Lungenfunktionstest: So wird die Atmung gemessen
Übersicht
Ein Lungenfunktionstest ist eine Untersuchung, bei der gemessen wird, wie gut deine Lunge arbeitet. Du atmest dabei durch ein Mundstück in ein Gerät. Das Gerät misst, wie viel Luft in deine Lunge passt und wie schnell du sie wieder ausatmen kannst. So kann die Ärztin oder der Arzt erkennen, ob die Atemwege eng sind, ob die Lunge sich gut füllt oder ob der Gasaustausch gestört ist. Der Test tut nicht weh und dauert meist nur wenige Minuten.
Wichtige Fakten
- Der Test ist schmerzfrei, dauert meist 10 bis 20 Minuten und wird oft direkt in der Hausarztpraxis oder bei einer Lungenfachärztin bzw. einem Lungenfacharzt gemacht.
- Mit dem Test lassen sich zum Beispiel Asthma und COPD (eine chronische Lungenerkrankung mit dauerhaft verengten Atemwegen) erkennen und im Verlauf beobachten.
- Du musst dabei mehrmals kräftig ein- und ausatmen. Das kann kurz schwindelig machen, ist aber schnell wieder vorbei.
- Die Ergebnisse helfen, die passende Behandlung zu finden und zu prüfen, ob sie wirkt.
Ja, der Lungenfunktionstest gehört zu den häufigsten Untersuchungen in der Hausarztpraxis und in der Lungenheilkunde. Millionen Menschen machen ihn jedes Jahr, oft sogar mehrmals, um den Verlauf einer Lungenerkrankung zu kontrollieren.
Der Test wird bei Menschen jeden Alters gemacht – bei Kindern mit häufigem Husten oder pfeifender Atmung genauso wie bei Erwachsenen mit Kurzatmigkeit. Besonders oft wird er eingesetzt bei Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis oder COPD, bei Raucherinnen und Rauchern, bei Allergien, bei beruflicher Belastung durch Staub oder Dämpfe und vor manchen Operationen.
Symptome
- Starke Luftnot in Ruhe, die nicht besser wird – sofort die 112 anrufen
- Bläuliche oder graue Lippen, Fingernägel oder Gesichtshaut
- Du kannst nur noch einzelne Wörter sprechen, keine ganzen Sätze
- Verwirrtheit, starke Schläfrigkeit oder Ohnmacht zusammen mit Atemnot
- Plötzlicher, stechender Brustschmerz zusammen mit Atemnot
- Atemstillstand oder die Atmung wird sehr flach und langsam
- ⚠Atemnot, die über Stunden oder einen Tag deutlich schlimmer wird
- ⚠Fieber zusammen mit Kurzatmigkeit oder schneller Atmung
- ⚠Neu aufgetretenes pfeifendes Atmen, das auf die verordnete Behandlung nicht anspricht
- ⚠Husten mit Blut – am selben Tag ärztlich abklären lassen
- ⚠Beschwerden, die nachts aufwachen lassen und schnell zunehmen
Häufige Symptome
- Husten, der länger als einige Wochen bleibt, besonders morgens
- Kurzatmigkeit beim Treppensteigen, beim Gehen oder bei Anstrengung
- Pfeifende oder brummende Geräusche beim Atmen
- Engegefühl in der Brust
- Häufiger Auswurf oder Schleim beim Husten
- Müdigkeit und das Gefühl, weniger leisten zu können als früher
- Atemprobleme, die bei Kälte, bei Anstrengung oder in bestimmten Jahreszeiten schlimmer werden
Symptome bei Kindern
- Nächtlicher Husten oder Husten nach dem Toben
- Pfeifende Atmung, oft zusammen mit einem Atemwegsinfekt
- Wiederkehrende Bronchitis oder Lungenentzündungen
- Das Kind wird beim Spielen schneller müde oder läuft weniger mit als Gleichaltrige
- Beim Trinken oder Essen wird oft eine Pause zum Luftholen gebraucht
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Luftnot schon bei leichten Alltagsaufgaben wie Anziehen oder Bettenmachen
- Längere Erholungszeit nach einem Atemwegsinfekt
- Gefühl von Schwäche und allgemeiner Leistungsabnahme
- Häufiges Räuspern oder Husten mit Auswurf am Morgen
- Manchmal wird Luftnot fälschlich als normales Altern gedeutet – ein Lungenfunktionstest kann das klären
Ursachen
Hauptursachen
- Asthma: Die Atemwege reagieren überempfindlich und verengen sich anfallsartig.
- COPD: Eine meist durch Rauchen verursachte, dauerhafte Verengung der Atemwege mit geschädigtem Lungengewebe.
- Chronische Bronchitis: Eine dauerhafte Entzündung der Atemwege mit Husten und Auswurf.
- Restriktive Störungen: Die Lunge kann sich nicht richtig ausdehnen, zum Beispiel bei Vernarbungen des Lungengewebes oder bei einer versteiften Brustwand.
- Allergien und Reizungen: Blütenstaub, Schimmel, Tierhaare oder Dämpfe können die Atemwege reizen.
- Atemwegsinfekte: Nach einer Bronchitis oder Lungenentzündung ist die Lunge manchmal vorübergehend schwächer.
- Herzschwäche: Flüssigkeit in der Lunge kann die Atmung ebenfalls beeinträchtigen.
Risikofaktoren
- Rauchen, auch Passivrauchen
- Beruflicher Kontakt mit Staub, Gasen, Dämpfen oder Feinstaub
- Allergien oder Asthma in der Familie
- Übergewicht, das die Atmung zusätzlich belastet
- Frühgeburtlichkeit oder häufige Atemwegsinfekte in der Kindheit
- Wohnen an stark befahrenen Straßen oder in schlecht belüfteten Räumen
- Bestimmte Vorerkrankungen wie Herzschwäche oder Immunschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Atemnot innerhalb weniger Stunden deutlich zunimmt
- Wenn die Lippen oder Fingerspitzen bläulich aussehen – dann sofort die 112 rufen
- Wenn Husten mit Blut oder blutigem Auswurf auftritt
- Wenn Fieber mit Kurzatmigkeit und schneller Atmung zusammenkommt
- Wenn du deine verordneten Atemwegsmedikamente nicht mehr als wirksam empfindest
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Husten länger als vier Wochen anhält
- Wenn du öfter außer Atem bist als früher oder Treppen schwerer schaffst
- Wenn beim Atmen pfeifende Geräusche auftreten
- Wenn bei dir Asthma oder COPD bekannt ist und eine Kontrolluntersuchung fällig ist
- Wenn du rauchst und deine Lungenfunktion einmal prüfen lassen möchtest
- Wenn du beruflich Staub oder Dämpfen ausgesetzt bist und regelmäßig untersucht wirst
Diagnose
Der Lungenfunktionstest selbst ist der erste Schritt der Diagnose. Du sitzt dabei aufrecht, bekommst eine Nasenklammer und atmest über ein Mundstück in ein Messgerät. So sieht die Ärztin oder der Arzt, wie viel Luft in deine Lunge passt, wie schnell du ausatmen kannst und ob sich die Atemwege nach einem Testspray öffnen. Zusammen mit deinen Beschwerden, einer körperlichen Untersuchung und manchmal weiteren Tests ergibt sich daraus ein Gesamtbild.
Mögliche Untersuchungen
- Spirometrie: Du atmest kräftig in ein Mundstück. Gemessen wird, wie viel Luft du ein- und ausatmest und wie schnell das geht.
- Bodyplethysmographie: Du sitzt in einer geschlossenen Glaskabine und atmest gegen ein Mundstück. So lässt sich der gesamte Platz in der Lunge genauer messen.
- Bronchospasmolyse-Test: Nach einem bronchialerweiternden Spray wird erneut gemessen. Öffnen sich die Atemwege, spricht das eher für Asthma.
- Diffusionskapazität: Ein kleiner Atemzug mit einer harmlosen Testluft zeigt, wie gut Sauerstoff aus der Lunge ins Blut gelangt.
- Blutgasanalyse: Eine kleine Blutprobe, meist aus dem Ohrläppchen oder der Armbeuge, zeigt den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut.
- Peak-Flow-Messung: Ein kleines Handgerät für zu Hause zeigt, wie kräftig du ausatmen kannst.
- Provokationstest: Bei Verdacht auf eine überempfindliche Lunge wird ein schwacher Reiz eingesetzt, um die Reaktion zu prüfen.
- Weitere Bildgebung: Manchmal kommen Röntgen, Ultraschall oder eine Computertomographie dazu.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin dauert meist zwischen 10 und 30 Minuten. Du sitzt bequem, bekommst eine Nasenklammer und atmest mehrmals nach Anweisung durch ein Mundstück – mal ruhig, mal ganz tief und dann kräftig aus. Manche Übungen werden wiederholt, damit die Werte zuverlässig sind. Kurz kann dir schwindelig werden oder du musst husten; das legt sich rasch. Vorher solltest du nichts Schweres essen, nicht rauchen und deine Medikamente mitbringen. Ob du deine Atemwegssprays am Testtag nimmst, klärst du am besten vorher mit der Praxis ab. Die Ergebnisse besprichst du meist kurz danach oder in einem zweiten Termin.
Behandlung
Der Lungenfunktionstest ist eine Untersuchung und keine Behandlung – er zeigt, was los ist. Was danach kommt, hängt vom Ergebnis ab. Bei Asthma oder COPD gibt es gut wirksame Behandlungen, die Atemnot und Husten deutlich lindern können. Bei anderen Ursachen wie einer Herzschwäche oder einer Allergie wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt. Wichtig ist: Die Behandlung wird immer auf dich persönlich abgestimmt – bitte sprich Änderungen nie allein, sondern immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch.
Selbsthilfe zu Hause
- Nicht rauchen und Rauch in der Wohnung meiden – das ist der wichtigste Schritt für die Lunge.
- Verordnete Atemwegsmedikamente regelmäßig und wie besprochen anwenden, auch wenn es dir gut geht.
- Zu Hause gut lüften und Schimmel vermeiden.
- Bei Allergien die Auslöser kennen und möglichst meiden.
- Regelmäßig bewegen – spacierengehen und Radfahren trainieren die Atemmuskulatur.
- Atemübungen und eine gute Sitzhaltung können bei Atemnot helfen.
- Bei Infekten früh ärztlichen Rat suchen, wenn die Atmung schwerer wird.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen sehr unterschiedliche Behandlungswege in Frage. Bei Asthma und COPD werden meist Sprays eingesetzt, die die Atemwege erweitern oder Entzündungen dämpfen – als langfristige Basistherapie und als Notfallspray. Bei Allergien kann eine spezielle Immuntherapie helfen, den Auslöser besser zu vertragen. Eine Atemphysiotherapie und eine Lungensportgruppe (oft als Reha verordnet) stärken die Atemmuskulatur und verbessern die Belastbarkeit. Bei Infekten können – abhängig von der Ursache – weitere Maßnahmen nötig sein. Bei schweren Verläufen gibt es zusätzlich Sauerstofftherapie oder andere spezialisierte Verfahren. Welche Behandlung zu dir passt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt gemeinsam mit dir.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen an der Lunge sind nur bei bestimmten Erkrankungen nötig, etwa bei einem Lungenkrebs, einem Lungenkollaps oder großen Vernarbungen. Vor einer Operation wird fast immer ein Lungenfunktionstest gemacht, damit das Team weiß, wie belastbar deine Lunge ist.
Leben mit der Erkrankung
Wenn bei dir eine Lungenerkrankung festgestellt wurde, heißt das nicht, dass du nicht mehr aktiv sein kannst. Viele Menschen leben mit Asthma oder COPD gut, wenn sie ihre Behandlung ernst nehmen, Auslöser kennen und ihr Tempo anpassen. Ein wichtiger Teil ist, den eigenen Rhythmus zu finden: Pausen einplanen, Aufgaben aufteilen, Hilfsmittel nutzen. Regelmäßige Kontrollen mit Lungenfunktionstest zeigen, ob alles im grünen Bereich ist oder ob die Behandlung angepasst werden sollte.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp – am besten mit Unterstützung, zum Beispiel über die Hausarztpraxis oder eine Beratungsstelle.
- Regelmäßige Bewegung, die dir guttut, ohne dich zu überfordern.
- Ausreichend schlafen und Stress reduzieren, denn Stress kann die Atmung beeinflussen.
- Impfungen aktuell halten, um Atemwegsinfekte zu vermeiden.
- Zu Hause auf gute Luft achten: lüften, Schimmel vermeiden, keine Duftkerzen oder scharfe Reinigungsmittel.
- Einen persönlichen Notfallplan mit der Praxis besprechen: Was tun, wenn die Atmung schlechter wird?
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen hilft, das Gewicht im Rahmen zu halten – Übergewicht belastet die Atmung zusätzlich, starkes Untergewicht schwächt dagegen die Muskeln. Trink ausreichend Wasser, außer deine Ärztin oder dein Arzt hat etwas anderes empfohlen. Für die Bewegung gilt: lieber regelmäßig und moderat als selten und sehr anstrengend. Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren sind oft gut geeignet. Atemübungen und ein Trainingsprogramm für die Atemmuskulatur können die Ausdauer verbessern. Wenn du beim Sport stark außer Atem gerätst, sprich mit deiner Praxis über ein passendes Programm.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Luftnot kann beunruhigen und Angst machen – und Angst kann das Gefühl von Atemnot verstärken. Das ist ein bekannter Kreislauf und lässt sich gut behandeln. Viele Menschen fühlen sich außerdem erschöpft oder traurig, wenn sie im Alltag weniger können als früher. Sprich offen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber; Atemtherapie, Entspannungsverfahren oder eine psychologische Begleitung können sehr entlasten. Wenn du Gedanken hast, die dir Angst machen oder du dich nicht mehr zurechtfindest, hole dir bitte sofort Hilfe: In Deutschland erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In einem akuten Notfall gilt die 112.
Vorbeugung
Den Lungenfunktionstest selbst muss man nicht vorbeugen. Aber viele Lungenerkrankungen, die er aufdeckt, lassen sich vermeiden oder hinauszögern. Der wichtigste Schutz ist ein Leben ohne Tabakrauch. Auch saubere Luft, der Schutz am Arbeitsplatz und die frühzeitige Behandlung von Allergien und Asthma helfen, die Lunge gesund zu halten.
Impfungen
Impfungen schützen vor Atemwegsinfekten, die die Lunge belasten können. Dazu gehören die Grippeimpfung, die Pneumokokken-Impfung und weitere Impfungen, die deine Ärztin oder dein Arzt empfiehlt. Welche Impfungen für dich sinnvoll sind, hängt von Alter und Vorerkrankungen ab – frag einfach in deiner Praxis nach.
Früherkennungsprogramme
Bei Raucherinnen und Rauchern sowie bei Menschen mit beruflicher Staubbelastung kann eine regelmäßige Untersuchung der Lungenfunktion sinnvoll sein. Sprich mit deiner Hausarztpraxis, ob und wie oft eine Kontrolle für dich passt. Bei bekanntem Asthma oder COPD sind regelmäßige Kontrollen mit Lungenfunktionstest fester Bestandteil der Betreuung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unbehandelte Verengung der Atemwege kann sich dauerhaft verschlechtern.
- Atemnot kann im Alltag immer mehr einschränken, bis einfache Wege schwerfallen.
- Häufige Atemwegsinfekte können die Lunge zusätzlich belasten.
- Bei schweren Verläufen kann der Sauerstoffgehalt im Blut sinken.
- Unbehandelte Beschwerden können zu Angst, Schlafproblemen und Erschöpfung führen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut, wenn die Ursache früh erkannt wird. Viele Lungenerkrankungen lassen sich mit der richtigen Behandlung gut kontrollieren, und Betroffene können ein aktives Leben führen. Der Lungenfunktionstest ist dabei ein hilfreiches Werkzeug: Er zeigt Veränderungen früh, sodass rechtzeitig gegengesteuert werden kann. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deine Werte und was sie für dich bedeuten.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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