Immune thrombocytopenia
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Erkrankung des Immunsystems, bei der die körpereigenen Abwehrzellen fälschlicherweise die Blutplättchen (Thrombozyten) angreifen und zerstören. Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung – sie helfen, Blutungen zu stoppen. Wenn zu wenige davon vorhanden sind, kann es leichter zu blauen Flecken oder Blutungen kommen.
Wichtige Fakten
- ITP ist eine erworbene Autoimmunerkrankung – das Immunsystem greift körpereigene Zellen an.
- Die Erkrankung kann plötzlich auftreten oder über einen längeren Zeitraum bestehen.
- Die Behandlung zielt darauf ab, die Zahl der Blutplättchen zu erhöhen und Blutungen zu verhindern.
- Viele Menschen mit ITP haben eine gute Lebensqualität, insbesondere wenn die Erkrankung gut eingestellt ist.
Die ITP ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken jährlich etwa 3 bis 4 von 100.000 Erwachsenen. Bei Kindern ist sie etwas häufiger, heilt aber oft von selbst aus.
ITP kann Menschen jeden Alters betreffen. Es gibt zwei Hauptformen: die akute Form tritt häufig bei Kindern nach einer Infektion auf und heilt meist von selbst. Die chronische Form kommt häufiger bei Erwachsenen vor, insbesondere bei Frauen im mittleren Lebensalter.
Symptome
- Plötzliche starke Kopfschmerzen, die nicht nachlassen (Hinweis auf eine Hirnblutung).
- Verwirrtheit, Bewusstseinsverlust oder Krampfanfälle.
- Blut im Stuhl (schwarz oder teerartig) oder blutiges Erbrechen.
- Starke Blutungen, die nicht aufhören, z. B. nach einem Sturz oder Unfall.
- ⚠Anhaltendes Nasenbluten, das nach 20 Minuten Druck nicht stoppt.
- ⚠Blut im Urin (rosa, rot oder braun).
- ⚠Plötzlich auftretende multiple Blutergüsse ohne erkennbare Ursache.
- ⚠Fieber mit gleichzeitigen Blutungen (Hinweis auf Infektion).
Häufige Symptome
- Punktförmige, stecknadelkopfgroße rote oder violette Flecken auf der Haut (Petechien), besonders an den Beinen.
- Blutergüsse (Hämatome), die ohne erkennbaren Grund auftreten.
- Nasenbluten oder Zahnfleischbluten, das schwer zu stoppen ist.
- Stärkere oder länger andauernde Blutungen nach kleinen Verletzungen.
- Bei Frauen: verstärkte oder ungewöhnlich lange Monatsblutungen.
Symptome bei Kindern
- Plötzlich auftretende Blutergüsse im Gesicht, an Armen und Beinen.
- Petechien (kleine rote Punkte) im Mund oder auf der Haut.
- Oft geht eine Virusinfektion (z. B. Erkältung, Magen-Darm-Infekt) voraus.
- Bei den meisten Kindern bessert sich die ITP innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger sind größere Blutergüsse (Sugillationen) und anhaltendes Nasenbluten.
- Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Urin können auftreten.
- Auch leichte Blutungen, die schwer zu stoppen sind, wie z. B. nach Rasur oder Zähneputzen.
- Bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten steigt das Blutungsrisiko.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht immer bekannt. Bei der ITP greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Blutplättchen an.
- Bei Kindern tritt die akute Form oft nach einer Virusinfektion auf (z. B. Windpocken, Grippe).
- Bei Erwachsenen kann die chronische Form mit anderen Erkrankungen wie Lupus oder HIV in Zusammenhang stehen, oder sie tritt ohne erkennbare Ursache auf.
Risikofaktoren
- Vorausgegangene Virusinfektionen (besonders bei Kindern).
- Autoimmunerkrankungen (z. B. systemischer Lupus erythematodes).
- Bestimmte Medikamente (z. B. einige Antibiotika oder Blutverdünner) – aber das ist selten.
- Eine familiäre Veranlagung scheint keine große Rolle zu spielen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich viele kleine rote Punkte (Petechien) auf der Haut bemerken.
- Bei wiederholtem Nasenbluten oder Zahnfleischbluten ohne erkennbaren Grund.
- Wenn Sie ohne Grund große Blutergüsse bekommen.
- Bei starken oder ungewöhnlich langen Monatsblutungen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich über anhaltende Blutergüsse oder eine erhöhte Blutungsneigung sorgen, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Hausarztpraxis.
- Wenn bei Ihnen bereits eine ITP diagnostiziert wurde, sollten Sie regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Blutuntersuchung gestellt. Dabei wird die Anzahl der Blutplättchen gemessen. Bei ITP ist diese Zahl deutlich erniedrigt. Der Arzt wird auch andere Ursachen für die niedrige Plättchenzahl ausschließen, z. B. Infektionen oder Medikamente.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild: Misst die Anzahl aller Blutzellen, besonders der Blutplättchen.
- Blutausstrich: Der Arzt betrachtet die Blutplättchen unter dem Mikroskop.
- Bestimmung von Antikörpern gegen Blutplättchen (Thrombozytenantikörper).
- Tests auf Virusinfektionen (z. B. HIV, Hepatitis C) bei bestimmten Risikogruppen.
- In seltenen Fällen eine Knochenmarkpunktion, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist meist schnell und unkompliziert. Nach der Blutentnahme erhalten Sie die Ergebnisse in der Regel innerhalb weniger Tage. Ihr Arzt wird die Befunde mit Ihnen besprechen und einen Behandlungsplan erstellen. Falls nötig, wird er Sie an einen Facharzt für Hämatologie (Blutkrankheiten) überweisen.
Behandlung
Die Behandlung der ITP richtet sich nach der Schwere der Blutungen, der Höhe der Blutplättchenzahl und Ihren persönlichen Bedürfnissen. Nicht jeder Patient benötigt sofort eine Therapie. Ziel ist es, das Blutungsrisiko zu senken und die Lebensqualität zu erhalten. In Deutschland orientieren sich Ärzte an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie Sportarten oder Aktivitäten mit erhöhtem Verletzungsrisiko (z. B. Kampfsport, Skifahren) während einer niedrigen Plättchenzahl.
- Nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Rücksprache ein, besonders solche, die die Blutgerinnung beeinflussen (z. B. Aspirin, Ibuprofen).
- Pflegen Sie Ihre Zähne mit einer weichen Zahnbürste, um Zahnfleischbluten zu vermeiden.
- Achten Sie auf Anzeichen von Blutungen und suchen Sie bei Bedarf frühzeitig ärztlichen Rat.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst verschiedene Ansätze: Kortisonpräparate (Glukokortikoide) werden häufig als erste Wahl eingesetzt. Wenn diese nicht ausreichen, können andere Immunsuppressiva oder Arzneimittel, die die Bildung neuer Blutplättchen anregen, zum Einsatz kommen. In manchen Fällen wird auch eine Immuntherapie mit Antikörpern durchgeführt. Die Auswahl des Medikaments erfolgt individuell durch den behandelnden Arzt. Bei Kindern ist oft eine abwartende Haltung möglich, da die Erkrankung häufig von selbst ausheilt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die operative Entfernung der Milz (Splenektomie) war früher eine häufige Behandlung. Heute wird sie seltener durchgeführt, da es wirksamere Medikamente gibt. Sie kommt nur in Betracht, wenn alle anderen Therapien nicht ausreichen und schwerwiegende Blutungen auftreten. Vor der Operation werden Sie sorgfältig geimpft, weil die Milz eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit ITP leben ganz normal, wenn die Erkrankung gut eingestellt ist. Sie müssen jedoch vorsichtiger mit Verletzungen umgehen. Ein Medikamentenplan und regelmäßige Arztbesuche helfen, die Erkrankung im Griff zu behalten. Bei einem gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung ist die Prognose gut.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, da dieser die Blutgerinnung stören kann.
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und welche Impfungen (z. B. Grippeimpfung) für Sie sicher sind.
- Planen Sie Reisen sorgfältig – informieren Sie sich über medizinische Versorgung am Zielort und führen Sie einen Notfallausweis mit Ihrer Diagnose mit.
- Informieren Sie andere Behandler (Zahnarzt, Chirurg) immer über Ihre ITP.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist bei ITP nicht notwendig. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Bewegung ist erlaubt, aber wählen Sie Sportarten mit geringem Verletzungsrisiko wie Schwimmen, Radfahren (mit Helm) oder Gymnastik. Vermeiden Sie Sport mit Körperkontakt oder Sturzgefahr, wenn Ihre Plättchenzahl niedrig ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie ITP kann Ängste auslösen, besonders wegen möglicher Blutungen oder der Unsicherheit über den Krankheitsverlauf. Es ist normal, sich manchmal Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle, wenn Sie sich belastet fühlen. Viele Menschen empfinden es als hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
Vorbeugung
Eine zuverlässige Vorbeugung gegen ITP gibt es nicht, da die genauen Auslöser oft unbekannt sind. Ein gesunder Lebensstil kann das Immunsystem unterstützen, aber eine direkte Prävention ist nicht möglich.
Impfungen
Impfen lassen gegen bestimmte Virusinfektionen (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Grippe) kann möglicherweise das Risiko einer akuten ITP nach Infektion senken. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie geeignet sind. Bei bereits bestehender ITP kann die Impfung unter bestimmten Umständen empfohlen werden, jedoch nicht mit Lebendimpfstoffen, wenn Sie immunsuppressive Medikamente einnehmen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf ITP. Bei Blutungsneigung oder auffälligen Blutergüssen sollte aber immer ein Arzt aufgesucht werden. Ein einfaches Blutbild kann die Erkrankung erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei sehr niedrigen Blutplättchenzahlen steigt das Risiko für innere Blutungen, insbesondere im Gehirn (Hirnblutung), was lebensbedrohlich sein kann.
- Anhaltende Blutungen können zu Blutarmut (Anämie) führen.
- Schwere Blutungen nach Verletzungen oder Operationen sind ohne Behandlung wahrscheinlicher.
Langzeitprognose
Die Prognose der ITP ist insgesamt gut. Bei Kindern heilt die akute Form in der Mehrzahl der Fälle von selbst aus. Bei Erwachsenen kann die chronische Form behandelt werden und die meisten Patienten erreichen eine stabile Situation mit ausreichend Blutplättchen, sodass Blutungen selten sind. Moderne Therapien haben die Lebensqualität deutlich verbessert. Mit regelmäßiger ärztlicher Kontrolle ist ein normales Leben gut möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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