Leben mit Glaukom in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Glaukom (auch Grüner Star genannt) ist eine Augenerkrankung, bei der der Sehnerv geschädigt wird. Meistens liegt ein zu hoher Druck im Auge zugrunde. In der Schwangerschaft muss die Behandlung besonders sorgfältig gewählt werden, um sowohl das Baby als auch die Augen der Mutter zu schützen.
Wichtige Fakten
- Glaukom kann in der Schwangerschaft gut behandelt werden, wenn Sie regelmäßig Ihren Arzt aufsuchen.
- Einige Glaukom-Medikamente können während der Schwangerschaft umgestellt werden – niemand sollte ohne ärztlichen Rat seine Tropfen absetzen.
- Bei plötzlichen Sehstörungen oder starken Augenschmerzen ist sofort medizinische Hilfe nötig (Notruf 112).
Glaukom in der Schwangerschaft ist selten. Die meisten Frauen, die betroffen sind, hatten bereits vor der Schwangerschaft ein Glaukom. Sehr selten entwickelt sich ein Glaukom erst während der Schwangerschaft.
Das Problem betrifft schwangere Frauen mit bereits bekanntem Glaukom sowie sehr selten Frauen, die während der Schwangerschaft einen erhöhten Augeninnendruck entwickeln. Auch Frauen mit Risikofaktoren wie Kurzsichtigkeit, Diabetes oder einer familiären Vorbelastung sollten besonders achten.
Symptome
- Plötzlicher starker Augenschmerz zusammen mit Übelkeit und Erbrechen.
- Akuter Sehverlust auf einem oder beiden Augen.
- Rasche Verschlechterung des Sehvermögens innerhalb weniger Stunden.
- ⚠Anhaltende Augenschmerzen, die nicht nachlassen.
- ⚠Plötzliche Lichtempfindlichkeit oder das Auftreten von Halos.
- ⚠Verschwommenes Sehen, das über ein kurzes ‚Schleiersehen‘ hinausgeht.
Häufige Symptome
- Verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle (Sie sehen bestimmte Bereiche nicht mehr, z. B. an den Seiten).
- Augenschmerzen oder Druckgefühl im Auge.
- Lichtempfindlichkeit oder Regenbogenfarben um Lichtquellen (sogenannte Halos).
- Rötung des Auges.
Symptome bei Kindern
- Dieser Artikel behandelt ausschließlich das Glaukom während der Schwangerschaft. Bei Kindern gelten andere Regeln.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Dieser Artikel behandelt das Glaukom in der Schwangerschaft. Bei älteren Menschen verläuft die Erkrankung meist chronischer und andere Behandlungen stehen im Vordergrund.
Ursachen
Hauptursachen
- Die häufigste Ursache ist ein zu hoher Druck im Auge (intraokularer Druck). Dieser Druck schädigt mit der Zeit den Sehnerv.
- In der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen den Augeninnendruck beeinflussen – manchmal sinkt er, manchmal steigt er.
- Sehr selten kann ein Glaukom auch entstehen, wenn der Abfluss des Kammerwassers im Auge gestört ist (z. B. durch Entzündungen oder Verletzungen).
Risikofaktoren
- Bestehendes Glaukom vor der Schwangerschaft.
- Familiäre Veranlagung (z. B. Eltern oder Geschwister mit Glaukom).
- Alter über 40 Jahre (selten in der Schwangerschaft).
- Starke Kurzsichtigkeit (Myopie) oder sehr hoher Blutdruck.
- Einnahme von bestimmten Medikamenten, z. B. Kortison über längere Zeit.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Sehstörungen, starken Augenschmerzen oder Augentrauma.
- Wenn Sie die Sehkraft auf einem Auge plötzlich verlieren oder sehr unscharf sehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bereits ein Glaukom haben, lassen Sie Ihre Augen zu Beginn der Schwangerschaft und dann alle 1–3 Monate kontrollieren.
- Auch ohne Symptome sollten Sie vor und während der Schwangerschaft regelmäßig zum Augenarzt gehen – mindestens eine Kontrolle im zweiten Trimester.
Diagnose
Der Augenarzt misst den Augeninnendruck, untersucht den Sehnerv und prüft Ihr Gesichtsfeld (Sehfeld). Dabei wird auch besprochen, ob die Messwerte während der Schwangerschaft verändert sind.
Mögliche Untersuchungen
- Tonometrie: Messung des Augeninnendrucks mit einem kleinen Gerät, das sanft das Auge berührt – kein Schmerz.
- Spaltlampenuntersuchung: Der Arzt schaut mit einem speziellen Mikroskop in Ihr Auge, um den Sehnerv und die Abflusswege zu beurteilen.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Sie sehen in einen halbrunden Kasten und drücken einen Knopf, sobald Sie Lichtblitze wahrnehmen. So wird festgestellt, ob es Ausfälle im Sehfeld gibt.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein schmerzfreier Scan, der die Dicke der Netzhaut und des Sehnervs misst.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Sie bekommen Augentropfen, die die Pupillen weiten – das kann 4–6 Stunden unscharfes Sehen verursachen. Danach sollten Sie nicht selbst Auto fahren. Ihr Arzt erklärt Ihnen alles vorher.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken und den Sehnerv zu schützen, ohne das Ungeborene zu gefährden. Dazu wird die Therapie je nach Schweregrad und Schwangerschaftsstadium angepasst. Ein ärztlicher Rat ist zwingend erforderlich, bevor Sie Medikamente ändern oder absetzen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie einen aktuellen Brillenpass – Sehveränderungen können die Brillenstärke beeinflussen.
- Vermeiden Sie langes Arbeiten am Bildschirm ohne Pausen – blinzeln Sie oft.
- Vorsicht beim Schlafen: In der Spätschwangerschaft kann das Schlafen auf dem Rücken den Augeninnendruck leicht erhöhen; am besten auf der Seite schlafen.
- Stress vermeiden – Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Yoga können helfen (sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt).
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die sicherste Therapie wählen. Es gibt Augentropfen, die den Druck senken – nicht alle sind in der Schwangerschaft erlaubt. In manchen Fällen kann eine Lasertherapie (z. B. selektive Lasertrabekuloplastik) oder eine Operation (Trabekulektomie) notwendig sein. Diese Entscheidungen treffen Sie und Ihr Arzt basierend auf Ihrem individuellen Risiko.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in der Regel nur dann empfohlen, wenn die Drucksenkung mit Tropfen oder Laser nicht ausreicht und eine Sehnervschädigung droht. In der Schwangerschaft wird sie möglichst erst nach der Geburt oder im letzten Drittel durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Leben Sie mit einem festen Kontrollrhythmus: Lassen Sie alle 1–3 Monate Ihren Augeninnendruck messen. Nehmen Sie Ihre verordneten Tropfen genau nach Plan – auch wenn Sie sich schlecht fühlen. Führen Sie ein Symptom-Tagebuch, um Veränderungen schnell zu bemerken.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und vermeiden Sie Schlafmangel.
- Schützen Sie Ihre Augen vor hellem Licht – eine Sonnenbrille kann helfen.
- Vermeiden Sie starke körperliche Anstrengung und Pressen beim Stuhlgang (bei Neigung zu Verstopfung).
- Hören Sie auf zu rauchen – Rauchen erhöht das Risiko für Sehnervschäden.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Leinöl oder Fisch) unterstützt die Augengesundheit. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen ist erlaubt und fördert die Durchblutung. Vermeiden Sie jedoch Sportarten mit abrupten Kopfbewegungen oder Pressen (z. B. Gewichtheben). Fragen Sie Ihren Arzt, welche Aktivitäten für Sie sicher sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Sorge um die eigene Sehkraft und das Wohl des Babys kann belastend sein. Es ist normal, sich ängstlich zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder einer Hebamme. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder Angst wenden Sie sich an Ihren Frauenarzt oder eine psychologische Beratungsstelle (z. B. die Nummer gegen Kummer für Erwachsene: 0800 111 0 555 – keine Sorge, dieser Dienst ist vertraulich).
Vorbeugung
Ein Glaukom lässt sich nicht verhindern, aber eine frühzeitige Erkennung verhindert schwere Schäden. Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt – das gilt besonders in der Schwangerschaft.
Früherkennungsprogramme
Die gesetzlichen Krankenkassen bieten ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Glaukom-Vorsorge an. In der Schwangerschaft sollten Sie aber – unabhängig vom Alter – eine Kontrolle beim Augenarzt vereinbaren, wenn Sie Risikofaktoren haben oder Symptome bemerken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Schädigung des Sehnervs bis hin zur irreversiblen Erblindung.
- Dauerhafte Gesichtsfeldausfälle (Sie sehen z. B. nur noch einen kleinen Tunnel).
- Im schlimmsten Fall ein akuter Glaukomanfall, der sofort notfallmedizinisch behandelt werden muss.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut, wenn das Glaukom rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Die meisten Frauen mit Glaukom bekommen gesunde Kinder und behalten ihre Sehkraft. Das Wichtigste ist, dass Sie eng mit Ihrem Augenarzt und Frauenarzt zusammenarbeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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