Achalasia awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Achalasia (sprich: A-ka-la-si-e) ist eine seltene Erkrankung der Speiseröhre. Die Speiseröhre ist der Schlauch, der den Mund mit dem Magen verbindet. Bei Achalasie entspannt sich der untere Schließmuskel der Speiseröhre nicht richtig, wenn Sie schlucken. Dadurch bleibt die Nahrung in der Speiseröhre stecken und gelangt nur schwer in den Magen.
Wichtige Fakten
- Achalasia ist selten – etwa 1 von 100.000 Menschen erkrankt jedes Jahr neu.
- Die genaue Ursache ist unbekannt, aber es kommt zu einem Verlust von Nervenzellen in der Speiseröhre.
- Eine Heilung gibt es nicht, aber mit Behandlung lassen sich die Beschwerden meist gut lindern.
Nein, Achalasie ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise etwa 10.000 bis 15.000 Menschen betroffen.
Achalasie kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Wenn Sie plötzlich gar nichts mehr schlucken können, auch keine Flüssigkeiten
- Wenn Sie starke Brustschmerzen haben, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen – das könnte ein Herzinfarkt sein
- Wenn Sie blutiges Erbrechen haben
- Wenn Sie nach dem Essen ersticken oder keine Luft mehr bekommen
- ⚠Wenn Sie seit Tagen kaum etwas essen oder trinken können
- ⚠Wenn Sie Fieber und Husten haben – möglicherweise eine Lungenentzündung durch eingeatmete Nahrung
- ⚠Wenn der Gewichtsverlust schnell zunimmt
Häufige Symptome
- Schluckbeschwerden – vor allem bei festen Nahrungsmitteln, später auch bei Flüssigkeiten
- Das Gefühl, dass Essen im Hals oder hinter dem Brustbein stecken bleibt
- Aufstoßen von unverdauter Nahrung (Regurgitation)
- Brustschmerzen oder Druckgefühl hinter dem Brustbein
- Sodbrennen – obwohl es sich nicht um klassisches Sodbrennen handelt, sondern um zurückfließende Nahrung
- Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund
Symptome bei Kindern
- Schluckbeschwerden, die sich allmählich verschlechtern
- Erbrechen von unverdauter Nahrung, oft stunden nach dem Essen
- Wachstumsverzögerung oder Gedeihstörung
- Wiederkehrende Lungenentzündungen durch eingeatmete Nahrung (Aspiration)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Starke Schluckbeschwerden, die schnell zu Gewichtsverlust führen können
- Häufigeres Verschlucken oder Husten beim Essen
- Verstärktes Aufstoßen von Nahrung, besonders nachts
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt.
- Man geht davon aus, dass das Immunsystem irrtümlicherweise die Nervenzellen in der Speiseröhre angreift und zerstört.
- Durch den Verlust dieser Nerven kann sich der Schließmuskel nicht mehr richtig öffnen und die Speiseröhre verliert ihre Bewegung (Peristaltik).
Risikofaktoren
- Eine Autoimmunerkrankung (z. B. Schilddrüsenerkrankungen) könnte das Risiko leicht erhöhen.
- Viren oder Umweltfaktoren werden als mögliche Auslöser diskutiert, sind aber nicht sicher nachgewiesen.
- Achalasie ist nicht erblich, kann aber in manchen Familien häufiger vorkommen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen Schluckbeschwerden haben, die nicht verschwinden
- Wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren
- Wenn Sie nachts aufwachen und aufgestoßene Nahrung im Mund haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltendem Sodbrennen oder saurem Aufstoßen
- Bei Brustschmerzen, die nicht von Ihrem Arzt abgeklärt wurden
Diagnose
Um Achalasie festzustellen, führt der Arzt spezielle Untersuchungen durch. Zuerst wird ein ausführliches Gespräch geführt und die Krankengeschichte erhoben. Dann folgen meist bildgebende und funktionelle Tests.
Mögliche Untersuchungen
- Schluckröntgen (Bariumbreischluck): Sie trinken eine Flüssigkeit mit Kontrastmittel, und der Arzt beobachtet auf dem Röntgenbild, wie sie durch die Speiseröhre fließt.
- Speiseröhrendruckmessung (Manometrie): Ein dünner Schlauch wird durch die Nase in die Speiseröhre gelegt, um die Druckverhältnisse und die Bewegung der Speiseröhre zu messen – das ist der wichtigste Test.
- Speiseröhrenspiegelung (Endoskopie): Eine Kamera am Schlauch, der durch den Mund eingeführt wird, untersucht die Speiseröhre und schließt andere Erkrankungen aus.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist ambulant und erfordern keine Vollnarkose. Sie sollten nüchtern kommen – also mindestens 6 Stunden vor der Untersuchung nichts essen. Die Druckmessung kann etwas unangenehm sein, dauert aber nur etwa 20 Minuten. Nach der Endoskopie können Sie noch etwas benommen sein, daher sollten Sie sich von jemandem abholen lassen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, den unteren Schließmuskel der Speiseröhre zu öffnen, damit die Nahrung leichter in den Magen gelangen kann. Eine Heilung gibt es nicht, aber die Symptome können meist gut gelindert werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich.
- Trinken Sie zu jedem Bissen etwas Flüssigkeit, um die Nahrung hinunterzuspülen.
- Vermeiden Sie trockene, harte oder faserige Speisen.
- Essen Sie kleinere Mahlzeiten, dafür häufiger am Tag.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, um nächtliches Aufstoßen zu vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Die Standardbehandlung ist die Dehnung des Schließmuskels mit einem Ballon (pneumatische Dilatation) oder eine minimalinvasive Operation (Laparoskopische Heller-Myotomie). In manchen Fällen wird auch eine Injektion von Botulinumtoxin in den Schließmuskel gegeben, um ihn zu entspannen – dieser Effekt hält jedoch nur einige Monate an. Eine neuere Methode ist die perorale endoskopische Myotomie (POEM), bei der der Schließmuskel von innen durchtrennt wird. Welche Behandlung für Sie am besten ist, besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird oft empfohlen, wenn die Dehnung nicht ausreichend wirkt oder wenn Sie jünger sind und eine dauerhafte Lösung wünschen. Die Operation hat in der Regel gute Langzeitergebnisse.
Leben mit der Erkrankung
Achalasie erfordert ein angepasstes Essverhalten, aber die meisten Menschen können mit der Erkrankung gut leben. Nach erfolgreicher Behandlung bessern sich die Symptome oft deutlich. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um mögliche Komplikationen früh zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Essenstagebuch, um herauszufinden, welche Speisen Ihnen besonders schwerfallen.
- Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und vermeiden Sie Ablenkung (z. B. Fernsehen).
- Trinken Sie zwischen den Mahlzeiten ausreichend Wasser.
- Stellen Sie sich auf Gewohnheiten ein – zum Beispiel nach dem Essen etwas aufrecht sitzen zu bleiben.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht vorgeschrieben, aber viele Betroffene finden es hilfreich, weiche Kost zu bevorzugen (z. B. Pudding, Joghurt, Suppen, Kartoffelbrei). Vermeiden Sie sehr heiße oder sehr kalte Getränke. Alles, was Sie vertragen, ist erlaubt. Bewegung ist wichtig – leichte Aktivität nach dem Essen kann helfen, die Verdauung zu fördern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die ständige Sorge vor dem Essen oder das Gefühl, in der Öffentlichkeit nicht normal essen zu können, kann belastend sein. Das kann zu sozialem Rückzug und Ängsten führen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen darüber zu sprechen. In akuten Krisen hilft die Telefonseelsorge (Rufnummer 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
Vorbeugung
Achalasie lässt sich nicht verhindern, da die genauen Ursachen nicht bekannt sind. Es gibt keine Maßnahmen, um die Erkrankung sicher zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Achalasie. Wenn Sie typische Symptome haben, lassen Sie diese frühzeitig abklären – das kann Komplikationen verhindern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Gewichtsabnahme und Mangelernährung
- Wiederholte Lungenentzündungen durch eingeatmete Nahrung (Aspirationspneumonie)
- Ausweitung der Speiseröhre (Megaeophagus), was die Behandlung erschwert
- Erhöhtes Risiko für Speiseröhrenentzündungen und – sehr selten – Speiseröhrenkrebs
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose gut. Die meisten Menschen können nach einem Eingriff wieder normal essen und haben eine normale Lebenserwartung. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Facharzt sind wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden. Die Lebensqualität kann durch die Behandlung deutlich verbessert werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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