Faecal incontinence
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Stuhlinkontinenz bedeutet, dass Sie ungewollt Stuhl oder Winde (Darmgase) nicht zurückhalten können. Dies kann von gelegentlichem Abgang von Gas bis zum vollständigen Verlust der Kontrolle über den Stuhlgang reichen. Es ist ein häufiges, aber oft verschwiegenes Problem.
Wichtige Fakten
- Stuhlinkontinenz betrifft etwa 2-20 % der Erwachsenen, die genauen Zahlen sind schwer zu ermitteln, da viele Betroffene nicht darüber sprechen.
- Es ist keine normale Alterserscheinung, sondern ein medizinisches Problem, das behandelt werden kann.
- Die Ursachen sind vielfältig, von Durchfall und Verstopfung bis hin zu Muskelschwäche oder Nervenschäden.
Ja, Stuhlinkontinenz ist häufiger als viele denken. Schätzungsweise 1 von 10 Erwachsenen ist betroffen, wobei Männer und Frauen gleichermaßen davon betroffen sein können.
Stuhlinkontinenz kann Menschen jeden Alters betreffen, häufiger jedoch ältere Erwachsene, Frauen nach der Geburt und Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen wie Diabetes oder Rückenmarksverletzungen.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen im Bauch oder After
- Blut im Stuhl (frisches Blut oder teerartiger Stuhl)
- Fieber und Schüttelfrost zusammen mit Stuhlinkontinenz
- Plötzliche Unfähigkeit, Stuhl oder Winde abzulassen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen
- ⚠Stuhlinkontinenz nach einer Operation oder Verletzung
- ⚠Neu aufgetretene Inkontinenz, die sich nicht bessert
- ⚠Starker Durchfall, der länger als 2-3 Tage anhält und zu Dehydrierung führt
Häufige Symptome
- Unwillkürlicher Abgang von Stuhl oder Winden (Darmgas)
- Plötzlicher, starker Stuhldrang, den Sie nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen
- Das Gefühl, den Stuhl nicht vollständig entleeren zu können
- Verschmutzung der Unterwäsche (Schmierinfektion)
- Ständiges Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich Stuhlinkontinenz oft als Einkoten (sogenanntes 'Schmieren'), bei dem flüssiger Stuhl in der Unterwäsche erscheint.
- Kinder können aus Angst vor Schmerzen beim Stuhlgang den Toilettengang vermeiden.
- Häufig tritt es im Zusammenhang mit chronischer Verstopfung auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen ist die Inkontinenz oft mit altersbedingten Veränderungen der Darmfunktion verbunden.
- Erkrankungen wie Demenz oder Schlaganfall können die Wahrnehmung von Stuhldrang beeinträchtigen.
- Die Anfälligkeit für Infektionen oder Hautprobleme im Analbereich ist erhöht.
Ursachen
Hauptursachen
- Schädigung der Schließmuskeln (z. B. nach Geburtsverletzungen oder Operationen)
- Nervenschäden durch Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose oder Rückenmarksverletzungen
- Chronische Verstopfung, die den Darm überdehnt und die Muskeln schwächt
- Durchfallerkrankungen, bei denen der Darm zu schnell entleert wird
- Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre
- Schwierige Geburten (z. B. Dammschnitt, Zangengeburt)
- Chirurgische Eingriffe am Enddarm oder After
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Bestimmte Medikamente, die Durchfall oder Verstopfung fördern können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretender Stuhlinkontinenz ohne erkennbare Ursache
- Wenn Sie Blut im Stuhl oder ungewollten Gewichtsverlust bemerken
- Wenn die Inkontinenz mit starken Schmerzen oder Fieber einhergeht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Stuhlinkontinenz, die Ihren Alltag beeinträchtigt
- Wenn Sie vermuten, dass eine Grunderkrankung die Ursache sein könnte
- Zur Abklärung nach einer Verletzung oder Operation im Beckenbereich
Diagnose
Der Arzt wird zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen, um Ihre Symptome, Ihre Krankengeschichte und mögliche Auslöser zu erfragen. Dazu gehört auch eine körperliche Untersuchung, bei der der Enddarm und der Schließmuskel beurteilt werden.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese (Krankengeschichte) und Tagebuch über Stuhlgang und Inkontinenzepisoden
- Körperliche Untersuchung mit Abtasten des Enddarms (digitale rektale Untersuchung)
- Messung des Schließmuskeldrucks (Anorektale Manometrie)
- Ultraschalluntersuchung des Enddarms (Endosonographie), um Muskelschäden zu erkennen
- Darstellung des Darms durch Röntgen (Defäkographie) oder eine Darmspiegelung (Koloskopie) zum Ausschluss anderer Ursachen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei oder nur leicht unangenehm. Sie können in der Praxis Ihres Hausarztes oder bei einem Facharzt für Gastroenterologie oder Proktologie (Darmspezialisten) durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Stuhlinkontinenz. Oft ist eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen am erfolgreichsten. Ziel ist es, die Kontrolle über den Stuhlgang zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Ernährung und Ihren Stuhlgang, um Auslöser zu erkennen.
- Gehen Sie regelmäßig zu festen Zeiten auf die Toilette, auch ohne Drang (sogenanntes 'Toilettentraining').
- Üben Sie Beckenbodenmuskeln: Spannen Sie die Muskeln um den After für einige Sekunden an und entspannen Sie sie dann.
- Vermeiden Sie starke Belastung beim Stuhlgang, um die Muskeln nicht zu überdehnen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Medikamente helfen, den Stuhl zu regulieren, z. B. bei Durchfall oder Verstopfung. Ihr Arzt kann Ihnen dazu geeignete Mittel empfehlen. Auch Biofeedback-Therapie (Training mit einem Gerät, das die Muskelaktivität anzeigt) wird eingesetzt, um die Wahrnehmung und Kontrolle des Schließmuskels zu verbessern. In einigen Fällen werden Nervenstimulationsverfahren eingesetzt, um die Darmfunktion zu beeinflussen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn konservative Behandlungen nicht ausreichen, kann eine Operation infrage kommen, z. B. zur Reparatur des Schließmuskels oder zur Verstärkung des Beckenbodens. Dies wird immer individuell mit Ihrem Arzt besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Stuhlinkontinenz kann peinlich sein, aber es gibt viele Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern. Planen Sie Toilettenpausen ein und verwenden Sie bei Bedarf Einlagen oder Vorlagen, um sich sicherer zu fühlen. Tragen Sie Kleidung, die sich leicht ausziehen lässt.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, um die Darmtätigkeit zu unterstützen.
- Vermeiden Sie Stress, da dieser die Symptome verstärken kann.
- Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Familie über Ihre Situation – sie können unterstützen.
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Flüssigkeit kann helfen, den Stuhl zu regulieren. Vermeiden Sie aufblähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Kohl, wenn Sie unter Blähungen leiden. Regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur (z. B. durch spezielle Übungen, die Sie bei einem Physiotherapeuten lernen können) stärkt die Schließmuskulatur.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Stuhlinkontinenz kann zu Angst, Scham und sozialem Rückzug führen. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie nicht allein sind. Suchen Sie sich Unterstützung – sei es durch Gespräche mit Ihrem Arzt, einer Selbsthilfegruppe oder einem Psychologen. Bei akuten Krisen können Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 anrufen.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können das Risiko senken: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, trinken Sie ausreichend und bewegen Sie sich regelmäßig. Vermeiden Sie starkes Pressen beim Stuhlgang, um die Beckenbodenmuskulatur zu schonen. Nach der Geburt können gezielte Beckenbodenübungen helfen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung speziell für Stuhlinkontinenz. Wenn Sie Symptome bemerken, sollten Sie frühzeitig Ihren Arzt aufsuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Hautreizungen und Infektionen im Analbereich durch ständige Feuchtigkeit und Stuhl
- Verschlechterung der Muskelfunktion durch dauerhafte Überdehnung
- Soziale Isolation und psychische Belastung wie Depressionen
- Harnwegsinfekte durch Verschleppung von Bakterien
Langzeitprognose
Die Behandlungsaussichten sind in den meisten Fällen gut. Viele Menschen erlangen durch Therapie und Eigenmaßnahmen wieder eine verbesserte Kontrolle. Auch wenn eine vollständige Heilung nicht immer möglich ist, kann die Lebensqualität durch angepasste Behandlungen deutlich gesteigert werden. Bleiben Sie zuversichtlich und suchen Sie professionelle Hilfe.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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