Kidney Stones
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Renal and ureteric stones. NG118(2021)
- NHS—Kidney stones(2023)
- AUA—Surgical management of stones(2022)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind kleine, harte Ablagerungen aus Mineralien und Salzen, die sich in den Nieren bilden. Sie können wie kleine Kieselsteine oder Sandkörner aussehen. Wenn sie durch die Harnwege wandern, können sie starke Schmerzen verursachen.
Wichtige Fakten
- Nierensteine sind bei Erwachsenen weit verbreitet – etwa jeder zehnte Mensch bekommt irgendwann einmal einen Stein.
- Die meisten Steine sind klein und gehen von selbst ab, vor allem mit viel Trinken.
- Große oder festsitzende Steine können behandelt werden, zum Beispiel mit Stoßwellen oder einer Spiegelung.
Ja, Nierensteine sind eine häufige Erkrankung. In Deutschland leiden etwa 5 von 100 Menschen mindestens einmal im Leben daran. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Nierensteine können in jedem Alter auftreten, am häufigsten aber zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen (wie Gicht oder chronischen Harnwegsinfekten) sowie Personen mit familiärer Vorbelastung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche, unerträgliche Schmerzen im Bauch oder Rücken, die nicht nachlassen.
- Fieber und Schüttelfrost (Hinweis auf eine Nierenbeckenentzündung).
- Blut im Urin, das sehr stark ist oder mit Schockzeichen (Blässe, Schwitzen, Herzrasen) einhergeht.
- ⚠Anhaltende Schmerzen, die mit Schmerzmitteln nicht besser werden.
- ⚠Übelkeit und Erbrechen, sodass Sie nichts mehr bei sich behalten.
- ⚠Weniger oder gar kein Urin über mehrere Stunden.
- ⚠Zeichen einer Blasenentzündung (Brennen beim Wasserlassen, trüber Urin) zusammen mit Rückenschmerzen.
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen im unteren Rücken oder in der Seite, oft wellenförmig (sogenannte Koliken).
- Schmerzen, die in den Unterleib oder in die Leiste ausstrahlen können.
- Übelkeit und Erbrechen.
- Blut im Urin (rötliche oder bräunliche Färbung).
- Häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen.
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen ohne klare Erklärung.
- Übelkeit oder Erbrechen.
- Blut im Urin (oft erst sichtbar beim Toilettengang).
- Unruhe oder Weinen beim Wasserlassen bei Kleinkindern.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die klassischen kolikartigen Schmerzen können schwächer sein oder fehlen.
- Stattdessen oft unspezifische Rückenschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl oder Verwirrtheit.
- Häufiger Harnwegsinfekt ohne erkennbare Ursache.
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig trinken – ein konzentrierter Urin begünstigt die Kristallbildung.
- Eine Ernährung mit viel Salz, tierischem Eiweiß oder oxalatreichen Lebensmitteln (z. B. Rhabarber, Spinat, Nüsse).
- Stoffwechselstörungen wie ein erhöhter Kalzium- oder Harnsäurespiegel im Blut.
- Bestimmte Medikamente oder chronische Harnwegsinfekte können das Risiko erhöhen.
Risikofaktoren
- Familiäre Veranlagung – wenn nahe Verwandte Nierensteine haben, ist das Risiko höher.
- Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Erkrankungen wie Gicht, Diabetes oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
- Operationen am Darm oder eine künstliche Darmausleitung (Stoma).
- Einnahme von bestimmten Medikamenten (ohne Namensnennung: einige Mittel gegen HIV, Epilepsie oder hohen Blutdruck).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie starke Schmerzen im Rücken oder Bauch haben, bis in die Leiste ausstrahlen.
- Wenn Fieber und Schüttelfrost dazukommen.
- Wenn Sie Blut im Urin sehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Nierensteine hatten oder der Verdacht auf einen Stein besteht, der nicht abgeht.
- Bei begleitenden Harnwegsinfekten.
- Wenn Sie Risikofaktoren für Nierensteine haben und eine Beratung wünschen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Urologen oder einer Urologin gestellt. Dazu gehören eine ausführliche Befragung, eine körperliche Untersuchung und verschiedene bildgebende Verfahren. Auch eine Urin- und Blutuntersuchung gibt Aufschluss über mögliche Ursachen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonographie) der Nieren und Harnwege – zeigt Steine und eventuelle Stauungen.
- Röntgenuntersuchung (sogenannte Leeraufnahme) – erfasst kalziumhaltige Steine.
- Computertomographie (CT) – sehr genaue Darstellung, auch kleiner Steine.
- Urintest auf Blut, Infektzeichen oder Kristalle.
- Blutuntersuchung auf Nierenwerte (Kreatinin, Harnsäure, Kalzium).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und ambulant durchführbar. Vielleicht müssen Sie vor dem Ultraschall eine volle Blase haben. Bei einer CT kann es sein, dass Sie ein Kontrastmittel bekommen – das ist unbedenklich. Alle Ergebnisse werden mit Ihnen besprochen und in Ihren Patientenunterlagen festgehalten.
Behandlung
Die Behandlung von Nierensteinen hängt von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins ab. Kleine Steine (unter 5 mm) gehen oft von selbst ab – unterstützend werden viel Trinken und Bewegung empfohlen. Größere oder festsitzende Steine können mit verschiedenen Verfahren zertrümmert oder entfernt werden. Die Wahl der Behandlung wird gemeinsam mit dem Urologen oder der Urologin getroffen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel Wasser oder ungesüßten Kräutertee – mindestens 2 bis 3 Liter pro Tag (außer bei Herz- oder Nierenschwäche).
- Bewegen Sie sich regelmäßig, z. B. Spazierengehen oder Treppensteigen, das kann den Abgang eines kleinen Steins fördern.
- Bei leichten Schmerzen helfen Wärme (Wärmflasche auf dem Rücken) oder ein warmes Bad.
- Verzichten Sie auf sehr salzige Speisen und reduzieren Sie tierische Eiweiße.
Medizinische Behandlungen
Bei Schmerzen können Schmerzmittel eingesetzt werden, die der Arzt oder die Ärztin verschreibt (z. B. nicht-steroidale Antirheumatika, entzündungshemmend und schmerzlindernd). Manchmal werden auch Medikamente gegeben, die die Harnwege entspannen oder den Urin verändern sollen – das hängt von der Steinart ab. Eine genaue Medikamentenberatung ist Aufgabe des Fachpersonals.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Eingriff kann nötig sein, wenn der Stein zu groß ist, um von selbst abzugehen (über etwa 5 mm), er stecken bleibt und die Niere staut, oder wenn starke Schmerzen oder eine Infektion nicht beherrschbar sind. Mögliche Verfahren sind die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL), bei der Steine von außen zertrümmert werden, oder die Ureterorenoskopie (URS), bei der der Stein mit einem dünnen Endoskop über die Harnröhre entfernt wird. In seltenen Fällen ist eine Operation über einen kleinen Schnitt nötig – dies wird jedoch immer seltener.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Steinabgang oder einer Behandlung können die Beschwerden schnell nachlassen. Manchmal verbleiben kleine Steinfragmente, die später noch abgehen können. Achten Sie auf genügend Flüssigkeit und melden Sie sich bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn wieder Schmerzen auftreten.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie gleichmäßig über den Tag verteilt – am besten Wasser oder ungesüßte Tees.
- Reduzieren Sie Salz in der Nahrung (z. B. weniger Fertiggerichte, Chips, Wurst).
- Essen Sie nicht zu viel tierisches Eiweiß – fleischreiche Mahlzeiten eher einschränken.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht – Überabbau ist hilfreich.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, dazu regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren – das hilft nicht nur den Nieren, sondern dem ganzen Körper. Bei bestimmten Steinarten kann eine spezielle Ernährungsberatung sinnvoll sein. Besprechen Sie dies mit Ihrem Urologen oder Ihrer Urologin.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nierensteine können sehr schmerzhaft sein und Angst machen. Die immer wiederkehrenden Koliken belasten viele Menschen. Auch die Sorge vor einem erneuten Stein kann den Alltag beeinträchtigen. Es ist völlig in Ordnung, sich dabei überfordert zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber zu sprechen – auch psychologische Unterstützung kann helfen.
Vorbeugung
Ja, mit einem gesunden Lebensstil lässt sich das Risiko für Nierensteine deutlich senken. Trinken Sie ausreichend, ernähren Sie sich ausgewogen mit wenig Salz und tierischem Eiweiß, und bewegen Sie sich regelmäßig. Menschen mit wiederholten Steinen können zusätzlich von einer individuellen Beratung profitieren (z. B. durch Urinkontrollen oder eine Steinanalyse).
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Nierensteine. Vorbeugung erfolgt durch Lebensstil und gegebenenfalls medikamentöse Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung.
Früherkennungsprogramme
Für die Allgemeinbevölkerung wird kein routinemäßiges Screening auf Nierensteine empfohlen. Bei Personen mit hohem Risiko (z. B. familiäre Veranlagung, wiederholte Steine) kann ein Arzt oder eine Ärztin regelmäßige Kontrolluntersuchungen (z. B. einmal jährlich Ultraschall und Urintest) vorschlagen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Harnstauung – der Stein blockiert den Harnleiter, die Niere staut sich und kann dadurch Schaden nehmen.
- Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) – ein aufgestauter Urin begünstigt Infektionen, die im schlimmsten Fall auf das Blut übergehen (Urosepsis).
- Langfristige Nierenschädigung oder chronische Nierenschwäche bei dauerhaftem Verschluss.
- Wiederkehrende Koliken und Schmerzen.
Langzeitprognose
Die allermeisten Nierensteine können erfolgreich behandelt werden, sodass die Nierenfunktion erhalten bleibt. Ohne Behandlung können jedoch Komplikationen auftreten. Mit der richtigen Vorbeugung und Begleitung durch Ihren Arzt oder Ihre Ärztin haben Sie sehr gute Chancen, langfristig beschwerdefrei zu bleiben. Lassen Sie sich immer medizinisch beraten – Ihre Nieren danken es Ihnen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Nierenstiftung ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.