Eczema (Atopic Dermatitis)
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Eczema — atopic. NG190(2023)
- NHS—Atopic eczema(2023)
- AAD—Eczema — American Academy of Dermatology(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Neurodermitis (auch atopische Dermatitis genannt) ist eine chronische, entzündliche Hauterkrankung. Die Haut ist trocken, juckt stark und neigt zu Entzündungen. Die Krankheit verläuft in Schüben – das bedeutet, die Symptome kommen und gehen.
Wichtige Fakten
- Sie tritt häufig zusammen mit anderen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma auf.
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber eine gestörte Hautbarriere und eine Überreaktion des Immunsystems spielen eine wichtige Rolle.
- Neurodermitis ist nicht heilbar, aber mit einer guten Behandlung lassen sich die Symptome meist gut kontrollieren.
Ja, Neurodermitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. In Deutschland sind etwa 10–15 % der Kinder und 2–5 % der Erwachsenen betroffen.
Neurodermitis beginnt oft schon im Säuglings- oder Kleinkindalter. Sie kann aber auch erst im Erwachsenenalter auftreten. Bei vielen Kindern bessert sie sich mit der Zeit oder verschwindet sogar ganz.
Symptome
- Plötzliche, schwere allergische Reaktion mit Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder am Hals (Verdacht auf Anaphylaxie) – sofort den Notruf 112 wählen.
- Ausgedehnte, mit Eiter gefüllte Blasen auf der Haut (Verdacht auf Ekzema herpeticatum – eine seltene, aber ernste Virusinfektion) – sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Starke Hautentzündung mit Fieber, Schüttelfrost oder starkem Krankheitsgefühl (möglicherweise eine bakterielle Superinfektion) – noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- ⚠Eitrige oder stark nässende Wunden, die sich trotz Pflege nicht bessern – zeitnah zum Arzt.
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz
- Trockene, raue Haut
- Gerötete, entzündete Hautstellen
- Schuppenbildung
- Nässende Stellen, besonders bei Schüben
Symptome bei Kindern
- Hautausschlag im Gesicht, an den Wangen und am Kopf
- Ausschlag an den Beugefalten (Ellenbogen, Kniekehlen)
- Unruhe und Schlafprobleme durch den Juckreiz
- Kratzspuren und offene Stellen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Trockene, schuppige Haut an Händen und Füßen
- Verdickte Haut durch ständiges Kratzen (Lichenifikation)
- Starker Juckreiz, der den Alltag beeinträchtigt
- Hautentzündungen an den Beugefalten oder am Hals
Ursachen
Hauptursachen
- Vererbung: Die Neigung zu Neurodermitis wird oft in Familien weitergegeben, in denen Allergien oder Asthma vorkommen.
- Gestörte Hautbarriere: Die Haut verliert zu viel Feuchtigkeit und kann Schadstoffe oder Reizstoffe nicht gut abwehren.
- Überreaktion des Immunsystems: Der Körper reagiert überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Nahrungsmittel.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Allergien, Asthma, Neurodermitis bei Eltern oder Geschwistern)
- Bestimmte Allergene (z. B. Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze, Hausstaubmilben)
- Stress und psychische Belastung
- Trockene Haut oder extremes Klima (Kälte, trockene Heizungsluft)
- Reizstoffe wie aggressive Seifen, Duftstoffe oder Wollkleidung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Haut plötzlich stark anschwillt oder sich Blasen bilden
- Bei Fieber oder starkem Krankheitsgefühl in Verbindung mit Hautveränderungen
- Wenn eine Kratzwunde eitert, sich rötet oder warm anfühlt (Zeichen einer Infektion)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Juckreiz den Schlaf oder den Alltag stark beeinträchtigt
- Wenn Basispflege (Cremes, Salben) und Meiden von Auslösern nicht ausreichen
- Bevor Sie rezeptfreie Cremes oder Salben kaufen – lassen Sie sich am besten von Ihrem Hautarzt beraten
Diagnose
Ein Hautarzt kann Neurodermitis meist anhand des typischen Hautbildes und Ihrer Krankengeschichte erkennen. Er fragt nach Juckreiz, familiären Allergien und dem Verlauf. Manchmal sind zusätzliche Tests nötig, um andere Hautkrankheiten auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Allergietests (Pricktest, Bluttest auf IgE-Antikörper)
- Hautabstrich bei Verdacht auf eine Infektion (bakteriell oder viral)
- Selten: Hautbiopsie (Entnahme einer kleinen Gewebeprobe)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Ihre Haut genau ansehen und nach Ihren Symptomen fragen. Oft wird auch nach Allergien oder Asthma in der Familie gefragt. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Wenn nötig, wird ein Allergietest durchgeführt – dabei werden verdünnte Allergene auf die Haut aufgetragen oder in die Haut gestochen. Die Diagnose ist in der Regel schnell gestellt.
Behandlung
Die Behandlung von Neurodermitis besteht aus mehreren Bausteinen: konsequente Hautpflege (Basispflege), Vermeidung von Auslösern, entzündungshemmende Medikamente in akuten Schüben und gegebenenfalls Lichttherapie. Die Therapie wird an den Schweregrad angepasst, orientiert an den Empfehlungen der aktuellen AWMF-Leitlinie.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Eincremen mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme oder Salbe ohne Duftstoffe – am besten direkt nach dem Duschen.
- Lauwarm duschen oder baden, nicht zu lange (maximal 10 Minuten).
- Milde, pH-neutrale Reinigungsprodukte verwenden, keine aggressiven Seifen.
- Haut nach dem Waschen vorsichtig abtupfen, nicht rubbeln.
- Kratzen vermeiden – Nägel kurz halten, bei starkem Juckreiz nachts Baumwollhandschuhe tragen.
- Weiche Baumwollkleidung bevorzugen, Wolle und synthetische Stoffe nicht direkt auf der Haut tragen.
Medizinische Behandlungen
Bei stärkeren Schüben können entzündungshemmende Cremes oder Salben aufgetragen werden (topische Kortikosteroide oder sogenannte Calcineurininhibitoren). Sie wirken gezielt gegen die Entzündung und den Juckreiz. In schweren Fällen kommen auch Tabletten oder Spritzen (systemische Therapie) oder eine Lichttherapie (UV-Bestrahlung) zum Einsatz. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, besprechen Sie am besten mit Ihrem Hautarzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Neurodermitis in der Regel nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Neurodermitis kann den Alltag durch den Juckreiz und die sichtbaren Hautveränderungen belasten. Mit einer guten Routine – konsequente Hautpflege und Vermeidung von Auslösern – lässt sich die Lebensqualität aber deutlich verbessern. Tauschen Sie sich mit Ihrem Arzt aus und scheuen Sie sich nicht, auch psychische Belastungen anzusprechen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie eine tägliche Hautpflege-Routine ein (morgens und abends eincremen).
- Reduzieren Sie Stress – probieren Sie Entspannungsübungen, Yoga oder leichte Bewegung.
- Halten Sie das Schlafzimmer kühl und nicht zu trocken (Luftfeuchtigkeit über 50 %).
- Meiden Sie Allergene, wenn Sie wissen, dass sie Ihre Haut reizen (z. B. Pollenflug meiden, Hausstaubmilben reduzieren).
- Testen Sie neue Kosmetika oder Waschmittel zuerst an einer kleinen Hautstelle.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist meist nicht nötig. Falls Sie den Eindruck haben, dass bestimmte Lebensmittel (z. B. Milch, Eier, Nüsse) die Symptome verstärken, können Sie diese in Absprache mit einem Ernährungsberater oder Arzt für einige Wochen weglassen. Bewegung ist grundsätzlich gut – schwitzen Sie jedoch nicht zu stark, da Schweiß die Haut reizen kann. Duschen Sie nach dem Sport und cremen Sie sich ein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der ständige Juckreiz und die sichtbaren Hautveränderungen können psychisch sehr belasten. Viele Betroffene leiden unter Schlafstörungen, Schamgefühlen oder ziehen sich sozial zurück. Es ist wichtig, auch diese Seite der Erkrankung ernst zu nehmen. Bei starker Belastung kann eine Psychotherapie oder der Austausch in Selbsthilfegruppen sehr helfen.
Vorbeugung
Bei Kindern mit erhöhtem Risiko (Allergien in der Familie) kann eine konsequente Hautpflege von Geburt an das Auftreten von Neurodermitis möglicherweise hinauszögern oder abschwächen. Vollständig verhindern lässt sich die Erkrankung jedoch nicht. Das Wichtigste ist die tägliche Basispflege, um die Hautbarriere zu stärken.
Impfungen
Alle empfohlenen Impfungen sind auch bei Neurodermitis wichtig und sicher. Bei einem akuten, schweren Schub kann der Impfzeitpunkt mit dem Arzt besprochen werden, eine Impfung löst jedoch keinen Schub aus.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf Neurodermitis. Bei familiärer Vorbelastung kann der Kinder- oder Hausarzt die Haut des Babys regelmäßig beurteilen und frühzeitig beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle oder virale Hautinfektionen (z. B. mit Staphylokokken oder Herpesviren)
- Verdickung der Haut durch ständiges Kratzen (Lichenifikation)
- Schlafmangel und daraus folgende Konzentrationsstörungen
- Psychische Belastungen wie Angstzustände oder Depressionen
Langzeitprognose
Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Mit einer guten Behandlung und konsequenter Selbstpflege lassen sich die Symptome in den meisten Fällen gut kontrollieren. Viele Kinder wachsen aus der Erkrankung heraus oder haben später nur noch leichte Beschwerden. Auch für Erwachsene gibt es wirksame Therapien, die die Lebensqualität deutlich verbessern. Bleiben Sie zuversichtlich und suchen Sie sich bei Bedarf ärztliche und psychosoziale Unterstützung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutscher Neurodermitis Bund e.V. (DNB) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.