Leukaemia
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes und des Knochenmarks. Dabei vermehren sich unreife oder krankhafte weiße Blutkörperchen unkontrolliert und verdrängen die gesunden Blutzellen. Das Knochenmark – das schwammartige Gewebe in den Knochen – kann dann nicht mehr genügend rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen herstellen.
Wichtige Fakten
- Man unterscheidet akute und chronische Formen sowie lymphatische und myeloische Leukämie.
- Die Krankheit verläuft unbehandelt meist fortschreitend, viele Formen sind jedoch gut behandelbar.
- Die Behandlung richtet sich nach der genauen Art der Leukämie und wird individuell geplant.
Leukämie ist eine seltene Krebserkrankung. In Deutschland erkranken jährlich etwa 13.000 Menschen neu an einer Leukämie. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, aber auch Kinder sind betroffen.
Leukämie kann in jedem Alter auftreten. Akute lymphatische Leukämie ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern. Chronische Leukämien treten vor allem bei Erwachsenen über 60 Jahren auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- Schlagartig auftretende heftige Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- Schwere Blutungen, die nicht aufhören
- Krampfanfälle
- ⚠Fieber über 38,5 °C, das nicht auf einfache Maßnahmen anspricht
- ⚠Starke Blutergüsse oder punktförmige Hautblutungen ohne erkennbaren Grund
- ⚠Anhaltende Müdigkeit oder Blässe über mehrere Tage
- ⚠Geschwollene Lymphknoten oder Druckgefühl im Bauch
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Blässe
- Fieber und Nachtschweiß
- Häufige oder lang anhaltende Infekte
- Neigung zu blauen Flecken oder Blutungen (z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten)
- Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund
- Geschwollene Lymphknoten (z.B. am Hals, in den Achselhöhlen oder in der Leiste)
- Knochenschmerzen und Gelenkschmerzen
- Vergrößerte Milz oder Leber (oft nur ärztlich tastbar)
Symptome bei Kindern
- Blässe und Müdigkeit
- Fieber ohne ersichtlichen Grund
- Blutergüsse oder punktförmige Hautblutungen (Petechien)
- Knochenschmerzen, besonders in den Beinen
- Vergrößerte Lymphknoten
- Bauchschmerzen durch vergrößerte Milz
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Allgemeine Schwäche und Leistungsminderung
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Häufige Infekte
- Anhaltende Blutungsneigung (z.B. Zahnfleischbluten, Blut im Urin oder Stuhl)
- Nachtschweiß und Fieberschübe
- Druckgefühl im Oberbauch durch vergrößerte Milz
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache der Leukämie ist in den meisten Fällen nicht bekannt.
- Die Erkrankung entsteht durch Veränderungen (Mutationen) im Erbgut der blutbildenden Zellen.
- Diese Mutationen führen dazu, dass bestimmte weiße Blutkörperchen unkontrolliert wachsen und nicht mehr richtig funktionieren.
Risikofaktoren
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter.
- Bestimmte genetische Erkrankungen (z.B. Down-Syndrom).
- Radioaktive Strahlung oder hohe Strahlenbelastung (z.B. durch frühere Strahlentherapie).
- Chemikalien wie Benzol (z.B. in der chemischen Industrie).
- Rauchen (vor allem bei akuter myeloischer Leukämie).
- Vorherige Chemotherapie oder Strahlentherapie wegen einer anderen Krebserkrankung.
- Seltene erbliche Veranlagungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Atemnot, Bewusstlosigkeit oder massiven Blutungen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei hohem Fieber über 38,5 °C ohne erkennbare Ursache und gleichzeitiger Schwäche.
- Bei starken Blutergüssen oder kleinen roten Punkten auf der Haut (Petechien).
- Bei unerklärlichen und starken Knochenschmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn über mehrere Wochen Müdigkeit, Blässe oder häufige Infekte auftreten, ohne dass eine Besserung eintritt.
- Bei ungewolltem Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder geschwollenen Lymphknoten.
- Wenn Sie Symptome bemerken, die Sie beunruhigen, auch wenn sie milder sind.
Diagnose
Der erste Schritt ist immer ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Danach folgen Blutuntersuchungen und bei Verdacht eine Knochenmarkpunktion. Die genaue Diagnose wird anhand von Zelluntersuchungen und genetischen Tests gestellt.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild mit Differenzialblutbild: Zeigt die Anzahl und Form der Blutzellen.
- Blutausstrich: Untersucht die Zellen unter dem Mikroskop auf krankhafte Veränderungen.
- Knochenmarkpunktion: Entnahme einer kleinen Probe aus dem Beckenknochen, um die blutbildenden Zellen direkt zu beurteilen.
- Zytogenetik und Molekulargenetik: Suchen nach bestimmten Chromosomenveränderungen und Genmutationen, die für die Diagnose und Therapie wichtig sind.
- Bildgebung (z.B. Ultraschall, CT): Zur Beurteilung von Milz, Leber und Lymphknoten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird meist im Krankenhaus gestellt, oft in speziellen hämatologischen Abteilungen. Die Untersuchungen dauern einige Tage bis zur endgültigen Klärung. Sie werden von einem Team aus Ärzten und Pflegekräften begleitet. Die Ergebnisse bestimmen den genauen Leukämietyp und die bestmögliche Behandlung, die nach den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erfolgt.
Behandlung
Die Behandlung einer Leukämie ist sehr individuell und hängt von der genauen Art, dem Stadium, Ihrem Alter und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Ziel ist es, die krankhaften Zellen zu zerstören und eine erneute Blutbildung mit gesunden Zellen zu ermöglichen. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren und wird von einem erfahrenen Ärzteteam geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ausreichende Ruhe und Schlaf, um Ihrem Körper die nötige Erholung zu geben.
- Vermeiden Sie Kontakt mit Personen mit ansteckenden Erkrankungen, da Ihr Immunsystem geschwächt ist.
- Halten Sie eine gute Mundhygiene ein, um Infektionen vorzubeugen.
- Besprechen Sie alle Maßnahmen zur Krankheitsbewältigung (z.B. Entspannungstechniken, leichte Bewegung) mit Ihrem Arzt.
- Nehmen Sie alle verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein – jedoch ohne Eigeninitiative.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst in der Regel eine Chemotherapie, bei der Medikamente die Krebszellen abtöten. Bei einigen Leukämiearten kommen zielgerichtete Wirkstoffe (Tyrosinkinasehemmer) oder Immuntherapien (z.B. Antikörper) zum Einsatz. Eine Strahlentherapie kann bei bestimmten Formen oder bei Befall des zentralen Nervensystems notwendig sein. In vielen Fällen wird eine Stammzelltransplantation (Knochenmarktransplantation) durchgeführt, um das Knochenmark durch gesunde Spenderzellen zu ersetzen. Die genaue Kombination der Verfahren wird nach den aktuellen AWMF-Leitlinien festgelegt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Leukämie in der Regel nicht nötig. In seltenen Fällen kann sie erforderlich sein, um Komplikationen zu behandeln – zum Beispiel bei einer Milzvergrößerung, die lebensbedrohliche Blutungen oder Infarkte verursacht.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit Leukämie erfordert eine gute Anpassung an die Therapiephasen und deren Nebenwirkungen. Viele Patienten führen während der Behandlung ein eingeschränktes, aber erfülltes Leben. Regelmäßige Arztbesuche und Blutkontrollen sind wichtig, um den Verlauf zu überwachen. Nach Abschluss der Behandlung beginnt die Nachsorge, die lebenslang andauern kann.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie ausreichend Pausen und Erholungszeiten ein.
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Yoga oder Spaziergänge.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Bleiben Sie in Kontakt mit Familie und Freunden – soziale Unterstützung tut gut.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle begleitenden Beschwerden – es gibt oft Hilfe.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt den Körper während der Behandlung. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Krafttraining kann helfen, Kraft aufzubauen und die Stimmung zu heben. Besprechen Sie Ihre Bewegungsmöglichkeiten immer mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Leukämieerkrankung kann Ängste, Traurigkeit und Zukunftsängste auslösen. Psychische Belastungen sind normal. Suchen Sie sich Unterstützung – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Auch Selbsthilfegruppen können helfen, sich auszutauschen und Mut zu schöpfen. Bei akuten psychischen Krisen wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt oder rufen Sie die Telefonseelsorge an (kostenlos: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
Vorbeugung
Die meisten Leukämieerkrankungen können nicht verhindert werden, da sie auf zufälligen genetischen Veränderungen beruhen. Sie können jedoch Ihr persönliches Risiko senken, indem Sie Rauchen vermeiden, sich vor übermäßiger Strahlenbelastung schützen (z.B. bei beruflicher Exposition) und den Kontakt mit schädlichen Chemikalien (wie Benzol) meiden. Eine gesunde Lebensweise stärkt das Immunsystem, kann aber eine Leukämie nicht sicher verhindern.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Leukämie. Allerdings wird empfohlen, den Impfschutz gegen grippale Infekte und Lungenentzündung (Pneumokokken) aufzufrischen, insbesondere während der Behandlung, da das Immunsystem geschwächt ist. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Für die Allgemeinbevölkerung gibt es kein standardmäßiges Früherkennungsprogramm auf Leukämie. Bei Menschen mit bekannten Risikofaktoren (z.B. genetisch bedingten Erkrankungen) oder nach bestimmten Therapien (z.B. Chemotherapie) können regelmäßige Blutuntersuchungen sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Verdrängung gesunder Blutzellen führt zu schwerer Blutarmut (Anämie), Infektanfälligkeit und Blutungsneigung.
- Lebensbedrohliche Infektionen (Sepsis).
- Blutungen in Organe (z.B. Gehirn, Lunge).
- Tumorlysesyndrom: Zerfall von Tumorzellen kann Nierenversagen auslösen.
- Beeinträchtigung von Milz, Leber und Lymphknoten.
- Unbehandelt führt die Leukämie letztlich zum Tod.
Langzeitprognose
Die Prognose bei Leukämie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Viele Patienten – besonders Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie – können heute geheilt werden. Auch bei chronischen Formen ermöglichen moderne Therapien oft ein langes Leben mit guter Lebensqualität. Der Verlauf ist sehr individuell, und Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen die für Ihre Situation beste Einschätzung geben. Lassen Sie sich von der Diagnose nicht entmutigen – es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten und viel Unterstützung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.