Coeliac disease living in older adults
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Zöliakie (auch glutenbedingte Enteropathie genannt) ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das körpereigene Abwehrsystem greift die Dünndarmschleimhaut an, wenn Gluten verzehrt wird. Gluten ist ein Eiweiß, das in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Der Angriff führt zu Entzündungen und Schäden an der Darmschleimhaut, was die Aufnahme von Nährstoffen erschwert.
Wichtige Fakten
- Zöliakie ist nicht heilbar, aber mit einer streng glutenfreien Ernährung gut zu behandeln.
- Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch erst im höheren Alter.
- Unbehandelt kann Zöliakie zu langfristigen Gesundheitsproblemen führen, zum Beispiel Knochenschwund oder Nährstoffmangel.
Zöliakie betrifft etwa 1 von 100 Menschen. Viele wissen jedoch nicht, dass sie betroffen sind, besonders ältere Menschen werden oft nicht erkannt.
Zöliakie kann Menschen jeden Alters betreffen. Bei älteren Erwachsenen wird die Erkrankung oft erst spät entdeckt, weil die Symptome unspezifisch sein können, wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen.
Symptome
- Schwere Durchfälle mit starkem Flüssigkeitsverlust, die zu Schwäche oder Verwirrtheit führen
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Schnell auftretende, ungewollte starke Gewichtsabnahme
- Anzeichen einer Dehydrierung wie trockene Haut, verminderter Urin, Schwindel
- ⚠Anhaltende, blutige Durchfälle
- ⚠Erbrechen, das das Trinken verhindert
- ⚠Ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwächegefühl im Alltag
Häufige Symptome
- Durchfall
- Blähungen
- Bauchschmerzen
- Müdigkeit
- Gewichtsverlust
- Appetitlosigkeit
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen
- Erbrechen
- Blässe
- chronische Müdigkeit
- Aufmerksamkeitsstörungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Knochenschmerzen oder Knochenschwund (Osteoporose)
- Blutarmut (Anämie)
- Depressive Verstimmungen
- Hautausschlag (Dermatitis herpetiformis – juckende Bläschen hauptsächlich an Ellenbogen, Knien und Gesäß)
- Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen (Nervenschäden)
- Wechselnde oder gar keine Magen-Darm-Beschwerden
Ursachen
Hauptursachen
- Zöliakie wird durch das Gluten-Eiweiß in Weizen, Gerste und Roggen ausgelöst.
- Die Erkrankung ist erblich bedingt – bestimmte Genvarianten (HLA-DQ2/DQ8) erhöhen das Risiko.
- Manchmal wird Zöliakie erst durch ein anderes Ereignis ausgelöst, zum Beispiel eine schwere Infektion, eine Operation oder die Einnahme bestimmter Medikamente.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Eltern, Geschwister oder Kinder mit Zöliakie)
- Bestimmte genetische Marker (HLA-DQ2/DQ8)
- Andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen
- Down-Syndrom oder Turner-Syndrom
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Bauchschmerzen, blutigen Stuhl oder unkontrollierten Durchfall mit Flüssigkeitsverlust haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf oder rufen Sie den Notruf 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen haben
- Wenn Sie unerklärlich müde sind, abnehmen oder Knochenschmerzen haben
- Wenn ein naher Verwandter Zöliakie hat und Sie selbst Symptome bemerken
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologen) gestellt. Zunächst wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, um bestimmte Antikörper (Eiweiße des Immunsystems) nachzuweisen. Wenn diese erhöht sind, wird meist eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen (Darmspiegelung mit Biopsie), um die Schädigung der Darmschleimhaut zu bestätigen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Zöliakie-Antikörper (z. B. tTG-IgA)
- Darmspiegelung mit Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Zwölffingerdarm
- Gentest auf HLA-DQ2/DQ8 (nur in unklaren Fällen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für die Blutuntersuchung muss weiterhin glutenhaltig gegessen werden. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie viel Gluten Sie vor den Tests zu sich nehmen müssen. Die Darmspiegelung wird unter einer leichten Betäubung durchgeführt. Nach der Diagnose werden Sie zu einer Ernährungsberatung überwiesen, um die glutenfreie Ernährung zu erlernen.
Behandlung
Die einzige wirksame Behandlung der Zöliakie ist die lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Das bedeutet, alle Lebensmittel zu meiden, die Weizen, Gerste, Roggen oder deren Zutaten enthalten. Sobald Sie Gluten meiden, heilt die Darmschleimhaut aus, und die Beschwerden klingen ab. Eine medikamentöse Therapie ist nicht erforderlich. Ihr Arzt kann Ihnen bei Nährstoffmangel entsprechende Präparate empfehlen – fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker.
Selbsthilfe zu Hause
- Entfernen Sie alle glutenhaltigen Lebensmittel aus Ihrer Küche
- Achten Sie beim Einkauf auf das Label „glutenfrei“ oder das durchgestrichene Ähren-Symbol
- Vermeiden Sie Kreuzkontamination: Nutzen Sie separate Schneidebretter, Toaster und Siebe für glutenfreie Produkte
- Informieren Sie sich über glutenfreie Alternativen in Restaurants, bei Verwandten oder auf Reisen
- Führen Sie ein Ernährungstagebuch, wenn Sie unsicher sind
Medizinische Behandlungen
Bei Zöliakie stehen keine Medikamente zur Heilung zur Verfügung. In einigen Fällen kann eine zusätzliche Behandlung von Nährstoffmängeln (z. B. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure) notwendig sein. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob und in welcher Form Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollten. Bei Komplikationen, wie einem schweren Vitaminmangel, kann eine vorübergehende intravenöse Nährstoffzufuhr in der Klinik nötig sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Zöliakie in der Regel nicht erforderlich. Nur in seltenen Fällen, wenn ein schwerer Darmverschluss oder eine Darmperforation auftritt (beides sehr selten) könnte ein chirurgischer Eingriff nötig sein.
Leben mit der Erkrankung
Mit Zöliakie können Sie ein vollwertiges Leben führen. Der wichtigste Schritt ist, Ihre Ernährung konsequent glutenfrei umzustellen. Anfangs erfordert das etwas Übung und Aufmerksamkeit. Viele Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Reis, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind von Natur aus glutenfrei. Es gibt inzwischen viele glutenfreie Ersatzprodukte. Nehmen Sie sich Zeit, die Umstellung zu lernen.
Tipps für den Alltag
- Lesen Sie immer die Zutatenliste von verarbeiteten Lebensmitteln
- Planen Sie Ihre Mahlzeiten voraus, besonders unterwegs
- Informieren Sie Ihr Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) über Ihre Ernährungsbedürfnisse
- Suchen Sie den Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, glutenfreie Ernährung ist wichtig. Achten Sie besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen (z. B. aus Reis, Mais, Quinoa, Buchweizen, Hafer, sofern dieser glutenfrei zertifiziert ist). Regelmäßige Bewegung, vor allem an der frischen Luft, hilft, die Knochengesundheit zu stärken und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Knochendichtemessung sinnvoll ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung kann anfangs belastend sein. Manche Menschen fühlen sich unsicher oder isoliert, besonders wenn sie auswärts essen. Auch eine unentdeckte Zöliakie kann zu Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen führen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder suchen Sie psychologische Unterstützung, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre seelische Gesundheit leidet. In akuten Krisen wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder die Telefonseelsorge unter der kostenfreien Nummer 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Rufen Sie im Notfall 112.
Vorbeugung
Zöliakie kann nicht verhindert werden, da sie genetisch bedingt ist. Wenn Sie jedoch eine familiäre Vorbelastung haben und erste Symptome bemerken, kann eine frühzeitige Diagnose helfen, Langzeitschäden zu vermeiden. Aktuelle Leitlinien (AWMF) empfehlen bei Risikogruppen ein Screening.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit erhöhtem Risiko (z. B. bei ersten Verwandten mit Zöliakie, bei Typ-1-Diabetes oder Down-Syndrom) kann ein Bluttest auf Zöliakie-Antikörper sinnvoll sein, auch wenn keine Symptome bestehen. Dies sollte mit einem Arzt besprochen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schädigung der Dünndarmschleimhaut mit Mangelernährung
- Osteoporose (Knochenschwund) mit erhöhtem Bruchrisiko
- Blutarmut und Eisenmangel
- Verzögerte Wundheilung
- Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen des Darms (sehr selten)
- Nervenschäden (Neuropathie) mit Taubheitsgefühl oder Schmerzen
- Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten bei Frauen im gebärfähigen Alter
Langzeitprognose
Mit einer strikten glutenfreien Ernährung verbessert sich der Zustand in der Regel rasch. Die Darmschleimhaut heilt, Beschwerden klingen ab und das Risiko für Langzeitkomplikationen sinkt deutlich. Die Prognose ist insgesamt sehr gut. Viele Menschen mit Zöliakie führen ein gesundes und aktives Leben ohne Einschränkungen. Bleiben Sie in regelmäßiger ärztlicher Kontrolle.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.