Diabetic foot screening
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die diabetische Fußuntersuchung (Fuß-Screening) ist eine regelmäßige Kontrolle der Füße bei Menschen mit Diabetes. Dabei sucht der Arzt oder die Ärztin nach frühen Anzeichen von Nervenschäden (Neuropathie), Durchblutungsstörungen oder Hautveränderungen. Ziel ist es, Fußprobleme früh zu erkennen und ernste Komplikationen wie Fußgeschwüre oder Amputationen zu verhindern.
Wichtige Fakten
- Jährlich sollten alle Menschen mit Diabetes mindestens einmal ihre Füße untersuchen lassen.
- Etwa jeder vierte Mensch mit Diabetes entwickelt im Laufe des Lebens ein Fußgeschwür.
- Eine rechtzeitige Fußuntersuchung kann Amputationen in vielen Fällen verhindern.
Ja, diabetische Fußprobleme treten relativ häufig auf. In Deutschland sind etwa 1–4 % der Menschen mit Diabetes von einem Fußgeschwür betroffen. Regelmäßige Vorsorge ist daher sehr wichtig.
Das Diabetische Fußsyndrom betrifft vor allem Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, besonders solche, die schon länger an Diabetes erkrankt sind oder ihren Blutzucker schlecht einstellen. Auch Raucher und Menschen mit Bluthochdruck oder erhöhten Blutfetten haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Schwellung, Rötung und Überwärmung eines Fußes oder Beins
- Offene Wunde mit Eiter, üblem Geruch oder Fieber – Verdacht auf schwere Infektion (Fußpilz, Geschwür)
- Schwarz verfärbte Zehen oder Hautflecken – Zeichen für Gewebetod (Nekrose)
- Akute Durchblutungsstörung: Fuß wird blass, kalt und schmerzhaft – sofort 112 rufen!
- ⚠Jede neu aufgetretene Wunde am Fuß, die innerhalb von 2 Tagen nicht abheilt
- ⚠Starke Schmerzen im Fuß ohne sichtbare Verletzung
- ⚠Blasen oder Druckstellen nach neuem Schuhwerk, die sich entzünden
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln, das sich innerhalb weniger Stunden verschlechtert
Häufige Symptome
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Füßen
- Schmerzen oder Brennen in den Füßen, besonders in Ruhe
- Trockene, rissige Haut an den Füßen
- Schwielen oder Hühneraugen an ungewöhnlichen Stellen
- Veränderte Fußform (z. B. Hammerzehen, Senkfuß)
- Rötungen, Schwellungen oder Wärmegefühl an einer Stelle
Symptome bei Kindern
- Kinder mit Diabetes können ebenfalls Nervenschäden entwickeln, oft aber ohne spürbare Symptome.
- Achten Sie auf Veränderungen im Gangbild oder Schonhaltung beim Laufen.
- Klagen über Schmerzen in den Beinen oder Füßen sollten ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft eingeschränkte Beweglichkeit und können Fußverletzungen oder Druckstellen schlechter selbst bemerken.
- Hautveränderungen wie Rötungen, Blasen oder offene Stellen an den Füßen sind ernst zu nehmen.
- Verschlechterung des Gleichgewichts oder Gangunsicherheit kann durch Fußprobleme mitverursacht werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Nervenschädigung (Polyneuropathie) durch dauerhaft erhöhten Blutzucker – führt zu Taubheit und vermindertem Schmerzempfinden
- Durchblutungsstörungen der Beine und Füße (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK)
- Hautveränderungen und verminderte Immunabwehr, die Infektionen begünstigen
Risikofaktoren
- Langjähriger Diabetes (mehr als 10 Jahre)
- Schlecht eingestellter Blutzucker (hoher HbA1c-Wert)
- Rauchen
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfette
- Übergewicht (Adipositas)
- Vorherige Fußgeschwüre oder Amputationen
- Fehlstellungen der Füße (z. B. Knick-Senk-Fuß, Hammerzehen)
- Eingeschränkte Sehfähigkeit oder eingeschränkte Beweglichkeit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei offenen Wunden, Rötung, Schwellung oder Eiter am Fuß
- Bei plötzlicher Veränderung der Fußfarbe (blau, schwarz, weiß)
- Bei unerträglichen Schmerzen oder völligem Gefühlsverlust im Fuß
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal jährlich eine diabetische Fußuntersuchung vereinbaren.
- Bei bekanntem Risiko (z. B. vorherige Geschwüre) alle 3–6 Monate zur Kontrolle gehen.
- Auch ohne Beschwerden ist ein jährliches Screening empfehlenswert.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine gründliche Untersuchung der Füße durch einen Arzt oder eine speziell geschulte Fachkraft (z. B. Diabetologe, Podologe). Dabei werden Haut, Nägel, Durchblutung und Nervenfunktion geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Inspektion der Füße: Hautfarbe, Schwellungen, Rötungen, Druckstellen, Risse oder Wunden werden begutachtet.
- Tastuntersuchung: Der Arzt tastet die Fußpulse und prüft die Fußtemperatur.
- Monofilament-Test: Mit einem dünnen Nylonfaden wird die Druckempfindung auf der Fußsohle getestet.
- Stimmgabel-Test: Eine schwingende Stimmgabel wird auf die Knöchel gesetzt, um das Vibrationsempfinden zu messen.
- Neurologische Untersuchung: Reflexe und Berührungsgefühl werden überprüft.
- Doppler-Ultraschall: Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen wird die Blutströmung gemessen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 10–20 Minuten. Sie müssen Ihre Schuhe und Socken ausziehen. Der Arzt wird Ihre Füße genau ansehen und verschiedene Tests durchführen. Manche Tests können ein leichtes Kribbeln verursachen, sind aber nicht unangenehm. Nach der Untersuchung bespricht der Arzt das Ergebnis mit Ihnen und gibt gegebenenfalls Empfehlungen zur weiteren Vorsorge.
Behandlung
Die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Ziel ist es, Wunden zu heilen, Nervenschäden zu lindern und die Durchblutung zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Diabetologe, Podologe und ggf. Chirurgen ist wichtig.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliche Fußpflege: Füße mit lauwarmem Wasser waschen, weich abtrocknen (besonders zwischen den Zehen), rückfettende Creme auftragen.
- Tägliche Inspektion: Füße und Zehenzwischenräume mit einem Spiegel oder Hilfe einer anderen Person auf Rötungen, Blasen, Risse oder Druckstellen kontrollieren.
- Geeignetes Schuhwerk: Weiche, gut sitzende Schuhe mit flachem Absatz und ausreichend Platz für die Zehen tragen. Keine engen oder spitzen Schuhe.
- Druckstellen vermeiden: Schuhe vor dem Anziehen auf Fremdkörper prüfen, keine harten Sohlen oder zu hohe Absätze.
- Fußpilz vorbeugen: In öffentlichen Bädern Badeschuhe tragen, Socken täglich wechseln.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst Maßnahmen wie die Optimierung der Blutzuckereinstellung (durch Ernährung, Bewegung und Medikamente), Behandlung von Durchblutungsstörungen (z. B. durch gefäßerweiternde Verfahren wie Ballonangioplastie), Wundversorgung (spezieller Wundverband, ggf. Druckentlastung durch Gips oder spezielle Schuhe), sowie bei Infektionen Antibiotika. Bei Nervenschmerzen können bestimmte Medikamente helfen, die Teil des ärztlich verordneten Behandlungskonzepts sind.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig werden, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen – zum Beispiel zur Entfernung von abgestorbenem Gewebe (Debridement), zur Druckentlastung durch Korrektur von Fußfehlstellungen oder bei schweren Durchblutungsstörungen zur Gefäßrekonstruktion. Im schlimmsten Fall kann eine Amputation erforderlich sein, um eine lebensbedrohliche Infektion zu stoppen. Dies wird aber nur als letzte Möglichkeit eingesetzt.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit diabetischen Fußveränderungen erfordert tägliche Achtsamkeit. Gewöhnen Sie sich an eine feste Routine: morgens und abends Füße inspizieren, passende Schuhe tragen, Verletzungen vermeiden. Falls Sie bereits eine Wunde haben, befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes zur Wundpflege. Nehmen Sie regelmäßige Kontrolltermine wahr.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie auf das Rauchen – das verbessert die Durchblutung.
- Vermeiden Sie barfuß laufen, auch zu Hause.
- Achten Sie auf eine gesunde Körperhaltung und vermeiden Sie langes Stehen oder Gehen auf harten Böden.
- Tragen Sie weiche, nahtlose Socken ohne einschnürende Bündchen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber nicht übermäßig belastend (z. B. Schwimmen, Radfahren statt Joggen).
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Zucker hilft, den Blutzucker zu stabilisieren und Übergewicht zu vermeiden. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder leichtes Ausdauertraining fördert die Durchblutung. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Sportart für Sie geeignet ist. Falls Sie bereits offene Stellen haben, fragen Sie vorher um Rat.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Fußprobleme bei Diabetes können belastend sein – die ständige Sorge vor neuen Wunden oder einer Amputation kann zu Angst oder Niedergeschlagenheit führen. Auch die Einschränkungen im Alltag (z. B. beim Gehen oder bei der Schuhauswahl) können frustrieren. Diese Gefühle sind normal. Wichtig ist, sich Hilfe zu holen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, einer Diabetesberatung oder einer psychologischen Fachkraft. Bei akuten Krisen denken Sie an die Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7, Nummer über die Telefonauskunft erhältlich) oder wenden Sie sich an Ihren Hausarzt.
Vorbeugung
Ja, diabetische Fußprobleme lassen sich durch gute Blutzuckereinstellung, gesunde Lebensweise, regelmäßige Fußpflege und jährliche Fußuntersuchungen wirksam verhindern oder verzögern. Je früher Sie Maßnahmen ergreifen, desto größer ist die Chance, ernste Komplikationen zu vermeiden.
Impfungen
Eine spezielle Impfung gegen diabetische Fußprobleme gibt es nicht. Allerdings empfehlen Ärzte Menschen mit Diabetes eine Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken, da Infektionen bei Diabetes schwerer verlaufen können. Besprechen Sie Ihren Impfstatus mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Die diabetische Fußuntersuchung ist genau das Screening, das hier beschrieben wird. Sie wird jährlich empfohlen und ist in Deutschland Bestandteil der Disease-Management-Programme (DMP) für Diabetes. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu diesem Vorsorgeangebot beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fußgeschwüre (Ulzera), die tiefe Gewebeschichten betreffen und schwer heilen
- Infektionen, die sich auf Knochen ausbreiten (Osteomyelitis)
- Gewebetod (Nekrose) und Gangrän, die eine Amputation erforderlich machen
- Charcot-Fuß: schmerzlose Zerstörung der Fußknochen mit bleibender Fehlstellung
- Verschlechterung der Durchblutung mit dauerhaften Schäden
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit frühzeitiger Erkennung und konsequenter Behandlung lassen sich die meisten schweren Komplikationen vermeiden. Auch nach einem Fußgeschwür ist eine vollständige Heilung möglich, wenn die Wunde richtig versorgt wird und der Blutzucker gut eingestellt ist. Menschen mit Diabetes können mit der richtigen Vorsorge ein aktives und beschwerdearmes Leben führen. Bleiben Sie zuversichtlich und suchen Sie sich Unterstützung – Ihr Behandlungsteam hilft Ihnen dabei.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
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