24-Stunden-Urinuntersuchung (Sammelurin)
Übersicht
Bei der 24-Stunden-Urinuntersuchung sammeln Sie über einen ganzen Tag hinweg Ihren gesamten Urin in einem besonderen Behälter. Der Urin wird danach im Labor untersucht. So lässt sich zum Beispiel messen, wie gut die Nieren arbeiten, wie viel Eiweiß oder Salz der Körper über den Urin verliert oder wie viel von bestimmten Hormonen ausgeschieden wird. Eine einzelne Urinprobe aus dem Becher zeigt nur einen kurzen Moment. Eine Sammlung über 24 Stunden zeigt dagegen den ganzen Tagesverlauf – das macht die Ergebnisse viel aussagekräftiger.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist keine Krankheit, sondern eine Messung: Sie sammeln 24 Stunden lang Urin, damit das Labor den Tageswert bestimmen kann.
- Wichtig ist, dass wirklich der komplette Urin gesammelt wird – fehlt eine Portion, kann das Ergebnis verfälscht sein.
- Der Behälter bleibt am besten kühl, zum Beispiel im Kühlschrank, und wird am Ende der Sammelzeit abgegeben.
Ja, diese Untersuchung gehört in der Hausarztpraxis und in der Nierenheilkunde zum Alltag. Sie wird sehr häufig angeordnet und ist gut erprobt.
Grundsätzlich kann sie bei jedem Menschen nötig sein – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen und bei älteren Menschen. Häufiger angeordnet wird sie zum Beispiel bei Verdacht auf Nierenerkrankungen, bei Bluthochdruck, bei wiederkehrenden Nierensteinen oder bei Fragen zum Hormonhaushalt.
Symptome
- Sehr wenig oder gar kein Urin über viele Stunden, dazu Übelkeit, Schwellungen oder Verwirrtheit.
- Starke, plötzliche Schmerzen in der Nierengegend zusammen mit Fieber oder Schüttelfrost.
- Blut im Urin mit großen Klumpen oder starke Kreislaufbeschwerden.
- Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, Atemnot oder ein stark veränderter Allgemeinzustand.
- Bei diesen Zeichen rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Blut im Urin, das neu auftritt.
- ⚠Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen zusammen mit Fieber.
- ⚠Plötzlich stark geschwollene Beine oder ein rasch zunehmendes Körpergewicht durch Wassereinlagerungen.
- ⚠Diese Zeichen sollten noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden – rufen Sie Ihre Praxis an oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Häufige Symptome
- Die Untersuchung selbst verursacht keine Beschwerden. Die folgenden Zeichen sind mögliche Gründe, warum sie angeordnet wird – nicht jeder, bei dem die Untersuchung gemacht wird, hat sie.
- Geschwollene Beine, Füße oder Augenlider (möglicher Hinweis auf Eiweißverlust über die Nieren).
- Bluthochdruck, der sich schwer einstellen lässt.
- Schaumiger Urin oder auffällig viel Urin am Tag und in der Nacht.
- Wiederkehrende Nierensteine oder ein Brennen und Stechen beim Wasserlassen.
- Müdigkeit, Schwäche oder Muskelkrämpfe, wenn der Salzhaushalt im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Symptome bei Kindern
- Kinder haben oft andere Anzeichen: häufiges Wasserlassen, Einnässen am Tag oder in der Nacht, geschwollene Augenlider am Morgen oder ein allgemein schlechtes Gedeihen.
- Das Sammeln klappt bei Kindern am besten mit Hilfe der Eltern und mit einem Töpfchen oder einem Sammelbeutel, den die Kinderarztpraxis erklärt.
- Weint ein Kind beim Wasserlassen oder hat es Fieber, sollte das noch am selben Tag abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken eine beginnende Nierenschwäche oft nicht, weil Beschwerden fehlen oder als Alterserscheinung gedeutet werden.
- Bei Vergesslichkeit oder eingeschränkter Beweglichkeit braucht das Sammeln Unterstützung, damit keine Portion verloren geht.
- Austrocknung (Flüssigkeitsmangel) kann die Werte verfälschen – deshalb ist regelmäßiges Trinken während des Sammeltages wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Abklärung der Nierenfunktion, zum Beispiel bei Verdacht auf eine eingeschränkte Nierentätigkeit.
- Messung von Eiweiß im Urin (Albumin), um einen Eiweißverlust über die Nieren zu erkennen.
- Bestimmung von Salzen und Mineralstoffen wie Natrium, Kalium, Kalzium, Oxalat oder Harnsäure – etwa bei Nierensteinen.
- Untersuchung des Hormonhaushalts, zum Beispiel bei Verdacht auf eine Überproduktion bestimmter Hormone.
- Kontrolle einer bereits bekannten Erkrankung oder einer laufenden Behandlung.
- Manchmal auch zur Vorbereitung einer geplanten Behandlung oder Operation.
Risikofaktoren
- Unvollständige Sammlung – die häufigste Ursache für ein unbrauchbares Ergebnis.
- Urin, der während des Sammeltages zu warm gelagert wurde.
- Sehr viel oder sehr wenig getrunken am Sammeltag.
- Ernährung und Flüssigkeitsmenge, die den Tag nicht widerspiegeln (zum Beispiel ein Fastentag oder ein ausschweifendes Essen).
- Bestimmte Medikamente können Werte verändern – sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, ob etwas abgesetzt werden soll. Setzen Sie Medikamente nie auf eigene Faust ab.
- Starker körperlicher Stress, Fieber oder eine akute Infektion am Sammeltag.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie während des Sammeltages gar keinen Urin lassen können oder die Blase schmerzhaft gefüllt ist.
- Wenn Fieber, Schüttelfrost oder starke Rückenschmerzen dazukommen.
- Wenn Sie Blut im Urin bemerken.
- Wenn Sie sich sehr schwach, schwindelig oder verwirrt fühlen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihre Praxis die Untersuchung angeordnet hat und Sie Fragen zur Durchführung haben – fragen Sie lieber vorher nach, als den Tag zu wiederholen.
- Wenn Sie unsicher sind, ob eine Portion Urin verloren gegangen ist.
- Wenn sich Ihre Beschwerden über Wochen langsam verändern, zum Beispiel mehr Schwellungen oder mehr Durst.
- Wenn Sie wissen möchten, was Ihr Ergebnis bedeutet – vereinbaren Sie einen Besprechungstermin und bringen Sie die Ergebnisse mit.
Diagnose
Die Untersuchung läuft so ab: Am Morgen des ersten Tages lassen Sie den ersten Urin nach dem Aufwachen noch in die Toilette gehen – dieser wird verworfen, weil er noch von der Nacht stammt. Ab dann sammeln Sie jede Portion Urin in dem Behälter, den Sie von der Praxis bekommen haben. Am nächsten Morgen kommt die erste Portion nach dem Aufwachen mit in den Behälter. Damit sind genau 24 Stunden abgedeckt. Den Behälter geben Sie anschließend in der Praxis oder an der angegebenen Stelle ab.
Mögliche Untersuchungen
- 24-Stunden-Sammlung mit anschließender Laboruntersuchung des gesammelten Urins.
- Laborbestimmungen wie Kreatinin, Harnstoff, Eiweiß (Albumin), Salze, Kalzium, Oxalat, Harnsäure oder Hormone – je nach Fragestellung.
- Blutuntersuchung, zum Beispiel zu Nierenwerten und Salzhaushalt.
- Ultraschall der Nieren und Harnwege.
- Blutdruckmessung und manchmal eine Messung über 24 Stunden.
- Schnelltest oder Einzelprobe des Urins als Ergänzung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie bekommen einen sauberen, oft etwas großen Behälter mit. Manchen Menschen hilft ein zweiter, kleinerer Behälter für unterwegs. Notieren Sie sich Start- und Endzeit und – wenn die Praxis es wünscht – die gesamte Urinmenge. Die Auswertung im Labor dauert meist einige Tage; das Ergebnis wird in der Regel in einem Gespräch erklärt. So unangenehm das Sammeln auch wirkt: Es ist eine gut machbare Aufgabe, die zu Hause stattfindet.
Behandlung
Die Untersuchung selbst wird nicht behandelt – sie ist ein Messwerkzeug. Behandelt wird je nach Ergebnis die Ursache, also zum Beispiel ein zu hoher Blutdruck, eine Nierenerkrankung, ein gestörter Salzhaushalt oder eine Überproduktion von Hormonen. Das weitere Vorgehen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Behälter beschriften, Start- und Endzeit notieren.
- Den ersten Urin am Morgen verwerfen, danach jede Portion sammeln – auch nachts.
- Den Behälter während des Tages kühl und dunkel lagern, möglichst im Kühlschrank, und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
- Für unterwegs einen verschließbaren Behälter mitnehmen und ihn in einer Kühltasche transportieren.
- Am Sammeltag normal essen und normal trinken, sofern die Praxis nichts anderes sagt.
- Bei Frauen: Wenn die Periode beginnt, die Praxis informieren – oft wird der Termin verschoben.
- Nach dem Ende den Behälter zügig abgeben, nicht erst Tage später.
Medizinische Behandlungen
Behandelt wird je nach Befund die zugrunde liegende Ursache. Das kann bedeuten, dass der Blutdruck besser eingestellt wird, die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert wird, die Trinkmenge und Ernährung angepasst werden oder – bei hormonellen Ursachen – eine fachärztliche Betreuung erfolgt. Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen auf Grundlage aller Befunde. Medikamente werden nur nach individueller Rücksprache verordnet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei dieser Untersuchung selbst kein Thema. Sie kann aber bei bestimmten Grunderkrankungen eine Rolle spielen, etwa bei großen Nierensteinen oder bestimmten Hormondrüsenerkrankungen – das wird dann gesondert besprochen, wenn es für Sie relevant ist.
Leben mit der Erkrankung
Der Sammeltag lässt sich gut in den Alltag einbauen: Sie gehen Ihren gewohnten Tätigkeiten nach und nehmen den Behälter einfach mit. Planen Sie den Tag am besten so, dass Sie zu Hause oder an einem kühlen Ort vorbeikommen. Wer berufstätig ist, kann den Sammeltag auf ein Wochenende legen, wenn das leichter ist.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie einen ruhigen Tag, an dem Sie nicht stundenlang unterwegs sind.
- Nehmen Sie eine Kühltasche mit, wenn Sie außer Haus sind.
- Erinnern Sie sich mit einem Handy-Wecker an jede Portion – besonders nachts.
- Bitten Sie Angehörige um Unterstützung, wenn Sie vergesslich sind oder schlecht laufen können.
- Halten Sie die Sammelzeit schriftlich fest, damit die Zeiten im Labor zugeordnet werden können.
Ernährung und Bewegung
Grundsätzlich gilt: Essen und trinken Sie am Sammeltag so wie immer – nur so spiegelt das Ergebnis Ihren normalen Alltag wider. Bei bestimmten Fragen zur Ernährung kann die Praxis eine besondere Kost vorgeben; halten Sie sich dann genau daran. Anstrengender Sport ist meist kein Problem, kann aber Werte beeinflussen. Fragen Sie im Zweifel kurz nach. Kein Medikament ohne Rücksprache absetzen oder verändern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen empfinden das Sammeln als unangenehm, peinlich oder lästig – das ist völlig verständlich. Manche machen sich auch Sorgen über das Ergebnis. Hilfreich ist, sich daran zu erinnern, dass die Untersuchung nur den Ist-Zustand misst und kein Urteil über Sie fällt. Wenn Sie sich belastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden; bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Die Untersuchung selbst kann man nicht „verhindern“ – sie ist eine gewollte Messung. Verhindern lässt sich aber, dass sie wiederholt werden muss: mit einer vollständigen Sammlung, guter Kühlung und dem normalen Ess- und Trinkverhalten. Viele Erkrankungen, die mit dieser Untersuchung abgeklärt werden, lassen sich außerdem durch einen gesunden Lebensstil günstig beeinflussen.
Impfungen
Für diese Untersuchung sind keine Impfungen erforderlich. Ein vollständiger Impfschutz ist aber generell sinnvoll – Ihre Praxis berät Sie gern.
Früherkennungsprogramme
Die 24-Stunden-Urinuntersuchung ist kein klassischer Vorsorge-Test für alle. Sie wird gezielt angeordnet. Regelmäßige Blutdruck- und Nierenwertkontrollen sind bei bestehenden Risiken sinnvoll. Fachliche Empfehlungen dazu finden Sie unter anderem in den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Untersuchung selbst hat keine Komplikationen. Unbehandelt bleiben aber die Beschwerden oder Erkrankungen, die zu ihr geführt haben.
- Eine unvollständige Sammlung führt zu einem unbrauchbaren Ergebnis und damit häufig zu einer Wiederholung des ganzen Tages.
- Eine falsche Lagerung des Urins kann Werte verfälschen und zu Fehlentscheidungen führen.
- Wird eine behandelbare Ursache nicht erkannt, können Beschwerden bestehen bleiben oder sich langsam verschlechtern – deshalb ist die Abklärung wichtig.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Die Untersuchung ist ein zuverlässiges und gut verträgliches Verfahren, und die meisten Menschen schaffen die Sammlung problemlos. Wenn eine Ursache gefunden wird, lässt sie sich oft gut behandeln oder gut begleiten. Ein wiederholtes Sammeln ist kein schlechtes Zeichen – es dient allein der Genauigkeit.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.