Trockenes Auge im Alter – Ursachen, Hilfe und Alltagstipps
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Trockenes Auge ist eine Erkrankung, bei der die Augen nicht genug Tränenflüssigkeit produzieren oder die Tränen zu schnell verdunsten. Das Auge ist dann nicht ausreichend befeuchtet und gereizt.
Wichtige Fakten
- Trockene Augen sind im Alter sehr häufig – etwa jeder dritte Mensch über 50 ist betroffen.
- Die Störung betrifft oft die Talgdrüsen an den Lidrändern (Meibom-Drüsen), die den wichtigen Fettanteil der Tränen liefern.
- Unbehandelt kann trockenes Auge zu wiederkehrenden Bindehautentzündungen und Hornhautschäden führen.
Ja, trockene Augen sind im Alter sehr häufig. Schätzungsweise jeder dritte Mensch über 50 leidet darunter. Eine frühzeitige Behandlung kann die Beschwerden oft deutlich lindern.
Besonders Menschen über 50 Jahre, Frauen nach den Wechseljahren und Personen mit bestimmten Grunderkrankungen (z.B. Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen) sind betroffen. Auch langes Arbeiten am Bildschirm oder trockene Raumluft begünstigen die Beschwerden.
Symptome
- Plötzliche starke Augenschmerzen (z.B. bohrend oder stechend)
- Plötzliche Sehverschlechterung oder Verlust des Sehvermögens auf einem Auge
- ⚠Augenausfluss (Eiter oder dickflüssiges Sekret)
- ⚠Wunde auf der Hornhaut (falls Sie eine Verletzung vermuten)
- ⚠Sehr starke Rötung, die nicht nachlässt
- ⚠Keine Besserung nach einigen Tagen Selbsthilfemaßnahmen
Häufige Symptome
- Brennen oder Stechen in den Augen
- Rötung der Augen
- Fremdkörpergefühl (wie Sand im Auge)
- Verschwommenes Sehen, das sich nach Blinzeln kurz bessert
- Übermäßiges Tränen (reflektorisches Tränen als Reaktion auf die Trockenheit)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich trockenes Auge oft durch häufiges Reiben der Augen, klagen über Brennen oder vermeiden helles Licht. Auch übermäßiges Tränen kann vorkommen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Trockenheitsgefühl und Brennen
- Schweregefühl der Lider, besonders nach dem Lesen oder Bildschirmarbeit
- Verschwommenes Sehen, das nach Blinzeln besser wird
- Lichtempfindlichkeit
- Müde, gerötete Augen
Ursachen
Hauptursachen
- Nachlassende Tränenproduktion im Alter
- Veränderung der Tränenzusammensetzung (Funktionsstörung der Meibom-Drüsen)
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. bestimmte Blutdrucksenker, Antihistaminika, Antidepressiva)
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht (hormonelle Umstellung in den Wechseljahren)
- Längere Bildschirmarbeit (selteneres Blinzeln)
- Trockene Räume (Heizungs- oder Klimaanlagenluft)
- Kontaktlinsentragen
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Sjögren-Syndrom, Rheuma)
- Rauchen oder Passivrauch
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlich starke Augenschmerzen oder Sehverschlechterung – dann sofort den Notruf 112 wählen!
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Seit Wochen oder Monaten anhaltende Trockenheitsgefühle
- Beschwerden, die trotz Tränenersatzmitteln nicht besser werden
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Symptome harmlos sind
Diagnose
Der Augenarzt stellt die Diagnose durch eine ausführliche Untersuchung an der Spaltlampe. Dabei werden sowohl die Tränenproduktion als auch die Stabilität des Tränenfilms getestet.
Mögliche Untersuchungen
- Tränenfilmaufrisszeit: Mit einem Farbstoff wird gemessen, wie lange der Tränenfilm auf dem Auge hält (normal mindestens 10 Sekunden).
- Schirmer-Test: Ein kleiner Papierstreifen wird für fünf Minuten ins untere Lid gelegt, um die Tränenmenge zu messen.
- Anfärbung der Hornhaut: Ein milder Farbstoff zeigt oberflächliche Schäden oder trockene Stellen auf der Hornhaut.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 15–30 Minuten. Sie müssen nichts Besonderes vorbereiten. Tragen Sie am besten keine Kontaktlinsen – fragen Sie vorher nach, ob Sie die Linsen vor dem Termin herausnehmen sollen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Augen feucht zu halten und die auslösenden Faktoren zu lindern. Sie reicht von einfachen Selbsthilfemaßnahmen bis zu ärztlich verordneten Behandlungen. Die Therapie wird immer individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßig blinzeln – besonders bei Bildschirmarbeit
- Augen vor Zugluft, Ventilatoren und trockener Heizungsluft schützen (z.B. mit einer Sonnenbrille mit Seitenschutz)
- Raumluft befeuchten: Luftbefeuchter oder eine Schale mit Wasser auf die Heizung stellen
- Wärmekompressen auf die geschlossenen Lider legen (für 5–10 Minuten) – das fördert die Talgdrüsen
- Bildschirmpausen einlegen (20-20-20-Regel: alle 20 Minuten 20 Sekunden in die Ferne schauen)
- Ausreichend Wasser trinken
Medizinische Behandlungen
Zu den ärztlichen Behandlungen gehören entzündungshemmende Augentropfen, die die Tränenproduktion anregen, sowie Maßnahmen zur Lidhygiene (z.B. Lidrandreinigung). In einigen Fällen werden Tränenpünktchen (Punktplugs) verschlossen, um die Tränen länger am Auge zu halten. Auch spezielle Kontaktlinsen oder feuchtigkeitsspendende Gele können helfen. Ihr Augenarzt wird mit Ihnen besprechen, was für Sie am besten geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig, zum Beispiel wenn ein verengter Tränenkanal oder eine Lidfehlstellung die Trockenheit verursacht. Ihr Augenarzt wird Sie darüber ausführlich beraten, falls das bei Ihnen in Frage kommt.
Leben mit der Erkrankung
Mit trockenem Auge können Sie gut leben, wenn Sie einige Gewohnheiten anpassen. Führen Sie ein kleines Tagebuch, um zu erkennen, welche Situationen Ihre Beschwerden verschlimmern. Planen Sie Ihre Aktivitäten so, dass Sie immer wieder kurze Pausen für Ihre Augen einlegen.
Tipps für den Alltag
- Verwenden Sie im Freien eine Sonnenbrille mit Seitenschutz
- Reduzieren Sie die Bildschirmzeit oder passen Sie Helligkeit und Kontrast an
- Nutzen Sie Bildschirmfilter, die Blaulicht reduzieren
- Vermeiden Sie Zigarettenrauch – auch Passivrauchen reizt die Augen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren (z.B. Leinsamen, Walnüsse, fettreicher Fisch) kann unterstützend wirken. Trinken Sie ausreichend Wasser. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung – auch der Augen – und hilft, Stress abzubauen, der die Beschwerden verstärken kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Trockene Augen können auf Dauer sehr belastend sein – sie stören den Schlaf, machen gereizt und mindern die Lebensqualität. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Manchmal hilft eine Psychotherapie, besser mit chronischen Beschwerden umzugehen.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können das Risiko senken, indem Sie die Selbsthilfemaßnahmen befolgen und auf eine gute Bildschirmhygiene achten. Behandeln Sie Grunderkrankungen (z.B. Hormonstörungen) frühzeitig.
Impfungen
Entfällt.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie Ihre Augen ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig (etwa alle 1–2 Jahre) vom Augenarzt untersuchen – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. So können trockene Augen früh erkannt und behandelt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hornhautschäden – oberflächliche Entzündungen oder Hornhautgeschwüre
- Erhöhtes Risiko für Bindehautentzündungen und Augeninfektionen
- Dauerhafte Verschlechterung der Sehqualität durch unregelmäßige Hornhautoberfläche
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung und den richtigen Gewohnheiten können die meisten Menschen mit trockenem Auge gut zurechtkommen. Die Beschwerden lassen sich meist deutlich lindern, auch wenn die Erkrankung selbst nicht immer vollständig heilt. Ausnahmen sind selten. Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Augenarzt – gemeinsam finden Sie einen Plan, der zu Ihrem Leben passt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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