Benign Prostatic Hyperplasia (BPH)
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Die Prostata ist eine kleine Drüse, die beim Mann unterhalb der Blase sitzt und die Harnröhre umschließt. Wenn sie größer wird, kann sie die Harnröhre zusammendrücken und das Wasserlassen erschweren.
Wichtige Fakten
- BPH ist keine Krebserkrankung und erhöht nicht das Risiko für Prostatakrebs.
- Bei BPH ist die Prostata vergrößert, aber die Zellen sind gutartig.
- Die Beschwerden können durch einfache Maßnahmen und Behandlungen oft gut gelindert werden.
Ja, BPH ist sehr häufig. Etwa die Hälfte aller Männer über 50 Jahre hat eine vergrößerte Prostata. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit weiter an.
BPH betrifft vor allem Männer ab dem 40. Lebensjahr. Mit 60 Jahren hat etwa jeder zweite Mann eine vergrößerte Prostata, mit 80 Jahren sogar etwa 90 von 100 Männern.
Symptome
- Sie können überhaupt nicht mehr urinieren (Harnverhalt).
- Starke Schmerzen im Unterbauch oder im Bereich der Blase.
- Blut im Urin, das sichtbar ist oder mit Schmerzen einhergeht.
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, möglicherweise Anzeichen einer Harnwegsinfektion.
- ⚠Fieber und Schüttelfrost zusammen mit Beschwerden beim Wasserlassen.
- ⚠Plötzliche Verschlechterung der Symptome innerhalb weniger Tage.
Häufige Symptome
- Häufiger Harndrang, vor allem nachts
- Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
- Schwierigkeiten, mit dem Wasserlassen zu beginnen
- Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen
- Das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können
- Plötzlicher, starker Harndrang, der schwer zu kontrollieren ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern können die Symptome stärker ausgeprägt sein, weil die Prostata mit dem Alter weiter wächst.
- Auch die Blasenfunktion lässt im Alter nach, was die Beschwerden verstärken kann.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass hormonelle Veränderungen im Alter eine wichtige Rolle spielen.
- Mit zunehmendem Alter verändert sich das Verhältnis von Testosteron zu Östrogen, was das Wachstum der Prostata fördern kann.
Risikofaktoren
- Alter – das Risiko steigt ab 40 Jahren deutlich.
- Familiäre Veranlagung – wenn der Vater oder Bruder BPH hatte, ist das Risiko erhöht.
- Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Eine ungesunde Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenig Gemüse.
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie überhaupt nicht urinieren können (Notfall – sofort den Notruf 112 wählen).
- Bei Blut im Urin oder starken Schmerzen.
- Wenn Sie Fieber und Schüttelfrost haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie häufiger oder nachts mehrmals auf die Toilette müssen.
- Wenn der Harnstrahl schwächer wird oder das Wasserlassen mühsam ist.
- Wenn Sie das Gefühl haben, die Blase nicht richtig entleeren zu können.
Diagnose
Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese) und nach Ihren Beschwerden fragen. Außerdem wird er eine körperliche Untersuchung durchführen, die meist eine Tastuntersuchung der Prostata über den After umfasst. Diese ist kurz und hilft, Größe und Beschaffenheit der Prostata zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung (Urin-Stix oder Urinkultur) – um eine Harnwegsinfektion auszuschließen.
- Blutuntersuchung (PSA-Wert) – um Hinweise auf Prostatakrebs zu erhalten.
- Ultraschalluntersuchung der Prostata und der Nieren – oft auch über den After, um die Größe genau zu messen.
- Harnflussmessung (Uroflowmetrie) – misst die Stärke des Harnstrahls.
- Restharnmessung – prüft, wie viel Urin nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt.
- Fragebögen, z. B. der IPSS (International Prostate Symptom Score), um die Beschwerden zu bewerten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel 20–30 Minuten und sind meist nicht schmerzhaft. Sie werden hinterher direkt mit Ihrem Arzt über die Ergebnisse und mögliche nächste Schritte sprechen. Falls nötig, werden Sie an einen Facharzt für Urologie überwiesen. Die aktuellen Leitlinien der AWMF empfehlen, alle Männer mit Beschwerden umfassend zu untersuchen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. Bei leichten Symptomen reicht oft eine abwartende Haltung mit regelmäßigen Kontrollen. Bei stärkeren Beschwerden gibt es Medikamente, die die Prostata verkleinern oder die Muskulatur der Harnröhre entspannen. In fortgeschrittenen Fällen kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Option für Sie am besten geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend über den Tag verteilt, aber vermeiden Sie große Mengen auf einmal.
- Reduzieren Sie koffeinhaltige Getränke (Kaffee, schwarzer Tee), Alkohol und scharfe Speisen – sie können die Blase reizen.
- Gehen Sie rechtzeitig zur Toilette und vermeiden Sie es, den Harndrang zu unterdrücken.
- Achten Sie auf regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht.
- Vermeiden Sie Verstopfung, da ein voller Darm die Prostata zusätzlich belasten kann.
- Führen Sie ein Blasentagebuch, um Beschwerden besser zu erfassen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die helfen können: Alpha-Blocker entspannen die Muskulatur an Harnröhre und Prostata, sodass der Urin besser abfließen kann. 5α-Reduktasehemmer können die Prostata über Monate hinweg verkleinern. Kombinationspräparate werden manchmal eingesetzt. Auch pflanzliche Mittel werden in Deutschland häufig verwendet (z. B. Kürbiskern- oder Sägepalmenextrakt), allerdings ist die wissenschaftliche Beleglage unterschiedlich. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein Medikament einnehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn die Beschwerden trotz Medikamenten sehr stark sind, wenn die Nieren geschädigt werden, wenn wiederholt Harnverhalt auftritt oder wenn Sie wiederholt Blasensteine oder Harnwegsinfektionen haben. Die häufigste Operation ist die transurethrale Resektion der Prostata (TURP), bei der überschüssiges Prostata-Gewebe durch die Harnröhre entfernt wird. Auch Laser-Verfahren werden eingesetzt. Ihr Urologe wird mit Ihnen die Vor- und Nachteile besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Mit BPH zu leben heißt, auf die Signale Ihres Körpers zu achten. Planen Sie Toilettenpausen ein, besonders auf Reisen. Tragen Sie keine zu engen Hosen oder Gürtel, die auf den Unterbauch drücken. Wichtig ist, dass Sie sich nicht einschränken lassen. Mit der richtigen Behandlung können die meisten Männer ihren Alltag wie gewohnt gestalten.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie über den Tag verteilt, aber reduzieren Sie die Flüssigkeitsaufnahme am Abend, um nächtlichen Harndrang zu vermeiden.
- Vermeiden Sie blasenreizende Getränke wie Kaffee, Alkohol und kohlensäurehaltige Softdrinks.
- Halten Sie Ihr Gewicht im Normalbereich – Überdruck im Bauchraum belastet die Blase.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – Rauchen verschlimmert die Durchblutung und kann die Beschwerden verstärken.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig rotem Fleisch und gesättigten Fetten kann helfen. Regelmäßige Bewegung, wie Spazierengehen oder Schwimmen, fördert die Durchblutung und kann die Beschwerden lindern. Achten Sie auf eine gute Flüssigkeitsbilanz, aber trinken Sie nicht zu viel auf einmal.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
BPH kann belastend sein, besonders wenn die Symptome den Schlaf stören oder die Lebensqualität beeinträchtigen. Das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen, kann zu Frustration und sozialem Rückzug führen. Es ist wichtig, mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen darüber zu sprechen. Manchmal hilft es auch, sich in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen.
Vorbeugung
Eine vollständige Verhinderung von BPH ist nicht möglich, aber ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken und den Verlauf positiv beeinflussen. Dazu gehören ein normales Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Rauchen. Auch die Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes ist wichtig.
Impfungen
Für BPH gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine flächendeckende Vorsorgeuntersuchung speziell für BPH. Männer ab 45 Jahren haben jedoch Anspruch auf die jährliche Krebsfrüherkennung beim Urologen, die auch eine Tastuntersuchung der Prostata umfasst. Dabei kann eine eventuelle Vergrößerung frühzeitig erkannt werden. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, ob und wann eine solche Untersuchung für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Akuter Harnverhalt – plötzliches Unvermögen zu urinieren, ein Notfall.
- Wiederholte Harnwegsinfektionen.
- Blasensteine durch unvollständige Entleerung.
- Schädigung der Nieren durch Rückstau des Urins (Hydronephrose).
- Blut im Urin (Hämaturie).
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: BPH ist gut behandelbar. Mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten – von einfachen Verhaltensänderungen über Medikamente bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen – können die Beschwerden fast immer deutlich gelindert werden. Regelmäßige Kontrollen und eine gute Kommunikation mit Ihrem Arzt sind der Schlüssel. Die meisten Männer können trotz BPH ein aktives und erfülltes Leben führen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) ↗ · Deutschland
- Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ↗ · Deutschland
- Patientenleitlinie Benigne Prostatahyperplasie (AWMF) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.