Knöchel-Arm-Index (ABI): Der einfache Gefäßtest für die Beine
Übersicht
Der Knöchel-Arm-Index – kurz ABI (vom englischen „Ankle Brachial Index“) – ist eine einfache Messung und keine Krankheit. Dabei wird der Blutdruck am Knöchel mit dem Blutdruck am Oberarm verglichen. Bei gesunden Gefäßen ist der Druck im Bein fast so hoch wie am Arm. Ist er am Knöchel deutlich niedriger, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Arterien im Bein verengt sind – also eine Durchblutungsstörung vorliegt. Der ABI ist damit eine Art Schnelltest für die Gefäßgesundheit der Beine: schmerzlos, in wenigen Minuten gemacht und direkt in der Hausarztpraxis möglich.
Wichtige Fakten
- Der ABI ist ein Verhältnis aus zwei Blutdruckwerten, keine eigene Erkrankung. Ein Wert um 1,0 gilt als normal.
- Die Messung dauert meist 10 bis 20 Minuten, tut nicht weh und wird in der Arztpraxis durchgeführt.
- Ein niedriger Wert kann auf verengte Beinarterien hinweisen – oft schon, bevor jemand Beschwerden bemerkt.
- Bei manchen Menschen, zum Beispiel bei Diabetes, sind die Gefäßwände verkalkt. Dann fällt der Wert falsch hoch aus, und es brauchen andere Messungen.
Die ABI-Messung gehört in vielen Hausarzt- und Gefäßpraxen zum Alltag. Auch die Erkrankung, die sie aufspüren soll – die Verengung der Beinarterien (Fachbegriff: periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK) – ist häufig. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen, besonders ab dem 60. Lebensjahr. Viele davon haben lange keine Beschwerden.
Gemessen wird der ABI bei Menschen mit Schmerzen in den Beinen beim Gehen, mit schlecht heilenden Wunden am Fuß oder mit kalten, blassen Füßen. Auch wer Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette hat, kann den Wert bestimmen lassen, ebenso Menschen mit einer familiären Vorbelastung. Bei jungen, gesunden Menschen ohne Risikofaktoren ist die Messung selten nötig.
Symptome
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen in Bein oder Fuß, zusammen mit blasser, kalter Haut und einem nicht mehr fühlbaren Puls – das kann ein akuter Gefäßverschluss sein. Rufen Sie sofort 112 an.
- Ein Bein oder ein Fuß, das plötzlich taub wird, sich nicht mehr bewegen lässt oder sich stark verfärbt – ebenfalls ein Notfall, sofort 112
- Wenn nach einer Gefäßbehandlung Schmerzen, Schwellung oder eine plötzliche Blutung an der Einstichstelle auftreten, holen Sie sofort ärztliche Hilfe
- ⚠Eine neue Wunde am Fuß, die nach einigen Tagen nicht heilt oder sich rötet und eitert
- ⚠Zunehmende Ruheschmerzen, vor allem nachts, die Sie am Schlafen hindern
- ⚠Einzelne Zehen, die dunkel oder schwarz werden
- ⚠Plötzliche Rötung und Schwellung eines Beins mit Fieber oder allgemeinem Krankheitsgefühl
Häufige Symptome
- Schmerzen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß beim Gehen, die beim Stehenbleiben wieder nachlassen (Fachbegriff: Claudicatio intermittens, im Volksmund „Schaufensterkrankheit“)
- Kalte Füße oder Beine, auch bei warmem Wetter
- Blasse, bläuliche oder glänzende Haut an Unterschenkeln und Füßen
- Weniger Haare an den Unterschenkeln, langsamer wachsende Zehennägel
- Schlecht heilende kleine Wunden an Fuß oder Zehen
- Schwacher oder nicht fühlbarer Puls am Fußrücken
- Schmerzen im Fuß in Ruhe, besonders nachts im Bett
- Viele Menschen haben trotz verengter Gefäße gar keine Beschwerden – dann fällt der ABI als Zufallsbefund auf
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird der ABI nur selten gemessen, weil Gefäßverkalkung im Kindesalter sehr ungewöhnlich ist
- Gibt es bei einem Kind Auffälligkeiten an den Beinen, etwa eine angeborene Gefäßveränderung, überweist die Kinderärztin oder der Kinderarzt an eine spezialisierte Kindergefäßsprechstunde
- Die Messung selbst ist auch für Kinder schmerzlos, erfordert aber, dass das Kind einige Minuten ruhig liegt
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter nimmt die Verkalkung der Gefäße zu – der ABI wird dadurch häufiger auffällig
- Bei älteren Menschen mit Diabetes oder Nierenerkrankung sind die Gefäße oft so verkalkt, dass der ABI fälschlich normal oder sogar hoch erscheint. Dann hilft eine Messung des Zehendrucks
- Ältere Menschen bemerken Durchblutungsstörungen oft später, weil sie weniger und langsamer gehen
- Wunden an den Füßen heilen im Alter langsamer – deshalb ist regelmäßiges Nachschauen wichtig
Ursachen
Hauptursachen
- Der auffällige ABI ist selbst keine Ursache, sondern ein Messergebnis. Ein niedriger Wert entsteht meist durch verengte oder verschlossene Arterien im Bein
- Häufigste Ursache dafür ist die Arterienverkalkung (Atherosklerose): Ablagerungen in der Gefäßwand engen das Innere der Arterie ein
- Seltener liegen andere Gefäßerkrankungen, Entzündungen der Gefäße oder Verletzungen vor
- Ein ungewöhnlich hoher Wert (über etwa 1,4) entsteht meist durch verkalkte, nicht mehr zusammendrückbare Gefäßwände – häufig bei Diabetes oder Nierenerkrankungen
Risikofaktoren
- Rauchen – der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette (Cholesterin)
- Chronische Nierenerkrankung
- Höheres Lebensalter, vor allem ab 60 Jahren
- Familiäre Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Übergewicht und Bewegungsmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlich einsetzende, sehr starke Beinschmerzen mit kalter, blasser Haut – Notfall, 112 wählen
- Eine Wunde am Fuß, die sich rasch verschlechtert oder dunkel verfärbt
- Zunehmende Schmerzen schon in Ruhe, besonders nachts
- Rötung, Schwellung und Fieber am Bein oder Fuß
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Schmerzen in den Beinen beim Gehen, die beim Stehenbleiben nachlassen
- Ständig kalte Füße oder schlecht heilende kleine Wunden
- Sie haben Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette und möchten Ihre Gefäßgesundheit prüfen lassen
- Ein Familienmitglied hatte einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Durchblutungsstörung der Beine
Diagnose
Für die ABI-Messung liegen Sie entspannt auf einer Liege und ruhen etwa fünf bis zehn Minuten. Dann legt die medizinische Fachkraft Blutdruckmanschetten an beide Oberarme und an beide Knöchel. Mit einer kleinen Ultraschall-Sonde, die den Blutfluss hörbar macht (Doppler-Sonde), wird der Druck gemessen, bei dem das Blut gerade wieder durch die Gefäße fließt. Aus dem höchsten Druck am Arm und dem Druck am Knöchel errechnet sich der ABI – zum Beispiel ein Wert von 0,7 oder 1,0. Meist wird die Messung an beiden Seiten wiederholt, um sichere Ergebnisse zu bekommen. Sie spüren dabei nur das Aufpumpen der Manschetten, keine Schmerzen.
Mögliche Untersuchungen
- ABI-Messung in Ruhe mit Blutdruckmanschetten und Doppler-Sonde
- Belastungs-ABI: Messung vor und nach dem Gehen auf einem Laufband, wenn der Ruhewert normal ist, aber Beschwerden bestehen
- Zehendruckmessung als Ergänzung, wenn die Gefäße verkalkt sind und der ABI nicht verwertbar ist
- Ultraschall der Beingefäße (Duplexsonografie), um Engstellen genau zu sehen
- Blutuntersuchungen auf Blutzucker, Cholesterin, Nierenwerte und weitere Risikofaktoren
- Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiografie oder CT- bzw. MRT-Angiografie), meist erst, wenn eine Behandlung geplant wird
- Tasten der Fußpulse und Anschauen der Haut
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist kurz und unkompliziert. Sie liegen ruhig, die Manschetten werden nacheinander aufgepumpt, und aus einem kleinen Lautsprecher hört man das typische Rauschen des Blutflusses. Danach bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen das Ergebnis und was es für Sie bedeutet. Ist der Wert auffällig, werden in der Regel weitere Termine vereinbart, etwa ein Gefäßultraschall oder eine Besprechung über geeignete Maßnahmen. Bringen Sie gern eine Liste Ihrer Medikamente und Fragen mit.
Behandlung
Der ABI selbst wird nicht behandelt – er ist nur eine Messung. Ist der Wert auffällig, geht es darum, die Ursache zu klären und die Gefäßgesundheit zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Bewegung und die gute Einstellung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfetten. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen.
Selbsthilfe zu Hause
- Gehtraining: Gehen Sie so lange, bis die Schmerzen kommen, bleiben Sie kurz stehen und gehen Sie weiter. Steigern Sie die Strecke über Wochen langsam – das trainiert die Durchblutung
- Nicht rauchen – der wirkungsvollste Schritt für Ihre Gefäße. Fragen Sie in Ihrer Praxis oder Apotheke nach Unterstützung beim Aufhören
- Täglich die Füße anschauen, auch zwischen den Zehen, und auf kleine Wunden, Rötungen oder Blasen achten. Bei schlechter Sicht hilft ein Spiegel oder eine Vertrauensperson
- Gut sitzende, nicht drückende Schuhe tragen und die Füße trocken und sauber halten
- Füße warm halten, aber keine Heizflächen, Wärmflaschen oder heiße Fußbäder nutzen, wenn die Haut gefühllos ist – Verbrennungsgefahr
- Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen und vereinbarte Termine wahrnehmen
- Wunden am Fuß nicht selbst mit scharfen Mitteln behandeln – fragen Sie in der Arztpraxis oder Apotheke nach der passenden Versorgung
Medizinische Behandlungen
Wie die Behandlung aussieht, hängt vom Befund und von Ihren übrigen Erkrankungen ab. Häufig werden Medikamente eingesetzt, die das Risiko für Gefäßverschlüsse senken: dazu gehören Mittel, die die Blutfette senken, den Blutdruck senken oder die Neigung zu Gerinnseln verringern. Welche Wirkstoffe für Sie in Frage kommen und in welcher Stärke, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell – bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein oder ab. Wichtig sind außerdem ein strukturiertes Gehtraining, oft in einer Gefäßsportgruppe, die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck, eine gute Wundversorgung sowie eine Fußambulanz, wenn Wunden schlecht heilen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Beschwerden trotz Bewegung, Fußpflege und Medikamenten stark bleiben oder eine Wunde nicht heilt, kann eine Gefäßbehandlung nötig werden. Möglich sind zum Beispiel das Aufdehnen einer Engstelle mit einem kleinen Ballon über einen feinen Katheter, das Einsetzen eines kleinen Metallgitters (Stent) oder eine Umgehungsoperation (Bypass), bei der das Blut über ein anderes Gefäß geleitet wird. Ob und welche Methode passt, bespricht eine Gefäßspezialistin oder ein Gefäßspezialist nach einer genauen Untersuchung mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Ein auffälliger ABI-Wert ist für die meisten Menschen gut in den Alltag zu integrieren. Viele merken im Lauf der Zeit, dass regelmäßiges Gehen ihre Beschwerden verbessert und sie wieder weitere Strecken schaffen. Wichtig ist ein guter Blick auf die Füße und ein verlässlicher Rhythmus bei Kontrollterminen. Planen Sie beim Spazierengehen ruhig Pausen ein – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil des Trainings.
Tipps für den Alltag
- Bewegung in den Alltag einbauen: Treppe statt Aufzug, kurze Spaziergänge, regelmäßiges Gehtraining
- Nicht rauchen und Passivrauch meiden
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten, ohne strengen Diäten hinterherzujagen
- Ausreichend trinken und die Beine nicht stundenlang in derselben Haltung lassen
- Bei Kälte auf warme, aber nicht zu enge Schuhe und Socken achten
- Stress abbauen, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder regelmäßige Ruhezeiten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt Ihre Gefäße. Salziges und stark zuckrige Lebensmittel besser in Maßen. Beim Sport gilt: Regelmäßigkeit ist wichtiger als Anstrengung. Gehen ist ideal, weil es die Durchblutung im Bein trainiert. Starten Sie langsam und steigern Sie die Zeit über Wochen. Wenn Sie unsicher sind, welche Belastung für Sie passt, fragen Sie in Ihrer Arztpraxis – manche Krankenkassen und Vereine bieten Gefäßsportgruppen an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sorgen um die Gesundheit sind verständlich, besonders wenn zum ersten Mal ein auffälliger Befund auftaucht. Viele Menschen fühlen sich zunächst verunsichert. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über diese Gedanken – oft hilft es schon, den Befund und die nächsten Schritte genau erklärt zu bekommen. Wenn Sorgen oder gedrückte Stimmung länger anhalten und den Alltag belasten, suchen Sie Unterstützung, zum Beispiel in einem Gespräch mit einer psychologischen Beratungsstelle oder Psychotherapeutin. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden; im Notfall gilt die 112.
Vorbeugung
Eine Arterienverkalkung lässt sich nicht vollständig verhindern, aber deutlich verlangsamen – und damit auch verhindern, dass der ABI auffällig wird. Am meisten bewirken Sie, wenn Sie nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, auf ein gesundes Gewicht achten und Bluthochdruck, Diabetes sowie erhöhte Blutfette behandeln lassen. Auch wenn bereits eine Durchblutungsstörung bekannt ist, lohnt sich das: Diese Maßnahmen verbessern die Prognose deutlich.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es kein allgemeines Reihenuntersuchungsprogramm mit dem ABI für alle. Die AWMF-Leitlinie zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit empfiehlt die Messung vor allem bei typischen Beschwerden und bei Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa bei Diabetes, Rauchen oder höherem Alter. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis, ob eine ABI-Messung bei Ihnen sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Gehbeschwerden bis hin zu Schmerzen in Ruhe
- Schlecht heilende Wunden am Fuß, die sich entzünden können
- Im ungünstigsten Fall Gewebeschäden bis hin zu einem Verlust von Zehen oder Teilen des Fußes
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, weil die Arterienverkalkung meist den ganzen Körper betrifft
- Verminderte Lebensqualität durch eingeschränkte Mobilität
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut, wenn eine Durchblutungsstörung früh erkannt wird. Viele Menschen können ihre Beschwerden mit Gehtraining, einem gesünderen Lebensstil und einer guten Behandlung ihrer Risikofaktoren deutlich verbessern und lange beschwerdefrei bleiben. Auch wenn eine Behandlung der Gefäße nötig wird, sind die Methoden heute gut erprobt. Wichtig ist, regelmäßig zu den Kontrollterminen zu kommen und bei neuen Beschwerden nicht zu lange zu warten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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