Augenhintergrundspiegelung (Funduskopie)
Übersicht
Bei einer Augenhintergrundspiegelung – auch Funduskopie oder Ophthalmoskopie genannt – schaut die Ärztin oder der Arzt auf die Rückseite Ihres Auges. Dort liegen die Netzhaut (die lichtempfindliche Schicht, die Bilder aufnimmt), der Sehnerv (die Leitung vom Auge zum Gehirn) und viele feine Blutgefäße. Diese Bereiche kann man von außen nicht sehen. Mit einem speziellen Gerät, dem Ophthalmoskop, oder mit einer Spezialkamera wird der Augenhintergrund sichtbar gemacht. Die Untersuchung tut nicht weh, dauert meist nur wenige Minuten und hilft, viele Augenerkrankungen und auch manche Allgemeinerkrankungen früh zu erkennen.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert in der Regel nur wenige Minuten.
- Für einen besseren Blick werden oft Augentropfen gegeben, die die Pupille weit stellen. Danach ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und lichtempfindlich.
- Die Augenhintergrundspiegelung gehört zu den wichtigsten Kontrolluntersuchungen bei Diabetes und bei Verdacht auf Grünen Star (Glaukom).
Sehr häufig. Sie gehört zur Routine in Augenarztpraxen und wird auch in Hausarztpraxen, Kliniken und Notaufnahmen regelmäßig durchgeführt.
Grundsätzlich kann sie bei jedem Menschen sinnvoll sein. Besonders oft wird sie bei Menschen mit Diabetes, mit Bluthochdruck, bei Verdacht auf Grünen Star oder altersbedingte Makuladegeneration gemacht, außerdem bei plötzlichen Sehstörungen und bei frühgeborenen Babys.
Symptome
- Plötzlicher Verlust des Sehvermögens auf einem Auge
- Ein dunkler Vorhang oder Schatten, der sich über das Sehen schiebt
- Plötzlich sehr viele schwarze Punkte im Sichtfeld, zusammen mit Lichtblitzen
- Verätzung oder schwere Verletzung des Auges – sofort mit klarem Wasser spülen und den Notruf 112 wählen
- Starke Augenschmerzen mit Sehverschlechterung und Übelkeit
- ⚠Neue Verzerrungen beim Sehen, gerade Linien erscheinen wellig
- ⚠Sehverschlechterung, die über Stunden oder wenige Tage zunimmt
- ⚠Zunehmende Floater oder ein neu aufgetretener Schleier
- ⚠Rötung, Lichtempfindlichkeit und Schmerzen am Auge
- ⚠Bei Diabetes: neu aufgetretene Sehprobleme
Häufige Symptome
- Verschwommenes Sehen oder ein Schleier vor dem Auge
- Neue oder zunehmende „fliegende Mücken“ (Floater) im Sichtfeld – kleine Punkte oder Fäden, die mitwandern
- Lichtblitze oder kurze Blitze am Augenrand
- Verzerrtes Sehen: Gerade Linien wirken wellig oder krumm
- Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl am Auge
- Oft auch gar keine Augenbeschwerden – zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung wegen Diabetes oder Bluthochdruck
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird die Untersuchung seltener gemacht und ist meist unauffällig.
- Bei frühgeborenen Babys wird der Augenhintergrund regelmäßig kontrolliert, weil sich bei ihnen eine Netzhauterkrankung des Frühgeborenen entwickeln kann.
- Ein weißlich schimmerndes Auge auf Fotos, Schielen oder ein auffälliger Sehtest sind Anlässe, die Augen genauer anzuschauen.
- Kinder brauchen manchmal Geduld und eine freundliche Erklärung. Die Untersuchung selbst tut nicht weh.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – eine Schädigung der Stelle des schärfsten Sehens
- Grüner Star (Glaukom) – ein erhöhter Druck im Auge, der den Sehnerv schädigen kann
- Diabetische Netzhautveränderungen, wenn die Zuckerkrankheit schon länger besteht
- Häufigerer Kontrollbedarf, weil viele Augenerkrankungen im Alter zunehmen
Ursachen
Hauptursachen
- Vorsorge und Verlaufskontrolle bei Diabetes (diabetische Netzhautveränderungen)
- Verdacht auf oder Kontrolle von Grüner Star (Glaukom)
- Verdacht auf altersbedingte Makuladegeneration
- Plötzliche Sehstörungen, Floater oder Lichtblitze – zum Beispiel bei Verdacht auf eine Netzhautablösung
- Bluthochdruck und andere Erkrankungen, die die Blutgefäße schädigen können
- Entzündungen im Auge, Infektionen oder eine Verletzung
- Als Teil einer allgemeinen Untersuchung, etwa in der Notaufnahme oder bei einer Abklärung durch die Neurologie
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Höheres Lebensalter
- Starke Kurzsichtigkeit
- Familiäre Belastung mit Grüner Star
- Frühgeburtlichkeit
- Rauchen und starkes Übergewicht
- Bestimmte Medikamente, die das Auge beeinflussen können – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich Ihr Sehen plötzlich verändert oder Sie auf einem Auge nichts mehr sehen
- Wenn ein Schatten oder Vorhang ins Sichtfeld kommt oder viele neue Punkte und Blitze auftreten
- Wenn das Auge nach einer Verletzung oder einem Fremdkörper schmerzt oder tränt
- Wenn Sie eine chemische Flüssigkeit ins Auge bekommen haben – erst gründlich mit Wasser spülen, dann sofort Hilfe holen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolle bei Diabetes – meist einmal im Jahr
- Vorsorge bei Grüner Star oder wenn in der Familie Grüner Star vorkommt
- Wenn Sie das Gefühl haben, schlechter oder verschwommener zu sehen
- Wenn ein Sehtest oder eine andere Untersuchung auffällig war
Diagnose
Die Augenhintergrundspiegelung ist selbst die Untersuchung, mit der der Augenhintergrund beurteilt wird. Je nach Situation schaut die Ärztin oder der Arzt mit einem Handgerät von außen ins Auge oder nutzt eine Spaltlampe (ein Mikroskop mit Licht) zusammen mit einer Speziallinse. Häufig werden vorher Augentropfen gegeben, die die Pupille weit stellen. So ist der Blick auf die Netzhaut größer und klarer. Zusätzlich können Fotos vom Augenhintergrund gemacht werden.
Mögliche Untersuchungen
- Direkte und indirekte Ophthalmoskopie – das Betrachten des Augenhintergrunds mit einem Spezialgerät
- Untersuchung an der Spaltlampe mit einer Speziallinse
- Fundusfotografie – ein Foto vom Augenhintergrund
- Optische Kohärenztomografie (OCT) – eine berührungsfreie Aufnahme, die die Netzhaut im Querschnitt zeigt
- Ultraschall des Auges, wenn die Linse getrübt ist und man nicht gut hindurchsehen kann
- Fluoreszenzangiografie – eine Aufnahme mit einem Farbstoff, die zeigt, wie gut die Netzhaut durchblutet ist
- Ergänzend: Sehtest, Gesichtsfeldmessung und Messung des Augeninnendrucks
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist läuft es so: Sie sitzen auf einem Stuhl, stützen das Kinn ab und schauen auf einen Punkt. Die Ärztin oder der Arzt bringt ein Licht dicht vor Ihr Auge. Das ist hell und etwas ungewohnt, aber nicht schmerzhaft. Wenn Tropfen gegeben werden, dauert es etwa 15 bis 30 Minuten, bis die Pupille weit ist. Danach ist Ihr Sehen für einige Stunden verschwommen und Sie sind lichtempfindlich. Eine Sonnenbrille hilft. Planen Sie möglichst nicht selbst Auto zu fahren und nehmen Sie jemanden mit, wenn es geht.
Behandlung
Die Augenhintergrundspiegelung ist eine Untersuchung, keine Behandlung. Sie zeigt, ob alles in Ordnung ist – und wenn nicht, welche Veränderungen vorliegen. Daraus ergibt sich, ob gar nichts weiter nötig ist, ob eine Kontrolle in einigen Monaten sinnvoll ist oder ob eine Behandlung begonnen werden sollte. Das bespricht die Ärztin oder der Arzt ausführlich mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach Tropfen: Sonnenbrille tragen und die Augen schonen, bis das Sehen wieder klar ist
- Nicht selbst Auto oder Fahrrad fahren, solange das Sehen verschwommen ist
- Leichte Blendung und ein verschwommenes Nahsehen sind normal und gehen von selbst zurück
- Bei Diabetes und Bluthochdruck: die verordnete Behandlung konsequent weiterführen – das schützt auch die Augen
- Veränderungen im Sehen notieren und beim nächsten Termin ansprechen
Medizinische Behandlungen
Was getan wird, hängt ganz vom Befund ab. Ist alles unauffällig, genügen oft regelmäßige Kontrollen. Zeigen sich Veränderungen an den Blutgefäßen, kann eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck sehr viel bewirken. Bei Grüner Star gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Augeninnendruck zu senken – als Tropfen, mit einem kleinen Eingriff am Auge oder mit einer Operation. Bei altersbedingter Makuladegeneration gibt es Behandlungen, die den Verlauf bremsen können. Bei Netzhautveränderungen durch Diabetes kommen zum Beispiel Laserbehandlungen oder Injektionen in das Auge infrage. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt erklärt Ihnen, was in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig werden, wenn sich die Netzhaut ablöst, wenn der Augeninnendruck trotz Behandlung zu hoch bleibt oder wenn eine fortgeschrittene Linsentrübung (Katarakt) das Sehen stark einschränkt. Solche Eingriffe sind in der Augenheilkunde gut erprobt. Ob und wann operiert wird, entscheidet sich immer nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Für die meisten Menschen ist die Augenhintergrundspiegelung ein kurzer Termin im Alltag, mehr nicht. Fällt etwas auf, werden daraus oft regelmäßige Kontrollen – zum Beispiel einmal im Jahr. Diese Termine sind wichtig, auch wenn Sie nichts spüren, denn viele Augenerkrankungen tun anfangs nicht weh. Ein kleiner Kalendereintrag hilft, nichts zu vergessen.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – das senkt das Risiko für viele Augen- und Gefäßerkrankungen
- Augen vor starker Sonne schützen, zum Beispiel mit Sonnenbrille und Hut
- Bei der Arbeit und beim Heimwerken eine Schutzbrille tragen
- Blutdruck und Blutzucker im Blick behalten und regelmäßig kontrollieren lassen
- Ausreichend schlafen und Bildschirmpausen einlegen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten und regelmäßige Bewegung tun den Blutgefäßen gut – und damit auch den feinen Gefäßen in der Netzhaut. Grünes Blattgemüse und Lebensmittel mit vielen Vitaminen werden oft empfohlen. Wichtig ist Beständigkeit, nicht Perfektion. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie unsicher sind, was zu Ihnen passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sorgen um das Sehen können belasten. Viele Menschen machen sich nach einem auffälligen Befund Gedanken, ob sie im Alltag weiter gut zurechtkommen. Solche Gefühle sind normal und es hilft, darüber zu sprechen – mit Menschen, die Ihnen nahestehen, oder mit Ihrem Behandlungsteam. Wenn die Anspannung überhandnimmt, gibt es Unterstützung; niemand muss damit allein bleiben.
Vorbeugung
Die Untersuchung selbst muss man nicht verhindern – sie ist das Werkzeug, mit dem man Probleme früh erkennt. Vorbeugen kann man aber vielen Erkrankungen, die dabei auffallen: einem gut eingestellten Blutzucker und Blutdruck, dem Verzicht aufs Rauchen und dem Schutz der Augen vor Verletzungen und starker Sonne.
Früherkennungsprogramme
Bei Diabetes empfehlen die Leitlinien (unter anderem der AWMF) in der Regel eine jährliche Kontrolle des Augenhintergrunds. Bei Verdacht auf Grüner Star oder familiärer Belastung sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll, deren Abstand die Augenarztpraxis festlegt. Für Kinder gibt es in Deutschland die Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen), bei denen auch das Sehen geprüft wird. Zur Selbstkontrolle bei Makuladegeneration kann ein Rastertest (Amsler-Netz) helfen – lassen Sie sich das einmal zeigen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Werden Netzhautveränderungen bei Diabetes nicht erkannt und behandelt, kann das Sehen dauerhaft schlechter werden.
- Ein unbehandelter Grüner Star kann den Sehnerv langsam schädigen – anfangs oft ganz ohne Beschwerden.
- Eine Netzhautablösung führt ohne zeitnahe Behandlung zu bleibendem Sehverlust auf dem betroffenen Auge.
- Eine unbehandelte schwere Augenentzündung oder Infektion kann das Auge dauerhaft schädigen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Die meisten Menschen haben einen unauffälligen Befund und brauchen nur eine gelegentliche Kontrolle. Wird etwas entdeckt, lässt sich heute viel tun – vor allem, wenn es früh erkannt wird. Regelmäßige Termine und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam sind dabei der wichtigste Schritt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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