Leben mit Angina pectoris – ein Überblick für Betroffene
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris (kurz: Angina) ist ein medizinischer Fachbegriff für ein Engegefühl oder Schmerzen im Brustkorb. Die Ursache ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Herzmuskels. Meistens passiert das bei körperlicher Anstrengung oder großem Stress. Es ist ein Warnsignal des Herzens, dass es nicht genug Sauerstoff bekommt. Angina ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer Herzkranzgefäßverengung (koronare Herzkrankheit).
Wichtige Fakten
- Angina pectoris tritt meist als Druckschmerz oder Brennen hinter dem Brustbein auf.
- Die Beschwerden bessern sich oft nach einigen Minuten Ruhe oder durch ein schnell wirkendes Medikament (Nitrate, nur auf ärztliche Verschreibung).
- Angina ist ein Warnsignal, aber nicht immer ein Herzinfarkt. Dennoch sollte jeder Verdacht ärztlich abgeklärt werden.
- Mit einer gesunden Lebensweise und einer geeigneten Behandlung kann man die Beschwerden deutlich verringern.
Ja, Angina pectoris ist weit verbreitet. Etwa 3–4 % der Erwachsenen in Deutschland haben eine koronare Herzkrankheit, und Angina ist eines der häufigsten Symptome. Besonders bei Menschen über 65 Jahren tritt sie häufiger auf.
Angina betrifft vor allem Menschen mit Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, Diabetes, Bewegungsmangel oder einer familiären Vorbelastung. Männer sind im mittleren Alter häufiger betroffen, Frauen nach den Wechseljahren zunehmend.
Symptome
- Starke, länger als 5 Minuten anhaltende Brustschmerzen, die in Ruhe nicht nachlassen
- Plötzliche Atemnot mit Brustschmerz
- Schmerzen, die in den linken Arm, den Rücken oder den Kiefer ausstrahlen und von Übelkeit, Schweißausbruch oder Angst begleitet werden
- Bewusstlosigkeit oder plötzlicher Kreislaufkollaps
- ⚠Neu auftretende Brustschmerzen bei Belastung, die noch nicht ärztlich abgeklärt sind
- ⚠Verschlechterung einer bekannten Angina: die Schmerzen treten häufiger auf, sind stärker oder halten länger an (instabile Angina)
- ⚠Schmerzen, die erstmals in Ruhe auftreten
Häufige Symptome
- Druck- oder Engegefühl in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in den linken Arm, den Rücken, den Kiefer oder den Oberbauch ausstrahlen können
- Atemnot bei Belastung
- Übelkeit, Schweißausbrüche oder ein Schwächegefühl
- Die Beschwerden treten vor allem bei körperlicher Anstrengung, Kälte oder emotionalem Stress auf und lassen in Ruhe nach
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Arterienverkalkung (Atherosklerose). Dadurch gelangt bei Belastung zu wenig sauerstoffreiches Blut zum Herzmuskel.
- Verkrampfung (Spasmus) der Herzkranzgefäße, die den Blutfluss vorübergehend blockiert (seltenere Form).
Risikofaktoren
- Rauchen oder Passivrauchen
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel Fett, Zucker, wenig Ballaststoffe)
- Starker psychischer Stress
- Familiäre Vorbelastung (Herzkrankheiten bei Eltern oder Geschwistern)
- Männliches Geschlecht und höheres Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neu auftretende Brustschmerzen bei leichter Belastung oder in Ruhe – dann innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufsuchen oder die nächste Notaufnahme kontaktieren.
- Verschlechterung der bekannten Angina: die Schmerzen werden häufiger, stärker oder halten länger an.
- Begleitsymptome wie Atemnot, Ohnmachtsgefühl oder Schweißausbruch.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei gelegentlichen, vorhersehbaren Brustschmerzen unter Belastung, die nach Ruhe schnell verschwinden – einen Hausarzttermin zur Abklärung vereinbaren.
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette haben, sollten Sie regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.
- Nach einem ersten Angina-Anfall ist ein zeitnaher Arztbesuch (innerhalb weniger Tage) notwendig.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose anhand Ihrer Beschwerden, einer körperlichen Untersuchung und weiteren Tests. Zunächst werden Sie zu Ihren Symptomen, Risikofaktoren und Ihrer Krankengeschichte befragt. Danach folgen meist apparative Untersuchungen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Zeichnet die Herzströme auf. Ein Belastungs-EKG (auf dem Fahrrad) zeigt, ob unter Anstrengung Durchblutungsstörungen auftreten.
- Blutuntersuchung: Prüft Blutfette, Blutzucker, Herzenzyme und Entzündungswerte.
- Langzeit-EKG: Ein mobiles Gerät zeichnet das EKG für 24 Stunden auf, um Beschwerden im Alltag zu erfassen.
- Herzultraschall (Echokardiographie): Macht die Herzwände und Klappen sichtbar und zeigt die Pumpleistung.
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie): Ein dünner Schlauch wird über einen Blutgefäß bis zum Herzen geführt und die Herzkranzgefäße werden mit Kontrastmittel dargestellt. Diese Untersuchung wird nur bei eindeutigem Verdacht oder hohem Risiko durchgeführt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Abklärung erfolgt meist ambulant beim Kardiologen (Facharzt für Herzkrankheiten). Sie müssen für die Untersuchungen kein besonderes Vorbereitung treffen, außer bei einem Belastungs-EKG sollten Sie bequeme Kleidung tragen. Die Ergebnisse werden mit Ihnen besprochen, und gemeinsam wird ein Behandlungsplan erstellt.
Behandlung
Die Behandlung von Angina zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die Durchblutung des Herzens zu verbessern und das Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Sie besteht aus einer gesunden Lebensweise, Medikamenten und, falls nötig, einem Eingriff an den Herzkranzgefäßen. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Vorgehensweise festlegen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei einem Anfall sofort hinsetzen oder hinlegen, Ruhe bewahren und langsam und tief atmen.
- Vermeiden Sie starke Belastungen, Kälte oder emotionalen Stress, wenn diese Ihre Beschwerden auslösen.
- Ein Notfallplan mit Ihrem Arzt besprechen, z. B. wann und wie Sie schnell wirkende Medikamente (nur auf Rezept) einsetzen sollen.
- Führen Sie ein Beschwerdetagebuch: Notieren Sie, wann und bei welcher Tätigkeit die Angina auftritt und wie lange sie anhält. Das hilft Ihrem Arzt bei der Behandlung.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst verschiedene Wirkstoffgruppen, die vom Arzt individuell ausgewählt werden. Dazu gehören Mittel, die die Herzkranzgefäße erweitern und die Herzarbeit entlasten. Außerdem werden oft Medikamente verordnet, die das Blut verdünnen und die Blutfette senken. Die genaue Auswahl und Dosierung richtet sich nach Ihren Beschwerden und Risiken. Nehmen Sie die Medikamente genau wie verschrieben ein und fragen Sie bei Unsicherheiten Ihren Arzt oder Apotheker.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Verengung der Herzkranzgefäße sehr ausgeprägt ist oder auf Medikamente nicht ausreichend anspricht, kann ein Eingriff notwendig werden. Möglich sind eine Ballonaufdehnung mit Stenteinlage (perkutane Koronarintervention) oder eine Bypass-Operation. Ihr Kardiologe und Herzchirurg werden mit Ihnen die Vorteile und Risiken besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina können Sie weiterhin ein erfülltes Leben führen. Es erfordert aber ein gutes Selbstmanagement: Achten Sie auf Ihren Körper und lernen Sie, Warnsignale richtig zu deuten. Planen Sie Ihren Alltag mit ausreichenden Ruhepausen. Vermeiden Sie große körperliche Anstrengungen ohne Vorbereitung. Informieren Sie Ihre Angehörigen über Ihre Erkrankung und Ihren Notfallplan.
Tipps für den Alltag
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist der wichtigste Schritt für Ihre Herzgesundheit.
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen.
- Ausreichend schlafen und Überlastung vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung, aber immer langsam steigern und nach ärztlicher Rücksprache.
- Gewicht normalisieren.
- Bluthochdruck und Blutzucker gut einstellen.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung ist unverzichtbar: viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, ungesättigte Fette (z. B. aus Olivenöl, Nüssen) und wenig rotes Fleisch, Zucker und Salz. Bewegen Sie sich regelmäßig, z. B. 30 Minuten zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen an den meisten Tagen der Woche. Besprechen Sie ein Übungsprogramm mit Ihrem Arzt – ein Belastungs-EKG kann die sichere Trainingsintensität bestimmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Angina kann Angst auslösen – viele Betroffene machen sich Sorgen vor einem Herzinfarkt. Diese Ängste sind ernst zu nehmen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Bedenken. Manchmal kann eine psychologische Beratung helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen (z. B. in Selbsthilfegruppen) kann entlastend wirken. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder Angststörungen suchen Sie bitte einen Psychotherapeuten auf.
Vorbeugung
Sie können das Risiko für Angina deutlich senken, indem Sie auf einen gesunden Lebensstil achten: nicht rauchen, sich viel bewegen, gesund essen, Stress vermeiden und Bluthochdruck sowie Blutfette kontrollieren lassen. Auch wenn die Veranlagung vererbt sein kann, haben Sie durch Ihre Lebensweise einen großen Einfluss.
Impfungen
Impfungen wie die Grippeimpfung oder die COVID-19-Impfung werden auch für Menschen mit Herzkrankheiten empfohlen, da Infekte das Herz belasten können. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Risikofaktoren (z. B. Raucher, Diabetiker, Bluthochdruck) empfehlen die AWMF-Leitlinien regelmäßige ärztliche Kontrollen, inklusive Blutdruckmessung, Blutfettprofil und Blutzucker. Ab dem 35. Lebensjahr zahlt die gesetzliche Krankenkasse alle drei Jahre einen Gesundheitscheck (Check-up 35).
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Wenn ein verengtes Gefäß ganz verschließt, kann Herzmuskelgewebe absterben.
- Herzrhythmusstörungen, die gefährlich werden können.
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) durch dauerhafte Minderdurchblutung.
- Stabile Angina kann sich zu einer instabilen Angina entwickeln, die ein Notfall ist.
Langzeitprognose
Die Prognose der Angina ist heute sehr gut, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. Viele Menschen leben jahrelang beschwerdearm mit einer stabilen Angina. Durch die Kombination aus Lebensstiländerungen, Medikamenten und ggf. Eingriffen kann das Risiko für schwerwiegende Komplikationen deutlich gesenkt werden. Mit einer guten Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt und eigenverantwortlichem Handeln ist ein aktives und zufriedenes Leben möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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