Diverticular disease
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Divertikulose bedeutet, dass sich kleine Ausstülpungen (Divertikel) in der Darmwand gebildet haben. Meist sind sie harmlos. Wenn diese Ausstülpungen sich entzünden, spricht man von einer Divertikulitis.
Wichtige Fakten
- Divertikel sind kleine Ausstülpungen in der Darmwand, am häufigsten im Dickdarm.
- Die Erkrankung verläuft oft ohne Beschwerden (Divertikulose).
- Eine Entzündung der Divertikel (Divertikulitis) kann Schmerzen und Fieber verursachen und sollte behandelt werden.
Ja, Divertikulose ist in westlichen Ländern häufig, besonders bei Menschen über 60 Jahren.
Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Etwa die Hälfte der über 70-Jährigen hat Divertikel. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, besonders bei ungünstiger Ernährung oder Bewegungsmangel.
Symptome
- Plötzliche, starke Bauchschmerzen mit hartem Bauch
- Fieber über 39°C mit Schüttelfrost
- Blut im Stuhl oder aus dem After
- Zeichen eines Kreislaufschocks (Schwindel, kalter Schweiß, Bewusstseinsstörung)
- ⚠Anhaltende Bauchschmerzen, die schlimmer werden
- ⚠Fieber über 38°C länger als einen Tag
- ⚠Erbrechen oder Durchfall mit Blutbeimengung
Häufige Symptome
- Meist keine Beschwerden (Zufallsbefund)
- Bei Divertikulitis: Schmerzen im linken Unterbauch
- Blähungen, Verstopfung oder Durchfall
- Fieber und Übelkeit bei Entzündung
Symptome bei Kindern
- Divertikel sind bei Kindern sehr selten; Symptome ähneln denen von Erwachsenen, aber eher im rechten Unterbauch.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft weniger Schmerzempfinden, dafür allgemeine Schwäche oder Verwirrtheit.
- Häufiger Komplikationen wie Darmdurchbruch (Perforation).
Ursachen
Hauptursachen
- Eine ballaststoffarme, fettreiche Ernährung wird als Hauptursache vermutet.
- Dauerhafter Druck im Darm durch Verstopfung begünstigt die Entstehung von Divertikeln.
- Mit zunehmendem Alter wird die Darmwand schwächer.
Risikofaktoren
- Ballaststoffarme Ernährung (wenig Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Rauchen
- Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Schmerzmittel wie Ibuprofen, aber keine Namen nennen)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Bei Fieber über 38,5°C und Bauchschmerzen
- Bei Blut im Stuhl oder plötzlicher Übelkeit mit Erbrechen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Blähungen, Veränderungen des Stuhlgangs oder leichte Unterbauchschmerzen haben.
- Bei einer bekannten Divertikulose und neuen Symptomen.
Diagnose
Divertikel werden oft zufällig bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) entdeckt. Bei Verdacht auf eine Entzündung werden bildgebende Verfahren eingesetzt.
Mögliche Untersuchungen
- Darmspiegelung (Koloskopie): zur direkten Ansicht der Darmwand
- Ultraschall (Sonographie) des Bauches: schmerzfrei, kann Divertikel und Entzündungen zeigen
- Computertomographie (CT): bei Verdacht auf Komplikationen wie Abszess oder Durchbruch
- Blutuntersuchung: Anzeichen einer Entzündung (z. B. erhöhte weiße Blutkörperchen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Regel überweist Sie Ihr Hausarzt an einen Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologen). Die Untersuchungen sind meist ambulant. Vor einer Darmspiegelung müssen Sie den Darm mit einem Abführmittel reinigen – Ihr Arzt gibt Ihnen genaue Anweisungen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob die Divertikel entzündet sind oder nicht. Eine unkomplizierte Divertikulitis kann oft mit Ruhe und Kostanpassung behandelt werden, komplizierte Fälle benötigen Krankenhausbehandlung.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei leichten Beschwerden: Schonkost (z. B. Zwieback, Haferbrei, gegartes Gemüse) – keine rohen, ballaststoffreichen Speisen während akuter Entzündung
- Viel trinken (Wasser, Kräutertee), vor allem wenn Sie Durchfall haben
- Wärmeanwendungen (Wärmflasche) auf den Bauch können Krämpfe lindern
- Bewegung an der frischen Luft, wenn es Ihnen gut geht
Medizinische Behandlungen
Bei einer unkomplizierten Divertikulitis verordnet der Arzt in der Regel Breitbandantibiotika und empfiehlt kurzfristig eine flüssige Schonkost. Die Behandlung erfolgt meist zu Hause. Bei schweren oder wiederholten Entzündungen kann eine stationäre Behandlung mit intravenösen Antibiotika nötig sein. Entscheidend sind die Leitlinien der AWMF, die eine individuelle Therapie empfehlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird erwogen, wenn Komplikationen auftreten (z. B. Durchbruch, Abszess, abgekapselte Entzündung) oder wenn die Entzündung nach konservativer Behandlung nicht abheilt. Auch bei wiederholten schweren Schüben kann ein chirurgischer Eingriff (Entfernung des betroffenen Darmabschnitts) sinnvoll sein. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen die Vor- und Nachteile.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Divertikulose leben beschwerdefrei. Wenn Sie eine Entzündung hatten, sollten Sie auf Signale Ihres Körpers achten. Nach Abheilen können Sie wieder normal essen, aber langsam steigern.
Tipps für den Alltag
- Ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte) – aber nur nach Abklingen der Entzündung
- Regelmäßige Bewegung (z. B. 30 Minuten Spaziergang täglich)
- Ausreichend trinken (1,5–2 Liter pro Tag)
- Nicht rauchen
- Übergewicht vermeiden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen kann das Risiko einer erneuten Entzündung senken. Vermeiden Sie in akuten Phasen grobe Ballaststoffe (z. B. Nüsse, Kerne, Popcorn). Nach der Heilung sind Nüsse, Samen und Popcorn meist wieder erlaubt – die alte Regel, sie zu meiden, ist veraltet. Bewegung fördert die Darmtätigkeit und beugt Verstopfung vor.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Schübe können belastend sein und Ängste auslösen. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Psychologin, wenn die Belastung zu groß wird. Es gibt Selbsthilfegruppen, in denen Erfahrungen ausgetauscht werden.
Vorbeugung
Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für Divertikel und Entzündungen senken. Dazu gehören ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung, ausreichend Flüssigkeit und ein normales Körpergewicht. Rauchen erhöht das Risiko – ein Rauchstopp lohnt sich.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Divertikulose oder Divertikulitis.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für Divertikel, aber die Vorsorge-Darmspiegelung (ab 50 Jahren für Männer, 55 Jahren für Frauen) kann sowohl Krebs als auch Divertikel frühzeitig entdecken. Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach den Kosten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Entzündung breitet sich aus (Peritonitis – Bauchfellentzündung)
- Darmdurchbruch (Perforation) – lebensbedrohlich
- Abszess (Eiteransammlung) im Bauchraum
- Verengung des Darms (Stenose) durch Narbenbildung
- Fistelbildung – unnatürliche Verbindungen zu anderen Organen (z. B. Blase, Scheide)
Langzeitprognose
Eine unkomplizierte Divertikulitis heilt bei rechtzeitiger Behandlung meist vollständig aus. Schwere Verläufe mit Komplikationen sind selten, erfordern aber eine intensivere Behandlung. Mit einem gesunden Lebensstil können Sie das Risiko für erneute Schübe deutlich senken. Viele Betroffene leben dauerhaft beschwerdefrei.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.