Knochenmarkpunktion: Ablauf, Vorbereitung und was danach kommt
Übersicht
Bei einer Knochenmarkpunktion – oft auch Knochenmarkbiopsie genannt – entnimmt eine Ärztin oder ein Arzt eine kleine Gewebeprobe aus dem Knochenmark. Das Knochenmark ist die weiche, schwammige Substanz im Inneren mancher Knochen. Dort werden die Blutzellen gebildet: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. „Biopsie“ bedeutet einfach Gewebeprobe. Mit dieser Probe kann das Labor genau sehen, wie das Knochenmark aufgebaut ist und ob die Blutzellen richtig reifen. Meist wird die Probe am hinteren Beckenkamm entnommen, also am Rand des Beckens über dem Gesäß. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und wird fast immer ambulant gemacht, das heißt, Sie können danach nach Hause gehen.
Wichtige Fakten
- Die Probe wird meist am hinteren Beckenkamm entnommen. Dort ist das Knochenmark gut erreichbar, und es liegen keine wichtigen Organe direkt darunter.
- Der eigentliche Eingriff dauert in der Regel etwa 10 bis 20 Minuten und wird ambulant durchgeführt.
- Mit örtlicher Betäubung ist der Eingriff für die meisten Menschen gut auszuhalten. Ein kurzer Druck oder ein Ziehen ist möglich.
- Bis das Ergebnis vorliegt, dauern meist einige Tage bis etwa zwei Wochen.
Ja, die Knochenmarkpunktion gehört zu den regelmäßig durchgeführten Untersuchungen in der Inneren Medizin und in der Hämatologie, also der Lehre vom Blut. Sie wird täglich in vielen Kliniken und Praxen gemacht. Für die meisten Menschen ist es ein einmaliger Eingriff.
Sie kann in jedem Alter nötig werden, vom Säugling bis zu hochbetagten Menschen. Häufig betroffen sind Menschen mit auffälligen Blutwerten, mit Verdacht auf eine Erkrankung des Blutes oder des Knochenmarks oder mit einer bekannten Krebserkrankung, deren Ausmaß eingeschätzt werden soll. Bei Kindern wird der Eingriff meist in einer kurzen Narkose oder mit starker Beruhigung durchgeführt.
Symptome
- Starke Blutung an der Einstichstelle, die auch nach mehreren Minuten festen Drückens nicht aufhört – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Ohnmacht, Kreislaufkollaps oder starke Benommenheit – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Plötzliche Atemnot oder Brustschmerz – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und schnell schlechter werdendem Allgemeinzustand – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Fieber über 38 Grad in den Tagen nach dem Eingriff
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder Überwärmung an der Einstichstelle
- ⚠Eiter oder Flüssigkeit, die aus der Wunde kommt
- ⚠Starke, zunehmende Schmerzen, die nicht besser werden
Häufige Symptome
- Anhaltende Müdigkeit und Blässe, die nicht besser werden
- Häufige Infekte oder Fieber ohne klaren Grund
- Blaue Flecken oder kleine rote Punkte auf der Haut ohne erkennbaren Anlass
- Nasen- oder Zahnfleischbluten, das schwer zu stoppen ist
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Knochenschmerzen, besonders im Rücken oder in den Beinen
- Geschwollene Lymphknoten
- Auffällige Werte im Blutbild, zum Beispiel zu wenige rote oder weiße Blutkörperchen oder zu wenige Blutplättchen
Symptome bei Kindern
- Häufiges Quengeln, Müdigkeit und weniger Lust am Spielen als sonst
- Blasse Haut und blasse Lippen
- Viele blaue Flecken, auch ohne Sturz oder Stoß
- Wiederkehrende Infekte oder Fieber ohne erkennbare Ursache
- Manchmal Knochenschmerzen, die Kinder nachts wecken
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Unklare Blutarmut, die trotz Behandlung nicht besser wird
- Wiederkehrende Infektionen oder langsame Erholung nach Infekten
- Allgemeine Schwäche und nachlassende Belastbarkeit
- Auffällige Blutwerte, die im Verlauf kontrolliert werden müssen
Ursachen
Hauptursachen
- Ein auffälliges Blutbild, das sich nicht anders erklären lässt
- Verdacht auf eine Erkrankung des Knochenmarks, zum Beispiel eine Störung der Blutbildung
- Verdacht auf Blutkrebs wie Leukämie oder auf eine bösartige Erkrankung der Lymphknoten – die Probe hilft, die Erkrankung genauer zu bestimmen
- Prüfung, ob eine bekannte Krebserkrankung das Knochenmark erreicht hat
- Fieber, dessen Ursache trotz Untersuchungen unklar bleibt
- Verdacht auf eine Störung des Immunsystems oder eine Speichererkrankung
- Kontrolle des Verlaufs oder des Ansprechens auf eine Behandlung
Risikofaktoren
- Eine bereits bekannte Blut- oder Krebserkrankung
- Dauerhaft auffällige Blutwerte
- Bestimmte Medikamente, die die Blutbildung beeinflussen – Ihr Behandlungsteam bespricht das mit Ihnen
- Erkrankungen des Immunsystems
- Beruflicher Kontakt mit bestimmten Chemikalien oder eine frühere Strahlenbehandlung
- Eine bekannte Störung der Blutgerinnung – deshalb wird vor dem Eingriff die Gerinnung geprüft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber, Schüttelfrost oder ein schnell schlechter werdendes Befinden nach dem Eingriff
- Eine Blutung an der Einstichstelle, die nicht aufhört
- Zunehmende Schwellung, Rötung oder starke Schmerzen an der Einstichstelle
- Ohnmachtsgefühl, Herzrasen oder Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Müdigkeit oder Blässe über mehrere Wochen
- Blaue Flecken ohne erkennbaren Anlass oder häufiges Nasenbluten
- Wiederkehrende Infekte oder Fieber ohne klaren Grund
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Geschwollene Lymphknoten, die nicht wieder kleiner werden
- Auffällige Blutwerte, die im Blutbild entdeckt wurden
Diagnose
Die Knochenmarkpunktion ist selbst der entscheidende Untersuchungsschritt. Vorher prüft das Team Ihre Blutgerinnung und bespricht mit Ihnen mögliche Begleiterkrankungen. Sie liegen dabei meist auf der Seite oder auf dem Bauch. Die Haut über dem hinteren Beckenkamm wird betäubt. Danach entnimmt die Ärztin oder der Arzt mit einer dünnen Hohlnadel zuerst etwas flüssiges Knochenmark und dann ein kleines Gewebestück, das wie ein winziger Zylinder aussieht. Das Gewebe wird im Labor unter dem Mikroskop angesehen und oft auch mit weiteren Spezialuntersuchungen geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild und weitere Blutwerte
- Gerinnungstest vor dem Eingriff
- Ultraschall oder andere Bildgebung, je nach Fragestellung
- Entnahme von flüssigem Knochenmark (Aspiration)
- Entnahme eines kleinen Gewebezylinders (eigentliche Biopsie)
- Feingewebliche Untersuchung und spezielle Laboruntersuchungen der Probe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Eingriff dauert meist 10 bis 20 Minuten. Sie spüren den Einstich der Betäubung und danach vor allem Druck. Ein kurzes Ziehen ist möglich, halten Sie dann bitte still. Nach der Entnahme wird die Stelle einige Minuten fest gedrückt und ein Verband angelegt. Anschließend ruhen Sie noch etwa 10 bis 20 Minuten und können dann in Begleitung nach Hause gehen. In den ersten Tagen kann die Stelle druckempfindlich sein oder blau werden – das ist normal. Besprechen Sie das Ergebnis in einem Termin mit Ihrem Behandlungsteam, nicht am Telefon zwischen Tür und Angel.
Behandlung
Die Knochenmarkpunktion ist keine Behandlung, sondern eine Untersuchung. Sie tut nicht weh im Sinne einer Therapie – sie soll Klarheit bringen. Was danach passiert, hängt ganz vom Ergebnis ab. Manche Menschen brauchen keine weitere Behandlung, andere werden gezielt weiter betreut. Wichtig: Die Untersuchung selbst heilt nichts, aber sie ist oft der Schlüssel zu einer passenden Behandlung.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich am Tag des Eingriffs aus und planen Sie nicht zu viel.
- Lassen Sie sich abholen oder begleiten, wenn Sie sich unsicher fühlen.
- Halten Sie den Verband etwa 24 Stunden trocken.
- Vermeiden Sie am Tag danach schweres Heben und anstrengenden Sport.
- Beobachten Sie die Einstichstelle und achten Sie auf Fieber, Rötung oder zunehmende Schmerzen.
- Notieren Sie Ihre Fragen für das Gespräch über das Ergebnis.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich immer nach dem Ergebnis der Untersuchung. Je nach Befund kann es bedeuten, abzuwarten und zu beobachten, oder eine Behandlung zu beginnen, die die Blutbildung oder das Immunsystem beeinflusst. Auch Durchblutungs- oder Zelltherapien sowie in manchen Fällen eine Stammzelltransplantation können eine Rolle spielen. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen die Möglichkeiten in Ruhe und passt sie an Ihre Situation an. Fragen Sie ruhig mehrmals nach, wenn etwas unklar ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Für die Knochenmarkpunktion selbst ist keine Operation nötig – sie ist ein kleiner ambulanter Eingriff.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen können am nächsten Tag wieder ihrem Alltag nachgehen. Die Einstichstelle kann noch einige Tage empfindlich sein. Der schwierigste Teil ist oft das Warten auf das Ergebnis. Planen Sie für diese Zeit bewusst etwas Schönes ein und lassen Sie sich nicht von Sorgen rund um die Uhr bestimmen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen.
- Bewegen Sie sich leicht, zum Beispiel mit Spaziergängen – das tut Körper und Kopf gut.
- Halten Sie Ihre Termine und Kontrolluntersuchungen ein.
- Notieren Sie Veränderungen an der Einstichstelle oder im Befinden, damit Sie sie beim nächsten Gespräch schildern können.
- Vermeiden Sie Rauchen und gehen Sie sparsam mit Alkohol um – das unterstützt die Blutbildung.
Ernährung und Bewegung
Essen und trinken Sie am Tag des Eingriffs wie gewohnt, und trinken Sie ausreichend. Am Tag danach sind Spaziergänge in Ordnung. Schweres Heben, Krafttraining oder Sport mit Stößen sollten Sie erst nach Rücksprache wieder aufnehmen. Wenn bei Ihnen eine Blutarmut abgeklärt wird, kann Ihr Behandlungsteam Ihnen sagen, ob eine eisenreiche Ernährung sinnvoll ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, vor einer Knochenmarkpunktion oder beim Warten auf das Ergebnis Angst zu haben. Viele Menschen schlafen schlechter oder grübeln viel. Sprechen Sie darüber – mit einer vertrauten Person, mit Ihrem Behandlungsteam oder mit einer psychosozialen Beratungsstelle. Wenn Sie sich sehr belastet fühlen oder Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, holen Sie sich bitte Unterstützung. Bei einer akuten seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden – sie ist rund um die Uhr da und kostenlos.
Vorbeugung
Eine Knochenmarkpunktion lässt sich nicht im eigentlichen Sinne verhindern, denn sie ist eine Untersuchung und keine Krankheit. Was Sie tun können: Nehmen Sie an Vorsorge- und Kontrollterminen teil, lassen Sie auffällige Blutwerte abklären und sprechen Sie offen über Ihre Ängste. So kann Ihr Behandlungsteam den Eingriff gut planen und Ihnen die Unsicherheit nehmen.
Früherkennungsprogramme
Ein Screening, das eine Knochenmarkpunktion ersetzt, gibt es nicht. Ein routinemäßiges Blutbild beim Hausarzt kann Veränderungen aber früh zeigen. Bei Beschwerden gilt: lieber einmal zu früh nachfragen als zu spät.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Erkrankung des Blutes oder des Knochenmarks kann unklar bleiben und eine passende Behandlung verzögert sich.
- Unklare Beschwerden wie Müdigkeit, Infekte oder Blutungsneigung bleiben ohne Erklärung.
- Bei einer bekannten Krebserkrankung lässt sich das Ausmaß nicht einschätzen und die Behandlung nicht gut planen.
- Der Eingriff selbst hat seltene Risiken wie eine länger anhaltende Blutung, eine Infektion an der Einstichstelle oder stärkere Schmerzen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Die Knochenmarkpunktion ist ein kleiner, gut erprobter Eingriff, den die meisten Menschen gut vertragen. Die Einstichstelle heilt bei den meisten rasch ab. Vor allem aber bringt die Untersuchung Klarheit – und Klarheit ist die Grundlage für eine Behandlung, die zu Ihnen passt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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