Leben mit Nebenwirkungen der Immuntherapie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Immuntherapie ist eine Behandlung, die das körpereigene Immunsystem aktiviert, um Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen. Weil das Immunsystem dabei sehr stark arbeiten kann, kann es manchmal auch gesundes Gewebe angreifen. Diese Reaktionen nennt man Nebenwirkungen. Sie können leicht, mittel oder schwer sein. Viele lassen sich gut behandeln.
Wichtige Fakten
- Nicht jeder bekommt Nebenwirkungen – und nicht jede Nebenwirkung ist gefährlich.
- Viele Nebenwirkungen verschwinden nach Ende der Behandlung wieder.
- Je früher Nebenwirkungen gemeldet werden, desto besser sind sie meist behandelbar.
Nebenwirkungen treten bei Immuntherapien häufig auf, aber nicht bei allen Menschen. Die Häufigkeit hängt von der Art der Immuntherapie und der Grunderkrankung ab.
Betroffen sind Menschen, die wegen Krebs oder anderen Erkrankungen mit einer Immuntherapie behandelt werden. Nebenwirkungen können jeden treffen – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Manche Menschen haben mehr, manche gar keine.
Symptome
- Starke Atemnot oder Atemnot in Ruhe
- Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Schwere allergische Reaktion, zum Beispiel Anschwellen von Lippen, Gesicht oder Hals
- Krampfanfall
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Plötzliche starke Verwirrtheit
- ⚠Fieber über 38 °C
- ⚠Anhaltender Durchfall oder starke Bauchschmerzen
- ⚠Blut im Stuhl oder Urin
- ⚠Schwere Hautreaktion oder Blasenbildung
- ⚠Anhaltender Husten, der nicht weggeht
- ⚠Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Hautreaktionen wie Ausschlag, Rötung, Juckreiz oder trockene Haut
- Durchfall oder Übelkeit
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen
- Gelenk- oder Muskelschmerzen
- Kurzatmigkeit oder Husten
- Kopfschmerzen, Schwindel oder Benommenheit
Ursachen
Hauptursachen
- Immuntherapien aktivieren das Immunsystem, damit es Krankheitszellen bekämpft. Dabei kann das Immunsystem auch gesunde Zellen angreifen.
- Manche Nebenwirkungen entstehen durch die Freisetzung von Botenstoffen im Körper.
- Auch die Reaktion des Körpers auf die absterbenden Krankheitszellen kann Beschwerden auslösen.
Risikofaktoren
- Art und Kombination der Immuntherapie
- Vorbestehende Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen
- Vorgeschädigte Organe, zum Beispiel Nieren-, Leber- oder Lungenerkrankungen
- Gleichzeitige andere Medikamente
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber, Schüttelfrost oder Anzeichen einer Infektion
- Blut im Stuhl oder Urin, schwerer Durchfall
- Neue oder stärker werdende Atemnot
- Plötzliche Seh-, Sprach- oder Bewegungsprobleme
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich insgesamt unwohl fühlen oder neue Beschwerden auftreten
- Wenn Nebenwirkungen den Alltag beeinträchtigen
- Vor jeder nächsten Immuntherapie-Gabe, um über Beschwerden zu sprechen
Diagnose
Um Nebenwirkungen einzuordnen, befragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie genau zu Ihren Symptomen und untersucht Sie. Sie orientieren sich dabei an Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Wichtig ist, dass Sie alle Beschwerden offen ansprechen – auch wenn sie unangenehm sind.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel Blutbild, Leber- und Nierenwerte
- Kontrollen der Schilddrüsenwerte
- Urinuntersuchung
- Bei Beschwerden: Röntgen, Ultraschall oder Computertomographie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst klären, ob die Beschwerden durch die Immuntherapie oder durch etwas anderes ausgelöst werden. Möglicherweise wird die Behandlung pausiert oder angepasst, bis die Nebenwirkung abgeklungen ist. Sie erhalten dann Empfehlungen, was Sie selbst tun können.
Behandlung
Die Behandlung von Nebenwirkungen richtet sich danach, welche Organe betroffen sind und wie stark die Beschwerden sind. Ziel ist, die Beschwerden zu lindern, ohne die Wirkung der Immuntherapie unnötig zu schwächen. Bei schweren Nebenwirkungen wird die Immuntherapie oft vorübergehend unterbrochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, zum Beispiel stilles Wasser oder ungesüßten Tee, um den Flüssigkeitsverlust bei Durchfall oder Fieber auszugleichen.
- Bei Hautreaktionen milde, parfümfreie Pflegeprodukte verwenden und die Haut nicht längere Zeit der prallen Sonne aussetzen.
- Bei Müdigkeit Pausen einplanen, aber auch kurze Spaziergänge machen, um in Bewegung zu bleiben.
- Auf ausreichend Ruhe achten und schwere körperliche Anstrengung vermeiden.
- Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen, wenn der Appetit fehlt.
Medizinische Behandlungen
Wenn die Nebenwirkungen stärker sind, können Ärztinnen und Ärzte Medikamente einsetzen, die das Immunsystem wieder bremsen – sogenannte Immunsuppressiva. Gegen Übelkeit, Durchfall oder Schmerzen gibt es unterstützende Medikamente, die die Beschwerden lindern. Welche Therapie im Einzelnen infrage kommt, hängt von der Art und Schwere der Nebenwirkung ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn eine schwere Darmentzündung Komplikationen verursacht. Meist lassen sich Nebenwirkungen mit Medikamenten und dem zeitweiligen Aussetzen der Immuntherapie behandeln.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Nebenwirkungen der Immuntherapie erfordert Geduld. Hören Sie auf Ihren Körper und passen Sie Ihre Tagesgestaltung an. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig Kontakt zu Ihrem Behandlungsteam halten und Veränderungen zeitnah melden. Viele Menschen führen ein Symptom-Tagebuch, um den Verlauf besser zu verstehen.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und legen Sie bei Bedarf kurze Ruhepausen ein.
- Suchen Sie sich angenehme Ablenkung, zum Beispiel Musik, Lesen oder Gespräche mit lieben Menschen.
- Verzichten Sie auf unnötigen Stress und planen Sie Zeitfenster für Erholung ein.
- Meiden Sie engen Kontakt zu Personen mit ansteckenden Infektionen, wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene, verträgliche Ernährung und trinken Sie ausreichend. Wenn Sie unter Übelkeit oder Durchfall leiden, helfen bekömmliche Speisen wie Salzstangen, Zwieback, Bananen oder Reis. Körperliche Aktivität ist erlaubt und meist sogar hilfreich, solange Sie sich nicht überanstrengen. Ein ruhiger Spaziergang an der frischen Luft tut vielen gut. Besprechen Sie größere sportliche Belastungen vorher mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Immuntherapie kann emotional belastend sein – die eigene Krankheit, die Therapie und die Nebenwirkungen fordern viel Kraft. Sorgen, Angst und Niedergeschlagenheit sind normal. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit der Situation besser zurechtzukommen. Auch der Austausch mit Familienangehörigen oder Freunden entlastet oft. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Nicht alle Nebenwirkungen lassen sich vollständig verhindern. Aber regelmäßige Kontrollen und ein offenes Gespräch über neue Beschwerden helfen, Nebenwirkungen früh zu erkennen und wirksam zu behandeln. Dadurch lassen sich schwere Verläufe meist vermeiden.
Impfungen
Impfungen während einer Immuntherapie sollten nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam erfolgen. Manche Impfstoffe sind während der Behandlung nicht geeignet.
Früherkennungsprogramme
Vor und während der Immuntherapie werden regelmäßige Blut- und Funktionstests durchgeführt, um Organe wie Leber, Nieren und Lunge zu überwachen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte schwere Entzündungen von Organen wie Darm, Lunge, Leber oder Herz können lebensbedrohlich werden.
- Schwere Nebenwirkungen können dazu führen, dass die Immuntherapie abgebrochen werden muss.
- In sehr seltenen Fällen kann eine starke Immunreaktion mehrere Organe gleichzeitig betreffen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Die meisten Nebenwirkungen der Immuntherapie klingen wieder ab, wenn sie erkannt und behandelt werden. Viele Menschen erleben während der Behandlung eine gute Lebensqualität. Auch wenn nicht alle Nebenwirkungen vermeidbar sind, können Ärztinnen und Ärzte in Deutschland auf viele wirksame Behandlungen zurückgreifen. Ihr Behandlungsteam unterstützt Sie dabei, den für Sie besten Weg zu finden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Krebsinformationsdienst ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.