genauere räumliche Zuordnung
- Knochendichtemessung, um den Einfluss auf die Knochen zu beurteilen
- Je nach Befund weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Sonografie der Nieren bei Nierensteinen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie erscheinen zum Termin in der nuklearmedizinischen Praxis oder Klinik und können normal essen und trinken, sofern nichts anderes abgesprochen wurde. Über eine Vene in Arm oder Hand wird eine kleine Menge der schwach radioaktiven Substanz gespritzt. Danach warten Sie etwa 15 bis 30 Minuten, dann folgt die erste Aufnahme. Sie liegen dabei ruhig auf einer Liege, während die Kamera über Ihnen positioniert ist. Nach einer weiteren Wartezeit von meist ein bis drei Stunden wird eine zweite Aufnahme gemacht. Die Untersuchung selbst ist schmerzlos; nur der kleine Einstich kann kurz zwicken. Insgesamt sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen. Danach können Sie nach Hause gehen und Ihrem Alltag nachgehen. Bitte sagen Sie vorher Bescheid, wenn eine Schwangerschaft möglich ist oder Sie stillen – dann wird die Untersuchung anders geplant oder verschoben. Die Ergebnisse besprechen Sie einige Tage später mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Behandlung
Die Szintigrafie selbst ist keine Behandlung – sie liefert Informationen. Was danach geschieht, hängt vom Befund ab. Ist die Nebenschilddrüse nur leicht überaktiv und haben Sie keine Beschwerden, kann es ausreichen, die Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren. Bei deutlicher Überfunktion, Beschwerden oder Auswirkungen auf Knochen und Nieren ist eine Operation die wirksamste Möglichkeit, das Problem dauerhaft zu lösen. Alles Weitere besprechen Sie am besten ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken, besonders wenn Sie zu Nierensteinen neigen
- Regelmäßige Bewegung und Krafttraining, um die Knochen zu stärken
- Nicht rauchen und den Alkoholkonsum im Blick behalten – beides belastet die Knochen zusätzlich
- Medikamente nicht eigenmächtig absetzen oder verändern, auch wenn sie den Kalziumhaushalt beeinflussen
- Blutkontrollen und vereinbarte Termine zuverlässig wahrnehmen
- Vor der Untersuchung offen sagen, ob eine Schwangerschaft möglich ist oder Sie stillen
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund gibt es verschiedene Wege. Bei milder Ausprägung ohne Beschwerden wird oft zunächst beobachtet und der Kalziumwert in festen Abständen kontrolliert. Ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel kann ausgeglichen werden, weil Vitamin D für die Kalziumaufnahme wichtig ist. In bestimmten Situationen – etwa wenn eine Operation nicht infrage kommt – können Medikamente eingesetzt werden, die den Knochenabbau bremsen oder die Parathormonwirkung abschwächen. Welche Möglichkeit zu Ihnen passt, hängt von Ihren Werten, Ihrem Alter, Ihren Beschwerden und Ihren anderen Erkrankungen ab. Diese Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vor allem dann empfohlen, wenn der Kalziumwert deutlich erhöht ist, wenn Beschwerden bestehen, wenn die Knochen bereits dünner geworden sind oder Nierensteine aufgetreten sind. Auch bei jüngeren Menschen und bei stark erhöhter Kalziumausscheidung im Urin wird eher zur Operation geraten. Die Szintigrafie hilft dabei, die auffällige Drüse gezielt zu finden, sodass der Eingriff oft klein und schonend möglich ist. Die genauen Kriterien sind in der AWMF-Leitlinie zur Überfunktion der Nebenschilddrüsen beschrieben; Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen das für Ihren Fall erklären.
Leben mit der Erkrankung
Für die meisten Menschen ändert sich durch die Untersuchung selbst nichts im Alltag. Wichtig ist, im Gespräch mit der Praxis zu klären, ob und wann Kontrollen nötig sind. Wenn eine Überfunktion der Nebenschilddrüse festgestellt wurde, lohnt es sich, die eigenen Werte und Termine in einem kleinen Heft oder in einer App zu notieren. So behalten Sie den Überblick und können bei jedem Termin gezielt nachfragen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig trinken, am besten Wasser – das entlastet die Nieren
- Bewegung mit Gewichten oder Gymnastik mehrmals pro Woche für kräftige Knochen
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten, wenn Müdigkeit ein Thema ist
- Sonnenschein für die Vitamin-D-Bildung nutzen, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren
- Alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel in einer Liste sammeln und bei Terminen mitbringen
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist bei einer geplanten Szintigrafie nicht nötig, sofern die Praxis nichts anderes sagt. Bei einer bekannten Überfunktion der Nebenschilddrüse kann es sinnvoll sein, sehr kalziumreiche Nahrung und kalziumhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht in großen Mengen zusätzlich zu sich zu nehmen – besprechen Sie das bitte individuell. Für die Knochen ist Bewegung besonders wertvoll: zügiges Gehen, Treppensteigen, Tanzen oder leichtes Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht. Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend, besonders bei Hitze oder körperlicher Anstrengung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine unklare Untersuchung oder ein auffälliger Blutwert kann verunsichern und Sorgen auslösen. Manche Menschen fühlen sich durch Müdigkeit und Konzentrationsprobleme zusätzlich belastet. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrem Umfeld und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn die Belastung länger anhält, gibt es psychosoziale Unterstützung, zum Beispiel über Ihre Hausarztpraxis oder eine Beratungsstelle. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden; der Anruf ist kostenlos und anonym.
Vorbeugung
Die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung lässt sich nicht verhindern. Wichtig ist aber: Wenn eine Überfunktion der Nebenschilddrüse früh erkannt wird, lassen sich Folgen für Knochen und Nieren oft gut abfangen. Ein erhöhter Kalziumwert im Blut sollte deshalb nicht ignoriert werden. Wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen, die den Kalziumhaushalt beeinflussen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über regelmäßige Kontrollen.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Nebenschilddrüsenerkrankungen gibt es in Deutschland nicht. Sinnvoll ist eine Kontrolle des Kalziumwerts bei Beschwerden, bei wiederkehrenden Nierensteinen, bei bekannter Osteoporose oder bei einer familiären Häufung. Ob die Szintigrafie in Ihrem Fall nötig ist, entscheidet die behandelnde Praxis gemeinsam mit Ihnen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Knochen kann schleichend an Dichte verlieren und leichter brechen.
- Nierensteine können immer wieder auftreten und die Nierenfunktion langfristig beeinträchtigen.
- Ein dauerhaft hoher Kalziumwert kann Herz und Kreislauf belasten.
- Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und gedrückte Stimmung können zunehmen.
- Selten kommt es zu einer plötzlichen Kalziumentgleisung mit Verwirrtheit und Kreislaufproblemen – das ist ein Notfall.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den allermeisten Fällen gut. Wird eine überaktive Nebenschilddrüse gefunden und passend behandelt, bessern sich Beschwerden häufig deutlich, und Knochen und Nieren können sich wieder erholen. Auch bei mildem Verlauf mit regelmäßigen Kontrollen bleibt die Lebensqualität meist erhalten. Die Szintigrafie hilft dabei, den richtigen Weg zu finden – sie ist ein Baustein, und die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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