HELLP syndrome awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
HELLP-Syndrom ist eine seltene, aber ernste Schwangerschaftskomplikation, die mit der Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) zusammenhängt. Der Name HELLP steht für Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), erhöhte Leberenzyme und niedrige Thrombozyten (Blutplättchen). Diese Störung kann die Leber und die Blutgerinnung gefährlich beeinträchtigen und erfordert sofortige ärztliche Behandlung.
Wichtige Fakten
- HELLP-Syndrom tritt meist im letzten Drittel der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt auf.
- Es kann die Leber schädigen und zu Blutgerinnungsproblemen führen.
- Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend für die Gesundheit von Mutter und Kind.
- Die einzige definitive Behandlung ist die Entbindung des Kindes.
Nein, das HELLP-Syndrom ist selten. Es betrifft etwa 0,1 bis 0,6 Prozent aller Schwangerschaften.
Es betrifft schwangere Frauen, vor allem solche, die bereits an Präeklampsie leiden. Es kann auch in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten.
Symptome
- Starke Schmerzen im Oberbauch, die nicht nachlassen
- Atemnot
- Krampfanfälle
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsverlust
- Übelkeit und Erbrechen mit Bauchschmerzen
- Sehstörungen wie Doppelbilder oder vorübergehende Blindheit
- Starke Blutungen oder Blutergüsse ohne Grund
- ⚠Anhaltende Kopfschmerzen, die auf übliche Mittel nicht ansprechen
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an Händen, die zunehmen
- ⚠Übelkeit oder Erbrechen im letzten Schwangerschaftsdrittel
Häufige Symptome
- Übelkeit und Erbrechen
- Schmerzen im rechten Oberbauch oder unter dem Brustbein
- Kopfschmerzen, die nicht verschwinden
- Verschwommenes Sehen oder Flimmern vor den Augen
- Müdigkeit und Unwohlsein
- Schwellungen im Gesicht oder an den Händen (Ödeme)
Symptome bei Kindern
- Das HELLP-Syndrom betrifft nicht direkt das Kind, aber durch die Erkrankung der Mutter kann das Kind Frühgeburts- oder Wachstumsprobleme haben.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Das HELLP-Syndrom tritt nur während der Schwangerschaft oder im Wochenbett auf, daher nicht bei älteren Erwachsenen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache des HELLP-Syndroms ist nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass es durch Fehlfunktionen der Blutgefäße in der Plazenta ausgelöst wird, was zu einer Immunreaktion und Entzündung im Körper führt.
Risikofaktoren
- Vorbestehende Präeklampsie
- Frühere Schwangerschaft mit HELLP-Syndrom oder Präeklampsie
- Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge)
- Erstgebärende
- Alter über 35 Jahre
- Übergewicht oder Bluthochdruck vor der Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den Notfallsymptomen (siehe oben) sofort den Notruf 112 wählen oder in die nächste Klinik fahren.
- Bei anhaltenden Schmerzen im rechten Oberbauch oder starken Kopfschmerzen ohne Besserung.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie bei Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Schwellungen oder Sehstörungen immer Ihre Hebamme oder Frauenärztin / Ihren Frauenarzt an.
- Nehmen Sie alle Vorsorgetermine wahr – dabei werden Blutdruck, Urin und ggf. Blutwerte kontrolliert.
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Ärztin oder einem Arzt anhand von Bluttests gestellt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Messung der roten Blutkörperchen, Leberwerte und Thrombozytenzahl.
- Blutdruckmessung
- Urintest auf Eiweiß (Hinweis auf Präeklampsie)
- Ultraschall der Leber (bei Bedarf)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht auf HELLP-Syndrom besteht, werden Sie meist stationär aufgenommen. Die Ärzte überwachen Sie und Ihr Kind engmaschig. Je nach Schweregrad wird die Entbindung eingeleitet – das ist die einzige Behandlung, die die Erkrankung stoppt.
Behandlung
Die Behandlung des HELLP-Syndroms hängt vom Schweregrad und der Schwangerschaftswoche ab. Das Ziel ist, die Mutter zu stabilisieren und das Kind sicher zu entbinden.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus und vermeiden Sie körperliche Anstrengung.
- Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Nehmen Sie alle verordneten Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung ein – fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Keine Selbstmedikation: Nehmen Sie keine Schmerzmittel oder andere Arzneimittel ohne ärztliche Rücksprache.
Medizinische Behandlungen
Die Ärzte können blutdrucksenkende Mittel oder Medikamente gegen Krampfanfälle (wie Magnesium) geben. Bei Blutgerinnungsstörungen erhalten Sie Infusionen oder Blutprodukte wie Thrombozytenkonzentrate. Eine frühzeitige Entbindung ist oft notwendig; manchmal wird zuvor die Lungenreife des Kindes durch Medikamente gefördert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Kaiserschnitt ist häufig erforderlich, wenn die Entbindung eingeleitet werden muss und die natürliche Geburt zu riskant wäre. Die Entscheidung trifft das Ärzteteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entbindung bessert sich das HELLP-Syndrom bei den meisten Frauen innerhalb weniger Tage bis Wochen. In dieser Zeit ist körperliche Schonung wichtig. Die Leber- und Blutwerte normalisieren sich meist vollständig. Bei manchen Frauen kann der Blutdruck noch einige Zeit erhöht bleiben.
Tipps für den Alltag
- Schonen Sie sich in der ersten Zeit nach der Geburt.
- Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten und schweres Heben.
- Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über die weitere Verhütung und die Planung einer nächsten Schwangerschaft.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Regeneration. Leichte Bewegung wie Spaziergänge sind nach ärztlicher Freigabe möglich und förderlich. Verzichten Sie auf Alkohol und Rauchen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erfahrung des HELLP-Syndroms kann sehr belastend sein und Ängste auslösen, auch für die Zukunft. Es ist normal, sich überfordert oder verunsichert zu fühlen. Suchen Sie sich Unterstützung – bei Ihrer Familie oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Das HELLP-Syndrom lässt sich nicht vollständig verhindern. Ein gutes Management der Vorsorgeuntersuchungen kann jedoch Risiken frühzeitig erkennen. Bei Frauen mit hohem Risiko (z. B. vorheriger Präeklampsie) kann die Ärztin oder der Arzt eine vorbeugende Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (Aspirin) empfehlen – dies sollte nur nach ärztlicher Verordnung erfolgen.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden regelmäßig Blutdruck, Urin und bei Risikopatientinnen auch Blutwerte überprüft. Dies dient der Früherkennung von Präeklampsie und HELLP-Syndrom.
Komplikationen
Unbehandelt
- Leberschäden (z. B. Leberriss oder Leberversagen)
- Blutgerinnungsstörungen (disseminierte intravasale Gerinnung, DIC)
- Nierenversagen
- Lungenödem (Flüssigkeit in der Lunge)
- Schlaganfall
- Krampfanfälle (Eklampsie)
- Frühgeburt des Kindes
- In seltenen Fällen Tod von Mutter oder Kind
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Erkennung und Behandlung ist die Prognose für Mutter und Kind heute gut. Die meisten Frauen erholen sich vollständig. Das Risiko für Rückfälle in späteren Schwangerschaften ist erhöht, aber durch engmaschige Betreuung gut zu managen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.