Eczema in children
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ekzem (auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem genannt) ist eine chronische Hauterkrankung, bei der die Haut trocken, rot und juckend wird. Sie tritt oft schon bei Babys und Kleinkindern auf. Die Hautbarriere ist gestört, sodass Feuchtigkeit entweicht und Reizstoffe eindringen können, was Entzündungen verursacht.
Wichtige Fakten
- Ekzem ist nicht ansteckend – man kann es sich nicht einfangen.
- Die Erkrankung verläuft meist in Schüben: Phasen mit starken Symptomen wechseln sich mit fast symptomfreien Zeiten ab.
- Bei etwa 60-70 % der Kinder bessert sich das Ekzem bis zum Schulalter deutlich oder verschwindet ganz.
Ja, Ekzem ist eine der häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern. In Deutschland leiden etwa 10 bis 20 % aller Kinder an einer Form des atopischen Ekzems.
Ekzem beginnt meist in den ersten Lebensjahren, oft schon im Säuglingsalter. Es tritt bei Jungen und Mädchen etwa gleich häufig auf. Besonders betroffen sind Kinder, in deren Familie Allergien, Asthma oder Heuschnupfen vorkommen.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung des Gesichts, der Lippen oder der Zunge (möglicher Hinweis auf eine schwere allergische Reaktion)
- Atemnot oder erschwerte Atmung
- Hohes Fieber über 39 °C, das nicht auf fiebersenkende Maßnahmen anspricht
- Ausbreitende Rötung, Wärme oder Eiterblasen auf der Haut (Zeichen einer schweren bakteriellen Infektion)
- ⚠Starke Schmerzen oder Fieber in Verbindung mit den Hautstellen
- ⚠Nässende, verkrustete oder sehr großflächige Entzündungen
- ⚠Wenn Ihr Kind trotz Behandlung nicht aufhören kann zu kratzen und die Haut nicht abheilt
- ⚠Wenn das Ekzem das allgemeine Wohlbefinden oder die Nahrungsaufnahme des Kindes stark beeinträchtigt
Häufige Symptome
- Trockene, raue oder schuppige Hautstellen
- Starker Juckreiz, der sich vor allem nachts oder beim Schwitzen verstärkt
- Rötungen und leichte Schwellungen
- Kleine Bläschen, die nässen können
- Verdickte oder lederartige Haut an Stellen, die oft gerieben oder gekratzt werden
Symptome bei Kindern
- Bei Säuglingen treten die Ekzeme häufig auf den Wangen, der Stirn, der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen auf.
- Bei älteren Kindern sind oft die Beugen von Ellenbogen und Knien, die Handgelenke und der Hals betroffen.
- Kinder mit Ekzem haben oft unruhigen Schlaf wegen des Juckreizes und können tagsüber gereizt oder unkonzentriert sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen tritt Ekzem seltener als erstmalige Erkrankung auf, viele haben es bereits seit der Kindheit.
- Die betroffenen Stellen sind oft an Händen, Füßen, im Gesicht oder an den Beugeseiten.
- Die Haut ist oft sehr trocken und neigt zu Rissen, was die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Vererbung spielt eine große Rolle: Kinder, deren Eltern oder Geschwister selbst Ekzem, Asthma oder Heuschnupfen haben, sind häufiger betroffen.
- Die Hautbarriere ist von Natur aus geschwächt – die Haut verliert zu viel Feuchtigkeit und ist anfälliger für Reizstoffe wie Pollen, Hausstaub oder bestimmte Waschmittel.
- Das Immunsystem reagiert überempfindlich auf eigentlich harmlose Umweltstoffe, was Entzündungen in der Haut auslöst.
Risikofaktoren
- Familienvorgeschichte mit allergischen Erkrankungen (Heuschnupfen, Asthma, Ekzem)
- Trockene Haut durch häufiges Waschen oder aggressive Pflegeprodukte
- Umweltfaktoren wie Klima, Pollenbelastung oder Schimmelpilze
- Psychische Belastung oder Stress bei größeren Kindern
- Bestimmte Nahrungsmittel können bei manchen Kindern einen Schub auslösen (z.B. Hühnerei, Kuhmilch, Weizen), aber das ist nicht bei jedem Kind der Fall
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Ekzem plötzlich sehr stark wird und Ihr Kind nachts nicht schlafen kann
- Wenn sich Anzeichen einer Infektion zeigen: gelbe Krusten, Eiter, starke Rötung oder Fieber
- Wenn das Kind trotz aller Pflege nicht aufhört zu kratzen und die Haut wund ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei erstmaligem Auftreten von trockenen, juckenden Hautstellen
- Wenn die üblichen Pflegemaßnahmen (z.B. Eincremen mit Feuchtigkeitscreme) nicht ausreichen
- Für eine genaue Diagnose und einen Behandlungsplan, der auf Ihr Kind abgestimmt ist
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch eine gründliche Untersuchung der Haut gestellt. Der Arzt oder die Ärztin fragt nach den Beschwerden, der Krankengeschichte der Familie und nach möglichen Auslösern. Oft reicht das Gespräch und der Hautbefund aus.
Mögliche Untersuchungen
- In manchen Fällen wird ein Allergietest (Pricktest oder Bluttest) durchgeführt, um herauszufinden, ob bestimmte Allergene das Ekzem verschlimmern.
- Bei Verdacht auf eine Infektion kann ein Abstrich von der Haut gemacht werden.
- Ein Hautbiopsie (Entnahme einer kleinen Hautprobe) ist nur in unklaren Fällen nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch ist in der Regel unkompliziert. Ihr Kind wird nackt bis auf die Unterwäsche untersucht, damit alle Hautstellen begutachtet werden können. Der Arzt wird Ihnen erklären, wie Sie die Haut am besten pflegen und welche Behandlungen helfen. Sie können Fragen stellen und einen Plan für zu Hause mitnehmen.
Behandlung
Die Behandlung von Ekzem zielt darauf ab, die Haut zu pflegen, den Juckreiz zu lindern und Entzündungen zu kontrollieren. In der Regel wird eine Kombination aus regelmäßiger Hautpflege und medikamentöser Behandlung empfohlen. Die Behandlung wird immer auf das Alter und den Schweregrad des Ekzems abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Baden oder Duschen mit lauwarmem Wasser (max. 5-10 Minuten) – ohne stark schäumende Seifen.
- Sanftes Abtrocknen und sofort (innerhalb von 3 Minuten) eine rückfettende, parfümfreie Feuchtigkeitscreme auftragen.
- Verwenden Sie milde, unparfümierte Wasch- und Pflegeprodukte.
- Tragen Sie lockere, weiche Baumwollkleidung – vermeiden Sie Wolle oder synthetische Stoffe direkt auf der Haut.
- Halten Sie die Fingernägel Ihres Kindes kurz, um Kratzverletzungen zu vermeiden.
- Vermeiden Sie Überhitzung und starkes Schwitzen, z.B. durch zu warme Kleidung oder dicke Bettdecken.
Medizinische Behandlungen
Bei stärkeren Schüben können entzündungshemmende Cremes oder Salben (wie Kortisonpräparate) vom Arzt verschrieben werden. Diese werden nur kurzfristig und gezielt auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Auch sogenannte Calcineurin-Inhibitoren (entzündungshemmend, aber ohne Kortison) können infrage kommen. Bei starkem Juckreiz helfen manchmal antiallergische Medikamente zum Einnehmen (Antihistaminika), vor allem abends. In schweren Fällen kann eine vorübergehende Behandlung mit Lichttherapie oder systemischen Medikamenten (die auf den ganzen Körper wirken) notwendig sein. Jede Behandlung sollte mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Ekzem in der Regel nicht nötig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn sich eine schwere Infektion unter der Haut gebildet hat (Abszess), kann ein kleiner chirurgischer Eingriff erforderlich sein.
Leben mit der Erkrankung
Ekzem kann den Alltag Ihres Kindes und der Familie beeinflussen – vor allem der Juckreiz und der Schlafmangel. Es hilft, einen festen Rhythmus für die Hautpflege einzuführen: morgens und abends eincremen, nach dem Baden immer eincremen. Beobachten Sie, was die Haut Ihres Kindes reizt (z.B. bestimmte Lebensmittel, Stress oder raue Kleidung) und meiden Sie diese Auslöser, wenn möglich.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf: Ein kühles, gut gelüftetes Schlafzimmer kann den Juckreiz in der Nacht lindern.
- Vermeiden Sie Rauch in der Wohnung – Zigarettenrauch verschlechtert das Ekzem.
- Planen Sie regelmäßige Auszeiten, auch für sich selbst – die Pflege kann anstrengend sein.
- Besprechen Sie die Erkrankung offen mit Erziehern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen, damit diese Ihr Kind unterstützen können.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Ekzem-Diät gibt es nicht. Wenn Sie den Verdacht haben, dass bestimmte Lebensmittel (z.B. Hühnerei, Kuhmilch) die Haut verschlimmern, führen Sie ein Ernährungstagebuch und besprechen Sie das mit dem Arzt oder der Ärztin. Bewegung und Sport sind wichtig – achten Sie darauf, dass Ihr Kind nach dem Sport sofort duscht und sich eincremt, um den Schweiß von der Haut zu entfernen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ekzem kann das Selbstbewusstsein von Kindern belasten, besonders wenn die betroffenen Stellen sichtbar sind. Auch Schlafmangel durch Juckreiz kann zu Reizbarkeit oder Konzentrationsproblemen führen. Suchen Sie sich bei Bedarf Unterstützung – Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin kann helfen oder an einen Kinderpsychologen überweisen. Auch Austausch mit anderen betroffenen Familien kann entlasten.
Vorbeugung
Da Ekzem eine genetische Veranlagung hat, kann man es nicht vollständig verhindern. Aber Sie können die Wahrscheinlichkeit von Schüben verringern, indem Sie die Haut konsequent mit Feuchtigkeitscremes pflegen, bekannte Auslöser meiden und auf eine sanfte Hautpflege achten. Bei Babys mit erhöhtem Risiko (Familie mit Allergien) kann das regelmäßige Eincremen von Anfang an helfen, die Hautbarriere zu stärken.
Impfungen
Kinder mit Ekzem sollten alle empfohlenen Schutzimpfungen erhalten. Allerdings sollte bei einem schweren Schub der Impftermin mit dem Arzt besprochen werden. Impfungen lösen in der Regel keine Ekzemschübe aus.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf Ekzem. Die Diagnose wird gestellt, sobald Symptome auftreten. Bei Kindern aus Risikofamilien kann eine frühzeitige Vorstellung beim Kinderarzt oder Hautarzt sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hautinfektionen durch Bakterien (z.B. Staphylococcus aureus) oder Viren (z.B. Herpes-simplex-Virus) – sie können die Entzündung verschlimmern und Fieber verursachen.
- Ausgeprägter Juckreiz führt zu Schlafmangel, was die Lebensqualität des Kindes und der Familie stark beeinträchtigen kann.
- Chronische Entzündungen können die Haut verdicken und lederartig werden lassen (Lichenifikation).
- In seltenen Fällen kann sich eine generalisierte Entzündung (Erythrodermie) entwickeln, die eine stationäre Behandlung erfordert.
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei den meisten Kindern gut. Viele Kinder wachsen aus dem Ekzem heraus – etwa 60 % sind bis zum Schulalter beschwerdefrei oder haben nur noch sehr milde Symptome. Mit einer konsequenten Hautpflege und frühzeitigen Behandlung von Schüben kann man die Haut gesund halten und Komplikationen vermeiden. Auch wenn das Ekzem bei einigen Kindern bestehen bleibt, lässt es sich meist gut behandeln, sodass ein normales Leben möglich ist.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- European Academy of Dermatology and Venereology (EADV)
- International Society of Atopic Dermatitis (ISAD)
Lokale Organisationen
- Deutscher Neurodermitis Bund (DNB) · Deutschland
- Patientenleitlinie Neurodermitis (AWMF) · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
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