Sehtest in der Hausarztpraxis: Was die Augenprüfung zeigt
Übersicht
Ein Sehtest ist eine einfache Untersuchung der Augen. Dabei wird geprüft, wie scharf Sie in der Ferne und in der Nähe sehen und ob beide Augen gut zusammenarbeiten. In der Hausarztpraxis ist der Sehtest meist ein kurzer Screening-Test: Er zeigt, ob etwas auffällig ist. Ist das der Fall, überweist Sie die Praxis an eine Augenärztin oder einen Augenarzt (Facharzt für Augenheilkunde). Der Begriff wird in Praxisunterlagen manchmal unterschiedlich geschrieben – gemeint ist immer die Prüfung des Sehvermögens.
Wichtige Fakten
- Der Sehtest tut nicht weh und dauert meist nur wenige Minuten.
- Er prüft vor allem die Sehschärfe – also wie klar Sie Buchstaben, Zahlen oder Symbole erkennen.
- Ein auffälliger Sehtest ist kein Beweis für eine Krankheit. Er ist ein Hinweis, der genauer abgeklärt wird.
Sehr häufig. Sehtests gehören zu den Routineuntersuchungen in der Hausarztpraxis und sind fester Bestandteil der Kindervorsorgeuntersuchungen. Auch bei der Führerscheinprüfung, bei Berufsuntersuchungen oder bei Kontrollterminen wird das Sehen regelmäßig geprüft.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Plötzlich auftretende Lichtblitze, ein „Vorhang“ oder ein dunkler Schatten im Sichtfeld – möglicher Hinweis auf eine Netzhautablösung.
- Starke Augenschmerzen mit rotem Auge, Übelkeit und verschwommenem Sehen – möglicher akuter Glaukomanfall (plötzlich stark erhöhter Augeninnendruck).
- Sehstörungen oder Doppelbilder nach einem Unfall oder einem Schlag auf den Kopf.
- Chemikalie oder Verätzung im Auge – sofort mit Wasser spülen und 112 rufen.
- ⚠Seit Kurzem deutlich schlechteres Sehen, das nicht wieder verschwindet.
- ⚠Neue Doppelbilder ohne vorangegangenen Unfall.
- ⚠Deutlich mehr „fliegende Mücken“ (kleine Punkte im Sichtfeld) oder neue Lichtblitze.
- ⚠Rotes, schmerzendes Auge oder starke Lichtempfindlichkeit.
- ⚠Bei Diabetes: plötzlich verschwommenes Sehen.
Häufige Symptome
- Sie halten Texte weiter weg als früher oder kneifen die Augen zusammen.
- Alles wirkt verschwommen, besonders abends oder beim Autofahren im Dunkeln.
- Häufige Kopfschmerzen oder müde, brennende Augen nach dem Lesen oder nach Bildschirmarbeit.
- Sie sehen doppelt oder haben das Gefühl, dass ein Auge „nicht mitkommt“.
- Lichtquellen erscheinen als Streifen oder als Hof (Blendung).
Symptome bei Kindern
- Das Kind sitzt sehr nah am Fernseher oder hält Bücher ganz dicht vor das Gesicht.
- Es schielt, kneift ein Auge zu oder dreht den Kopf beim Anschauen.
- Es reibt sich oft die Augen und klagt über Kopfschmerzen.
- Die schulischen Leistungen fallen plötzlich ab, oder das Kind ermüdet schnell beim Lesen.
- Es stolpert häufiger oder greift daneben.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Kleine Schrift ist nur noch mit viel Licht lesbar.
- Autofahren bei Nacht fällt schwerer, entgegenkommende Scheinwerfer blenden stark.
- Farben wirken blasser, Kontraste sind schwerer zu erkennen.
- Mehr Unsicherheit beim Gehen, besonders auf Treppen – ein erhöhtes Sturzrisiko.
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlsichtigkeit wie Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung – das Auge stellt nicht scharf.
- Alterssichtigkeit: Die Linse im Auge wird weniger elastisch, das Nahsehen lässt nach.
- Grauer Star (Katarakt): Die Linse trübt sich langsam ein.
- Grüner Star (Glaukom): Der Sehnerv wird durch zu hohen Augeninnendruck geschädigt.
- Erkrankungen der Netzhaut, zum Beispiel bei Diabetes (diabetische Retinopathie) oder die altersbedingte Makuladegeneration.
- Trockene oder gereizte Augen, häufig durch lange Bildschirmarbeit.
- Manchmal Nebenwirkungen von Medikamenten – fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Diabetes oder Bluthochdruck
- Grüner Star oder starke Fehlsichtigkeit in der Familie
- Viel Bildschirmarbeit mit wenigen Pausen
- Rauchen
- Bestimmte Medikamente über längere Zeit – sprechen Sie Ihre Praxis darauf an
- Frühere Verletzungen oder Infektionen am Auge
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Sehen plötzlich schlechter wird oder ein Auge „ausfällt“.
- Bei neuen Lichtblitzen, einem Schatten oder Vorhang im Sichtfeld.
- Bei starken Augenschmerzen mit Rötung, Übelkeit oder Lichtscheu.
- Bei Doppelbildern, die neu auftreten.
- Wenn ein Kind plötzlich schielt oder auffällig oft die Augen zusammenkneift.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen oder Autofahren schlechter sehen.
- Wenn Sie regelmäßig Kopfschmerzen nach Bildschirmarbeit haben.
- Bei Diabetes: mindestens einmal im Jahr die Augen kontrollieren lassen.
- Ab etwa 40 Jahren: alle paar Jahre einen Sehtest einplanen.
- Wenn in der Familie ein Grüner Star bekannt ist.
Diagnose
Der Sehtest besteht aus einigen einfachen Übungen. Sie sitzen dabei meist etwa fünf Meter von einer Tafel mit Buchstaben, Zahlen oder Symbolen entfernt und halten sich abwechselnd ein Auge zu. Für Kinder gibt es Tafeln mit Bildern oder einfachen Zeichen. Danach wird oft noch das Nahsehen mit einer Lesetafel geprüft. Fällt etwas auf, überweist Ihre Praxis Sie an eine Augenärztin oder einen Augenarzt. Dort wird das Auge genauer untersucht, zum Beispiel mit einer Spaltlampe (einem speziellen Mikroskop für das Auge).
Mögliche Untersuchungen
- Sehschärfe-Test mit Buchstaben, Zahlen oder Symbolen
- Nahseh-Test mit einer Lesetafel
- Abdecktest, um zu prüfen, ob beide Augen gerade stehen
- Farbsehtest mit farbigen Tafeln
- Gesichtsfeldprüfung – nur bei bestimmten Fragestellungen
- Messung des Augeninnendrucks und Untersuchung des Augenhintergrunds, meist in der Augenarztpraxis
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin ist kurz und schmerzfrei, meist dauert er 10 bis 20 Minuten. Bringen Sie Ihre Brille oder Kontaktlinsen mit und sagen Sie, wenn Sie Ihre Linsen am Tag der Untersuchung tragen. Die Ergebnisse liegen sofort vor und werden mit Ihnen besprochen. Bei Bedarf bekommen Sie eine Überweisung oder einen Kontrolltermin.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, was das Sehen beeinträchtigt. Oft genügt eine Brille oder eine angepasste Sehhilfe. Manchmal steckt eine Erkrankung dahinter, die gezielt behandelt werden muss – dann übernimmt die Augenarztpraxis oder eine Augenklinik die Betreuung.
Selbsthilfe zu Hause
- Für gute Beleuchtung beim Lesen und Arbeiten sorgen.
- Bildschirmpausen einlegen: etwa alle 20 Minuten kurz in die Ferne schauen.
- Den Bildschirm etwa eine Armlänge entfernt aufstellen, Oberkante ungefähr auf Augenhöhe.
- Bei trockenen Augen: regelmäßig blinzeln und für nicht zu trockene Raumluft sorgen.
- Sonnenbrille mit UV-Schutz tragen und bei handwerklicher Arbeit eine Schutzbrille aufsetzen.
- Ausreichend schlafen und genug trinken.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen eine Brille oder Kontaktlinsen infrage. Bei Augenerkrankungen gibt es verschiedene ärztliche Behandlungen – zum Beispiel Augentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt nach einer ausführlichen Untersuchung. Geben Sie dort immer alle Medikamente an, die Sie einnehmen, auch solche, die Sie selbst gekauft haben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn das Sehen durch eine getrübte Linse (Grauer Star) oder durch Veränderungen an der Netzhaut deutlich eingeschränkt ist. Ob und wann operiert wird, bespricht die Augenarztpraxis oder die Augenklinik ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen leben mit Brille oder Kontaktlinsen völlig normal. Wichtig ist, dass die Sehhilfe gut sitzt und regelmäßig überprüft wird – etwa alle ein bis zwei Jahre. Im Alltag helfen gute Beleuchtung, größere Schrift auf dem Bildschirm und Pausen beim Lesen. Auch der Optiker vor Ort ist ein guter Ansprechpartner für die Anpassung.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Augenpausen in den Alltag einbauen
- Nicht rauchen oder mit dem Rauchen aufhören
- Blutdruck und Blutzucker im Blick behalten
- Augen vor UV-Licht und Verletzungen schützen
- Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn nichts weh tut
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und grünem Blattgemüse unterstützt die Gesundheit der Augen. Regelmäßige Bewegung – idealerweise mehrmals pro Woche – hilft, Blutdruck und Blutzucker stabil zu halten, und kommt damit auch den Augen zugute. Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Augen meist nicht nötig; fragen Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn das Sehen nachlässt, macht das oft Sorgen – besonders beim Autofahren oder im Beruf. Solche Ängste sind normal und dürfen ernst genommen werden. Sprechen Sie offen darüber: Viele Probleme lassen sich gut lösen, etwa mit einer angepassten Brille oder praktischen Hilfen. Wenn Sie sich länger belastet fühlen, holen Sie sich Unterstützung – in akuten seelischen Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge oder den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Sehstörung lässt sich verhindern – vieles gehört zum Älterwerden. Trotzdem können Sie einiges tun: regelmäßige Kontrollen, Schutz vor UV-Licht und Verletzungen, ein gut eingestellter Blutdruck und Blutzucker sowie Verzicht auf das Rauchen. Auch Bildschirmpausen beugen müden, trockenen Augen vor.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehören Sehtests zu den Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen). Für Erwachsene bieten viele Praxen einen Sehtest im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung an. Eine Früherkennung des Grünen Stars wird ab etwa 40 Jahren empfohlen; sie zählt in der Regel zu den individuellen Gesundheitsleistungen. Ihre Praxis kann Sie dazu beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei Kindern kann eine nicht erkannte Fehlsichtigkeit zu einer dauerhaften Sehschwäche führen.
- Ein nicht erkannter Grüner Star kann den Sehnerv dauerhaft schädigen.
- Bei Diabetes können unbemerkte Netzhautveränderungen das Sehen dauerhaft beeinträchtigen.
- Unsicherheit beim Gehen erhöht das Risiko für Stürze, und schlechtes Sehen erhöht das Unfallrisiko im Straßenverkehr.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die meisten Sehprobleme lassen sich gut ausgleichen oder behandeln. Je früher eine Veränderung erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb der wichtigste Schritt – und der ist einfach und schnell gemacht.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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