Angina in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina ist ein medizinischer Begriff für ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das entsteht, wenn der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt. In der Schwangerschaft kann Angina auftreten, wenn das Herz einer Frau zusätzlich belastet wird – zum Beispiel durch die natürlichen Veränderungen im Kreislauf oder durch eine bestehende Herzerkrankung.
Wichtige Fakten
- Angina in der Schwangerschaft ist selten, aber ernst zu nehmen.
- Bei Brustschmerzen in der Schwangerschaft sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
- Eine frühzeitige Abklärung und Betreuung können Mutter und Kind schützen.
Nein, Angina in der Schwangerschaft kommt nur selten vor. Die meisten Brustschmerzen in der Schwangerschaft haben andere, harmlosere Ursachen.
Angina in der Schwangerschaft betrifft vor allem Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft eine Herzerkrankung hatten, oder Frauen mit bestimmten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder starkem Rauchen.
Symptome
- Plötzliche, starke Brustschmerzen, die länger als ein paar Minuten anhalten
- Brustschmerzen zusammen mit Atemnot, Übelkeit, starkem Schweißausbruch oder Ohnmachtsgefühl
- Schmerzen, die in die Schultern, Arme, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen
- Brustschmerzen, die in Ruhe oder nach leichter Anstrengung auftreten
- ⚠Wiederkehrende leichte Brustschmerzen, die bei Belastung kommen und in Ruhe wieder verschwinden
- ⚠Neue oder sich verändernde Beschwerden in der Brust, auch wenn sie mild sind
- ⚠Kurzatmigkeit, die nicht besser wird
Häufige Symptome
- Druck- oder Engegefühl in der Brust, besonders bei Belastung oder Aufregung
- Schmerzen, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Übelkeit oder Schweißausbrüche während der Beschwerden
Symptome bei Kindern
- Angina tritt bei Kindern praktisch nicht auf. Wenn ein Kind über Brustschmerzen klagt, sind meist andere Ursachen wie Muskelverspannungen oder eine Erkältung dahinter.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Erwachsene mit Angina haben oft schon eine bekannte Herzkrankheit und erleben die Beschwerden ähnlich, jedoch meist ohne Schwangerschaft als zusätzlichen Faktor.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengte Herzkranzgefäße – in der Schwangerschaft selten, da junge Frauen meist gesunde Gefäße haben
- Spasmus (Verkrampfung) der Herzkranzgefäße
- Erhöhter Sauerstoffbedarf des Herzens durch die Schwangerschaft
- Vorbestehende Herzerkrankungen wie eine Herzklappenverengung oder eine Herzmuskelerkrankung
Risikofaktoren
- Hoher Blutdruck (Gestationshypertonie oder Präeklampsie)
- Diabetes (schwangerschaftsbedingt oder vorbestehend)
- Starkes Rauchen oder frühere Raucherin
- Starkes Übergewicht
- Höheres Alter der Mutter (über 40 Jahre)
- Frühere Herzerkrankung oder frühere Angina
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Brustschmerzen oder Beschwerden, die auf einen Herznotfall hindeuten – dann sofort den Notdienst 112 rufen.
- Bei wiederkehrenden Brustschmerzen, die unter Belastung auftreten und in Ruhe nachlassen – noch am selben Tag die ärztliche Praxis oder die Geburtsklinik kontaktieren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie in der Schwangerschaft neuartige oder ungewöhnliche Brustbeschwerden verspüren, vereinbaren Sie baldmöglichst einen Termin bei Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt.
- Bei bekanntem Herzproblem sollten Sie vor der Schwangerschaft und regelmäßig während der Schwangerschaft eine herzmedizinische Betreuung haben.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen über Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und mögliche Risikofaktoren. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem Herz und Lunge abgehört werden.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrische Herzaktivität, oft in Ruhe und unter Belastung (Belastungs-EKG)
- Langzeit-EKG – zeichnet den Herzrhythmus über 24 Stunden auf
- Blutuntersuchungen – zum Beispiel Herzenzyme, Blutfette, Blutzucker
- Herzultraschall (Echokardiografie) – zeigt die Herzstruktur und Pumpfunktion
- In manchen Fällen eine Herzkatheteruntersuchung – diese kann auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden, wenn es medizinisch nötig ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und sicher für Sie und Ihr Baby. Die Ärztin oder der Arzt wird alle Maßnahmen genau mit Ihnen besprechen und auf die Schwangerschaft abstimmen. Bei einem Herzkatheter wird eine spezielle Abschirmung verwendet, um Ihr Baby zu schützen.
Behandlung
Die Behandlung von Angina in der Schwangerschaft zielt darauf ab, die Durchblutung des Herzens zu verbessern und die Belastung für Mutter und Kind zu verringern. Der Therapieplan wird immer individuell erstellt und eng mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt und einer Kardiologin/einem Kardiologen abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend Ruhe und Schlaf gönnen, körperliche Überanstrengung vermeiden
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch sanfte Entspannungsübungen oder Atemtechniken
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten
- Gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und Fett
- Regelmäßige, aber moderate Bewegung nach Absprache mit dem medizinischen Team
Medizinische Behandlungen
Medikamente können helfen, die Herzkranzgefäße zu erweitern oder den Sauerstoffbedarf des Herzens zu senken. Welches Medikament in der Schwangerschaft geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken. Es gibt Wirkstoffe, die in der Schwangerschaft als vertretbar gelten. Die genaue Wahl und Dosierung erfolgt immer individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Herzkatheter- oder Bypass-Operation kommt nur in sehr seltenen, schweren Fällen in Frage – zum Beispiel bei einer akuten Verengung, die medikamentös nicht zu beherrschen ist. Der Eingriff wird dann in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt, mit höchster Vorsicht für Mutter und Kind.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina in der Schwangerschaft ist es wichtig, auf Ihren Körper zu hören. Planen Sie Ihren Alltag mit ausreichend Pausen, vermeiden Sie schwere Lasten und starke körperliche Anstrengung. Lassen Sie sich bei Hausarbeit und anderen Belastungen helfen. Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Beschwerden – das hilft dem medizinischen Team.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie genug und legen Sie sich bei Bedarf tagsüber hin.
- Verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol vollständig.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber ohne sich zu erschöpfen – zum Beispiel Spaziergänge oder sanfte Schwangerschaftsgymnastik nach Absprache.
- Bleiben Sie in engem Kontakt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt und melden Sie jede Veränderung.
- Planen Sie die Geburt gemeinsam mit Ihrem medizinischen Team – manchmal ist eine Entbindung in einem Zentrum mit Herzüberwachung sinnvoll.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, magere Proteine und gesunde Fette. Reduzieren Sie Salz, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel. Bewegung in Maßen ist erlaubt und sogar förderlich – sprechen Sie aber vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Aktivitäten für Sie sicher sind. Geeignet sind meist Spaziergänge, sanftes Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Angina in der Schwangerschaft kann Ängste und Sorgen auslösen – sowohl um die eigene Gesundheit als auch um die des Babys. Das ist völlig normal. Scheuen Sie sich nicht, diese Gefühle anzusprechen. Ein offenes Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, Ihrer Hebamme oder einer psychologischen Beratungsstelle kann sehr entlastend wirken.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Angina lässt sich verhindern, besonders wenn eine Grunderkrankung vorliegt. Aber Sie können Ihr Risiko senken, indem Sie auf einen gesunden Lebensstil achten, bestehende Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes gut behandeln lassen und vor einer Schwangerschaft eine herzmedizinische Beratung einholen, falls Sie Risikofaktoren haben.
Früherkennungsprogramme
Ein Herz-Screening vor oder zu Beginn der Schwangerschaft kann sinnvoll sein, wenn Sie Risikofaktoren haben oder bereits Herzbeschwerden kannten. Lassen Sie sich von Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt beraten, ob eine solche Vorsorge für Sie in Frage kommt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Angina-Attacken, die häufiger oder stärker werden
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt) – sehr selten, aber möglich
- Herzrhythmusstörungen
- Belastung für das ungeborene Kind durch eine verminderte Sauerstoffversorgung (z. B. Wachstumsverzögerung)
- Frühgeburt oder notwendige Frühgeburt per Kaiserschnitt
Langzeitprognose
Bei guter medizinischer Betreuung haben die meisten Frauen mit Angina in der Schwangerschaft eine positive Prognose. Die Beschwerden klingen nach der Geburt oft ab, besonders wenn keine dauerhafte Herzerkrankung vorliegt. Mit einer engmaschigen Überwachung und der richtigen Behandlung können Mutter und Kind gesund bleiben. Ihr Behandlungsteam wird Sie durch die gesamte Schwangerschaft und die Zeit danach begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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