Irritable bowel syndrome mixed type
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine funktionelle Störung des Darms. Das bedeutet: Der Darm arbeitet nicht richtig, obwohl medizinische Untersuchungen keine körperliche Schädigung zeigen. Bei der gemischten Form (RDS-M) wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab – manchmal sogar innerhalb eines Tages.
Wichtige Fakten
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, eine gestörte Darmbewegung und Überempfindlichkeit spielen eine Rolle.
- Die Beschwerden können durch Stress, bestimmte Nahrungsmittel oder hormonelle Schwankungen ausgelöst werden.
- RDS ist eine chronische Erkrankung, aber sie ist nicht gefährlich und verkürzt die Lebenserwartung nicht.
Ja, das Reizdarmsyndrom ist sehr häufig. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 von 100 Menschen darunter, viele ohne es zu wissen.
RDS kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten aber bei jungen Erwachsenen und Frauen. Die gemischte Form ist eine von drei Unterarten.
Symptome
- Starke, plötzliche Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Fieber über 39°C zusammen mit Bauchschmerzen
- ⚠Anhaltender Durchfall, der zu Austrocknung führt (z. B. wenig Urin, starke Müdigkeit)
- ⚠Ungewollter Gewichtsverlust in den letzten Wochen
- ⚠Starke Schmerzen, die Sie nachts aufwecken
Häufige Symptome
- Bauchschmerzen oder Krämpfe, die nach dem Stuhlgang oft nachlassen
- Durchfall und Verstopfung im Wechsel (manchmal auch als „Gurgeln“ oder „Rumpeln“ im Bauch)
- Blähungen, Völlegefühl oder Druckgefühl im Bauch
- Veränderter Stuhlgang: häufiger oder seltener, mal dünnflüssig, mal fest
- Häufiger Stuhldrang, oft verbunden mit einem Gefühl der unvollständigen Entleerung
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen um den Bauchnabel herum, oft verbunden mit Übelkeit
- Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, manchmal mit Schleim im Stuhl
- Vermeiden von Mahlzeiten aus Angst vor Schmerzen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Symptome können schwächer sein oder mit anderen Erkrankungen wie Divertikulitis verwechselt werden
- Häufiger Stuhldrang oder ungewollter Stuhlabgang (Inkontinenz) kann vorkommen
- Achten Sie auf ungewollten Gewichtsverlust – das ist kein typisches RDS-Zeichen und sollte abgeklärt werden
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass eine gestörte Kommunikation zwischen Darm und Gehirn vorliegt (Darm-Hirn-Achse).
- Eine übermäßig empfindliche Darmwand – normale Reize werden als Schmerz wahrgenommen.
- Veränderte Darmbewegung: Manche Darmabschnitte arbeiten zu schnell, andere zu langsam.
- Nach einer schweren Magen-Darm-Infektion kann ein Reizdarmsyndrom entstehen (postinfektiöses RDS).
Risikofaktoren
- Stress, Ängste oder Depressionen
- Bestimmte Nahrungsmittel (z. B. FODMAP-reiche Lebensmittel, Fett, Koffein)
- Hormonelle Veränderungen (z. B. während der Menstruation)
- Genetische Veranlagung (tritt manchmal in Familien gehäuft auf)
- Störungen des Mikrobioms (Darmflora)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Blut im Stuhl, ungewollten Gewichtsverlust oder Fieber bemerken
- Wenn der Durchfall so stark ist, dass Sie sich schlapp oder benommen fühlen
- Wenn Sie nachts regelmäßig wegen Bauchschmerzen aufwachen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung länger als drei Monate andauern oder immer wiederkehren
- Wenn die Beschwerden Ihren Alltag beeinträchtigen (z. B. Angst vor dem Essen oder soziale Einschränkungen)
- Wenn Sie trotz Selbsthilfemaßnahmen keine Besserung spüren
Diagnose
Die Diagnose wird meist von einem Hausarzt oder einer Gastroenterologin (Fachärztin für Magen-Darm-Erkrankungen) gestellt. Sie basiert auf Ihren Beschwerden und dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Nach den aktuellen AWMF-Leitlinien sind bestimmte Kriterien (z. B. die Rom-IV-Kriterien) hilfreich.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (großes Blutbild, Entzündungsmarker, Zöliakie-Antikörper)
- Stuhluntersuchung (auf verstecktes Blut, Entzündungen oder Infektionen)
- Atemtest (z. B. auf Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption)
- Bauchultraschall oder Darmspiegelung (Koloskopie) – vor allem bei Alarmzeichen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Ihnen viele Fragen zu Ihren Symptomen, Essgewohnheiten und Stressfaktoren stellen. Es ist normal, dass manche Tests wiederholt werden. Lassen Sie sich Zeit, Ihre Beschwerden genau zu beschreiben. Eine genaue Diagnose hilft, die passende Behandlung zu finden.
Behandlung
Die Behandlung des Reizdarmsyndroms ist ganzheitlich. Sie umfasst Änderungen des Lebensstils, Ernährungsumstellung, Stressabbau und – falls nötig – Medikamente, die die Symptome lindern. Es gibt keine einzelne „Wunderpille“, aber viele Menschen finden mit einer Kombination aus verschiedenen Ansätzen Erleichterung.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um Auslöser zu erkennen (z. B. bestimmte Lebensmittel, Stress, Menstruation).
- Essen Sie regelmäßig kleine Mahlzeiten und nehmen Sie sich Zeit beim Essen.
- Trinken Sie ausreichend (1,5–2 Liter pro Tag, am besten Wasser oder ungesüßte Tees).
- Bewegung und Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Meditation helfen, den Darm zu beruhigen.
- Bei Verstopfung: Bewegung, Flüssigkeit und leichte Ballaststoffe (z. B. Flohsamenschalen) können helfen – bei Durchfall: meiden Sie stark blähende Speisen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Beschwerdebild verschreibt der Arzt Medikamente, die die Darmbewegung beeinflussen, die Schmerzwahrnehmung dämpfen oder die Darmflora unterstützen. Dazu gehören beispielsweise krampflösende Mittel, Präparate mit Ballaststoffen oder Arzneien gegen Durchfall. Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, kann sehr wirksam sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten – niemals ohne ärztliche Empfehlung Medikamente einnehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einem Reizdarmsyndrom nicht nötig. Wenn ein Arzt einen operativen Eingriff vorschlägt, liegt wahrscheinlich eine andere Grunderkrankung vor.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einem Reizdarmsyndrom erfordert manchmal etwas mehr Planung, aber es ist gut möglich, ein normales Leben zu führen. Viele Betroffene entwickeln ein gutes Gespür für ihren Körper und wissen, worauf sie achten müssen.
Tipps für den Alltag
- Stressmanagement ist entscheidend – suchen Sie regelmäßig Entspannung.
- Schlafen Sie ausreichend (7–8 Stunden pro Nacht).
- Bewegen Sie sich täglich (z. B. Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen).
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse) ist grundsätzlich empfehlenswert. Bei der gemischten Form kann eine sogenannte Low-FODMAP-Diät unter Anleitung einer Ernährungsfachkraft helfen, auslösende Kohlenhydrate vorübergehend zu meiden. Bewegung fördert die Darmtätigkeit und baut Stress ab – selbst leichte Aktivität wirkt positiv.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die ständigen Beschwerden können belastend sein. Viele Menschen mit RDS fühlen sich unsicher, ängstlich oder niedergeschlagen. Das ist völlig verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber – es gibt wirksame Unterstützung (z. B. Psychotherapie, Selbsthilfegruppen). Bei akuten Krisen – z. B. wenn Sie das Gefühl haben, nicht mehr weiterzukommen – rufen Sie die Telefonseelsorge an (kostenlos, 24/7).
Vorbeugung
Da die genauen Ursachen nicht bekannt sind, lässt sich ein Reizdarmsyndrom nicht sicher verhindern. Allerdings können Sie Ihr Risiko senken, indem Sie Stress reduzieren, sich ausgewogen ernähren und auf Ihren Darm achten (z. B. nach einer Magen-Darm-Infektion ausreichend schonen). Eine gesunde Lebensweise ist immer eine gute Vorbeugung.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Reizdarmsyndrom.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf RDS ist nicht empfohlen. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie jedoch einen Arzt aufsuchen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Symptome (Durchfall oder Verstopfung) können zu Nährstoffmangel oder Austrocknung führen.
- Starke Schmerzen oder ständiger Stuhldrang können zu Vermeidungsverhalten und sozialem Rückzug führen.
- Unbehandelt kann eine psychische Belastung entstehen (z. B. Angststörungen oder Depressionen).
- Es besteht keine Gefahr von Darmkrebs oder anderen schweren Erkrankungen, solange keine organischen Ursachen vorliegen.
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut: Die meisten Menschen mit Reizdarmsyndrom lernen mit ihren Symptomen umzugehen und haben eine normale Lebenserwartung. Mit der richtigen Kombination aus Ernährungsumstellung, Stressabbau und – falls nötig – medikamentöser Unterstützung bessern sich die Beschwerden oft deutlich. Bleiben Sie geduldig mit sich selbst und suchen Sie sich Begleitung.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Reizdarm-Selbsthilfe e.V. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.