Trockene Augen – ein Leitfaden für Betroffene
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Trockene Augen (auch Sicca-Syndrom genannt) bedeuten, dass die Augenoberfläche nicht ausreichend befeuchtet ist. Die Tränenflüssigkeit ist entweder zu wenig oder von schlechter Qualität. Das führt zu einem unangenehmen Gefühl und kann die Sicht beeinträchtigen.
Wichtige Fakten
- Die Tränenflüssigkeit besteht aus Wasser, Fett und Schleim – bei trockenen Augen stimmt die Zusammensetzung nicht.
- Trockene Augen sind keine gefährliche Erkrankung, können aber die Lebensqualität stark mindern.
- Mit richtiger Behandlung lassen sich die Beschwerden meist gut lindern.
Ja, trockene Augen sind sehr häufig. In Deutschland leiden etwa 5 bis 10 von 100 Menschen daran. Mit zunehmendem Alter wird es noch häufiger.
Trockene Augen können jeden treffen. Besonders betroffen sind aber Frauen nach den Wechseljahren, Menschen über 50, Brillenträger und Personen, die viel am Bildschirm arbeiten oder in trockener Luft leben.
Symptome
- Plötzlicher, starker Augenschmerz
- Plötzlicher Sehverlust (einseitig oder beidseitig)
- Verletzung des Auges, zum Beispiel durch einen Fremdkörper oder eine Chemikalie
- ⚠Starke Rötung des Auges mit Schmerzen
- ⚠Eitriger Ausfluss oder verklebte Augenlider
- ⚠Lichtscheue oder Verengung der Pupille
- ⚠Verschlechterung des Sehens über Stunden oder Tage
Häufige Symptome
- Ein Fremdkörpergefühl oder Sandkorn im Auge
- Brennen, Rötung oder Juckreiz der Augen
- Verschwommenes Sehen, das beim Blinzeln klarer wird
- Lichtempfindlichkeit
- Müde oder schwere Augenlider
- Klebriges Gefühl beim Öffnen der Augen am Morgen
Symptome bei Kindern
- Kinder können trockene Augen bekommen, vor allem, wenn sie viel auf Tablets oder Handys schauen.
- Sie reiben sich dann häufig die Augen oder klagen über „Sand in den Augen“.
- Auch bei Allergien oder einer verstopften Tränendrüse können trockene Augen auftreten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen produzieren die Tränendrüsen weniger Tränenflüssigkeit.
- Die Beschwerden sind oft dauerhafter und können zu Entzündungen der Augenoberfläche führen.
- Manchmal wird das Sehen vorübergehend unscharf, besonders am Ende des Tages.
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Tränenflüssigkeit (Tränenmangel) – die Tränendrüsen produzieren nicht genug.
- Zu schnelles Verdunsten der Tränen (z. B. bei verminderter Lidspannung oder trockener Luft).
- Schlechte Qualität der Tränenflüssigkeit, z. B. zu wenig Fettanteil, sodass die Tränen nicht gut haften.
- Entzündungen der Lidränder (Blepharitis) oder der Bindehaut.
- Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom oder rheumatoide Arthritis.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht (hormonelle Veränderungen)
- Langes Arbeiten am Bildschirm oder Lesen
- Trockene Raumluft (Klimaanlage, Heizung, Wind)
- Kontaktlinsen tragen
- Bestimmte Medikamente (z. B. Antihistaminika, Betablocker, Antidepressiva – fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)
- Augenoperationen oder -verletzungen in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Beschwerden plötzlich und stark auftreten
- Wenn gleichzeitig Augenschmerzen, Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit bestehen
- Nach einem Unfall oder Verletzung des Auges
- Wenn das Auge eitrig oder stark gerötet ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Symptome länger als eine Woche anhalten
- Wenn einfache Maßnahmen (wie Bildschirmpausen, Augentropfen aus der Apotheke) nicht helfen
- Wenn Sie regelmäßig Kontaktlinsen tragen und die Augen gereizt sind
- Wenn eine Grunderkrankung wie eine Schilddrüsenstörung oder Rheuma bekannt ist
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin befragt Sie zu Ihren Beschwerden und Ihrer Lebensweise. Dann wird das Auge mit einer Spaltlampe (einem speziellen Mikroskop) untersucht. Dabei wird die Augenoberfläche und die Tränenflüssigkeit beurteilt.
Mögliche Untersuchungen
- Spaltlampenuntersuchung – der Arzt schaut sich die Hornhaut, Bindehaut und Lidränder genau an.
- Tränenfilm-Aufreißzeit – gemessen wird, wie lange die Tränen auf der Hornhaut bleiben, bevor sie zerreißen.
- Schirmer-Test – mit einem kleinen Filterpapierstreifen wird die produzierte Tränenmenge gemessen.
- Färbetest mit Fluorescein oder Lissamingrün – damit werden Schäden an der Augenoberfläche sichtbar gemacht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern etwa 15 bis 30 Minuten. Sie können danach wieder normal sehen. Der Arzt wird Ihnen die Ergebnisse erklären und gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungsplan erstellen.
Behandlung
Die Behandlung von trockenen Augen zielt darauf ab, die Augenoberfläche zu befeuchten, die Tränenflüssigkeit zu verbessern und Entzündungen zu reduzieren. Je nach Ursache kommen verschiedene Maßnahmen infrage. Lassen Sie sich immer von einem Augenarzt oder einer Augenärztin beraten.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßig blinzeln – besonders am Bildschirm bewusst öfter blinzeln.
- 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne schauen.
- Raumluft verbessern: Luftbefeuchter aufstellen, häufiger lüften.
- Zugluft vermeiden – nicht direkt unter der Klimaanlage sitzen.
- Kontaktlinsen rausnehmen und Brille tragen, wenn die Augen gereizt sind.
- Warme Kompressen auf die geschlossenen Augen legen (für 5–10 Minuten) – das regt die Talgdrüsen der Lidränder an.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann künstliche Tränen (Augentropfen ohne Konservierungsmittel) empfehlen, die mehrmals täglich angewendet werden. Bei Entzündungen der Lidränder kommen Lidhygiene (Reinigung mit speziellen Tüchern oder Lösungen) und entzündungshemmende Augentropfen (z. B. mit Ciclosporin oder Kortison) infrage. Auch Gel-Augensalben für die Nacht oder Tränenpünktchen-Verschlüsse (kleine Plugs, die die Ableitung der Tränen blockieren) können helfen. Die genaue Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine operative Verengung der Tränenpünktchen (Tränenpünktchenplastik) oder eine Tarsorrhaphie (partielles Lidverschließen) durchgeführt werden. Auch die Behandlung von Lidfehlstellungen kann die Tränenverteilung verbessern.
Leben mit der Erkrankung
Trockene Augen sind in der Regel gut in den Alltag integrierbar. Planen Sie regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit ein und nutzen Sie bei Bedarf künstliche Tränen. Schützen Sie Ihre Augen vor Wind und trockener Luft durch eine Brille oder Luftbefeuchter. Bei Kontaktlinsen ist eine gute Pflege und regelmäßige Kontrolle wichtig.
Tipps für den Alltag
- Bildschirmarbeit alle 20 Minuten unterbrechen und in die Ferne schauen.
- Ausreichend trinken (mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag).
- Nicht rauchen – Rauchen verschlechtert die Symptome.
- Schlafumgebung optimieren: Schlafzimmer nicht zu warm, Luftfeuchtigkeit über 40 % halten.
- Augen nicht reiben – das reizt die Augen zusätzlich.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Leinöl, Walnüssen, Fisch) kann die Tränenqualität verbessern. Bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft, aber schützen Sie die Augen bei Wind mit einer Brille. Schwimmen im Chlorwasser kann die Augen zusätzlich reizen – nutzen Sie eine gut sitzende Schwimmbrille.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Augenbeschwerden können auf die Stimmung drücken. Viele Betroffene fühlen sich durch die Trockenheit beeinträchtigt, was zu Frustration oder Unruhe führen kann. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber. Auch Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen.
Vorbeugung
Trockene Augen lassen sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko verringern. Vermeiden Sie lange Bildschirmarbeit ohne Pausen, trockene Luft und direkte Zugluft. Achten Sie auf gute Hygiene der Kontaktlinsen und lassen Sie regelmäßige Augenuntersuchungen durchführen. Bei bekannten Grunderkrankungen (wie Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen) ist eine gute Behandlung wichtig, da diese trockene Augen begünstigen können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf trockene Augen. Wenn Sie jedoch regelmäßig Beschwerden haben, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. Eine Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt alle 1–2 Jahre ist empfehlenswert, besonders ab dem 50. Lebensjahr.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei länger anhaltenden trockenen Augen kann die Hornhaut geschädigt werden (Hornhauterosionen oder -entzündungen).
- Es können sich Bindehautentzündungen oder Lidrandentzündungen entwickeln.
- In schweren Fällen kann die Sehschärfe dauerhaft abnehmen, wenn die Hornhaut vernarbt.
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und regelmäßiger Kontrolle lassen sich die Beschwerden bei den meisten Menschen deutlich bessern. Auch wenn trockene Augen nicht immer vollständig heilbar sind, können Sie mit den richtigen Maßnahmen ein normales Leben führen. Informieren Sie sich und bleiben Sie mit Ihrem Arzt in Kontakt.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) · Deutschland
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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