Amenorrhoea
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Amenorrhoe bedeutet, dass die Monatsblutung (Periode) ausbleibt. Es gibt zwei Formen: primäre Amenorrhoe, wenn die erste Periode bis zum 16. Lebensjahr nicht eintritt, und sekundäre Amenorrhoe, wenn die Periode bei einer Frau, die zuvor einen regelmäßigen Zyklus hatte, für mindestens drei Monate ausbleibt.
Wichtige Fakten
- Amenorrhoe ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit.
- Die Ursachen reichen von Schwangerschaft über hormonelle Störungen bis zu Lebensstilfaktoren.
- Viele Formen sind behandelbar und die Fruchtbarkeit kann oft wiederhergestellt werden.
Amenorrhoe tritt relativ häufig auf. Schätzungsweise 2–5 % aller Frauen im gebärfähigen Alter sind mindestens einmal betroffen. Besonders häufig ist die sekundäre Amenorrhoe.
Die primäre Amenorrhoe betrifft junge Mädchen, die mit 16 Jahren noch keine Periode haben. Die sekundäre Amenorrhoe kann Frauen jeden Alters betreffen, häufig tritt sie bei sportlich sehr aktiven Frauen oder bei Frauen mit Essstörungen auf.
Symptome
- Plötzliches, starkes Unterleibsschmerzen oder Schmierblutungen bei Schwangerschaft (Hinweis auf Eileiterschwangerschaft) – sofort den Notruf 112 wählen.
- Sehverlust oder plötzliche starke Kopfschmerzen, vor allem wenn gleichzeitig Milchabsonderung aus der Brust auftritt – Verdacht auf Hypophysentumor, sofort 112 wählen.
- ⚠Ausbleiben der Periode nach einer Schwangerschaft oder Geburt – ärztliche Abklärung noch am selben Tag.
- ⚠Starke hormonelle Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmung – zeitnah einen Arzttermin vereinbaren.
Häufige Symptome
- Ausbleiben der monatlichen Blutung über mehrere Zyklen hinweg bei Frauen, die zuvor regelmäßig ihre Periode hatten.
- Bei primärer Amenorrhoe: Fehlen der ersten Periode bis zum 16. Lebensjahr, manchmal auch verzögerte Brustentwicklung oder Schambehaarung.
- Mögliche Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus) oder Milchabsonderung aus der Brust (Galaktorrhoe).
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen: Ausbleiben der ersten Menstruation bis zum 16. Lebensjahr, oft verbunden mit fehlenden oder verzögerten Pubertätsmerkmalen (wie Brustwachstum, Schambehaarung).
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Frauen über 40 Jahren: Ausbleiben der Periode über mehrere Monate, was auf die beginnenden Wechseljahre hindeuten kann – wenn es jedoch vor dem 45. Lebensjahr auftritt, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Ursachen
Hauptursachen
- Schwangerschaft (häufigste Ursache bei sekundärer Amenorrhoe)
- Hormonelle Störungen: z. B. Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Schilddrüsenfehlfunktion, erhöhtes Prolaktin (Milchbildungshormon)
- Extreme körperliche Belastung (z. B. Leistungssport) oder starkes Untergewicht (z. B. bei Magersucht)
- Vorzeitige Wechseljahre (vorzeitige Ovarialinsuffizienz) – Eierstöcke stellen vor dem 40. Lebensjahr die Funktion ein
- Strukturelle Veränderungen: z. B. Narben in der Gebärmutter (Asherman-Syndrom), angeborene Fehlbildungen der Geschlechtsorgane
- Hirnanhangsdrüsen-Erkrankungen (Hypophyse), z. B. gutartige Tumore
Risikofaktoren
- Chronischer Stress oder psychische Belastungen
- Starkes Über- oder Untergewicht (BMI unter 18,5 oder über 30)
- Leistungssport oder sehr intensives Training
- Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie
- Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antidepressiva, Blutdrucksenker) – immer Rücksprache mit dem Arzt halten
- Familienanamnese mit vorzeitigen Wechseljahren oder PCOS
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Periode bei einer Frau unter 45 Jahren plötzlich für drei oder mehr Monate ausbleibt, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt.
- Bei zusätzlichen Symptomen wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder ungewolltem Milchfluss aus der Brust.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei jungen Mädchen: Wenn mit 14 Jahren noch keine Anzeichen der Pubertät (Brustwachstum, Schambehaarung) oder mit 16 Jahren noch keine erste Periode eingetreten ist.
- Bei Frauen, die regelmäßig Sport treiben oder starkes Untergewicht haben und deren Zyklus unregelmäßig wird oder ausbleibt.
- Vor einer geplanten Schwangerschaft, wenn der Zyklus unregelmäßig ist.
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) über den Zyklus, Lebensstil, mögliche Symptome und die Einnahme von Medikamenten. Danach folgen eine körperliche Untersuchung sowie Bluttests und bildgebende Verfahren, um die Ursache zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Schwangerschaftstest (immer als erstes, um eine Schwangerschaft auszuschließen)
- Blutuntersuchungen: Hormonspiegel wie Östrogen, Progesteron, FSH, LH, Prolaktin, Schilddrüsenhormone, Testosteron
- Ultraschall der Gebärmutter und Eierstöcke (ob die Eierstöcke normal arbeiten, ob Zysten vorhanden sind)
- Bei Verdacht auf Hypophysenerkrankungen: Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes
- Selten: Gewebeprobe der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumbiopsie) oder Hysteroskopie (Kamerablick in die Gebärmutter)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird zunächst alle Fragen zu Ihrem Zyklus und Ihrer Lebenssituation stellen. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei oder mit nur minimalem Unbehagen verbunden. Meist reichen Blutabnahme und Ultraschall aus. Sie bekommen in der Regel noch am selben Tag oder nach wenigen Tagen die Ergebnisse, je nach Labor. Der Arzt erklärt dann die möglichen Ursachen und bespricht mit Ihnen die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Amenorrhoe. Oft kann schon eine Änderung des Lebensstils den Zyklus normalisieren. Liegt eine hormonelle Störung vor, können Hormonpräparate oder andere Medikamente helfen. In seltenen Fällen ist ein operativer Eingriff nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Untergewicht: Gewicht langsam und gesund zunehmen – am besten mit Unterstützung einer Ernährungsberatung.
- Bei Übergewicht: Abnehmen durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung – bereits 5–10 % Gewichtsreduktion können den Zyklus positiv beeinflussen.
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen.
- Trainingspausen: Bei Leistungssportlerinnen kann eine Reduzierung des Trainingsumfangs den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kann der Arzt Behandlungen wie Hormontherapie (z. B. Östrogene oder Gestagene), Medikamente gegen erhöhtes Prolaktin (Prolaktinhemmer) oder Arzneimittel zur Stimulation des Eisprungs (bei Kinderwunsch) verschreiben. Bei Schilddrüsenerkrankungen werden Schilddrüsenhormone eingesetzt. Im Fall von PCOS können Insulin sensibilisierende Medikamente oder Antiandrogene in Betracht kommen. Alle Behandlungen sollten immer in Absprache mit dem Facharzt erfolgen – Eigenmedikation ist nicht empfohlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff kommt nur selten in Frage, z. B. bei Verwachsungen in der Gebärmutter (Asherman-Syndrom) oder bei gutartigen Tumoren der Hirnanhangsdrüse, die medikamentös nicht behandelbar sind.
Leben mit der Erkrankung
Amenorrhoe bedeutet in den meisten Fällen keine akute Beeinträchtigung des Alltags. Viele Frauen bemerken lediglich das Fehlen der Periode. Wichtig ist, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln – danach normalisiert sich der Zyklus meist wieder. Bei hormonellen Behandlungen kann es zu vorübergehenden Nebenwirkungen kommen, die mit dem Arzt besprochen werden sollten.
Tipps für den Alltag
- Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalorien, Vitaminen und Mineralstoffen (besonders Eisen und Kalzium) unterstützt den Hormonhaushalt.
- Regelmäßige Bewegung, aber nicht übertrieben: moderate Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen sind ideal.
- Ausreichend Schlaf und Stressmanagement – etwa durch regelmäßige Ruhephasen oder Hobbys, die Freude bereiten.
- Vermeidung von übermäßigem Alkohol- und Nikotinkonsum, da diese den Hormonstoffwechsel stören können.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, vollwertige Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. aus Nüssen, Avocado, Olivenöl) ist förderlich. Bei Untergewicht sollte die Energiezufuhr gesteigert werden. Regelmäßiger, aber nicht zu intensiver Sport – etwa 30 Minuten Bewegung an den meisten Tagen – hilft, den Stoffwechsel zu regulieren. Bei Sportlerinnen kann es nötig sein, Training und Ernährung anzupassen, um den Zyklus wieder in Gang zu bringen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das Ausbleiben der Periode kann emotional belastend sein – besonders, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch dahintersteckt oder die Ursache unklar ist. Viele Frauen fühlen sich verunsichert oder machen sich Sorgen um ihre Fruchtbarkeit. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Psychologische Beratung oder Gespräche mit dem Partner, Freundinnen oder Selbsthilfegruppen können helfen. Bei starken psychischen Belastungen sollte man nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen.
Vorbeugung
Nicht alle Formen der Amenorrhoe sind vermeidbar, da manche Ursachen angeboren oder hormonell bedingt sind. Aber durch einen gesunden Lebensstil können viele Fälle verhindert werden: Vermeidung von starkem Unter- oder Übergewicht, ausreichende Kalorienzufuhr, moderates Training und Stressabbau. Regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen helfen, Störungen frühzeitig zu erkennen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening auf Amenorrhoe. Eine regelmäßige gynäkologische Untersuchung (mindestens einmal jährlich) kann jedoch Auffälligkeiten im Zyklus frühzeitig erfassen. Mädchen sollten bis zum 16. Lebensjahr eine erste gynäkologische Vorstellung haben, wenn die Periode noch nicht eingesetzt hat.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei dauerhaftem Ausbleiben der Periode und Östrogenmangel: erhöhtes Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und Knochenbrüche.
- Bei PCOS: erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.
- Unfruchtbarkeit (Infertilität) – je nach Ursache kann ein unerfüllter Kinderwunsch die Folge sein.
- Psychische Belastung: Angst, Depressionen oder ein vermindertes Selbstwertgefühl, besonders bei Kinderwunsch.
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Viele Ursachen der Amenorrhoe lassen sich erfolgreich behandeln, sodass der Zyklus wieder regelmäßig wird und die Fruchtbarkeit zurückkehrt. Selbst bei dauerhaften Störungen wie vorzeitigen Wechseljahren gibt es heute gute Therapiemöglichkeiten, um die Lebensqualität zu erhalten. Mit der richtigen ärztlichen Begleitung und ggf. Anpassung des Lebensstils können die meisten Frauen ein gesundes und erfülltes Leben führen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Beratungsstellen vor Ort · Deutschland
- Gynäkologische Facharztpraxis · Deutschland
- Psychologische Beratungsstellen · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.