Angina pectoris – Leben mit Brustschmerzen durch verengte Herzkranzgefäße
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris (kurz Angina) ist ein stechender oder drückender Schmerz in der Brust, der auftritt, wenn der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt. Meist liegt eine Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) zugrunde. Die Beschwerden treten oft bei Belastung oder Stress auf und klingen in Ruhe wieder ab.
Wichtige Fakten
- Angina ist kein Herzinfarkt, kann aber ein Warnsignal für eine Herzkrankheit sein.
- Die Beschwerden werden durch eine verringerte Durchblutung des Herzmuskels verursacht.
- Es gibt stabile und instabile Angina – die instabile Form ist ein Notfall.
- Mit einer guten Behandlung und gesunder Lebensweise können die meisten Betroffenen gut mit Angina leben.
Angina pectoris ist vor allem bei älteren Erwachsenen und Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes häufig. In Deutschland leiden etwa 3–5 % der Bevölkerung über 40 Jahren an einer Form der koronaren Herzkrankheit, zu der auch die Angina gehört.
Angina tritt meist bei Erwachsenen über 50 Jahren auf, Männer etwas häufiger und früher als Frauen. Nach den Wechseljahren steigt das Risiko auch bei Frauen. Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten, Rauchern und Bewegungsmangel sind besonders betroffen.
Symptome
- Brustschmerz, der länger als 5–10 Minuten anhält oder in Ruhe nicht verschwindet
- Starke Schmerzen in der Brust, die in Arme, Kiefer oder Rücken ausstrahlen
- Plötzliche Atemnot, Übelkeit, Schweißausbruch und Todesangst – das kann auf einen Herzinfarkt hinweisen
- Bei diesen Symptomen sofort den Notruf 112 wählen!
- ⚠Die Beschwerden treten neu oder häufiger auf (z. B. schon bei leichter Belastung).
- ⚠Die bisher wirksamen Notfallmedikamente wirken nicht mehr wie gewohnt.
- ⚠Die Schmerzen dauern länger als 5–10 Minuten an, sind aber nicht so stark, dass ein Notruf nötig ist. In diesem Fall noch am selben Tag den Hausarzt oder eine Bereitschaftspraxis aufsuchen.
Häufige Symptome
- Druckgefühl oder Enge in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Stechen oder Brennen in der Brust, das in Arme, Schultern, Kiefer oder den Rücken ausstrahlen kann
- Kurzatmigkeit, vor allem bei körperlicher Anstrengung
- Schweißausbrüche, Übelkeit oder Schwindel
- Die Beschwerden klingen in Ruhe oder nach Einnahme von Medikamenten (z. B. Nitrate – vom Arzt verschrieben) innerhalb weniger Minuten ab
Symptome bei Kindern
- Angina tritt bei Kindern extrem selten auf. Sollte ein Kind über ähnliche Brustschmerzen klagen, ist meist eine andere Ursache wie Muskelverspannungen oder eine Lungenentzündung dafür verantwortlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome weniger typisch sein, z. B. nur Kurzatmigkeit, Müdigkeit oder allgemeines Unwohlsein anstatt deutlicher Brustschmerzen.
- Die Schmerzen können auch im Oberbauch oder Rücken auftreten und werden leicht mit Sodbrennen verwechselt.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose (Ablagerungen, sogenannte Plaques)
- Krampf (Verkrampfung) der Herzkranzgefäße, der die Durchblutung einschränkt
Risikofaktoren
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfette (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel gesättigte Fette, wenig Ballaststoffe)
- Stress und psychische Belastung
- Familiäre Vorbelastung (Herzkrankheiten bei Verwandten ersten Grades)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neu aufgetretene Brustschmerzen – so schnell wie möglich ärztlich abklären lassen.
- Bekannte Angina, die sich plötzlich verschlechtert (z. B. häufiger, stärker oder schon in Ruhe).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt oder Kardiologen, auch wenn die Beschwerden gut eingestellt sind.
- Mindestens einmal jährlich ein Check-up (Blutdruck, Blutfette, Blutzucker).
Diagnose
Der Arzt wird zunächst ausführlich nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und Ihren Lebensgewohnheiten fragen. Danach folgen meist körperliche Untersuchungen und spezielle Tests, um die Durchblutung des Herzens zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG (Aufzeichnung der Herzströme in Ruhe)
- Belastungs-EKG (auf einem Fahrrad oder Laufband)
- Blutuntersuchung (z. B. auf Blutfette, Blutzucker, Herzenzyme)
- Echokardiografie (Ultraschall des Herzens)
- Herzkatheteruntersuchung (bei unklarem Befund oder zur genauen Darstellung der Herzkranzgefäße)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird meist ambulant gestellt. Sie erhalten einen Termin beim Hausarzt oder direkt beim Kardiologen (Facharzt für Herzkrankheiten). Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos, lediglich beim Herzkatheter kann ein leichter Druck oder kurzer Schmerz an der Einstichstelle auftreten. Ihr Arzt wird alles genau mit Ihnen besprechen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Sauerstoffversorgung des Herzens zu verbessern, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Gefäßverengung zu verlangsamen. Sie besteht aus einer Kombination aus Lebensstiländerungen und Medikamenten. In manchen Fällen sind auch Eingriffe wie eine Ballondilatation oder eine Bypass-Operation nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist der wichtigste Schritt.
- Auf eine herzgesunde Ernährung umstellen: wenig gesättigte Fette, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.
- Regelmäßige Bewegung, am besten täglich 30 Minuten moderates Ausdauertraining (z. B. zügiges Gehen, Radfahren), nach Absprache mit dem Arzt.
- Stress abbauen, z. B. durch Entspannungsübungen, Yoga oder Atemtechniken.
- Übergewicht reduzieren.
- Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin im Rahmen von ärztlichen Kontrollen im Zielbereich halten.
Medizinische Behandlungen
Viele Patienten benötigen Medikamente, die die Herzkranzgefäße erweitern und die Durchblutung verbessern (z. B. Nitrate). Zusätzlich können blutdrucksenkende Mittel, Cholesterinsenker oder blutverdünnende Medikamente verordnet werden – je nach individueller Situation. Ihr Arzt wird die für Sie passende Medikamentenkombination sorgfältig auswählen und die Dosierung anpassen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente und Lebensstiländerungen nicht ausreichen oder die Verengungen besonders schwerwiegend sind, kann ein Eingriff sinnvoll sein. Dazu gehören die Ballondilatation (Aufdehnung der Gefäße mit einem Katheter) oder eine Bypass-Operation (Überbrückung der verengten Stelle mit einem körpereigenen Blutgefäß). Die Entscheidung trifft der Kardiologe gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina zu leben bedeutet, seinen Alltag bewusster zu gestalten. Sie sollten sich nicht überfordern, aber auch nicht völlig schonen. Hören Sie auf Ihren Körper: Legen Sie bei Beschwerden eine Pause ein. Planen Sie Aktivitäten mit ausreichend Erholungsphasen. Ein strukturierter Tagesablauf mit fester Zeit für Sport, Mahlzeiten und Entspannung hilft vielen Betroffenen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, aber ohne Überanstrengung: Gehen Sie spazieren, machen Sie leichte Gymnastik, aber vermeiden Sie plötzliche, starke Belastungen.
- Stressvermeidung: Lernen Sie, „Nein“ zu sagen und sich Auszeiten zu nehmen.
- Halten Sie Gewicht, Blutdruck und Blutfette im grünen Bereich.
- Vermeiden Sie sehr kalte oder sehr heiße Umgebungen, da sie die Blutgefäße verengen oder erweitern können.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig ein, auch wenn Sie beschwerdefrei sind.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung nach dem Vorbild der Mittelmeerküche ist ideal: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, Fisch und gesunde Öle (z. B. Olivenöl). Wenig rotes Fleisch, Wurst, fettreiche Milchprodukte und Zucker. Bewegung ist ebenfalls sehr wichtig: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Sportart für Sie geeignet ist. Oft empfohlen werden Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst vor einem Herzinfarkt, Unsicherheit bei körperlicher Belastung und die ständige Aufmerksamkeit auf die Symptome können psychisch belasten. Viele Menschen mit Angina fühlen sich ängstlich oder niedergeschlagen. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit dem Partner, der Familie oder einem Psychotherapeuten. Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitsübungen können helfen, die innere Anspannung zu reduzieren.
Vorbeugung
Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für Angina erheblich senken. Nichtrauchen, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und das Vermeiden von Dauerstress sind die wichtigsten Maßnahmen. Wer bereits Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes hat, sollte diese konsequent behandeln lassen.
Impfungen
Gegen Angina selbst gibt es keine Impfung. Allerdings schützen Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung (Pneumokokken) vor Infektionen, die das Herz zusätzlich belasten können. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Gesundheitscheck beim Hausarzt (Check-up 35) hilft, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören Blutdruckmessung, Blutfett- und Blutzuckerbestimmung. Wenn in Ihrer Familie Herzkrankheiten häufig vorkommen, kann eine frühzeitige kardiologische Untersuchung sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt – wenn eine Verengung plötzlich ganz verschließt.
- Herzrhythmusstörungen, die gefährlich werden können.
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – das Herz pumpt nicht mehr ausreichend.
- Plötzlicher Herztod (selten, aber möglich)
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung, die Lebensstiländerungen, Medikamente und gegebenenfalls Eingriffe umfasst, können die meisten Menschen mit Angina ein erfülltes Leben führen. Die Beschwerden lassen sich meist gut kontrollieren. Es ist wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen, aber nicht in Angst zu leben. Viele Betroffene erreichen durch eine konsequente Therapie eine stabile Situation und können ihren Alltag weitgehend normal gestalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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