Leben mit einem ICD – Sicherheit im Alltag mit dem implantierbaren Defibrillator
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator) ist ein kleines Gerät, das unter der Haut am Brustkorb eingesetzt wird. Es beobachtet den Herzschlag rund um die Uhr. Wenn das Herz gefährlich schnell oder unregelmäßig schlägt, gibt das Gerät einen kontrollierten Stromstoß ab, um den Rhythmus zu stabilisieren. So schützt es vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen.
Wichtige Fakten
- Das Gerät ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und liegt unter der Haut unterhalb des Schlüsselbeins.
- Es kann das Herz mit kleinen Impulsen normalisieren und bei Bedarf einen Schock abgeben.
- Die Batterie hält in der Regel fünf bis acht Jahre, danach wird das Gerät ausgetauscht.
- Regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen sind wichtig, damit der ICD sicher funktioniert.
In Deutschland leben viele tausend Menschen mit einem ICD. Für viele ist das Gerät ein vertrauter Begleiter, der Schutz und Sicherheit gibt.
Ein ICD wird Menschen eingesetzt, die eine schwere Herzerkrankung haben oder bereits eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung erlebt haben. Das können ältere Menschen sein, aber auch jüngere Erwachsene und Kinder.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder keine Reaktion auf Ansprache
- Mehrere Schocks in kurzer Zeit
- Schwere Atemnot oder anhaltende Brustschmerzen
- Herzrasen mit Schwindel und Ohnmachtsgefühl
- ⚠Rötung, Schwellung oder Flüssigkeitsaustritt an der Wunde
- ⚠Fieber nach der Operation
- ⚠Der ICD gibt Pieptöne von sich
- ⚠Ein einzelner Schock – auch wenn Sie sich danach wieder gut fühlen
Häufige Symptome
- Meist spüren Sie den ICD im Alltag nicht.
- Wenn das Gerät einen Stromstoß abgibt, fühlt sich dies wie ein kurzer Schlag oder Stoß in der Brust an.
- Manche Menschen haben nach dem Einsetzen vorübergehend Schmerzen oder ein Spannungsgefühl an der Wunde.
Symptome bei Kindern
- Kinder haben einen kleineren Körper, deshalb muss die Implantation besonders sorgfältig geplant werden.
- Kindern fällt es manchmal schwer, sich an das Gerät zu gewöhnen – Angst oder Unsicherheit sind möglich.
- Auch bei Kindern gelten die gleichen Notfallzeichen wie bei Erwachsenen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben häufig zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes oder Nierenprobleme, die beachtet werden müssen.
- Stürze oder plötzliche Schwäche können Hinweise auf Herzrhythmusprobleme sein.
- Die Erinnerung an Kontrolltermine kann bei älteren Menschen Unterstützung durch Angehörige erfordern.
Ursachen
Hauptursachen
- Schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit eingeschränkter Pumpleistung
- Zustand nach einem Herzinfarkt
- Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie)
- Angeborene oder erbliche Herzrhythmusstörungen
Risikofaktoren
- Frühere Herzrhythmusstörungen mit Gefahr eines Herzstillstands
- Herzerkrankungen in der Familie
- Schwere Herzmuskelschäden
- Zustand nach einer Wiederbelebung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach jedem Schock des ICD – auch wenn Sie sich danach gut fühlen
- Bei mehreren aufeinanderfolgenden Schocks (besonders dann sofort den Notruf 112 wählen)
- Bei Anzeichen einer Infektion an der Wunde wie Rötung, Eiter oder zunehmender Schmerz
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Herzspezialisten, meist alle drei bis sechs Monate
- Gerätekontrolle in der Klinik oder per Fernabfrage von zu Hause
- Wenn Sie Fragen zu Alltag, Sport oder Reisen haben
Diagnose
Ob ein ICD nötig ist, entscheidet die Kardiologin oder der Kardiologe. Dabei wird Ihr Herz genau untersucht, um das persönliche Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen einzuschätzen. Die Ärzte orientieren sich an aktuellen medizinischen Leitlinien, auch den AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrische Herzaktivität
- Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) – zeigt Herzmuskel und Pumpfunktion
- Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Herzkatheteruntersuchung, um die Herzkranzgefäße zu prüfen
- Belastungstest, um das Herz unter Anstrengung zu beobachten
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Implantation erfolgt meist örtlicher Betäubung und dauert etwa ein bis zwei Stunden. Sie bleiben danach meist ein bis zwei Tage im Krankenhaus. Die Wunde heilt innerhalb weniger Wochen zu, und Sie bekommen einen ICD-Ausweis mit wichtigen Informationen für Notfälle.
Behandlung
Der ICD selbst ist die wichtigste Behandlung: Er erkennt gefährliche Herzrhythmusstörungen und beendet sie durch einen Stromstoß oder kleine Impulse. Er heilt die zugrunde liegende Herzkrankheit nicht, daher ist eine begleitende ärztliche Behandlung wichtig.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie die Wunde sauber und trocken, bis sie vollständig verheilt ist.
- Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben und kräftige Bewegungen des Arms auf der Geräteseite.
- Tragen Sie den ICD-Ausweis immer bei sich – auch auf Reisen.
- Öffnen Sie dem medizinischen Personal alle Informationen über Ihr Gerät.
Medizinische Behandlungen
Zusätzlich können Medikamente verordnet werden, die das Herz entlasten, den Blutdruck regulieren oder Herzrhythmusstörungen reduzieren. Diese Medikamente werden individuell von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eingestellt. Nehmen Sie die Medikamente immer genau wie verordnet ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Batterie des ICD hält etwa fünf bis acht Jahre. Dann wird das Gerät in einem kleineren Eingriff ausgetauscht. Auch die Sonden, also die dünnen Drähte, die zum Herzen führen, können bei Bedarf in einer Operation erneuert werden.
Leben mit der Erkrankung
Ein ICD ist im Alltag meist kaum spürbar. Sie können duschen, schwimmen, reisen und sich normal bewegen. Halten Sie das Mobiltelefon nicht direkt über dem Gerät und meiden Sie starke Magnetfelder, zum Beispiel bei bestimmten Sicherheitsscannern. Zeigen Sie beim Sicherheitscheck Ihren ICD-Ausweis.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig – das stärkt das Herz.
- Essen Sie ausgewogen mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Rauchen Sie nicht und schränken Sie Alkohol ein.
- Achten Sie auf Ihr Gewicht und behandeln Sie Blutdruck und Zucker bei Bedarf.
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist ausdrücklich erwünscht. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Wandern, Radfahren oder Schwimmen. Vermeiden Sie Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr oder starken Stößen auf den Brustkorb, zum Beispiel Kampfsport. Besprechen Sie Ihre sportlichen Ziele mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nach der Implantation können Ängste vor Schocks, Unsicherheit oder Schlafstörungen auftreten – das ist ganz normal. Sprechen Sie offen darüber mit Ihren Angehörigen, Ihrem Arzt oder im Rahmen einer Selbsthilfegruppe. Wenn die Belastung anhält, kann eine psychologische Beratung helfen. Bei akuten Krisen mit Selbstverletzungsgedanken erreichen Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Eine Herzerkrankung, die zu einem ICD führt, lässt sich nicht immer verhindern. Aber Sie können Ihr Herz schützen, indem Sie sich gesund ernähren, bewegen, nicht rauchen und Blutdruck sowie Blutzucker im Blick behalten.
Impfungen
Schutzimpfungen gegen Grippe (Influenza) und Lungenentzündung (Pneumokokken) werden für Menschen mit Herzerkrankung oft empfohlen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin darüber.
Früherkennungsprogramme
Wer in der Familie schwere Herz- oder Rhythmusstörungen kennt, kann eine frühzeitige ärztliche Absprache nutzen. Für Menschen mit Herzschwäche sind regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen wichtig, um Risiken rechtzeitig zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne ICD kann eine gefährliche Herzrhythmusstörung zum plötzlichen Herztod führen.
- Eine unbehandelte Herzschwäche kann sich verschlimmern und zunehmend den Alltag einschränken.
Langzeitprognose
Mit einem ICD ist das Leben wieder sicher planbar. Viele Menschen gewöhnen sich gut an das Gerät und erleben eine hohe Lebensqualität. Die Technik hat in Deutschland schon vielen Menschen das Leben gerettet – und sie wird immer besser. Ihr medizinisches Team begleitet Sie dabei.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
- Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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