Endometriosis living patient overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Endometriose ist eine Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, auch außerhalb der Gebärmutter wächst – zum Beispiel an den Eierstöcken, Eileitern oder im Bauchraum. Dieses Gewebe verhält sich wie die normale Gebärmutterschleimhaut: Es baut sich im Laufe des Menstruationszyklus auf und ab, kann aber nicht abfließen. Das führt zu Entzündungen, Schmerzen und manchmal zu Narben oder Verwachsungen (Verklebungen von Organen).
Wichtige Fakten
- Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.
- Endometriose kann starke Schmerzen verursachen, besonders während der Menstruation.
- Die Erkrankung kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber viele Frauen werden dennoch schwanger.
- Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Lebensqualität deutlich verbessern.
Ja, Endometriose ist häufig. Schätzungen zufolge ist etwa jede 10. Frau im gebärfähigen Alter betroffen. Viele Frauen wissen gar nicht, dass sie Endometriose haben, weil die Symptome unterschiedlich stark sein können.
Endometriose betrifft vor allem Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter, also etwa zwischen der ersten Regelblutung und den Wechseljahren. Sie kann aber auch bei jüngeren Mädchen oder nach den Wechseljahren auftreten, wenn auch seltener. Auch Transmänner und nicht-binäre Menschen mit Gebärmutter können betroffen sein.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Unterleibsschmerzen, die nicht nachlassen.
- Fieber und gleichzeitige starke Schmerzen (kann auf eine Infektion hinweisen).
- Ohnmacht oder Kreislaufprobleme.
- Starke Blutungen mit viel Blutverlust (z.B. mehr als eine Binde/Stunde).
- ⚠Starke Schmerzen, die Sie nicht mehr aushalten und die nicht durch die üblichen Maßnahmen (Wärme, Ruhe) besser werden.
- ⚠Schmerzen, die mit Übelkeit, Erbrechen oder Fieber einhergehen.
- ⚠Sehr starke oder langanhaltende Blutungen (länger als 7 Tage oder sehr stark).
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen im Unterleib, die oft mit der Regelblutung zusammenhängen, aber auch davor oder danach auftreten können.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
- Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, besonders während der Periode.
- Starke oder unregelmäßige Blutungen.
- Müdigkeit, Erschöpfung und allgemeines Unwohlsein.
- Schmerzen im unteren Rücken oder in den Beinen.
Symptome bei Kindern
- Bei jungen Mädchen können die Symptome oft mit gewöhnlichen Regelschmerzen verwechselt werden. Mögliche Anzeichen sind wiederkehrende starke Bauchschmerzen, die die Schule oder Aktivitäten beeinträchtigen, sowie Übelkeit oder Durchfall während der Periode.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Frauen nach den Wechseljahren können die Symptome nachlassen, da die Hormonproduktion sinkt. Allerdings können bestehende Verwachsungen oder Narben weiterhin Schmerzen oder Beschwerden verursachen. Bei einer Hormonersatztherapie können die Symptome wieder auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt mehrere Theorien, z.B. die sogenannte „Retrograde Menstruation“: Dabei fließt Menstruationsblut durch die Eileiter in den Bauchraum zurück und bringt Zellen der Gebärmutterschleimhaut dorthin.
- Auch das Immunsystem spielt eine Rolle. Bei manchen Frauen kann das Gewebe nicht richtig abgebaut werden.
- Vererbung: Endometriose tritt in manchen Familien gehäuft auf.
Risikofaktoren
- Früher Beginn der Regelblutung (vor dem 11. Lebensjahr).
- Kurze Zyklen (weniger als 27 Tage).
- Starke oder lange Blutungen.
- Keine Schwangerschaften.
- Familienmitglieder (Mutter, Schwester) mit Endometriose.
- Bestimmte anatomische Besonderheiten der Gebärmutter.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schmerzen so stark sind, dass Sie Ihren Alltag nicht bewältigen können.
- Wenn Schmerzen mit Fieber, Übelkeit oder Erbrechen auftreten.
- Wenn Sie sehr starke Blutungen haben (z.B. mehr als 7 Tage oder alle 2 Stunden wechseln müssen).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig unter starken Regelschmerzen leiden, die mit einfachen Schmerzmitteln nicht besser werden.
- Wenn Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben.
- Wenn Sie sich Sorgen um Ihre Fruchtbarkeit machen oder länger als ein Jahr erfolglos versuchen, schwanger zu werden.
- Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Beschwerden mit Endometriose zusammenhängen könnten.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt gestellt. Oft beginnt sie mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Der sicherste Weg zur Diagnose ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei der ein kleiner Schnitt gemacht wird, um mit einer Kamera in den Bauchraum zu schauen und gegebenenfalls Gewebeproben zu entnehmen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Ihre Symptome und Ihren Zyklus.
- Tastuntersuchung der Scheide und des Bauchraums.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie) – oft vaginal, um Zysten oder verdickte Stellen zu erkennen.
- In manchen Fällen eine Magnetresonanztomographie (MRT).
- Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit Gewebeprobe (Biopsie) ist der Goldstandard für die Diagnose.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann manchmal einige Zeit dauern, da die Symptome auch andere Ursachen haben können. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird verschiedene Untersuchungen Schritt für Schritt durchführen. Sie werden über jeden Schritt informiert und können Fragen stellen. Die Bauchspiegelung ist ein kleiner Eingriff unter Vollnarkose, dauert etwa 30-60 Minuten und Sie können meist noch am gleichen Tag nach Hause. Nach dem Eingriff können leichte Schmerzen oder Müdigkeit auftreten, die aber schnell vergehen.
Behandlung
Die Behandlung der Endometriose richtet sich nach Ihren Beschwerden, Ihrem Alter und Ihrem Kinderwunsch. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Fruchtbarkeit zu erhalten. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die oft kombiniert werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, was für Sie am besten geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme anwenden, z.B. Wärmflasche oder warme Bäder auf den Unterbauch.
- Sanfte Bewegung wie Spazierengehen, Yoga oder Dehnübungen – Vermeiden Sie aber Überanstrengung.
- Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation zur Schmerzbewältigung.
- Ausreichend Schlaf und Pausen gönnen.
- Stress reduzieren, da Stress die Symptome verschlimmern kann.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen verschiedene Medikamente vorschlagen, die die Hormone beeinflussen, um das Wachstum des Endometriosegewebes zu bremsen und Schmerzen zu lindern. Dazu gehören hormonelle Verhütungsmittel (wie die Pille oder Hormonspirale) oder andere hormonelle Behandlungen. Auch nicht-hormonelle Schmerzmittel können eingesetzt werden. Die Wahl der Behandlung hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen und möglichen Nebenwirkungen ab. Lassen Sie sich ausführlich beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (meist eine Bauchspiegelung) kommt infrage, wenn die konservativen Behandlungen nicht ausreichen, wenn Herde oder Zysten entfernt werden müssen oder wenn Sie einen Kinderwunsch haben. Dabei wird das gesamte sichtbare Endometriosegewebe entfernt. Die Operation kann die Schmerzen oft deutlich bessern, aber die Erkrankung kann wiederkehren. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird mit Ihnen besprechen, ob und wann eine Operation sinnvoll ist.
Leben mit der Erkrankung
Endometriose kann den Alltag manchmal einschränken, aber mit der richtigen Unterstützung und Behandlung können die meisten Frauen gut leben. Planen Sie bei starken Schmerztagen Pausen ein. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber oder Ihre Schule über Ihre Erkrankung, wenn nötig. Tauschen Sie sich mit Ihrem Partner oder Ihrer Familie aus, damit sie Verständnis haben.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie einen Schmerz- oder Symptomkalender, um Muster zu erkennen.
- Suchen Sie sich eine Ärztin oder einen Arzt, der sich mit Endometriose auskennt (z.B. in einer speziellen Endometriose-Sprechstunde).
- Vermeiden Sie Rauchen, da es die Durchblutung und die Schmerzen negativ beeinflussen kann.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Erholung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Manche Frauen berichten, dass sie weniger Beschwerden haben, wenn sie auf Milchprodukte, Gluten oder stark verarbeitete Lebensmittel verzichten. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut. Regelmäßige, moderate Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen fördert die Durchblutung und kann Schmerzen lindern. Bei akuten Schmerzen gönnen Sie sich Ruhe.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Endometriose kann seelisch belastend sein – vor allem wegen der ständigen Schmerzen und der möglichen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Es ist ganz normal, sich manchmal traurig, ängstlich oder frustriert zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Auch Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen können helfen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Belastung zu groß wird, suchen Sie sich bitte Unterstützung – Sie sind damit nicht alleine.
Vorbeugung
Man kann Endometriose nicht sicher verhindern, da die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die das Risiko senken könnten, wie z.B. regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und das Vermeiden von übermäßigem Stress. Auch eine frühe Schwangerschaft oder die langfristige Einnahme der Antibabypille werden manchmal mit einem geringeren Risiko in Verbindung gebracht – das ist aber nicht für jede Frau machbar oder gewünscht.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung für Endometriose bei symptomlosen Frauen. Bei Beschwerden sollten Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, die Erkrankung gut zu behandeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Schmerzen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können.
- Bildung von Verwachsungen (Adhäsionen), die Organe verkleben und zu weiteren Schmerzen führen können.
- Eierstockzysten (Endometriome), die platzen oder verdrehen können.
- Eingeschränkte Fruchtbarkeit (Unfruchtbarkeit) durch Schädigung der Eileiter oder Eierstöcke.
- Selten: Auswirkungen auf benachbarte Organe wie Darm oder Blase.
Langzeitprognose
Endometriose ist in der Regel nicht lebensbedrohlich, aber sie kann den Alltag stark beeinträchtigen. Mit einer individuellen Behandlung – sei es durch Medikamente, Operation oder begleitende Maßnahmen – können die Symptome meist gut kontrolliert werden. Viele Frauen führen ein erfülltes Leben mit Familie, Beruf und Hobbys. Auch die Fruchtbarkeit kann bei vielen erhalten bleiben oder durch Behandlungen unterstützt werden. Es gibt Hoffnung und Hilfe – sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, und suchen Sie sich Unterstützung. Sie müssen nicht alleine damit umgehen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026
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