Herzschwäche in der Schwangerschaft: Leben mit einer besonderen Herausforderung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herzschwäche (auch Herzinsuffizienz genannt) bedeutet, dass das Herz nicht mehr stark genug pumpen kann, um den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Wenn diese Erkrankung während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt auftritt, spricht man von einer Herzschwäche in der Schwangerschaft. Das kann gefährlich sein, aber mit guter Betreuung und Behandlung haben die meisten Frauen eine positive Entwicklung.
Wichtige Fakten
- Herzschwäche in der Schwangerschaft ist selten, aber ernst zu nehmen.
- Die häufigste Form ist die peripartale Kardiomyopathie, die in den letzten Schwangerschaftswochen oder nach der Geburt auftritt.
- Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung verbessert die Prognose für Mutter und Kind deutlich.
Nein, Herzschwäche in der Schwangerschaft ist selten. Sie tritt bei etwa 1 von 1.000 bis 4.000 Schwangerschaften auf.
Betroffen sind schwangere Frauen jeden Alters, aber besonders gefährdet sind Frauen über 30, Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Bluthochdruck in der Schwangerschaft oder bereits bestehenden Herzerkrankungen. Auch Frauen mit afrikanischer Abstammung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot, die nicht nachlässt
- Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Husten mit schaumigem oder blutigem Auswurf
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Puls mit Schwindel
- ⚠Zunehmende Kurzatmigkeit, die den Alltag beeinträchtigt
- ⚠Starke Schwellungen an Beinen oder Füßen, die nicht zurückgehen
- ⚠Anhaltende Erschöpfung, die sich verschlimmert
- ⚠Gewichtszunahme von mehr als 1 kg pro Tag
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei leichter Anstrengung oder im Liegen
- Starke Müdigkeit und Erschöpfung
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Füße (Ödeme)
- Schnelle oder unregelmäßige Herzschläge (Herzrasen)
- Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Schwangerschaft belastet das Herz zusätzlich, da das Blutvolumen im Körper zunimmt.
- Eine bereits bestehende Herzerkrankung, wie eine Klappenverengung oder Herzmuskelentzündung, kann sich verschlechtern.
- Die peripartale Kardiomyopathie – eine Herzmuskelschwäche, die in den letzten Schwangerschaftswochen oder in den ersten Monaten nach der Geburt auftritt.
Risikofaktoren
- Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie)
- Mehrlingsschwangerschaften (Zwillinge, Drillinge)
- Alter über 30 Jahre
- Bereits bestehende Herzerkrankung
- Übergewicht oder Fettleibigkeit
- Rauchen oder Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Atemnot, die sich verschlimmert oder in Ruhe auftritt
- Bei Brustschmerzen oder Herzrasen
- Bei plötzlicher starker Schwellung der Beine oder des Bauches
- Bei Husten mit blutigem Auswurf
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Müdigkeit, die nicht mit normaler Schwangerschaftsmüdigkeit vergleichbar ist
- Bei leichter Kurzatmigkeit bei normalen Aktivitäten
- Bei unerklärlicher Gewichtszunahme oder geschwollenen Knöcheln
- Vor der Schwangerschaft, wenn Sie eine bekannte Herzerkrankung haben
- Bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen (Mutterschaftsrichtlinien)
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Arzt oder einer Ärztin gestellt, meist einem Frauenarzt oder Kardiologen (Herzspezialist). Nach einem Gespräch über Ihre Symptome und Ihre Krankengeschichte folgen Untersuchungen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Messung von Blutdruck und Puls
- Echokardiografie (Herzultraschall): Zeigt, wie gut das Herz pumpt und ob die Herzklappen richtig arbeiten
- Blutuntersuchung: Bestimmung bestimmter Werte (wie NT-proBNP), die auf eine Herzbelastung hinweisen
- EKG (Elektrokardiogramm): Zeichnet die Herzströme auf und zeigt Herzrhythmusstörungen
- Gelegentlich: Röntgen oder MRT des Brustkorbs (wird nur in Ausnahmefällen und mit Bauchschutz durchgeführt)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und ungefährlich für Sie und Ihr Baby. Ein Herzultraschall wird oft von einem Kardiologen durchgeführt. Wenn die Diagnose bestätigt wird, werden Sie engmaschig betreut, oft in einem spezialisierten Zentrum mit einem Team aus Frauenärzten, Kardiologen und Geburtshelfern.
Behandlung
Die Behandlung von Herzschwäche in der Schwangerschaft zielt darauf ab, das Herz zu entlasten, die Symptome zu lindern und sowohl Mutter als auch Kind zu schützen. Die Therapie wird individuell angepasst und kann neben Medikamenten auch Veränderungen im Alltag umfassen. In schweren Fällen kann eine frühzeitige Entbindung notwendig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend Ruhe und Schlaf, am besten auf der linken Seite schlafen, um das Herz zu entlasten
- Salzarme Ernährung, um Wassereinlagerungen zu vermeiden
- Gewichtskontrolle: Tägliches Wiegen, um frühzeitig Wassereinlagerungen zu erkennen
- Vermeidung von Rauchen, Alkohol und übermäßiger körperlicher Anstrengung
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Therapie wird von einem erfahrenen Arzt überwacht und an die Schwangerschaft angepasst. Häufig werden Medikamente eingesetzt, die die Belastung des Herzens verringern, Wasser ausschwemmen oder den Blutdruck senken. Manche Medikamente werden in der Schwangerschaft vorsichtig dosiert oder durch verträglichere Alternativen ersetzt. In besonderen Fällen kommen auch Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen oder zur Unterstützung der Herzfunktion zum Einsatz. Bei peripartaler Kardiomyopathie können bestimmte Behandlungen helfen, die Pumpkraft des Herzens zu verbessern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein chirurgischer Eingriff am Herzen ist während der Schwangerschaft extrem selten und nur dann nötig, wenn andere Behandlungen nicht wirken oder lebensbedrohliche Komplikationen drohen. In manchen Fällen kann eine frühe Kaiserschnitt-Entbindung erforderlich sein, um die Mutter zu entlasten.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Herzschwäche in der Schwangerschaft bedeutet, auf die Signale Ihres Körpers zu achten und sich nicht zu überfordern. Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein, bitten Sie um Hilfe im Haushalt und passen Sie Ihr Tempo an. Es ist wichtig, regelmäßig Ihren Blutdruck und Ihr Gewicht zu kontrollieren und alle vereinbarten Arzttermine wahrzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine salzarme Ernährung – vermeiden Sie Fertiggerichte und stark gesalzene Snacks.
- Bewegen Sie sich moderat, z. B. mit Spaziergängen oder spezieller Schwangerschaftsgymnastik – aber nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.
- Trinken Sie ausreichend, aber nicht zu viel – besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Flüssigkeitsmenge für Sie richtig ist.
- Schlafen Sie möglichst auf der linken Seite, das entlastet das Herz.
- Verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung ist wichtig: wenig Salz, viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und magere Eiweißquellen. Bewegung sollte leicht und nicht anstrengend sein – kurze Spaziergänge oder sanfte Dehnübungen sind meist unbedenklich. Vermeiden Sie Sportarten, die den Kreislauf stark belasten. Besprechen Sie jeden Sport mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herzschwäche in der Schwangerschaft kann Angst und Sorge auslösen. Viele Frauen fühlen sich verunsichert, ob sie die Schwangerschaft gut überstehen und ob ihr Kind gesund sein wird. Diese Gefühle sind normal. Es ist wichtig, mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder einer Fachperson zu sprechen. Bei starker Belastung kann auch psychologische Unterstützung helfen. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Herzschwäche in der Schwangerschaft lässt sich nicht immer verhindern. Aber Frauen mit bekannten Risiken (wie Bluthochdruck oder Herzerkrankungen) können durch eine frühzeitige Betreuung und Behandlung das Risiko senken. Auch ein gesunder Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – mit normalem Gewicht, Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie regelmäßiger Bewegung – kann das Herz schützen.
Impfungen
Impfungen gegen Grippe oder Covid-19 können indirekt helfen, weil sie Herz-Kreislauf-Belastungen durch Infektionen vermeiden. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Frauen mit bekannten Risikofaktoren sollten bereits vor der Schwangerschaft eine kardiologische Untersuchung durchführen lassen. Während der Schwangerschaft gehören Blutdruckmessung und Urinuntersuchungen zur Routinevorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlechterung der Herzfunktion bis hin zum akuten Herzversagen
- Frühgeburt oder Wachstumsverzögerung des Kindes
- Präeklampsie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck)
- Bildung von Blutgerinnseln, die zu Schlaganfall oder Lungenembolie führen können
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute dank guter medizinischer Betreuung oft besser als noch vor wenigen Jahren. Viele Frauen mit Herzschwäche in der Schwangerschaft erholen sich vollständig, vor allem wenn die Erkrankung früh erkannt und behandelt wird. Bei peripartaler Kardiomyopathie verbessert sich die Herzfunktion bei etwa der Hälfte der Frauen wieder. Dennoch ist eine langfristige kardiologische Nachsorge wichtig, da das Risiko für Herzprobleme in späteren Schwangerschaften oder im Alter erhöht sein kann. Mit Geduld, Unterstützung und einer engen ärztlichen Begleitung haben die meisten Frauen eine gute Chance auf eine gesunde Zukunft – sowohl für sich selbst als auch für ihr Kind.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.